Vorbaulänge - Theorie und Fahrbericht: Straitline SSC und Spank Spike Race 35mm

Dieses Thema im Forum "Mountainbike News" wurde erstellt von Tobias, 23. Oktober 2012.

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  1. Tobias

    Tobias Supermoderator Mitarbeiter

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    Es gab Zeiten, in denen ein Fahrrad bei einer gewissen Zeitschrift nur die volle Punktzahl in der Uphill-Wertung erreichen konnte, wenn der montierte Vorbau länger als 130mm gewesen ist. Heute erscheinen Vorbauten dieser Länge kaum noch vorstellbar und selbst im XC-Bereich werden nur noch selten (oder bei sehr großen Rahmengrößen) Vorbauten mit mehr als 100mm Länge montiert. Analog zum oberen Ende der Fahnenstange hat sich auch am unteren Ende einiges verschoben. So ist das ehemalige Standardmaß von 50mm für Enduro, Freeride und Downhill mittlerweile nach unten durch die kurze 35mm Vorbaulänge ergänzt worden. Doch warum werden Vorbauten kürzer? Was steckt hinter den kurzen Lenkerhaltern, macht eine Umrüstung Sinn und wohin geht die Reise bei der Vorbaulänge? All das könnt ihr hier im Artikel auf MTB-News.de lesen.

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    # Kurz und Knapp - die Zahl "35" steht aktuell für die würzige Kürze der Vorbaulänge.



    35mm Vorbaulänge - das neue kurze Maß der Dinge?
    Doch wozu ist er eigentlich da, der Vorbau? Während diese Frage in der Biologie relativ einfach zu beantworten ist, klärt sie auch dort nicht die mannigfaltigen Erscheinungsformen von Vorbauten. Ähnlich verhält es sich am Mountainbike. Lange Zeit sind die Maße 50 - 75 - 90 das gewesen, was unter Models 90 - 60 - 90 ist. Die eingangs erwähnte Zeit der über 100mm langen Vorbauten ist mittlerweile Geschichte und in den letzten Jahren entwickelt sich der Vorbau immer weiter zurück. Das alte Gardemaß von 50mm ist längst nicht mehr der Garant für ein agiles Lenkverhalten, das es früher gewesen ist. Heute montiert man kurzer Hand einen Vorbau mit 40, 35 oder besser noch 30mm Länge. Was es damit auf sich hat, wollen wir hier kurz diskutieren. Schließlich ist in der Kürze so ziemlich jedes Maß oberhalb von 0mm Länge vorstellbar und die kürzeren Vorbauten suggerieren vielen Bikern den Hauch von Freeride und damit Abenteuer. Das Thema Cockpit mit Vorbau und Lenker sowie Steuerrohr und Geometrie werden wir zusätzlich in Kürze erneut mit Lutz Scheffer aufgreifen, um zu klären, was des Pudels Kern der Lenkgeometrie ist. Schließlich lässt sich die Vorbaulänge nur schwer isoliert von Geometriemaßen wie der Oberrohrlänge betrachten und doch ist dieses Maß von grundlegender Bedeutung für den Spaß auf dem Bike.

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    # Theoretisch kann der Abstand zwischen Lenker und Schaft auf 30,2mm verkürzt werden. Praktisch bauen die meisten Hersteller auf eine Länge von 35mm.
    Technische Machbarkeit
    Lange Vorbauten zu fertigen ist nur eine Frage des Materials, doch kurze Vorbauten sind irgendwann konstruktiv am Ende. Geht man davon aus, dass sich der Lenker vor dem Schaft der Gabel befindet, so kann ein Vorbau nur solange verkürzt werden, bis sich die beiden Rohre berühren. Im Falle eine 1 1/8" Steuerrohres bedeutet das 28,6mm im Durchmesser und somit 14,3mm im Radius, die gegenwärtig 31,8mm messenden Lenker bringen nochmals 15,9mm mit in die Summe und damit addiert sich die kürzest mögliche Vorbaulänge auf 30,2mm. Selbstverständlich wird dieser Wert auch von denjenigen Herstellern eingehalten, die formal einen 30mm Vorbau anbieten (z.B. Syntace).



