Rockymountix - von Mexiko nach Kanada

Zurück auf dem Highway lerne ich ein weiteres seltsames Gesetz kennen. In Wyoming darf man als Radfahrer nicht selbstständig eine Baustelle passieren. Statt dessen kommt irgendwann ein Pickup dahergedackelt und chauffiert einen fünfhundert Meter von einem Stoppschild zum nächsten. Sachen gibts?!

Die Diskussion hatte ich mal in der Nähe von Aspen. Der Truck war gerade Lunch holen und der Bauarbeiter ließ sich partout nicht erweichen die knapp 200m selbst schiebend passieren zu dürfen. Fußgänger durften allerdings. Begründet wurde das mit versicherungstechnischen Problemen und war tatsächlich "State Law".

Bei einem Rad-Unfall in einer deutschen Baustelle wird man von Bauarbeitern angeschrien, bekommt noch einen Arsch-Tritt und das Bike hinterhergeschmissen, in USA Land kann man wohl den Bundes-Staat auf ein paar Millionen verklagen, wenn man sich radfahrend in der Baustelle den Fingernagel einreißt...
 
Na die Alpen kann man auch schlecht mit den Rockys vergleichen. ;)
Erstens wachsen die Alpen noch und zweitens bist du ca. 40 Millionen Jahre zu spät in der Rockies. Damals erreichten Sie Himalaya-Höhe.
Tipp: Große Höhenunterschiede findest du in Oregon beim Rainer, Hood und Adam. So was haben die Alpen nicht.
Und natürlich in den Fjorden British Columbias in Canada.
Etwas alpenländisch soll es auch im Glacier-National-Park sein. Dort erreichst du, falls gewollt, auch den Triple Divide. Aber da hats dann auch die ganz fetten Grizzlys (Glöckchenmodus an).
Viel Spaß!
 
27.06. 09:00 RV-Park im Tetonvalley

Heute morgen erst mal relaxte Fernsehpause aus fussballtechnischen Gründen, später geht's dann weiter durch den Grand-Teton-Nationalpark nach Jackson.


Hier noch eine kleine Illustration zum Thema "flach". Schon 4300 geradelte Kilometer, die Höhenmeter nehmen sich dagegen eher bescheiden aus. Der Tiefpunkt im Grand Canyon und das hochgelegene Colorado sind deutlich zu sehen.

Mein Tacho spinnt leider gerade etwas, also gibts keine genauen Höhendaten. Irgendwann rechne ich's mal aus den GPS-Daten heraus, aber das erfordert etwas mehr Aufwand. Wenns jemand versuchen will: ihr müsst vorher bei allen Tracks die ungenauen GPS-Höhen durch DEM-Daten ersetzen, sonst gibts nur falsche Ergebnisse.
 
Weltpremiere: fussbalspeil geleitet vom einen blinden. Wievol kostet so ein shiri heut zu tage :) Und Vettel auch # 1.
Aber....mein Schwalbe Big Apple ist heute morgen total zerrissen. 15km nach haus zuruck laufen. Ein bissl mehr consistenz bitte ;)
Es gab zeiten das mann ueberhaupt kein fussball sehen koentte im USA.
 
@Willem12 Pure Dominaz Deutschlands heute :-)

@stuntzi schön, dass du auch eine Fußballpause eingelegt hast. Alles andere wäre auch mehr als eine Sünde gewesen :P

Gruß

h4wk
 
27.06. 14:00 Grand Teton National Park, 2100m

Ein paar geradelte Meilen und zwölf Mäuse Eintritt befördern mich von meinem Übernachtungsplatz im RV-Park direkt hinein in den Grand Teton National Park. Diesmal gibts keine Dirtroad-Alternative um das Entrygate zu umgehen, aber immerhin ist das Ticket für eine Woche und auch in Yellowstone gültig.

Singletracks gibts im Nationalpark natürlich keine zu fahren, als Radler ist man größtenteils auf die Straße und ein paar Bikelanes fixiert. Drum fixiere ich mich auf Landschaftsbilder, was anderes bleibt auch kaum übrig.


Jackson Lake.


Jenny Creek.


Jenny Lake.


Jenny's Carving.


Jenny's Flower.

Schon hübsch, aber Seen und Berge haben wir daheim auch, und das ganz ohne Eintritt. Dafür gibt's dann allerdings auch keine von Besuchern überschwemmten Visitor Center und vollgestopfte Tourbusparkplätze... :-).
 
27.06. 16:00 Jackson Hole Ski Resort, 2000m


Nachdem ich im Nationalpark mit Specki keinen Blumentopf gewinnen kann, mache ich mich schon bald wieder auf die Socken.

