blechfisch schrieb:
Gelesen hatte ich bei den Vertridern folgendes:
"Abschließend hat das Floodgate noch eine letzte Funktion: Bei geöffneter Druckstufe erhöht ein geschlossenes Floodgate die Progression gegen Ende der Federkennlinie etwas."
Äh,
hallo die Herrschaften, netter Thread. Ich hätte vielleicht schreiben sollen: "... gegen Ende der Federkennlinie leicht" anstatt "... etwas". Die Progression wird einfach auch durch das Strömungsdesign der Baueinheit erzeugt - sie ist bei geschlossenem Floodgate so designt, dass die Progression gegen Ende der Kennlinie leicht ansteigt. Es verkleinert sich u.a. das verbleibende Ölvolumen über dem Zugstufenkolben, dann sind weiters die Ölports an der Unterseite der MoCo Assy nicht gleich gross/symmetrisch, dann spielt natürlich der Ölpegel selbst eine Rolle und das Luftvolumen darüber. All dies spielt zusammen, dass sich die Progression da erhöht. Wichtig ist halt dass der PortTeil der MotionControl Assembly immer im Öl steht, sonst geht das Lockout gar nicht.
Aber vielleicht helfen die Bilder. Der Port der vom Lockout auf- und zu gemacht werden kann, ist der grösste. Siehe Bild.
Und er ist standardmässig zB im Ruhezustand bei einer
Pike mit PopLoc (bei der in der MotionControl Assy eine Feder eingebaut ist) immer offen.
Wenn der Druckstufenport unten an der roten MC Assy offen ist und das Floodgate zu, kann zwar Öl fliessen... Aber auch bei offener Druckstufe sind zwei von den drei möglichen Ölports bei Motioncontrol zu. Der Portdeckel selbst liegt im Ruhezustand bei geschlossenem Floodgate auf den zwei verbliebenen Ölports auf, und deckt diese ab. Siehe Bild. Da wo der Pfeil hinzeigt, liegt der Deckel praktisch auf dem schwarzen Plastikkörper auf. Die beiden Ports darunter sind zu, durch sie kann bei einem Einfedervorgang momentan kein Öl fliessen.
Zuerst fliesst also das Öl beim Einfedervorgang durch den Standard-Port. Dadurch wird an sich schon grössere Dämpfung erzeugt, als wenn zusätzlich das Floodgate offen wäre. (Natürlich hats am meisten Dämpfung wenn das Lockout zu, also der Port geschlossen ist = Lockout).
Wenn das Floodgate aber vom Fahrer auf maximal offen gestellt wird, hebt eine unter dem Ölportdeckel liegende geschlitzte Stange den Portdeckel ca. 0,5 mm hoch (siehe Pfeil), und gibt die verbleibenden zwei Ports, die unter dem Deckel liegen, frei. Es kann mehr Öl fliessen = weniger Dämpfung als bei "Floodgate zu". Siehe Bild.
Wenn man den unteren Teil einer MoCo Einheit zerlegt, schaut das dann so aus. Man sieht auch, dass durch die Feder bedingt, das Öl beim Ausfedern immer durch alle 3 Kanäle fliessen kann.
Wie eine Schraubenzieherspitze schaut das schwarze Teil ganz rechts im obigen Bild deshalb aus, weil es die Drehung von der geschlitzten Alu-Stange darunter mitgehen muss. Die Alu-Stange selbst hebt oder senkt die schwarze "Schraubenzieherspitze", die wiederum den Ölportdeckel hebt oder senkt.
Also: Wenn man das Floodgate auf oder zu macht, schiebt diese geschlitzte Alustange das schwarze Teil das darin locker verzahnt ist, vor (zurück gehts durch Federdruck), und somit wird der Ölportdeckel gehoben oder abgesenkt = zusätzliche zwei Kanäle offen oder zu...
Last but not least: Egal ob Floodgate offen oder zu .... wenn die rote Delrin MotionControl Assy (diese simuliert im Prinzip eine Feder die bei ca. 550 kg max. 3 mm zusammengedrückt wird) maximalen Druck bekommt, zB bei
- extrem schnellen Schlägen bei denen plötzlich viel Hub verarbeitet werden muss
- bei extrem hohem Druck (Fahrer fährt mit blockierter Gabel in Schlagloch)
- Fahrer fährt eine Steilstufe hinunter
gibt sie bis zu 3 mm nach. Der Ölportdeckel verharrt in seiner jeweiligen Position (die geschlitzte Alustange verkürzt sich ja nicht), die rote Feder weicht aus, alle Ports machen auf und noch mehr Öl kann fliessen = Gabel kann blitzartig einfedern.
Beim nächsten Ausfedern sind die Kanäle (bis auf den ersten Ölport und dessen jeweiligen Öffnungsgrad) wieder zu.
Um zu meinem Satz aus dem Test vom Anfang zu kommen. Wenn das Lockout offen ist, und das Floodgate zu, kann ich im Sitzen pedalierend eigentlich kein Wippen der Gabel bemerken, ein feiner Trick. Wenn ich das Floodgate aufmache, UND das Lockout, wippt sie dann schon leicht. Stehe ich hingegen auf, und pedaliere im Wiegetritt, mach ich halt das Lockout zu.
So, ich hoffe ich hab jetzt nicht alle verwirrt.
Christoph
PS: dem jungen Mann, dem dauernd seine Gabel durchschlägt empfehle ich den Gang zum Händler, da kann was nicht stimmen. 50kg und das Ding schlägt durch, sehr seltsam, oder der Meister hupft gerne Nose voraus 5 m ins Flat, da schlägt dann auch eine 888 mal sanft durch. Die Originalfeder in der
PIKE ("Medium") ist wenn ich mich recht entsinne für ein Fahrergewicht von 60-70 kg, die "Firm" für 70-85 kg. Die "XFirm" für 85 kg aufwärts, hab ich mal ausprobiert, aber da ist sie dann wirklich für mein Gewicht (75 kg) viel zu hart.
PS2: Gute Erklärung weiter oben im Thread, warum die Vertrider in Steilstufen das MotionControl/Floodgate gerne benützen (deshalb mag ich auch das PopLoc so gerne, weil man damit die Druckstufe blitzschnell zu- und abschalten kann), ich hätts nicht besser schreiben können. Es wäre noch zu bemerken, dass wir das natürlich nicht wegen nur einer Steilstufe ein oder abschalten (es sei denn diese ist 2 m hoch und die fehlerfreie absolvierung derselben würde eine Erstbefahrung dieser Stufe bedeuten), in der Regel macht man das wenn eine Steilstufensequenz über mehrere Höhenmeter zu absolvieren ist, oder zB auch am Nordpark Trail, wo manche Streckenabschnitte wirklich sausteil sind.