    Wer an dieser Stelle denkt, dass 35mm bereits das kürzestmögliche Maß wäre, der ist spätestens dieses Jahr auf der Eurobike 2012 am Stand von Mondraker eines Besseren belehrt worden. Im Interview mit uns hat Chef-Entwickler Cesar Rojo kurz erklärt, was es mit seiner "Forward Geometry" auf sich hat, bei der er einen gerade mal 10mm langen Vorbau verwendet. Um diese Länge zu erreichen, wandert der Lenker nach oben über das Ende des Steuerrohrs und damit noch näher an den Fahrer heran.
    Wichtig: Der Vorbau ist nichts ohne den Lenker
    Vor lauter Kürze am Vorbau könnte man fast vergessen, dass es letzten Endes um die Position der Hände an den Griffen geht. Und hier kommt ein zweites Bauteil in die Gleichung, das ebenfalls über seine Parameter einigen Spielraum gibt: der Lenker.

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    # Einfluss der Lenkerbreite auf die Vorbaulänge - die Übersicht in Tabellenform.

    Selbstverständlich sind die in dieser Tabelle berechneten Werte für die effektive Verkürzung der Vorbaulänge durch die Biegung des Lenkers nur das Ergebnis mathematischer Berechnungen, doch haben wir diese Ergebnisse an Lenkern von Syntace, Sixpack Racing und Burgtec überprüfen und für passende Berechnungen befinden können. Die Tabelle zeigt, wie lang die effektive Vorbaulänge in Abhängigkeit der Lenkerbreite und -biegung ist. Als vereinfachende Annahmen haben wir festgesetzt, dass die Griffposition 30mm von den Lenkerenden bestimmt wird. Zusätzlich fließt in die Berechnung ein, dass die inneren 25cm des Lenkers im Bereich der Lenkerklemmung nicht gekröpft sind und die Biegung des Lenkers nach oben zu vernachlässigen ist. Aus diesem Grund sind diese Werte als Richtwerte zu sehen und stehen gerne zur Diskussion.

    So zeigt die Tabelle, dass bei der beliebten Lenkerbreite von 720mm und einem Lenker mit 9° Biegung die Hände gegenüber der eigentlichen Vorbaulänge um 32mm in horizontaler Richtung nach hinten wandern. Diese Verschiebung darf zweifelsohne nicht direkt auf die Vorbaulänge angerechnet werden, da der Vorbau über den eigenen Steigungswinkel und auch den Lenkwinkel nicht horizontal ausgerichtet ist. Aus diesem Grund sprechen wir hier von dem Einfluss auf die effektive Vorbaulänge. Für den (0°)-Vorbau gilt, dass bei einem Lenkwinkel von 68° die effektive Vorbaulänge ca. 7% kürzer ist, als das vom Hersteller angegebene Maß. Somit reduziert sich die effektive Länge eines 75mm Vorbaus beispielsweise auf ca. 70mm in montiertem Zustand. Auf diese 70mm dürfen dann im Umkehrschluss die Veränderungen der effektiven Vorbaulänge durch die Lenkerbiegung angerechnet werden.
    Wie groß ist sie, die richtige Vorbaulänge?
    Der Lenker beeinflusst die Griffposition, der Vorbau kann in der Länge variiert werden. Folgt man der Komponentenkette, so folgt an nächster Stelle der Rahmen auf den Vorbau. Und wieder zeigt sich, dass die richtige Vorbaulänge maßgeblich von der Rahmengeometrie beeinflusst wird. Wer einen langen Rahmen fährt, der sollte überlegen, ob er dazu noch einen langen Vorbau montieren will. Die Antwort auf diese Frage hängt zusätzlich zur Geometrie des Fahrrades von den Körpermaßen ab. Wer lange Arme oder einen verhältnismäßig langen Oberkörper hat ("Sitzriese"), der sollte einen längeren Vorbau fahren als der, der für seine langen Beine einen großen Rahmen / eine hohe Sattelposition aber einen relativ kürzeren Abstand zum Lenker braucht. Weitergehend ist zu beachten, dass die meisten aktuell verfügbaren Geometrien auf eine Vorbaulänge größer als 50mm ausgelegt sind. Im Gegensatz dazu steht das oben gezeigte Beispiel von Mondraker, das wir stellvertretend für den Trend hin zu kürzeren Vorbauten herangezogen haben.

    Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass ein längerer Vorbau für mehr Last auf dem Vorderrad sorgt, wodurch hier die Traktion steigt und das Rad im Uphill später zu steigen beginnt. Gleichzeitig lenkt man aber mehr "um die Gabel herum", wodurch von den Schultern beim Lenken bei gleicher Lenkerbreite ein größerer Weg zurückgelegt werden muss. Die Sitzposition wird flacher (bei unveränderter Sattelstellung) und der Winkel zwischen Armen und Oberkörper größer. Ein kürzerer Vorbau bringt die Hände näher zum Sattel und sorgt für ein direkteres Lenkverhalten, ermöglicht die Montage von breiteren Lenkern (da weniger "um die Gabel herum" gelenkt wird und die Bewegung näher am Körper ausgeführt wird) und eine insgesamt kompaktere, aufrechtere Sitzposition.

