Das Specialized Epic wurde als eine der größten Innovationen des aktuellen Jahres im Bike-Sektor dargestellt. Die Kombination aus neu entwickelter Rahmengeometrie und sich selbständig an den Untergrund anpassender Federung soll für unübertroffene Fahreigenschaften sorgen.

Wir hatten die Möglichkeit das Specialized FSR Epic Comp ausgiebig auf gewohntem Terrain zu testen und kritisch mit uns bekannten Bikes zu vergleichen.

Christian hat einen ausführlichen Testbericht erstellt, der sich mit meinen Erfahrungen deckt. Die Fahrten fanden auf den technischen Trails rund um Bad Kreuznach statt. Der Untergrund war herbstlich-feucht und dank vieler Wurzeln und Felsen sehr glitschig – ein richtiger Härtetest eben.

Testbericht: Specialized FSR Epic Comp

Tester: Christian Kirchner

Größe: 192 cm

Gewicht: 89 kg

Rahmen: Specialized FSR Epic Comp, XL

Gabel: Fox Forx Float F-80 RLT, 80mm Federweg, Lockout

Schaltwerk: XTR

Umwerfer: LX

Schalthebel: LX 9-fach

Kurbel: Specialized Strongarm

Bremsen: AVID V-Brake SD 5

Felgen: Mavic X225

Reifen: Specialized Enduro 2.0″,

Nabe: VR: Specialized, HR Shimano

Lenker: Leichter Riser, 64 cm

Vorbau: 120mm, 10 Grad

Steuersatz: 1 1/8″, 3x gedichtet

Innenlager: Shimano ES-30 Octalink

Sattel: Specialized Body Geometry

Federweg vorne: 80 mm

Federweg hinten: 90 mm

Sitzposition: sportlich, gestreckt

Fahrbericht:

Interessiert hat mich natürlich die Funktion des Epic-Brain-Hinterbaus. Ich war beeindruckt. Wenn man sich im Stand mit vollem Gewicht auf den Sattel stützt, federt der Hinterbau nicht ein. Lässt man das Hinterrad allerdings zwei mal kurz auf den Boden „dotzen“ und stützt sich unmittelbar danach erneut auf den Sattel, federt der Hinterbau ein und bleibt für 2-3 Sekunden „einfederbar“. Danach verhärtet sich der Hinterbau wieder.

In der Praxis fühlt sich das folgendermaßen an:

Bei der Auffahrt auf Straße und leichtem Schotter fährt man quasi auf einem Hardtail. Der Hinterbau bewegt sich auch im Wiegetritt keinen Millimeter. Rollt man nun auf ein Hindernis zu, ist der Hinterbau auch beim ersten Aufprall verhärtet. Wenn nun aber unmittelbar weitere Hindernisse folgen, fängt der Hinterbau, wie bei einem Fully gewohnt, an zu arbeiten. Stoßen keine Hindernisse mehr auf das Hinterrad, verhärtet sich der Hinterbau wieder nach 2-3 Sekunden.

Das Rad arbeitet in der Praxis hervorragend. Das geringe Gewicht und die „Brain-Technologie“ sorgen dafür, dass bergauf die Beinkraft sofort in Geschwindigkeit umgesetzt wird. Auch auf technisch schwierigem Gelände bleibt das Rad bergauf gut kontrollierbar, denn schon dann, und nicht nur auf der Abfahrt, fängt der Hinterbau an zu arbeiten, d.h. man hat durchweg gute Traktion. Der steile Sitzwinkel sorgt dafür, dass auch in steilen Anstiegen das Vorderrad erst spät steigt.

Bergab arbeitet der Hinterbau unauffällig. Der Federweg ist relativ kurz, trotzdem hat man nicht das Gefühl, dass der Hinterbau bei höheren Geschwindigkeiten und gröberen Terrain die Kontrolle verliert, das Rad hält stets seine Linie. Die Geometrie ist ausgewogen, das Rad geht in schnellen Kurven gleichmäßig über beide Räder weg. Erst in sehr steilen Abschnitten entsteht, bedingt durch die gestreckte Sitzposition, ein leichtes Überschlagsgefühl. Insgesamt lässt es sich aber, im Vergleicht zu einem Hardtail, deutlich besser kontrollieren.

Die Komponenten funktionieren einwandfrei. Besonderes Lob hat die FOX-Luft-Gabel mit Lockout- Funktion verdient. Sie ist steif, besitzt ein sehr softes Ansprechverhalten und hält das Vorderrad jederzeit auf dem Boden. Die Verarbeitung ist gut, Plastikknöpfe sucht man vergeblich. Die AVID-V-Brakes haben eine hohe Bremskraft und sind für V-Brakes gut kontrollierbar. Die an dem Rad montierten Laufräder waren mit meinem Gewicht allerdings ein wenig überfordert, im Wiegetritt begannen die Felgen an den Bremsflächen zu schleifen.

Die Reifen haben auf feuchtem Boden einen sehr guten Grip, der Rollwiderstand auf Teer ist aber unakzeptabel hoch.

Insgesamt empfiehlt sich das Rad in jedem Fall für Racer, aber auch für sportliche Tourenfahrer ist es auf jeden Fall zu empfehlen, wenn einen die etwas straffere Federung nicht abschreckt. Ich würde das Rad für Marathon-Rennen aber auch für einen Alpencross nehmen. Hierfür sprechen auch die gute Tragemöglichkeit im Rahmendreieck (hier stört kein Dämpfer) und die weit versenkbare Sattelstütze.

Das würde ich noch verändern:

Ich würde einen etwas kürzeren Vorbau montieren (ca. 100 mm) einen geraden schmaleren Lenker (ca. 60 cm), ggf. Barends, würde die Reifen gegen etwas leichtläufigere eintauschen.

Links:

– Details zum Bike: http://www.specialized.com/SBCBkMode…untain&my=2003

– Allgemeine Info zur Brain/EPIC-Technologie: http://www.specialized.com/OA_MEDIA/…c_brochure.pdf

Grosses Foto:

Vielen Dank an Stefan Götz / Specialized Europe für die Bereitstellung des Testbikes!

Die neuesten Kommentare
  1. benutzerbild

    MaxSmog

    dabei seit 01/2012

    nein, ich hab den artikel erst zufälligerweise entdeckt
    und mich wundert es dass ein bike solch ein derartiges gewicht haben könnte.
    Testbericht: Specialized FSR Epic Comp

    Tester: Christian Kirchner
    Größe: 192 cm
    Gewicht: 89 kg
  2. benutzerbild

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  3. benutzerbild

    MaxSmog

    dabei seit 01/2012

    oh, entschuldigung, bezieht sich wohl auf das gewicht des fahrers. sorry.
  4. benutzerbild

    Tobias

    dabei seit 08/2001

    Hahaha, wie geil :) Den Artikel kannte ich noch nicht mal! Vielen Dank für's Ausgraben!
  5. benutzerbild

    Matze.

    dabei seit 03/2005

    Wenn man es so betrachtet, nach 10 Jahren:lol: ist es doch ein großer Wurf geswesen. Die klaren Linien, die Ähnlichkeit zum Hardtail, das schön abfallende Oberrohr und die bekannt gute Geo machten das Bike zu einem Meilenstein der Fully-Geschichte:daumen:.

    Schön, solche alten Sachen mal wieder auszugraben:D
  6. benutzerbild

    MaxSmog

    dabei seit 01/2012

    wo wir schon bei meilensteinen der mtb-geschichte sind :
    was war eigentlich das erste richtige downhill-bike?
    sprich vollgefedert, doppelbrücke an der gabel etc.

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