Der Schweizer Florian Vogel und Olympiasiegerin Sabine Spitz haben bei den GONSO Albstadt MTB Classic vor einer großen Zuschauerkulisse die Bundesliga-Rennen der Damen und Herren gewonnen. Das U23-Rennen der Herren ging an den Schweizer Martin Fanger.

Die fünf Fahrer, die letztlich das Podium des Herren-Rennens über 42 Kilometer besetzten, hatten in der vierten von acht Runden zusammen gefunden. Im langen Downhill vom höchsten Punkt der Strecke gab es immer mal wieder kleinere Abstände zwischen den fünf Bikern, doch wenn es in den steilen Anstieg im Bullentäle hinein ging, war das Quintett immer wieder geschlossen. Wolfram Kurschat versuchte seine Stärke am Berg auszuspielen, war an diesem Tag nicht in in der Lage die Konkurrenten zu distanzieren. „Da wo ich normalerweise gut bin, da konnte ich heute nicht auftrumpfen“, bekannte Kurschat. Der Weltcup-Gesamtzweite hatte gehofft, dass sich seine Halsentzündung nicht so sehr auswirken würde. „Aber ich muss zugeben, es ist nicht verwunderlich, dass es nicht ging“, sagte der 34-Jährige.

Vizeweltmeister Florian Vogel war am Berg jederzeit Herr der Lage und bestimmte immer wieder das Tempo. „Wolfram ist heute nie so gefahren wie sonst. Ich habe gemerkt, dass ich am Berg einer der Stärksten bin. Während des Rennens war ich mir sicher, dass ich hier gewinnen kann, weil ich im Downhill immer der Schnellste war“, erzählte Florian Vogel.

Christoph Soukup (Österreich) verlor drei Runden vor Schluss den Anschluss, Vogel konnte sich etwas absetzen und ging mit 17 Sekunden Vorsprung in die letzte Runde. Sein Schweizer Landsmann Fabian Giger attackierte aus dem Verfolgertrio mit Kurschat und dem Belgier Roel Paulissen und schloss am höchsten Punkt sogar noch einmal zu Vogel auf. Der konnte mit seiner Stärke im Downhill aber in 1:52:37 Stunden mit neun Sekunden Vorsprung einen letztlich ungefährdeten Sieg einfahren.

Auf dem dritten Platz kam Paulissen mit 58 Sekunden Verspätung ins Ziel. Kurschat hatte 1:21 Minuten Rückstand.

Fabian Giger zeigte sich „super glücklich“ über den zweiten Platz. „Es ist vielleicht eine der härtesten Strecken, aber sie liegt mir. Es war motivierend für mich, mit den Topfahrern mithalten zu können“, sagte der U23-WM-Vierte des vergangenen Jahres, der von seinem SKS-Teamkollegen Thomas Litscher (Schweiz) die Führung in der Bundesliga-Gesamtwertung übernahm.

Florian Vogel und der Bus von Sabine Spitz

Florian Vogel sprach im Ziel als Erstes die Zuschauerkulisse an. „Sabine Spitz wollte vor zwei Jahren das Publikum in einen Bus einladen, das habe ich gelesen. Ich muss sagen, jetzt verstehe ich das. Am liebsten würde ich das Gleiche tun. Die Zuschauer sind genial“, sagte Vogel. „Ich war sehr motiviert heute und bin schon deshalb sehr zufrieden, weil das nicht unbedingt meine Strecke ist.“

Roel Paulissen, der die Stimmung in Albstadt schon von 2007 kannte, verbuchte mit Rang drei ein Erfolgserlebnis. „Der Aufstieg ist brutal, aber die Stimmung dort ist fast wie bei der Tour de France. Da musst du aufpassen, dass die Zuschauer dich nicht über die 100 Prozent treiben“, meinte der Belgier.

Zweitbester Deutscher an diesem heißen Tag in Albstadt war Manuel Fumic aus Kirchheim/Teck. Der 27-Jährige hatte sich in der Spitzengruppe eingereiht, war dann aber gestürzt und hatte sich am Arm verletzt. „Ich bin weg gerutscht, ich weiß gar nicht weshalb. Es hat fürchterlich weh getan“, zeigte er auf seinen geschwollenen linken Arm. Er erreichte das Ziel mit 3:11 Minuten Rückstand auf Vogel.

Lokalmatador Torsten Marx (Hechingen) wurde mit 6:59 Minuten Rückstand Elfter. Er hatte den Zielsprint um Platz 10 gegen den Schweizer Nicola Rohrbach knapp verloren. „Nicht unzufrieden“, kommentierte er sein Resultat. Moritz Milatz verwehrte ein Defekt eine bessere Platzierung als Rang 13. Der Freiburger hatte in der Spitzengruppe gelegen, als es ihm in einer Treppenabfahrt den Mantel vom Vorderrad zog, so dass er bis zur Technischen Zone laufen musste. „Danach ging es einfach nicht mehr“, bekannte Milatz.