    Auf dem Weg zur richtigen Vorbaulänge sollte beispielhaft wie folgt vorgegangen werden:
    1. Analyse der eigenen Körpermaße (Körpergröße / Proportionen)
    2. Analyse des Einsatzbereiches (XC, Tour, AM, FR, DH...) und der bevorzugten Sitzposition (flach gestreckt oder aufrecht)
    3. Ausprobieren verschiedener Vorbauten ausgehend von gängigen Maßen (XC - 100mm, Tour - 90mm, AM - 60mm, FR/DH - 50mm) oder der Serienausstattung
    4. Beurteilung der Erfahrungen und gegebenenfalls Änderung der Vorbaulänge.
    Praxis-Erfahrung
    Um in der Praxis zu erfahren, wie sich die neuen kurzen Vorbauten auf das Fahrverhalten auswirken, haben wir kurzer Hand zwei beispielhafte 35mm Vorbauten von Straitline (Modell SSC) und Spank (Modell Spike Race) mit nach Finale Ligure genommen und auf zwei Enduros getestet. Dabei ist ein altes Ironhorse 6Point als vergleichsweise kurzes Rad und ein neues Nukeproof Mega als vergleichsweise langes Rad eingesetzt worden. Auf beiden Rädern sind zuvor 50mm lange Vorbauten montiert gewesen.
    Straitline SSC 35mm Vorbau
    Technische Daten
    • Hersteller: Straitline
    • Modell: SSC (Split Steerer Clamp)
    • Modelljahr: 2012
    • Produktkategorie: Vorbau, Ahead
    • Einsatzbereich: All-Mountain, Enduro, Freeride, DH
    • Material: 6061 T6 Aluminium, 100% CNC gefräst
    • Steuerrohrdurchmesser: 1 1/8" oder 1,5" (nur in 50mm Länge)
    • Lenkerklemmung: 31,8mm
    • Längen: 35mm und 50mm
    • Steigung: 0°
    • Klemmhöhe: 35mm
    • Gewicht (Herstellerangaben): ±163g (35mm), ±180g (50mm), ±183g (50mm, 1.5")
    • Farben: schwarz, blau, blue xray, bronze, grau, orange, rot, pink, redxray
    • Preis: 99,-€ (UVP)
    Gewicht
    Qualitätseindruck
    "100% Made in Canada, eh!" schreibt Straitline mit Laser auf den Vorbau. Doch unabhängig vom Herstellungsort zeigt der SSC Vorbau ganz klar: 100% CNC made, eh! Aus einem vollen Aluminiumblock gefräst ist er zwar mit gut 175g Gewicht bei 35mm Länge kein besonderes Leichtgewicht, doch die solide und kompakte Konstruktion wirkt vertrauenserweckend. Dazu passt ein erstklassiges Eloxal-Finish, das in strahlendem Rot einiges her macht und mit feinen Laser-Verzierungen für den hochwertigen Look des Vorbaus mit verantwortlich ist. Hier verdient sich Straitline Bestnoten.

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    # Straitline spendiert dem SSC 35mm Vorbau ein erstklassiges Finish.

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    # Wer auf zerspante Aluminium-Blöcke steht, der wird am kurzen Straitline SSC Vorbau seine Freude haben...

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    # ... denn hier wird auf's Detail geachtet.

    Einfach und problemlos erfolgt auch die Montage des Vorbaus. Dabei ist darauf zu achten, dass durch die niedrige Klemmhöhe von 35mm je nach Steuersatz und Steuerrohr Spacer unter dem Vorbau gefahren werden müssen, um einen Kontakt zwischen den Bauteilen zu verhindern. In unserem Fall sind wir mit einem 5mm- und einem 3mm-Spacer dem Problem aus dem Weg gegangen. Bei der Lenkerklemmung weist Straitline mit einem kleinen Aufkleber darauf hin, dass zuerst der obere Spalt geschlossen werden muss und dann annschließend die unteren beiden Schrauben der vierfach geschraubten Lenkerklemmung angezogen werden dürfen.

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    # Je nach Steuerrohr muss auf die Spaceranordnung unter dem Vorbau geachtet werden.

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    # Der gelbe Aufkleber gibt Tipps für die korrekte Montage des Straitline Vorbaus.