Vielleicht sieht's außerhalb der Parkgrenzen ja besser aus? Die gesamte Gipfelregion der Tetons ist allerdings zudem ein Wilderness-Schutzgebiet, wie leider alle richtigen Berge in Wyoming. Mountainbikes haben also auch dort nix verloren. Abgesehen davon liegt der Schnee oben noch dick, da ist sowieso nix zu holen.


Auf einer kleinen, verschlungenen Teerstraße folge ich einen Flüsschen nach Süden. Ist zwar nicht grade der Weg nach Kanada, aber ein wenig umgucken schadet sicher nicht. Ausser mir guckt sich auch noch jemand anders um:


Sowas... die "Rehe" werden auch immer größer :-).


Das Skigebiet "Jackson Hole" wartet für amerikanisch altertümliche Verhältnisse mit recht anständigen Liften auf. Der erste Blick zeigt zwei kuppelbare Vierersessel und immerhin zwei recht modernde Gondelbahnen. Trotzdem geht's natürlich wieder nur um einen einzigen Berg, Schischaukeln sind hier unbekannt.

Dem trailsuchenden Mountainbiker helfen die Aufstiegshilfen allerdings auch nicht weiter. Die oberen Regionen sind für Fahrräder verboten, entsprechend wird man auch nicht in den Gondeln transportiert. Der einzig erlaubte Sessel hat einen Höhenunterschied von unglaublichen einhundertzwanzig Meter. Auf meine eher rethorische Frage, wie denn die Trails so wären, antwortert mir ein etwas übermotivierter Ticketverkäufer: "just great... our downhill has THREE SWITCHBACKS AND SOME BUMPS!"

Soviel also zum Thema Singletracks im Jackson Hole Ski Resort. Angeblich ist für 2011 eine "Erweiterung" geplant, aber selbst dann?! Ich glaub da wird nix draus.
 
27.06. 19:00 Jackson, 1920m


Unverrichteter Traildinge kehre ich dem Skiresort den Rücken und radle ein paar Meilen über aufwendig angelegte Bikelanes...


.. in den Ort "Jackson".


Stadttore aus Elchgeweihen? Die spinnen die Amis.


Der Problembär von Yellowstone ist noch immer in aller Munde. Das war hier wohl der erste Todesfall mit einem Grizzly seit über dreissig Jahren. Der Statistik nach kann mir also gar nix passieren.

In einem Bikeshop hole ich mir die nötigen Informationen zur Gegend. Direkt über Jackson steht ein netter Hügel namens Snowking mit viel erdigem Trailzeugs drauf. Kommt mir aber irgendwie zu kurz und zu unalpin vor, ausserdem hängen mir die amerikanischen Kinderwagenflowtrails langsam zum Hals raus.

Ein paar Meilen weiter auf dem Teton-Pass muss es aber durchaus interessante Möglichkeiten geben. Ein Trip namens "Black Canyon" wird mir ans Herz gelegt, ich glaub der steht morgen auf dem Programm. Vielleicht gehts da ja endlich mal richtig bergab.

Ansonsten bin ich auch noch am überlegen, ob ich Yellowstone mitnehmen soll oder nicht. Natürlich gibts da viele hübsche Blubberblasen zu sehen und die kenn ich auch schon von einem früheren Besuch. Aber für Radfahrer ist die Strecke durch den Park leider ziemlich ungeeignet: kein Seitenstreifen und ein konstanter Strom aus Monster-Wohnmobilen, deren Fahrer die Augen überall haben, nur nicht auf der Straße. Man könnte dem Verkehr allerhöchstens früh morgens ein Schnippchen schlagen, aber in der Dämmerung gehört der Asphalt noch den Grizzlys :-).
 

Anhänge

...so geht's wenn man ins falsche Jackson Hole faehrt.

Da sollte man lieber der Empfehlung von Ulrich Wickert folgen: *Klick*
Vielleicht aber ehr was fuer Fahrad Kuriere als fuer MTBler.
 
28.06. 08:15 Shades Cafe in Jackson, 1920m

"Ortsnah" geschlafen unter ein paar Bäumen bei der Bibilothek von Jackson. Mit frühem Start zwecks Trailsuche wird's trotzdem nix. Muss erst eine Speiche auftreiben, gestern hat's die zweite vom Crossmax-ST-Laufrad hinten erwischt. Na gut, das waren damit genau die beiden "vorgeschädigten". Vielleicht hätte ich doch nicht mit den krummen Dingern losfahren sollen :-).

