LaReunion - war schon jemand dort?

Schönen Urlaub! Jegliche Form der Rückmeldung würde mich sehr freuen und die eigene Planung ggf deutlich vereinfachen. :P
Grüße
Dennis
 
Hallo Tiroler, hab den Thread erst jetzt entdeckt.

Ich war zweimal auf La Reunion, das erstemal sogar auch zum Biken, das zweitemal (heuer 2013) dann nur noch zum Bergwandern.
Daraus mag man schon ersehen, wie ich die Lage einschätze.

Die Insel ist landschaftlich der Hammer, aber Biken ist auf La Reunion nicht unbedingt erste Wahl, wenngleich man es an manchen Stellen durchaus ganz gut machen kann.
Das Inselinnere mit seinen 3 Cirques ist extrem schweres bis unmögliches Biketerrain.
* Der Cirque de Mafate, der ursprünglichste von allen drei Vulkankesseln, ist bis heute von keinerlei befahrbaren Straße erschlossen. Die Bewohner erreichen ihr Zuhause nur zu Fuß und werden teilweise über Hubschrauber versorgt. Mountainbikes sind in dieser Umgebung a) verboten (Nationalpark) und b) völlig überflüssig. Die Wanderwege sind teilweise extrem ausgesetzt, Witterung und Erosion unterworfen, durch extreme Höhenunterschiede gekennzeichnet usw. Man ist da besser zu Fuß unterwegs, so wie wir das heuer in einer insgesamt 14-tägigen Inseldurchquerung im Trekkingstil gemacht haben. (am Ende der 14 Tage hatte ich aber auch vom Bergwandern ziemlich die Schnauze voll). Nationalsport der Einheimischen ist Trailrunning. Wenn dir das Spaß macht: dann nix wie hin. Im Herbst findet immer der "Grand Raid" statt, auch genannt die "Diagonal des Fous" (Die Durchquerung der Verrückten), wobei die komplette Insel auf gut 130 km und um die 10000 Höhenmeter am Stück durchrannt wird. Die schnellsten schaffen das in weniger als 20 Stunden, die langsamsten wünschen sich nach 3 Tagen eigentlich nur noch den Gnadenschuß. (Ich hab in diese Gesichter geblickt.)
* Den Cirque de Salazie erschließt von Norden her eine einzige Straße, die sich in höherer Lage teilt. Abseits dieses Teerbands ist dann schnell vorbei mit lustig, da der Regenwald seine feuchten Lianen nach dir auswirft. Auch hier ist die Sinnhaftigkeit eines Bikes recht schnell beantwortet.
* Bleibt noch der Cirque de Cilaos, der durch eine durch unzählige Kurven charakterisierte Zufahrtsstraße von Süden her erreicht werden kann. Von der Ortschaft Cilaos, das quasi auf einem zerfurchten Plateau thront, kann man verschiedene Biketouren unternehmen, wobei das Verlassen des Plateaus möglichst vermieden wird. Rund um Cilaos ist Biken eine Option, mehr aber auch nicht. Ein sehr viel stärkeres Outdoorerlebnis wird dir hier Canyoning bescheren, denn es gibt rund drei Dutzend feucht-fröhliche Kletterschluchten, in denen das Adrenalin in den Hautporen Maloya tanzt (Maloya ist der inseltypische Musikstil). Ohne Bergführer würd ich aber die Finger davon lassen, denn für einen Ortsfremden stehen die Chancen nicht schlecht, dass er zu seiner letzten Tour aufbricht.

Nun sorgt aber seit einigen Jahren die Megavalanche auf Reunion für Aufmerksamkeit in den einschlägigen Medien, so auch in diesem Forum. Was hat es denn damit auf sich?
Nun, ich will hier nicht in unpassende Kulturimperialismuskritik verfallen, aber das Renn-Event gehört in etwa so sehr zu Reunion wie Blauschimmel zum Tiroler Graukas. Das Rennformat ist, wie vieles auf der Insel, von einer aus Festlandsfranzosen bestehenden Eventagentur importiert, wobei die auch gleichzeitig die Teilnehmer und die versammelten Pressemutliplikatoren aus Europa importieren. Dann machen sich alle ein schickes Wochenende, Feiern mit viel Dodo-Bier und freuen sich, dass sie zum Clan gehören. Und im Hintergrund, so steht zu vermuten, schöpft die clevere Agentur wahrscheinlich irgendwelche gut gefüllten Tourismusförderprojektmitteltöpfe aus Paris ab und die einheimische Bevölkerung hat nicht das Geringste davon.