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    # Die geteilte Klemmung für den Schaft gibt dem Vorbau den Namen - Split Steerer Clamp

    Der Name SSC steht für Split Steerer Clamp und ist bei der Montage auf dem Schaft offensichtlich. Die beiden Klemmschrauben sind voneinander unabhängig in geteilten Klemmen untergebracht - daher der Name. Straitline will so für eine gleichmäßige Klemmung auf dem Schaft sorgen und verhindern, dass eine Schraube zu Lasten der anderen vorgespannt wird.

    Ob diese Qualitäten den stolzen Preis von 99€ (Internetpreise bei gut 80-90€) rechtfertigen sei dahingestellt. Für Fans der Marke oder Fans von feiner CNC-Arbeit ist der Straitline SSC ein attraktives Angebot.
    Fazit Straitline SSC
    99€ sind viel Geld für so wenig Vorbau, doch der Straitline SSC überzeugt mit hervorragender Fertigungs- und Oberflächenqualität. Hinzu kommen ein einzigartiger Look und ein breites Farbangebot, das sich sehr gut in die Eloxal-Farben anderer Hersteller eingliedern lässt. Wer einfach nur einen 35mm Vorbau sucht und keinen gesteigerten Wert auf diese Kriterien legt, der sollte sich andere Produkte wie etwa den Spank Spike Race anschauen.
    Spank Spike Race 35mm Vorbau
    Technische Daten
    • Hersteller: Spank
    • Modell: Spike Race
    • Modelljahr: 2012
    • Produktkategorie: Vorbau, Ahead
    • Einsatzbereich: FR / DH / AM
    • Fertigungstechnologien: 2D geschmiedet, gewichtsoptimierte CNC Konstruktion
    • Steuerrohrdurchmesser: 1 1/8" oder 1,5"
    • Lenkerklemmung: 31,8mm
    • Lenkerklemmbreite: 55mm
    • Längen: 35mm und 50mm
    • Steigung: 0°
    • Klemmhöhe: 35mm
    • Gewicht (Herstellerangaben): ±145g (35mm), ±160g (50mm)
    • Farben: poliert schwarz, rot, blau, grün
    • Preis: 59,95€ (UVP)
    Gewicht
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    # Den Spank Spike Race Vorbau gibt es in vier Eloxalfarben. Für unseren Test hat sich der Vorbau in knalligem Rot präsentiert.

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    # Der Spank Spike Race ist in 35 und 50mm Länge lieferbar.
    Qualitätseindruck
    Spank fräst und schmiedet den Spike Race Vorbau und erreicht so ein sehr gutes Gewicht von knapp unter 150g - kein schlechter Wert für einen Vorbau, der für alle Einsatzbereiche freigegeben ist. Von der Optik her unterscheidet sich der Spike Race deutlich von den bekannten, zumeist gefrästen, Vorbauten der Konkurrenz. Er setzt auf eine rundere Formsprache und fast organische Linien und wird in vier verschiedenen Farben angeboten. Wir haben uns für den Vergleich einen roten Vorbau bereitstellen lassen und obwohl die Oberflächen hochwertig wirken, kann der Vorbau in dieser Farbe nicht an das edle Erscheinungsbild des Straitline SSC heranreichen. Das rot wirkt ein wenig zu grell und beißt sich unter Umständen mit anderen rot-Tönen an anderen Komponenten.

    Die Montage des Vorbaus ist so einfach wie von einem Ahead-Vorbau zu erwarten, es muss allerdings berücksichtigt werden, dass auf Grund der Formgebung oberhalb des Vorbaus nur sehr schlanke Spacer gerade aufgesetzt werden können. Ist der Spacer zu breit, liegt er nicht plan auf dem Vorbau auf und verhindert so unter Umständen eine korrekte Vorspannung des Steuersatzes.

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    # Kurz und breit - 35mm Vorbau trifft 740mm Lenker.

    Preislich ist der Spike Race von Spank bei 60€ positioniert und liegt damit etwas unter dem Durchschnitt der Wettbewerber, womit er sich als attraktive Option zu diesen Produkten empfiehlt. Im Lieferumfang ist selbstverständlich auch eine passende Ahead-Kappe enthalten, die den Vorbau optisch passend ergänzt und mit einem O-Ring den Zugang zum Steuerrohr abdichtet.

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    # Die optisch perfekt passende Ahead-Kappe ist im Preis inbegriffen.
    Fazit Spank Spike Race
    Der Spank Spike Race ist deutlich günstiger als der Straitline SSC und wiegt dabei noch weniger. Zwar sind die Farben etwas greller und weniger gut zu den Eloxaltönen von beispielsweise Hope oder Reset Racing passend, doch wer darüber hinwegsehen kann, der bekommt mit dem Spike Race einen sehr guten Vorbau, der mit organischer Form und feinen optischen Details eigene Wege geht und sich angenehm von der Masse der Vorbauten unterscheidet.

