HomeAllgemeinBrothers in Dirt: Schwalbe Dirty Dan & Wicked Will — 14. Februar 2010 19:20

Brothers in Dirt: Schwalbe Dirty Dan & Wicked Will

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Das Schwalbe es mit dem Gravity-Bereich ernst meint, ist spätestens seit der Kooperation mit dem Yeti Weltcup Team klar – eines der stärksten Teams mit Aaron Gwin, Sam Blenkinsop (jetzt auf Lapierre) und Abo-Gewinner Jared Graves will, so viel ist sicher, mit vernünftigen Reifen unterwegs sein.

Dafür hat man bei Schwalbe einiges nachgebessert, nachdem die Beginne der reinen Downhillreifen mit Al Mighty etwas durchwachsen waren: Ein springender Draht lies die Reifen von der Felge rutschen – nicht gerade das, was man im Weltcup (und auch privat) braucht. Doch Al Mighty ist lange vergessen, 2009 sind zwei von Grund auf neue Reifen speziell für den Downhill Einsatz vorgestellt worden: Der Spezialist für trockene Böden hört Schwalbe-typisch auf die Alliteration Wicked Will, sein Kollege und Bruder im Aufbau für nasse Böden auf Dirty Dan.

Dirty Dan gibt es als Downhill Reifen in der Dimension 26 X 2,35″, Wicked ist in 2,35″ und 2,5″ erhältlich. Wie sich die beiden Kollegen fahren lassen, haben wir für euch getestet:

Für den Matschreifen-Test suchten wir uns ein Niederschlagsreiches Wochenende in den Allgäuer Alpen aus – es wurde leider etwas zu kalt, sodass oben auf den Bergen schon Schnee lag, ansonsten gab es aber jede Menge Eis, Schneematsch, Matsch, nasse Wurzeln, Steine und Lehm – beste Zutaten also, um einen Reifen auf Herz und Nieren zu testen.

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Unser Testride in den Bergen um Oberstdorf fiel leider vollkommen in den Schnee…

Gondel zum Gipfel? Fehlanzeige. Bei geringem Reifendruck (1,5 Bar) rollt Dirty Dan auf der steilen Straße zum Nebelhorn wie zu erwarten mäßig, die Gooey Gluey Mischung, die groben Stollen und der niedrige Druck sind nicht die Mittel, mit denen man einen geringen Rollwiderstand generiert. Also ab ins Gelände, zunächst durch Schnee, dann in den Matsch.

Um es kurz zu machen: Beeindruckend. Schnee ist nicht mehr rutschig, matsch verliert seine Matschigkeit, es ist Dirty Dan so ziemlich egal, worauf man herumfährt, der Reifen greift einfach und bietet einen angenehm breiten Grenzbereich. Je tiefer der Boden, desto besser der Grip. Verantwortlich dafür sind – das ist kein Geheimrezept – die langen Stollen. Was aber dennoch erstaunt: Nasse Wurzeln – kein Problem. Glitschige Steine – Kein Problem. Erreicht wird dies durch den vergleichsweise harten Kern der Stollen, wodurch sie im Vergleich zu Maxxis’ Wetscream deutlich weniger zum Abknicken neigen und der Reifen sich weniger schwammig fährt. Dank der großen Stollenabständen ist die Selbstreiningung gut, was allerdings die Waschmaschine etwas stärker fordert – der Reifen spritzt sehr stark.

Was man Dirty Dan aber nicht abverlangen sollte, ist, ihn in der Ebene beschleunigen zu wollen. Auf Grund des hohen Gewichts (1378g und 1354g bei uns auf der Waage), der dicken Karkasse und der langen Stollen mit weicher Gummimischung gibt es definitiv schöneres.

Der Rollwiderstand soll aber spürbar sinken, wenn man die Mittelstollen kürzt und einen höheren Luftdruck fährt.

Was auffällt: Der Reifen ist schwerer und voluminöser als z.B. ein Maxxis Wetscream. Grund hierfür ist die deutlich größere Breite (und auch Höhe) und die massiveren Stollen. Im Vergleich zu oben genanntem wirken sie dicker und haben einen stabileren Unterbau. Vorteil davon: Wird der Untergrund härter, knicken sie nicht ab, das Fahrrad fährt sich nicht so “wobbelig”, Kurven können wesentlich optimistischer genommen werden.

