HomeAllgemeinKölns Kunstflieger Simon Kirchmann im IBC-Interview — 22. Dezember 2009 14:37

Kölns Kunstflieger Simon Kirchmann im IBC-Interview

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Trotz seiner internationalen Top-Platzierungen ist der Atmosfair-Team-Fahrer noch nicht so bekannt wie Timo oder Amir. Dabei geht der Kölner Local besonders dann ab, wenn die Sprünge XXL-Größe haben.

Zusammen mit den Team-Kollegen machte Simon im Sommer Berlin unsicher:

Hi Simon, stell dich doch mal bitte kurz den IBC-Usern vor.

Ja, ein “Hallo” erstmal an alle, ich heiße Simon Kirchmann und bin jetzt 21 Jahre jung und wohne im Moment in Köln. Ich fahre hauptsächlich Dirt, Slopestyle und Freeride und werde dabei von Scott, Sram, Rock Shox, Avid, Truvativ, Atmosfair, A-Class, Tsg und NC-17 unterstützt.

Ich kenne dich noch aus deinen Tagen bei den Dirtflames, auf deren legendären Sessions du zu der Zeit schon große Jumps geklärt hast. Wie bist du damals zum Bike-Sport gekommen?

Ja, wie das wahrscheinlich bei vielen von uns war: Ich bin immer mit einem Kumpel durch den Stadtwald gefahren, wo es einen relativ guten und großen Spot gab. Da haben wir dann feststellen müssen, dass mit dem Rad nicht nur fahren sondern auch springen kann. Das fand ich ziemlich cool und bin dann halt immer dran geblieben. So hat sich dann eigentlich alles sehr schnell entwickelt und das ist jetzt auch schon ein paar Jahre her.

Wie hat sich dein Fahrstil von deinen Anfängen bis jetzt entwickelt?

Von dicken Drops im Big-Bike Style zum Dirt/Slopestyle würde ich sagen. Was aber nicht heißen soll, dass ich heute kein Big Bike mehr fahre, denn das macht mir immer noch derbe viel Spaß. Die meiste Zeit fahre ich allerdings auf meinem Voltage Hardtail von Scott.

Ein Video aus den alten Tagen bei den Dirtflames, inklusive Stötzer-Gap:

Als aufstrebender Fahrer bist du auf größeren Wettkämpfen dabei und bei Filmdrehs für Scott Bikes unterwegs. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

Ich war in den letzten beiden Saisons auf vielen Contests unterwegs und konnte dabei auf mich aufmerksam machen. Bei den T-Mobile Playgrounds 2008 habe ich als bester Deutscher den vierten Platz erreicht. Während der ganzen Events habe ich immer mal wieder mit Timo Pritzel gequatscht. Wir haben uns gut verstanden und irgendwann hat er mich einfach gefragt, ob ich für ihn im Atmosfair-Team fahren möchte. Da ich die Klamotten seines Labels eh ziemlich stylisch finde, passte das super – so hat sich dann auch alles weitere entwickelt.

Wie wurdet ihr als junge Nachwuchstalente von einem etablierten Star wie Timo in der Szene aufgenommen?

Timo ist ein ziemlich cooler Typ, er ist immer lässig unterwegs und man hat eigentlich immer ein gute Zeit mit ihm. Ich kann auch noch viel von ihm lernen.

Du konntest bei größeren Events mit internationalem Fahrerfeld schon mehrere Top-Ten-Platzierungen erreichen. Steigert das deine Motivation für dein Training und wirst du noch hungriger? Oder geht es dir nicht so sehr um Ergebnisse?

Dieses Jahr bin ich Fünfter beim 26Trix in Leogang geworden, was wohl mit der größte Dirtjump-Contest weltweit ist. Sowas spornt natürlich ziemlich an, mal schauen was die nächste Saison so bringt. Es ist auf jeden Fall nicht so, dass man danach keinen Appetit mehr hat.

In den letzten Jahren boomte die Wettkampfszene im Slopestyle- und Dirt-Bereich. Wie siehst du die Entwicklung der Freeride-Contests?

Die Entwicklung geht schnell voran, was auf jeden Fall gut ist. Man sieht andauernd neue Gesichter. Leider wurden dieses Jahr ja viele Contests gestrichen. Aber das wird sich meiner Meinung nach auch wieder ändern.

Simon “The Churchman” Kirchmann in der Kölner Heimat am Mediapark:

(Foto von Andreas Chronz)

Machst du dir angesichts der gewagten Tricks an großen Sprüngen manchmal Gedanken über die Risiken im Profi-Bereich?

Klar macht man sich darüber mal Gedanken, aber man sollte auch nicht zu viel Gedanken daran verschwenden, sonst passiert nämlich wirklich was. Mit der Zeit lernt man einfach zu stürzen und man kann das Risiko auch einschätzen.

Was war der schlimmste Sturz in deiner bisherigen Karriere?

Bisher hatte ich kaum Verletzungen, doch mein Crash bei der Qashqai-Challenge in Madrid 2008 war echt übel: Ich war zu schnell und sprang am ersten Double zu weit, bei der Landung riss es mir den Lenker aus meinen Händen und ich knallte mit Kopf und Schulter auf den harten Boden. Dabei habe ich mich gut ausgeknockt, das Ergebnis war eine schwere Gehirnerschütterung und ein geprelltes Schlüsselbein und Schulter, ich konnte mich zwei Wochen kaum ohne Schmerzen bewegen.

Neben einem verletzungsfreien Jahr setzt du dir bestimmt ein paar Ziele für 2010 – was hast du dir für die kommende Saison alles vorgenommen?

Möglichst viel großen Events mitfahren und wieder eine gute Zeit zu haben auf den ganzen Veranstaltungen. Und: Viele Fotos und Videos machen und einfach eine gute Saison haben.

Was sind deine Lieblings-Spots und wo fährst du am meisten?

Zuhause fahre ich gerne auf den Venushügeln oder in Bergisch Gladbach im Wald. Ansonsten fahre ich eigentlich überall gerne Fahrrad. Ich lege mich da nicht so fest.

Und wo möchtest du in deiner Bike-Karriere überall hinreisen?

Definitiv Whistler und Kalifornien, da geht einfach so viel. So viele Trails und Spots hat man wohl nirgends.

Was meinen deine Familie und Freunde zu deinem nicht ungefährlichen Sport?

Wenn ich davon erzähle, finden sie es alle ganz cool, aber für sie selber wäre das nichts. Dafür ist es ihnen zu krass und gefährlich. Eigentlich sind mir bisher keine negativen Reaktionen zu Ohren gekommen. Nur ab und zu ein paar Sprüche, wenn ich kleinere Blessuren mit nach Hause bringe. Haha, aber wer kennt das nicht?!

Schöner 360er, einem von Simons Lieblingstricks auf seinem Scott Voltage:

Wie begegnen dir die Kollegen aus anderen Bike-Disziplinen, bekommst du die Grabenkämpfe innerhalb der MTB-Szene zu spüren?

Wie man in den Wald ruft so schallt auch wieder raus. Oder so ähnlich. Wir fahren doch alle nur Fahrrad.

Mit welchem Bike bist du primär unterwegs?

Meisten mit meinem Voltage Hardtail, aber vor kurzem habe ich auch ein Voltage FR Fully bekommen, das Rad ist ziemlich geil im Wald.

Danke für das Interview und viel Erfolg und Spaß für 2010!


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