Die Megavalanche als Rennen wird im Inselwesten vom Maido, einem Berg in über 2000 Meter Höhe über dem Meer gestartet und die Stecke führt quasi bis zum Meer. GPS-Tracks finden sich im Netz, aber manches führt über Privatgrund. Hier wirst du auch eine der wirklich wenigen Stellen finden, wo Biken in touristischen Bahnen möglich ist. Ein, zwei Shuttle-Anbieter, die für Preise um die 70-80 Euro ihre Teilnehmer auf der immer gleichen Straße bergwärts karren, von wo sie dann oben auf die zumeist geliehenen Freeridebikes steigen und auf verschlungenen Wegen zu Tal düsen. Oft werden diese Ausflüge von einem lokalen Guide begleitet, denn manch ungeübter Urlauber schafft es, verloren zu gehen. Wenn du fit bist, machst du das zweimal, maximal dreimal, dann verlierst du die Lust.

Wenn es dir gelingt, im Süden der Insel ein Bike zu leihen, dann ist auch die Hochebene des Piton de la Fournaise eine Option für eine Biketour. Rauf in den Kraterkessel des noch heute aktiven Vulkans kommt man mit dem Auto. Oben macht man dann eine Runde in der bizzaren Lavalandschaft. Abseits der markierten Wege ist aber auch hier off-limits, da a) Nationalpark und b) gefährlich. Wenn man im Refuge du Volcan übernachtet, kann man den Ausflug auf zwei Tage ausdehnen und noch eine Gipfelbesteigung zu Fuß dranhängen.
Wenn die Reisekasse es zuläßt, empfehle ich dringend einen Hubschrauber-Rundflug. Der Pilot lotet gerne die Grenzen seiner Fluggäste aus. Noch nie in meinem Leben bin ich einem brodelnden Magmatopf von oben so nahe gekommen und der Gedanke an gegrillte Sardinen begleitete mich noch Tage im unruhigen Schlaf. Auch das abrupte Fallenlassen des Propellerfluggeräts in einen Regenwald-Wasserfallzylinder mit gleichzeitiger Schräglegung der Maschine wird jedem das Mischgefühl aus James Bond 007-Action gepaart mit leibhaftigem Imax-Kino-Feeling verleihen.
Du siehst, man muss nicht Biken, um Spaß zu haben.

Aber, das MTB-Kapitel war auf La Reunion nicht immer so ein trauriges!
Wie das? Eine andere französische Festlands-Institution, die FFC (Federacion Francais de Cyclisme), also der Französische Radfahrerverband, hat es verstanden noch vor der Jahrtausendwende viel Geld für ein Tourismusprojekt locker zu machen, mit dem dem Inseltourismus "blühende Landschaften" versprochen wurden. In der Folge wurden über die Insel verstreut etwa 10 Bikezentren erschaffen, alle mit beschilderten und markierten Wegen, einer zentralen Anlaufstelle und der nötigen Infrastruktur für Biker.

Dazu muss man verstehen: In Frankreich hat die FFC quasi das Monopol, Bikestrecken und -zentren zu "qualifizieren", sprich: als solche auszuweisen. Unsere Nachbarn haben das schöne Wort "labellisieren" dafür, was soviel heißen will, wie: ein Label verpassen. Nur wer das FFC-Label hat, ist eine offiziel anerkannte Bike-Station und nur ein von der FFC ausgezeichnetes "centre vtt" gelangt in den Genuß von Marketing, Werbung und gerät in den Focus des Urlauber-Interesses. Selbstredend kostet dieses Label die touristischen Regionen einiges (und irgendwie erinnert es einen stark daran, wie die österreichische Bike Holdiday Gruppe ihre Mitgliedsbetriebe zertifiziert).