Das höhere Volumen sorgt ebenfalls für eine bessere Allround-Eignung, wenn die Strecke also nicht nur über eine durchnässte Wiese, sondern auch über Steine und Wurzeln führt, hat man hier eine gute Wahl getroffen. Nur bei den ganz extremen Bedingungen (Wer von euch erinnert sich noch an Kaprun 2004(?)?) dürfte der Reifen dann doch zu breit sein.

Fazit: Dirty Dan hält, was er verspricht: Er ist ein Klasse Reifen für nasse Bedingungen, ohne dabei nur für tiefe Böden geeignet zu sein – der Grip ist superb und die Allroundeignung für einen Matschreifen hoch. Einziges Manko eventuell das hohe Gewicht – dafür braucht man sich bei niedrigem Druck aber auch wenig Sorgen machen. Durchschläge hatten wir keine zu verzeichnen. Ein kleiner Fehler findet sich aber doch noch und zwar in der Marketingabteilung von Schwalbe: Dan Atherton ist bei Continental unter Vertrag, steht aber hier für den Namen Pate?

Wicked Will – wir fuhren ihn in 2,5″ – ist so ziemlich der dickste Reifen, der mir je ans Rad kam. Und der höchste noch dazu – die Matsch-Schutz-Vorrichtung an meinem Ironhorse 6Point musste kurzerhand dem fetten Reifen weichen. Bei einem Maxxis Minion 2,35″ sind hier noch gut 1,5cm frei…

Das Profil von WW ist relativ geschlossen und flacher als bei Muddy Mary, das Gummi (Gooey Gluey) weich, aber zäh und die Nocken stabil. Der Rollwiderstand ist erwartungsgemäß deutlich geringer, als beim Dirty Dan aber dennoch kein Laufwunder. Immerhin halten keine umknickenden Stollen oder dergleichen den Vortrieb auf. Stattdessen ergibt sich durch das hohe Volumen und den in Kombination mit der stabilen 2-Ply-Karkasse realisibaren geringen Reifendruck eine satte Auflagefläche und eine hervorragende Eigendämpfung.

Auf dem Trail ist der Reifen schnell, bietet guten Grip auf Steinplatten oder Wurzeln und dämpft hervorragend. In Kurven und beim Springen macht sich aber das hohe Gewicht (1418g und 1435g) (!) bemerkbar. Das ist alles Andere als Leichtbau aber auch hier gab es nicht mal annäherend einen Platten oder Durchschlag. Wir sind den Reifen mit 1,5 Bar und 135g XC Schläuchen gefahren.

Mein Tip deshalb: Den Reifen in 2,35″ kaufen und über einen starken Reifen freuen, der, besonders am Hinterrad, ein Alleskönner ist. Am Vorderrad würde ich ihn wegen der schwach ausgeprägten Längsstollen nur bei wirklich trockenen, harten Böden empfehlen, sonst fährt man mit etwas gröberen Stollen im Downhill besser.

Hinten aber halte ich das kompakte Profil für optimal, gerade auch wenn man es gerne mal rutschen lässt oder steinig mag. In der geringeren Breite liegt auch das Gewicht eher im Rahmen. 2.5″ sind meiner Meinung nach zu viel (gerade bei Schwalbe), auch wenn die Dämpfung beeindruckt.

Was lässt sich abschließend sagen?

Erfreulich, dass Schwalbe sich im Weltcup engagiert und auch der Hobbyfahrer davon profitieren kann. Mit Dirty Dan und Wicked Will komplettiert sich ihre Palette, sodass in Kombination mit den Alleskönnern Muddy Marry und Big Betty für wirklich jeden Bikepark-Fahrer der richtige Reifen dabei sein sollte. Meine Lieblingskombination bei Schwalbe wären MM oder BB mit Doppelkarkasse am Vorderrad in 2,35″, am Hinterrad definitiv Wicked Will in 2,35″.

Ein Tipp noch am Rande, der uns beim Testen aufgefallen ist:

Wer eher sauber bergab fährt und auch noch den Berg hinauf fahren muss, der sollte sich zwei andere Reifen ansehen: Den Maxxis Ardent in der Kevlar Version und den neuen Schwalbe Fat Albert… der hat nichts mehr mit seinem Vorgänger zu tun und beide Reifen liefern eine hervorragende Allroundperformance, bieten starken Grip und vor allem ein richtig niedriges Gewicht!

Gewichte – Übersicht:

Alle weiteren Information zu Wicked Will und Dirty Dan findet ihr bei Schwalbe, wenn ich auf die Links klickt.


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