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    # Unser Testrad für die kurzen 35mm Vorbauen: ein Nukeproof Mega.
    ErFahrung 35mm Vorbauten
    Direkt beim ersten Aufsitzen fällt auf, dass die Verkürzung des Vorbaus die Sitzposition wie erwartet kompakter werden lässt. Dieser Effekt ist unabhängig von der Geometrie des verwendeten Fahrrades, doch je nach Bike wirkt sich dieser Unterschied verschieden auf das Fahrgefühl aus. Während das Nukeproof mit seiner modernen, langen Geometrie grundsätzlich davon profitiert hat, ist beim ohnehin schon kurzen Ironhorse der 50mm Vorbau möglicher Weise die bessere Alternative. Grundsätzlich macht sich der kürzere Vorbau beim Lenken dahingehend bemerkbar, dass sich ein direkteres Lenkgefühl einstellt. Im Uphill erzeugt der 35mm Vorbau gegenüber dem 50mm Pendant etwas weniger Druck auf dem Vorderrad durch eine etwas weiter nach hinten verschobene Sitzposition. Bergab ist davon relativ wenig zu spüren gewesen - die 15mm Längenunterschied scheinen nicht signifikant bessere Abfahrtsleistungen zu ermöglichen, obwohl wir insgesamt ein agileres, dynamischers Fahrverhalten attestieren würden. Hier ist der positive Einfluss auf das Lenkverhalten spürbar, doch in Kombination mit einem langen Oberrohr wie am Nukeproof und mit einem flachen Lenkwinkel (66°) ist teilweise spürbar weniger Druck auf dem Vorderrad gewesen.

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    # Bergab sorgt der kürzere Vorbau für ein besseres Handling und mehr Bike-Kontrolle. Allerdings nimmt der Druck auf dem Vorderrad ab, da der Körperschwerpunkt weiter nach hinten wandert. Das ist insbesondere dann ein Problem, wenn sehr flache Lenkwinkel gefahren werden.

    Das muss durch eine angepasste Körperhaltung kompensiert werden, was im Falle des Nukeproof Mega Testrades gut funktioniert, da der Sitzwinkel entsprechend steil gewählt ist. Sollte ein Bike diese Voraussetzungen jedoch nicht mitbringen, sollte man dem Trend zu kürzeren Vorbauten auch nicht folgen, sondern bei dem bleiben, was sich bewährt hat. Schließlich sind auch 60mm-Vorbauten an einem All-Mountain oder Enduro-Bike kein Problem. Wer jedoch gerne einmal mit der Verkürzung experimentieren will, der sollte die Chance nutzen.

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    # Das alte Ironhorse 6Point überzeugt bergab mit 35mm Vorbau. Mit 50mm Vorbaulänge ist es jedoch nicht wirklich schlechter aufgestellt.
    Fazit zur Vorbaulänge
    "In der Kürze liegt die Würze" heißt es so schön und in der Tat kann das Fahrverhalten eines Bikes durch ein knappes Vorbau-Update deutlich gewinnen. Jeder Schrauber sollte sich selbst gegenüber jedoch ehrlich sein und nicht nur um des Trendes Willen einen kurzen Vorbau montieren. Wer ein langes Oberrohr hat und keinen extrem flachen Lenkwinkel, der sollte die neue Länge durchaus ausprobieren. In der Fahrradindustrie scheint der Trend in Richtung längerer Oberrohre und kürzerer Vorbauten zu gehen, doch der Einfluss des ebenfalls flacher werdenden Lenkwinkels auf das Fahrverhalten mit kurzem Vorbau sollte nicht vernachlässigt werden - hier lauern Überraschungen. Denn auf diese Länge kommt es an und die sollte jeder für sich selbst finden - Trend hin oder her.

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    # Kurz und bündig aber auch gut und schlüssig? 35mm Vorbauten sind kein Allheilmittel.

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    # Letzten Endes kommt es wie bisher auch auf die Kombination aus Rahmengeometrie, Körpermaßen und Einsatzbereich an.
    Diskussion
    Wie lang fahrt ihr eure Vorbauten? Ist das oben gezeigte Modell schlüssig oder seht ihr Entwicklungsbedarf, um den Zusammenhang zwischen Vorbau, Lenker und der Handposition am Lenker weiter zu erörtern? Wie sind eure Erfahrungen mit der Biegung eines Lenkers? Fahrt ihr lieber 8° oder 12°? Wer ist mit noch stärker gebogenen Lenkern unterwegs?

