Der größte Teil ist geschafft, jetzt kommen die Berichte zur sechsen Etappe. Den Anfang machen wieder Daniel und Nico von den Cosmic Challengern:

6. Etappe

Ponte di Legno – Male

Nach der gestrigen Mammut-Etappe ging es heute über 73km und 2363 Höhenmeter nach Male. Um 6 Uhr wurden bereits unsere Taschen abgeholt – das bedeutete 6 Stunden Schlaf. Aber wir waren trotzdem motiviert, nach der Leistung von gestern können wir sehr zufrieden sein. Die 10km Abfahrt ab unserem Hotel von Passo del Tonale, das im Sommer ziemlich verlassen ist, nach Ponte di Legno waren sehr spaßig, so muss ein guter Biketag anfangen. Am Start/Ziel Bereich angekommen das tägliche Prozedere: High5 Stand aufsuchen um Gels zu kaufen, letzter WC-Gang und der Kampf um die Startplätze. Leider starten wir wieder aus Block C.

Fällt der Startschuss kann man sich dann ganz gemütlich anziehen, bis Block C startet vergehen dann mal 2-3min. Ohne große Umwege ging es heute direkt in den ersten Berg, 1200 Höhenmeter über einen Wanderweg, welcher zum Großteil nur eine fahrbare Spur hatte. Erstaunlicherweise waren unsere Bein ganz gut, wir arbeiteten uns Platz um Platz nach vorne. Es macht einfach riesig Laune wenn es nach vorne geht und man Druck auf dem Pedal hat. Allerdings vergisst man vor lauter Ehrgeiz, dass man doch über 4 Stunden im Sattel sitzt. Denn oben angekommen ging es direkt in einen Singletrail welcher Konzentration und Kraft im Stehen forderte… Also werden Riegel und Gel eingeworfen während der Fahrt in der Hoffnung nicht rechts den Abhang runter zu stürzen. Dann noch schnell Iso Trink einwerfen und nach 5min geht langsam die Konzentration wieder aufwärts. Die restliche Strecke bestand aus Anstiegen mit etwa 400 Höhenmeter, teilweise Wanderwege, teilweise wunderschöne flowige Singletrails. Der Tag war einfach toll, super Strecke und tolles Wetter. Wir starten immer mit 2 x 700ml vollen Trinkflaschen und kamen mit den Verpflegungsstationen ganz gut klar. Doch heute waren wir nach dem ersten Anstieg sehr gut platziert und weit vorne, so dass wir weder die Landschaft um uns gesehen haben, Bilder unterwegs machen konnten und die letzte Verpflegungsstation komplett ausgelassen haben. Nach der 15km Abfahrt kam nämlich der letzte Teil nach Male: 15km leichte abfallende Bolzerstecke auf Teer. Teilweise Radwege, teilweise Straße mit kleinen Rampen im Zielort. Zu diesem Zeitpunkt müssten wir um die Top70 gelegen haben und waren mit einem Team aus Italien auf Windschattenfahren gut bedient. Bis dann diese verdammte 4cm Glasscherbe Nicos Reifen aufschlitzte, der hinten tubeless fährt mit Schwalbe docblue Milch. Das Loch war aber so groß, dass die Flüssigkeit nichts abgedichtet hat. Nico wollte es erst nicht glauben, bis dann bei 50km/h das Hinterrad komplett die Luft verlor.

Anhalten, Laufrad raus, Nico entfernte das tubeless Ventil, Daniel bereitete Schlauch und CO²-Patrone vor, Scherbe suchen und entfernen, Schlauch rein, Patrone schießen und Laufrad rein. In der Summe dauerte es dann aber doch 2-3min und geschätzte 30 Fahrer später waren wir erst wieder auf dem Bike. Das war der zweite Platten innerhalb den 6. Transalpetappen.

Voller Wut im Bauch versuchten wir im Alleingang an die zwei großen Gruppen, die uns überholt hatten, ranzufahren. Mit Gegenwind bei über 50km/h und Puls Anschlag 180 nach über 4 Stunden Fahrt keine einfache Gelegenheit. Wir kämpften bis zum Ziel, die letzten 2 Rampen im Wiegetritt übersprintet, doch unsere gute Platzierung war weg. Platz 92 nach 4:30h. Wir sind superhappy darüber und freuen uns auf die letzten beiden verbleibenden Etappen, morgen nach Madonna und am Samstag die letzte Etappe nach Riva. Einerseits ist es wirklich eine Schinderei, jeden Tag am Limit zu fahren, andererseits ist es einfach traumhaft, den schönsten Sport mit den tollsten Landschaften und Strecken zu erleben.