Außerdem hat sich der Reissverschluss von meinem supercoolen gelbschwarzen Zorrobikeshirt vor einigen Tagen bereits in Luft aufgelöst. Hoffe ich finde hier einen passenden Ersatz-Zipper, bauchfrei in den Bars sitzen ist ja auf Dauer auch nicht das Wahre.


Shades Cafe.... jetzt erst mal ein ausgedehntes Frühstück bis die Läden öffnen.

Weiss eigentlich irgendwer was zu Montana? Gibt's da auf meiner Route irgendwelche Bike-Hotspots die man besuchen muss? Ich hätt gern mal wieder so was wie Moab... :)
 
Noch eine kleine Anmerkung zur Rocky Mountains - Alpen Diskussion. Der Teton Nationalpark ist für die Amis einer der Besten und Beliebtesten überhaupt. Grund: Die Berge sehen ein wenig nach Alpen aus. Waschechte Alpenbewohner lockt das natürlich nicht hinter dem Ofen hervor. Das ist auch der Beweis, dass die Rocky Mountains nirgendwo an den optischen Eindruck der Alpen ankommen.

Ansonsten bin ich immer noch begeistert von dieser Tour. Go forward - Stuntzi!
 
Hey Stuntzi, eine echt tolle Aktion, die du da machst! Ich finde deine Art zu schreiben toll. Eine Frage habe ich zu deinem Rucksack - mach doch bitte mal deinen Sponsor froh^^ - wie trägt er sich im Vergleich zu dem Vorgänger, und wie gut schützt er im Falle eines unsanften Abganges?

Dir noch viele schöne Trails und uns weitere tolle Bilder
 
Natürlich trägt sich der Rucksack mies, dafür wurde doch Zorrocarry erfunden :confused::lol::daumen:

Mit dem Loch im Netz kann das ja auch garnix mehr werden :o:rolleyes::D

Weiterhin gute Fahrt und gelungene Abenteuer
 
@stuntzi Die Bilder sind einfach nur beeindruckend... Das ist echt mal wieder der Beweis dafür, dass der Fotograf und nicht die Kamera für gute Bilder verantwortlich sind!

Weiter so!

Gruß

h4wk
 
Hihi, lieber so ein Reh als einen Teddy in XXL :lol:

Stuntzi, ich wünsche Dir (und uns :D), dass Du die besten Trails in der Gegend findest! :daumen:
Und Abfahrten mit mehr als drei Serpentinchen. Wobei: Mehr lohnt sich da ja nun wirklich nicht :cool:
 
28.06. 13:30 Auf dem Black Canyon Trail bei Jackson, 2300m


Fitzgerald's Bikeshop in Jackson. Öffnet zwar erst um zehn, hat aber alles was das Radlerherz begehrt. Selbst mein exotischer Wunsch nach einer Crossmax-ST Speiche bringt die Jungs nicht ins schwitzen, da mussten die beiden anderen Shops in Jackson passen.

Mein Reissverschluss-Problem lässt sich in der örtlichen Näherei ebenfalls mehr oder weniger zufriedenstellend beheben, so dass ich den Ort schliesslich gegen Mittag in Richtung Tetonpass verlassen kann.


Die knapp fünfhundert Straßenhöhenmeter vom Dorf "Wilson" auf den Tetonpass dauern keine zehn Minuten. Angeblich machen das im Sommer alle Freerider aus Jackson so, im Winter sind dann die Skifahrer dran.


Vom Pass noch ein halbes Stünderl fahrbaren Singletrack-Uphill, dann stehe ich auf einem grünen Grat mit Aussicht...


..und beginne den Downhill in den "Black Canyon".


Die Beschreibung im lokalen Bikeguide hörte sich nach "schwierig" an. Nunja... in Amerika bedeutet das wohl maximal S1 und Flow bvis zum abwinken. Hab mich inzwischen daran gewöhnt.


Dann muss der Spaß eben mit der Geschwindigkeit kommen. Immerhin fast achthundert Höhenmeter dürfen vom Trailhead auf 2800m bis zum Talboden vernichtet werden.


Hier die "Schlüsselstelle" vor der ich explizit gewarnt wurde?! Drei Wurzeln in Folge. Specki kurz vorm Überschlag... :-).

In weniger als einer halben Stunde ist der Black Canyon abgeritten und ich stehe wieder unten am Fuße des Tetonpasses. Mal wieder ein Flowtrail ohne jede Schwierigkeit, aber immerhin lang und lustig und der erste in Wyoming. Da halt ich doch gleich nochmal den Daumen raus und probiere noch eine weitere Route auf der anderen Seite des Bergs, angeblich "noch schwieriger" und mit mehr Bären. Schauen wir mal...
 