    Wir freuen uns auf eure Anregungen und eine kleine Diskussion zur Ergonomie und Geometrie des Fahrrades.
    Weitere Informationen
    Straitline Homepage
    Spank Homepage

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  2. MTB-News.de Anzeige

  3. marco2

    marco2

    Dabei seit
    01/2006
    Ich bin vor einiger Zeit auf den Straitline 35 umgestiegen und völlig begeistert. Ich hatte meinen Rahmen zur Tourentauglichkeit tendenziell größer gewählt, da ich zwischen zwei Größen lag und mit dem 50er Vorbau zuvor war er schon weniger verspielt als mir lieb war.
    Beim kürzeren Vorbau ist die Laufruhe und Kletterfreundlichkeit des Bikes erhalten geblieben und es fährt sich dadurch aber total spritzig.
  4. Toni Dark

    Toni Dark

    Dabei seit
    12/2007
    Mich würde mal eher interessieren, ob der spank im Test auch das Problem mit dem Verdrehen gezeigt hat.

    Bei CRC und hier im Forum gibt es mittlerweile etliche Meldungen, dass sich das Teil auch bei zugeknallten Schrauben verdrehen lässt.
  5. FreE.T.

    FreE.T. DämpferGuru

    Dabei seit
    09/2006
    Ich kann nur von den Straitline Direct Mounts sprechen...und ich bin begeistert...allerdings sind unsere Kunden sehr von den Straitline vorbauten begeistert...da haben wir schon viel Gutes gehört...allerdings ist es egal bei welcher Länge...damit würde ich sagen die Qualität stimmt in jedem Fall bei Straitline...wie lang jetzt der Vorbau sein muss jeder entscheiden...ich fahr gerne 50er...
    Zum Spank kann ich nix sagen...ausser dass er recht nett aussieht....
  6. Tobias

    Tobias Supermoderator Mitarbeiter

    Dabei seit
    08/2001
    @Toni Dark : Ich habe gerade die Information von Sports Nut (Spank Distributor in Deutschland) bekommen, dass das Problem mit den sich drehenden Vorbauten bekannt und gelöst ist. Alle Vorbauten werden mit neuen, stärkeren Klemmschrauben ausgestattet. Allen Kunden, die sich mit dem Problem bei Sports Nut melden, werden die Schrauben ausgetauscht.
  7. Marc B

    Marc B aka Ridefirst_Marc

    Dabei seit
    07/2001
    Ich selber fahre normalerweise nicht mehr als 60 mm und in meinen Kursen werden die 120 mm aufwärts Vorbauten auch seltener - gut so :daumen:
  8. -Wally-

    -Wally- Linienkrank!

    Dabei seit
    04/2007
    Ein interessanter und guter Artikel, der den einen oder anderen evtl. auch mal zum rumprobieren anregt.

    Gerade das Thema Vorbau hat mich schon viele Nerven gekostet und ich probiere da immer nochmal gerne rum.

    Ich bin früher mit einem Enduro Rahmen in XL rumgefahren, da war ab Werk ein Vorbau mit 100mm dran...Horror! Mit einem 50er Vorbau wurds dann besser, mit einem RaceFace 30er dann noch besser, das ging gut ab. Im Gelände, vorallem wenns runter ging allerdings war mir der Rahmen einfach zu sperrig, also hab ich den verkauft und hab mir den gleichen eine Nummer kleiner besorgt. Da allerdings kam mir das Bike mit dem 30er Vorbau wieder zu kompakt vor, also gings zurück auf 50mm, und später dann auf 60mm und damit läufts! Was meine Lenker angeht, die fahre ich übrigens mit 8 bis 9 Grad Kröpfung nach hinten.

    Aber: das testen geht weiter...immer! :)
  9. shape

    shape

    Dabei seit
    09/2007
    lustig...ich habe schon vor Jahren meine Kumpels immer im Spaß gedisst in Bezug auf ihre längeren Vorbauten und die schmalen Lenker...:)

    ich fahr seit es die 35/40 mm Teile gibt nur diese und im großen Umkreis war ich der erste, der den 750 mm breiten Funnlenker montiert hatte.