Noch ein paar Worte zu unserem Tacho:

Wir hatten die Möglichkeit, den Sigma Rox 9.0 green line zu testen. Nach nun 6 Tagen sind wir sehr zufrieden mit dem Gerät. Die Verarbeitung und das Finish sind sehr gut, alle Teile die man benötigt (Interface, Trittfrequenz, Pulsgurt, Speedsensor, div. Kleinmaterial) ist im Lieferumfang enthalten. Zur Funktion selber ist zu sagen, dass er nonstop funktionierte und nie Probleme macht. Zuverlässigkeit ist wohl das Wichtigste bei Pulsuhren. Die Interfacesoftware macht schöne Auswertungen, welche ideal zur Trainingsverfolgung auch als pdf abzuspeichern sind. Man kann sich eigene Bildschirmkonfigurationen erstellen und hat somit alle Informationen die man benötigt auf einen Blick. Betrachtet man den Preis für das Komplettpaket bekommt man nirgends mehr Leistung fürs Geld.

Und auf den Schlag folgen Ronald und Jana vom RC Dresden

Etappe 6 – der beste Trail der Welt

Zumindest in meinem bisherigen Leben. Als wir heute gleich nach dem Start zum Passo Tonale hinaufgefahren sind, hat sich dann nach quälenden 1250HM Schotterauffahrt ein sensationeller Pfad am Hang entlang geschlängelt. Maximal 30cm breit gab es aber nicht viele Momente um die Aussicht zu genießen. Da wir es auch heute wieder nicht geschafft hatten mal nicht als letzte in den Startblock B hineinzukommen, hat natürlich auch der ein oder andere Mitstreiter etwas den Flow gestört. Ich habe das Anfangsstück dann auch noch mit einer offenen aktiv3 Geltube im Mund zurückgelegt, die Jana eigentlich für das Ende des Anstieges “bestellt” hatte, dann sicher aber lieber doch gleich in den Trail gestürzt hat. Ansonsten lief es besser als gestern, zumindest technisch. Die Aufholjagden nach jeder Panne gestern und die fehlende Regeneration danach, weil alles durch die Etappenlänge so knapp war, hatten in unseren Beinen doch deutliche Spuren hinterlassen. Deswegen wird der Gesichtsausdruck früh im Bus auch etwas müder…

Immerhin hatten wir nach dem ersten Anstieg die Top Ten erreicht. Die schweren und schnellen Schotterabfahrten sind aber immer noch unser größter Schwachpunkt, hier verlieren wir in kürzester zeit wieder hunderte, mühsam am Berg erkämpfte Meter. Da die Etappen zum Ende hin immer etwas flacher sind und ich da ganz gut zurechtkommme, versuchen wir da immer wieder verlorenen Boden gut zu machen. Heute hatten wir aber nur Männerteams die nicht mitgemacht haben, teilweise grotesk, wenn ich mit Jana dran führe und die einfach hinten drin hängen. So konnten wir Teams, die wir am Anstieg schon mal überholt hatten, leider nicht alle wieder einholen. Wiedermal Platz 11, auf Platz 9 hat aber weniger als 1 Minute gefehlt, auf P8 waren es wohl auch nur 4 Minuten.

Heute war ja von der Länge her die letzte “richtige” Etappe. Morgen haben wir nur knapp 50km! Mir wurde aber gerade gesagt, diese hätte es sehr in sich, weil es trotzdem 2.300HM sind, also extrem steil.

Und wenn ich immer von Ziehen oder Schieben schreibe, heißt das übrigens keinesfalls, dass Jana nicht ordentlich Gas gibt, aber Mixed Teams funktionieren einfach nur so, der Mann muss immer alles geben um die Frau noch schneller zu machen. Hatte ich mir auch mal einfacher vorgestellt, so bin ich aber wirklich oft auch an meinen Grenzen. Meine Hände sind das inzwischen auch, es gibt ein paar feine Blasen, welche die Downhills zum lustlosen Ereignis machen. Es ist kaum zu glauben, aber langsam fahre ich lieber hoch als runter. Also noch 2 Etappen und dann ist es geschafft, Riva ist nah… Morgen geht es erstmal nach Madonna di Campiglio.

Ciao

Ronald

Die neuesten Kommentare
  1. benutzerbild

    Renn Maus

    dabei seit 07/2001

    Ich freue mich auch jeden Tag auf einen weiteren, tollen Trans-Alp Bericht.
    Weiter so!!!
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    giant86

    dabei seit 04/2010

    Danke für das Lob. Berichte von Etappe 7 folgt bald, haben heute die Top50 geknackt!!!

    Team Cosmic Challenger II
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    giant86

    dabei seit 04/2010

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    Catsoft

    dabei seit 09/2001

    nuts
    Heute hatten wir aber nur Männerteams die nicht mitgemacht haben, teilweise grotesk, wenn ich mit Jana dran führe und die einfach hinten drin hängen.
    Das kenn ich von der Transalp leider auch zur genüge. Die wissen genau, dass der Mann im Mixed-Team die Pace machen muss und hängen nur hinten drin :(

    Robert

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