Oh mein Gott, wenn das mal gut geht, so ganz ohne Fullface und Protektoren-Gerümpel auf diesen Mördertrails :eek: ROFL...

Also irgendwie will bei mir diesmal nicht so der rechte Spaß beim "Mitfahren" am PC aufkommen. Schöne Landschaft, ja, aber die kann man sich auch ausm SUV anschauen, die richtig guten Gebiete sind ja für MTB gesperrt. Knifflige Trails - quasi Fehlanzeige :(.
Heraklix war da schon ein anderes Kaliber, was Trails anbelangt.

Aber ist ja nicht mehr weit bis Kanada, vielleicht wirds da ja etwas interessanter unter den Reifen...:daumen:
 
Enrgy, es kann nur besser werden.
Das hoffe ich zumindest für stuntzi.

Ausserhalb Europas ist es einfach schwer Trails zu finden.
So habe ich auch Chile in Erinnerung.
Viele Pisten, tolle Landschaft aber kaum Trails (Trampelpfade) und in Nationalparks darfst du mit den Bike nicht rein.

Ray
 
Na also ich hätte gerade VOLL BOCK auf so nen langweiligen S1-Trail...:D [Nur mal so als Zwischenbemerkung ;)]

Wünsche wenig Nadelbäume, nen paar ordentliche Felsstufen zwischendurch und mit gewissem Abstand mal Meister Petz für ein Fotoshooting mit dem Tiger.

Martin
 
28.06. 16:30 Stagecoach Bar in Wilson am Fuß des Tetonpass, 2000m

Der zweite gehitchte Uphill auf den Tetonpass funktioniert genau so flott wie der erste. Ich stehe keine fünf Minuten am Straßenrand, schon hält ein Pickup. Die Einwohner von Jackson sind wohl fast ausnahmslos selber mit Mountainbike und Skiern unterwegs und helfen sich auf diese Weise im Sommer wie im Winter gegenseitig aus. Praktische Einrichtung, damit werden Seilbahnen quasi überflüssig.


Gute zweihundert Höhenmeter wollen dennoch selbst erstrampelt werden, dann stehe ich am "Philips Ridge Trailhead" und blicke hinab ins Tal des Snake River.


Dieser Track wurde erst vor zwei Jahren angelegt und ist in der Tat einen Hauch schwieriger als Black Canyon zuvor.


Insgesamt etwas schmäler und "holpriger", falls man dieses Wort für vereinzelt auftauchende Felsen oder Wurzeln gebrauchen darf.

Dafür ist das Wegerl allerdings auch länger und deutlich flacher, die Pedale werden ein ums andere Mal benötigt. Ich glaube amerikanische Trailbauer fürchten nichts so sehr, wie die Notwendigkeit, Bremsen einzusetzen. Statt dessen basteln sie lieber einen gescheiten Gegenhang.


Und die hierzulande vielgefragten "Switchbacks" (davon haben die flachen Rocky Mountains wirklich wenige) sind dann ausgebaut wie ein halber Highway. Wäre bestimmt mal lustig, den amerikanischen Standardrockymountainbiker auf einen Trail wie die 136 Kehren vom Idrosee loszulassen. Ich glaub der bekommt einen Herzkasper... :-)


Egal, "Philips Ridge" macht mir trotzdem großen Spaß. Und wenn man die beiden Trails aneinanderhängt, hat man immerhin 1500hm Singletrack mit wenig Uphill-Aufwand.

Zurück im Freerider-Treffpunkt Stagecoach-Bar am Fuß des Tetonpass quatsche ich mit ein paar Locals. Im Wald wird weiter fleissig gebaut, es gibt neben weiteren Flowtrails wohl noch steile und versteckte Lines mit bis zu 30 Fuß hohen Drops. Die Biker-Community von Jackson scheint da sehr aktiv zu sein. Und wenn nächstes Jahr der Trailbau unter der Seilbahn von Jackson Hole wirklich voranschreiten sollte, dann kann man sich hier durchaus ein Weilchen beschäftigen.

Nun sind Crosscountryspecki und Crosscountryzorro nicht so die großen "Dropper", also schenke ich mir einen weiteren Versuch am Tetonpass. Für heute sind der Kringel genug gefahren. Es ist zwar schon halb fünf, aber ein bisserl in Richtung Kanada würd' ich schon gerne noch vorankommen. Also pack ich meine sicher in der Bar verstauten sieben Sachen wieder zusammen und mache mich auf nach Norden.
 
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