Kräfte gut eingeteilt: Olympiasiegerin gibt Gas

Die Ergebnisliste deutet auf einen Zielsprint hin, doch in Wirklichkeit hatte Sabine Spitz (Murg-Niederhof) bereits mit dem Jubeln begonnen und hatte die Begeisterung des Publikums genossen, als ihre österreichische Teamkollegin Elisabeth Osl auf der Zielgerade von hinten heran stürmte, so dass Sabine Spitz noch einmal die Hände an den Lenker nehmen musste.

Die Olympiasiegerin hatte das 31 Kilometer lange Rennen mit Bedacht begonnen und lag zuerst auf Rang vier. „Ich bin die erste Runde mit einem zu großen Gang gefahren, das musste ich in der zweiten Runde büßen. Ich habe das dann verändert und danach ging es“, sagte Sabine Spitz nach ihrem ersten Saisonsieg. „Auf diesem Kurs muss man sich die Kräfte gut einteilen, da braucht man einen langen Atem“, erklärte sie noch ihre Strategie, die sie ab der dritten Runde an Elisabeth Osl vorbei in Führung brachte. Zwei Runden waren die beiden Central-Ghost-Bikerinnen gemeinsam unterwegs, bevor sich Sabine Spitz absetzen und mit 30 Sekunden Vorsprung in die letzte von sieben Runden gehen konnte. Sie habe zum ersten Mal in dieser Saison „richtig Gas geben“ können.

„Die Stimmung im Bullentäle war wieder toll, die Leute haben mich richtig gepuscht“, erklärte Sabine Spitz, die ihn Albstadt schon zweimal Deutsche Meisterin geworden war.

Elisabeth Osl grinste über ihre Sprint-Einlage, war aber mit Rang zwei „sehr zufrieden“. Sie habe drei Wochen Wettkampfpause gehabt und von daher sei sie ganz froh, wie es gelaufen sei. „Die Stimmung war gigantisch. Da ist es mir trotz der Hitze kalt den Rücken herunter gelaufen“, lobte die Tirolerin das Publikum.

In die gleiche Kerbe schlug auch die Dritte, Petra Henzi aus der Schweiz. „Da können wir uns in der Schweiz noch eine Scheibe abschneiden“, sagte Henzi, die mit 2:42 Minuten Rückstand ins Ziel kam. „Die Downhills haben echt Spaß gemacht. Meine Beine sind noch nicht top, aber es war okay“, erklärte die Ex-Marathon-Weltmeisterin.

Auf Platz vier überraschte die Dänin Annika Langvad (3:30 zurück), eine Newcomerin, die sich hervorragend verkaufte und Anja Gradl (Kastl, 5:13) auf Rang fünf verwies. Die 23-Jährige hatte einen Kettenklemmer zu verkraften, der sie vorübergehend zurück geworfen hatte.

Hanna Klein verteidigte ihre Führung im Gesamtklassement mit einem neunten Platz. Sie war beste U23-Fahrerin, hatte aber Pech, dass ihr bei einem Sturz in der letzten Runde das Schaltwerk kaputt ging, so dass sie noch zwei Positionen verlor.

Schweizer U23-Dreifach-Sieg, Fleschhut auf Rang sechs

Im U23-Rennen der Herren gab es einen Schweizer Dreifach-Erfolg. Martin Fanger siegte nach sieben Runden (1:43:20 Stunden) mit 2:24 Minuten Vorsprung auf Lukas Kaufmann und Sepp Freiburghaus (3:27 zurück).

„Ich hatte heute sehr gute Beine. Ich habe mich kurzfristig für einen Start beim U23-Rennen entschieden, weil ich dachte, das ist gut fürs Selbstvertrauen“, sagte Fanger, der sich bereits nach der ersten Runde absetzte.

„Martin ist den Berg hoch, wie eine Rakete“, zollte Lukas Kaufmann Anerkennung. Der Sprint-Sieger vom Samstag war aber mit seinem Resultat trotzdem sehr zufrieden. Gemeinsam mit Markus Bauer (Lohr) führt er jetzt die Gesamtwertung an.

Freiburghaus hatte im Downhill Schulterprobleme, die von einem Sturz aus der Vorwoche her rührten.

Bauer hatte wie drei andere deutschen U23-Fahrer hatten bei der Thüringen-Rundfahrt auf der Straße teil genommen und mussten deshalb auf einen Start verzichten. So war Marcel Fleschhut (Mosbach) auf Rang sechs (5:54 Minuten zurück) der beste Deutsche. „Ein schönes Gefühl mal wieder ein schnelles Rennen zu fahren. Ich bin hochzufrieden“, sagte Fleschhut, der nach einer Schulterverletzung beim Bundesliga-Rennen in Saalhausen seinen ersten Wettkampf bestritt.

Rumen Voigt (Zschorlau) überraschte auf Rang neun, Sebastian Szraucner (Wesel) bestätigte seine zuletzt guten Leistungen als Zehnter.

Mehr Infos auf: www.albstadt-mtb-classic.de

Ergebnisse auf: www.datasport.com

Text von Erhard Goller

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