    Anfangs eines, zu dem Zeitpunkt wird dann von einem Trend gesrochen, werden diese Dinge häufig belächelt und aus Unsicherheit heraus verteidigt man die eigenen am Rad verbauten Teile -- dass es aber Sinn macht und aus Überlegungen heraus resultiert, wie man ein Fahrrad im Gelände aktiver und flowiger an einen Fahrstil anpassen kann, dass eben ein Vorderrad schneller vom Boden zu ziehen ist, oder seitliche Schläge auf ein Vorderrad mit nem breiteren Lenker besser zu handeln sind, checken die wenigsten auf Anhieb. Da vergehen dann 5 Jahre, bis sich mal was verändert...Ist ja auch OK -- So lange jeder Spaß hat :D

    Mein aktueller Lenker hat 5° Backsweep -- ich finde da kann ich am entspanntesten draufstehen und meinen Handgelenken geht dabei prima ;)
  10. Hill-Billie

    Hill-Billie

    Dabei seit
    05/2012
    Ich warte nur darauf, dass mal einer den Vorbau rückwärts montiert, mit dem Lenker hinter dem Gabelschaft.
  11. jan84

    jan84 mimo-system

    Dabei seit
    08/2005
    Ich fahre nen ziemlich kurzes Oberrohr (595 mm bei 1,86m) mit 30 mm Vorbau und 720er Flatbar. Das ganze bei 170mm Federweg, 66,5° LW und Vorbau in tiefstmöglicher Position bei 140er Steuerrohr. 440er Kettenstreben.
    In fast allen Lebenslagen super angenehm, nur wenns ums Sprinten oder Wiegetrittfahren geht isses nen bisschen zu kurz. Das hat mich jetzt schon 2 Reverb-Hebel gekostet (einmal mit der Hose hängengeblieben, das andere mal mit den Knieschonern). Aber seit ich so kurz und recht flach fahre bin ich im Prinzip nichtmehr über den Lenker gegangen und mit dem Grip am Vorderrad klappts auch ohne Probleme.

    grüße,
    Jan
  12. RaceKing

    RaceKing

    Dabei seit
    02/2010
    Ich hab mir Anfang des Jahres einen 760er-Lenker an Rad geschraubt und bin sehr begeistert. Hatte vorher einen 640mm breiten Lenker, durch den Umstieg auf den breiten Lenker hat sich das Fahrverhalten extrem porsitiv verändert. Fahre in mit 8° Biegung in Kombination mit einem 90mm langen Vorbau
  13. FurymaXX

    FurymaXX

    Dabei seit
    09/2003
    Anfang des Jahres hab ich von 60mm auf 40mm gewechselt. Dazu fahre ich einen 700mm breiten Lenker mit 15mm rise und 9° backsweep.

    Fährt sich schön kompakt und verspielt, anders will ichs nicht mehr.

    Ach ja, Rahmengröße M bei 191cm Körpergröße.
  14. Cirest

    Cirest #yoloswag

    Dabei seit
    01/2011
    meiner ist auf dem AM bike 105 mm lang ...gerade in technischen und steilen abwärts passagen recht unpraktisch, jedoch für beraufsprints und wiegetritteinlagen recht angenehm. werde aber dennoch zu nem kürzeren wechseln :)
  15. Muckal

    Muckal

    Dabei seit
    11/2011

    Ich habe auch das Problem mit dem Verdrehen. Die Ursache war schnell gefunden. Die Bohrung für das Steuerrohr (1 1/8) ist bei mir um satte 2/10 zu groß! Als Vergleich habe ich den Truvativ Hussefelt genommen der auf meinem Bike original drauf war, da war der Innendurchmesser des Vorbaus unter 1/10 größer als der Außendurchmesser des Steuerrohres, so wie es sein sollte, geht schön drauf und zieht sich bei geringer Schraubenvorspannung so zusammen, dass er flächig am Steuerrohr anliegt.
    Ich habe dem ganzen mit einer Metallfolie mit Dicke 1/10mm abgeholfen, ideal ist das aber nicht und ich würde es auch keinem empfehlen!
  16. cytrax

    cytrax Nerd

    Dabei seit
    02/2011
    Bin auch von nem 110er Vorbeu auf nen 50mm gewechselt :) Mein Bike ist viel agiler geworden und hat auch im Uphill nicht an Performance verloren. Hab auch wegen der Tourentauglichkeit ein L Rahmen bei 1,80m.

    Seit dem Vorbauwechsel fühlt sichs viel geiler an :daumen:
  17. pat

    pat F r e e r i d e r Mitarbeiter

    Dabei seit
    01/2002
    Geht mir auch so. Fahre 35er SSC und 740er Lenker mit 9° Backsweep und 20 mm Rise. Mein ideales Tourencockpit. ;)
    Nahezu alle Kollegen fahren mittlerweile auch 35/40 kurze Vorbauten, mit der Lenkerbreite tun sich einige noch schwer.

