“Sonst hol ich meinen holländischen Einkäufer”
Wie Drehermeister Udo Ochendalski seine taiwanesischen Produzenten aus dem Konzept bringt und weiltweit Geschäfte macht
Artikel aus dem Deutschen Handwerkerblatt vom 13. Februar 2003
Frechen (lor) Die Naben lässt Udo Ochendalski in Taiwan fertigen. Die Aluminiumschrauben für seine Kettenblätter kommen aus Italien. Während viele Handwerker von den unbegrenzten Möglichkeiten der Globalisierung reden, ist der 37-jährige Drehermeister längst international aufgestellt.
Ein Blatt Papier, einen Stift und einen Computer. Mehr braucht Udo Ochendalski nicht, um erfolgreich zu sein. Nachdem er seine Idee – etwa für für eine neue Nabe- auf´s Papier gebracht und im CAD-Programm ausgearbeitet hat, lässt der Prototyp nicht lange auf sich warten. ” Den baue ich dann in mein MTB ein und teste ihn in den umliegenden Wäldern und Hügeln.” Hat die Neuentwicklung Ochendalskis persönliche Belastungsprobe bestanden, holt er sich noch ein offizielles Prüfsiegel. “Dann gehe ich zu dem Hersteller, der international am günstigsten und besten produzieren kann”, beschreibt der passieonierte Handwerker den Gang seines Schaffensprozesses.
Wer als Produzent in Frage kommt, weiß er aus jahrelanger Erfahrung. Als Schöler kaufte er sich mit dem Kommunionsgeld das erste Rennrad. In der Lehre fertigte er nach Feierabend Teile für sein BMX-Rad und verkaufte sie an Fahrradläden. Anfang der 90er brachte er amerikanische MTB auf den deutschen Markt. Seit 2 Jahren entwickelt und vertreibt er Fahrradteile unter seiner Marke “NC-17″.
“Ich hab´das Fahrrad lieb”, stellt er nüchtern fest.
Ob jemand seine Liebe zum Produkt mit ihm teilt, erkenne er als Meister intuitiv. “Wenn ich sehe, wie jemand an der Maschine steht und das Öl rieche, was in der Maschine verwendet wird, weiß ich, was Sache ist.” Diese Fähigkeit habe jeder, der etwas vom Fach versteht. Entsprechend lautet seine Philosophie: “Der Meister ist ein Werkzeugs des Erfolgs.” Doch er schiebt einschränkend hinterher: “Viele wissen es nur nicht.”
Mit seiner Produktion nach Taiwan zu gehen hat Udo Ochendalski anfangs große Überwindung gekostet. “Mein Berater hat mich damals an den Haaren dorthin geschleift”, erinnert er sich. Sein Wagemut scheint sich jedoch auszuzahlen, denn dort werde zu günstigen Konditionen gute Qualität geliefert. Auch in verhältnismäßig kleinen Stückzahlen. Für 11 Dollar lässt er seine Radnabe produzieren. Im Fachhandel müssen die Mountain-Biker dafür ein Vielfaches mehr auf den Tisch legen. Für 140 Euro bietet etwa der Online-Shop “wheels-world24″ eine Vorderradnabe von NC-17 an.
Neben einem ausgeprägten Geschäftssinn benötigt man auf dem internationalen Parkett auch ein gehöriges Maß an Schlitzohrigkeit. Immer wenn seine asiatischen Verhandlungspartner den Preis nach oben drücken wollen, kommt Ochendalskis virtueller Mitarbeiter ins Spiel. Ein beiläufig fallen gelassenes “Sonst hol´ich meinen holländischen Einkäufer” reiche aus, um jegliche Handelslust im Keim zu ersticken. Den Niederländern eile halt der Ruf voraus, knallhart zu verhandeln.
Ob sich die Chinesen davon beeindrucken lassen, bleibt abzuwarten. In 2 Jahren treten sie der Welthandelsorganisation WTO bei. Ochendalski kann es kaum erwarten, beim Startschuss dabei zu sein. “Die haben da drüben CNC-Maschinen, da wackeln Sie mit den Ohren”, schwärmt er von den Hightech-Apparaturen. Dass viele Verbraucher mit den Produkten “Made in Taiwan” oder “Made in China” minderwertige Qualität verbinden, sei die Schuld der Europäer. Die hätten in der Vergangenheit nach der Devise “Hauptsache billig” produzieren lassen. Wenn eines seiner Produkte fehlerhaft sei, lasse er es sich vom Kunden in die Werkstatt schicken. Schließlich trägt er die Verantwortung für seine Entwicklungen. Nichts anderes bedeutet übrigens sein Markenname. “NC-17″ ist das amerikanische Synonym für die deutsche Filmklassifizierung “Nicht freigegeben unter 18 Jahren”. Auf das MTB übertragen heißt das: Maximaler Schutz der Verbraucher für ein halsbrecherisches Hobby.
Ochendalskis größter Wunsch ist es, die Produktion nach Deutschland zurück zu holen. Dies kann er jedoch erst, wenn die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wieder stimmen. “Diese Entscheidung liegt aber in den Händen derjenigen, die mich nicht einmal gefragt haben, warum ich gegangen bin.”