Die FFC garantiert ein Qualitätsniveau, prüft dies und fordert vom Zertifikatserweber nicht nur Geld, sondern auch die Erfüllung der strengen Auflagen. Das führt in der Regel dazu, dass man in französischen Bikezentren gute Strecken und eine gute Infrastruktur vorfindet. Aber leider nicht immer: denn manche Regionen können oder wollen sich die teure Zugehörigkeit nicht länger leisten, wenn die erhofften Bikerströme ausbleiben, erfüllen die Umsetzung der Auflagen mehr schlecht als recht und fallen wieder aus dem Raster. Sie sind dann fortan kein offizielles Centre Vtt mehr, aber was bleibt, ist die aufgestellte Beschilderung, um die sich in den Folgejahren dann keiner mehr kümmert.
Und genau das kann man auf La Reunion nun studieren. Immer wieder stößt man auf VTT-Wegweiser aus dieser Zeit, aber sie stehen meist so lückenhaft herum, dass man nur mit viel Glück wieder aus den Ausgangspunkt zurückfindet, sollte man es wagen, diesen Hinweisschildern zu folgen.
Wenn es dich interessiert: unten habe ich noch einige dieser Tourenkärtchen dieser Centres auf Reunion angehängt. Ich hab noch die Originalbroschüre aus dieser Zeit und könnte sie scannen, wenngleich ich bezweifle, dass die Strecken dann auch in der Realität so gefunden werden können, da doch vieles sehr schnell zuwächst.

Also, um diesem geschwätzigen Beitrag mal ein Ende zu bereiten: Ich empfehle ein mehrtägiges Trekking und eine Anschlußwoche mit Strand, Mietwagenausflügen und einzelnen Fahrrad-Tagestouren (sollte ein Bikeverleiher in der Nähe sein). Sollte Wassersport eine Option sein, dann "attention": die Haifische waren heuer besonders aggressiv und haben mindestens 5 Tote auf dem Gewissen. Wo die Küstenlinie nicht durch ein Riff geschützt ist, erschwert schon die Brandung, überhaupt ins Wasser zu kommen. Und dann kann man noch dem Esssport frönen. Ob teuer oder preiswert: futtern kann man ziemlich gut auf La Reunion.
 
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Servus!
Warst du dort? Wie war es? Würde mich mächtig für's nächste Jahr interessieren!



Ich muss leider gestehen nichts sinnvolles beitragen zu können. Ich habe mich hauptsächlich mit dem Auto rumgetrieben um zu wandern. Das was ich da gesehen habe war für mich grossteils nichts zu biken. Entweder zu weite Anfahrt ohne zu shutteln, oftmals zu verblockte oder ausgesetzte Wege. Ich habe mich jedoch nicht gezielt schlau gemacht was alles zu biken wäre, sondern einfach nur den Aufenthalt genossen.

Alles was ich an Literatur zum "radfahren" auf der Insel gefunden habe war
smile4.gif

http://austral-editions.com/index.p...-reunion-a-velo-55-circuits-decouverte-detail

Ich habe mal eine geführte Bike Gruppe gesehen, war aber nicht schnell genug um rauszubekommen was die da genau fahren. Sie sahen jedoch nicht downhillmäßig aus. Sind wohl auf den Berg geshuttelt worden da sie meiner Einschätzung nach zu wenig fit für uphill aussahen.

Vollbehelmte habe ich einige gesehen, ist ja aber auch bekannt dass es dafür Strecken gibt, interessiert mich jedoch nicht so.

Ehrlich gesagt würde ich am liebsten meinen Renner mitnehmen, dafür gibt es Einsatzgebiete ohne Ende. Auf der Strasse braucht man mit dem PKW eigentlich nur die ersten zwei Gänge um eine Schlucht nach der anderen abzuarbeiten. Entweder hat es enge Kehren, endlos Kurven oder es geht zünftig bergauf, siehe Bild:


Wer in die Berge will sollte am Besten lange vor Sonnenaufgang los. Ab 10:00 sitzt man an nicht wenigen Ecken der Insel in der Nebelsuppe, wandern kann man dann zwar trotzdem noch (wenn auch unter erschwerten Bedingungen auf den teils klitschigen und ausgesetzten Pfaden) aber die Aussicht ist dann eben gleich Null. Ich fand den "Rother" Führer dazu einigermaßen OK.

Es gäbe noch viel zu erzählen, jedoch nicht so viel für ein MTB Forum.
 
Servus!
Vielen Dank an beide! Beide Schilderungen decken sich mit meinen Inselerfahrungen. Ich werde deshalb - wie gehabt - meinen Schwerpunkt weiterhin auf Wandern lassen.
 
Danke für eure Einschätzung. Hatte mir wenn ich ehrlich bin dann doch vorgestellt, dass Reunion ein bisschen "bikefreundlicher" ist ;-)

Dann wohl doch mal ne andere Insel anpeilen...:)

Grüße
Dennis
 
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