    Gruss pat
  18. Simpel.

    Simpel. All weather cyclist

    Dabei seit
    06/2009
    Hat da per Zufall jemand Erfahrungen wie sich die Vorbaulänge bei einem 29er Hardtail XC-Bike auswirkt? Bei Enduro Bikes mag ich längere Oberrohre mit kürzeren Vorbauten, kann man dieses Schema auch auf XC Bikes übertragen oder wird dann die Uphillperformance merklich schlechter?
    Konktret: Standardvorbau ist 100mm, Wunschvorbau wäre 60mm.

    Hoffe jemand kann mir da was dazu sagen. :)
  19. fone

    fone 1337

    Dabei seit
    09/2003
    ich hab den vorbau mit 35 mm ausprobiert, bin begeistert! der umstieg von 40mm auf 35mm war ein wahrer augenöffner, keine ahnung wie ich vorher mit 40mm fahren konnte!
  20. Stromberg

    Stromberg

    Dabei seit
    11/2005
    Die Tabelle suggeriert, dass bei gleicher Biegung und zunehmende Breite die Position immer aufrechter wird. Das hiesse, dass man bei einem theoretischen 1500 mm Lenker eine aufrechere Sitzposition haette als bei einem 700 mm Lenker. Das stimmt nicht. Oder habe ich da nen Denkfehler?
  21. 3ride

    3ride supe3sta3

    Dabei seit
    01/2009
    Ich bin über 1 Jahr einen 50er Vorbau an meinem DH-Bike gefahren (600er Oberrohr). Seit 2 Monaten habe ich das gleiche Bike mit 620er Oberrohr dafür mit 28mm Vorbau. Macht das Bike also ca. die 2cm wieder kürzer.
    Ist natürlich Geschmackssache und kommt auf den Einsatzzweck an, aber mir gefällts so besser. Längerer Radstand (Laufruhe) und etwas agilere Lenkung. Druck am Vorderrad läßt ein wenig nach ja, aber daran gewöhnt man sich schnell und kompensiert das. Ungewohnt war bei den ersten Fahrten nur, dass der Lenker ab einem gewissen Einschlagswinkel "einzukippen" versucht. Daran hat man sich aber auch gleich gewöhnt.
    Soweit meine Erfahrung damit.


    Greez
    3ride
  22. aka

    aka Team Meschugge

    Dabei seit
    09/2004
    Ich habe mein Rad auf 105mm Vorbau zurueck gebaut und bin so besser unterwegs.
  23. garbel

    garbel Edelschrauber!

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    08/2004
    Ich (1,94m, lange Affenarme) fahr an einem Rahmen mit 625 mm Oberrohr und 67° LW einen Syntace VRO 55-105 mm. Momentan pendele ich mich so bei 80 mm ein bei einem 740 mm Lenker (8°)

    Irgendwas passt noch nicht, ich probiere noch und habe den Lenker im Verdacht. Der Winkel ist ok, mit 12° komme ich gar nicht klar, aber ich werde mal alles ein bischern schmaler entsprechend 700 mm montieren.

    Ich finds immer schwierig, das Optimum auszureizen, es gibt so viele Variablen, selbst wenn man den Rahmen schon gewählt hat: Vorbaulänge, Lenkerbreite, Lenkerbiegung, Sattelüberhöhung...puh.
  24. pistensau3000

    pistensau3000

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    01/2007
    Die tabelle soll nur zeigen, dann ein stark nach hinten gekröpfter lenker die vorbaulänge effektiv reduziert.

    Was nicht beachet wurde ist, dass die lenkerbreite einen einfluss auf die schwerpunkslage hat.
    Ein breiterer lenker bringt also auch mehr gewicht auf das vr.
    Bei einer verbreiterung von 80mm(lenker von 680 auf 760mm) bekommt man 2,5% mehr gewicht aus vr.
    Kann schon sein dass man das merkt.
  25. SKa-W

    SKa-W Bier Unit Member

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    09/2005
    Naja, bei All Mountain und Enduro jetzt kürzere Vorbauten zu fahren find ich jetzt nichtmehr so spektakulär bzw. "Neu". Mich würde viel mehr der kurze Mondraker Summum Vorbau interessieren. Wohl oder übel werd ich mir so n ding demnächst auch mal fräsen müssen. ^^
  26. pistensau3000

    pistensau3000

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    01/2007
    Ich bin jetzt aber von einem ungekröpften lenker ausgegangen. Bei z.b. 8grad reduziert sich der effect a bissal