Alpenüberquerungen und technische Pfade im Hochgebirge sind die Spezialgebiete von Carsten, der hier im Forum auch als Moderator aktiv ist. Im IBC-Interview erfahrt ihr mehr über den passionierten Bikebergsteiger.

Wer ist Carsten Schymik?

Carsten Schymik ist 36 Jahre alt, Familienvater und seit über 18 Jahren begeisterter Mountainbiker. Seit 1997 macht er seit jedem Jahr eine Alpenüberquerung und berichtet darüber ausführlich mit Fotos und Reiseberichten auf seiner Webseite www.schymik.de. Einige der Touren wurden von seinem Bruder Roland verfilmt und sind auf DVD erhältlich. In den letzten Jahren ist er auf der Suche nach neuen Trails, fernab der üblichen Routen. Technische Trails in alpiner Landschaft sind zur echten Leidenschaft geworden. Zudem ist er bei MTB-News als im Forum “Reise Routen und Reviere” als Moderator tätig

Wie bist du zum Mountainbiker geworden?

Ich bin als Teenager mit meinen Kumpels mit dem Dreigangrad, Satteltaschen, Zelt und Raviolidosen im Gepäck in den Ferien in Deutschland die Flüsse abgefahren. 1992 wollte ich mir eigentlich ein Trekkingrad kaufen. Ein Klassenkamerad hat das zum Glück verhindert und mich zum Kauf eines Bikes überredet. Das war damals etwas völlig neues bei uns in der Provinz. Ich habe mir denn Wanderkarten gekauft und nach roten Linien gesucht. Somit habe meine zweite Leidenschaft entdeckt, das Trailhunten. Inzwischen reicht mir ein kurzer Blick auf die topografische Karte, und ich kann Dir sagen wo die besten Trails zu finden sind.

Was war dein erstes Bike denn für ein Modell?

Was da für ein Name drauf stand, weiß ich nicht mehr. Ein bleischwerer Stahlrahmen, eine Deore LX Schaltung und Cantilever-Bremsen. Damit habe ich denn 1992 meine erste Tour in den Alpen gemacht. Auf den Herzogstand am Kochelsee. Ich bin damals schier verdurstet, weil die Hütte oben gerade wegen Umbau geschlossen war. Aber ich war oben am Gipfel. Aus eigener Kraft hoch geradelt. Ein wichtiges Ereignis in meinem Leben

Wie bist du auf MTB-News.de gestoßen und was motivierte dich, dort aktiv zu werden?

Ich war also schon sehr sehr früh dabei. Ich hatte ein paar Monate zuvor meine eigene Webseite veröffentlicht. Ich glaube damals gab es nur ein paar dutzend deutschsprachige MTB-Seiten im Internet. Dann hat mir Tom eine Mail geschrieben, er wolle auch was machen, ob ich eine Idee hätte was man so brauchen könnte. Das war zu einer Zeit, als nicht jeder eine Mail-Adresse oder einen eigenen Internetzugang hatten. Dinge wie Smartphones, Facebook, Twitter oder eine Community wie die IBC waren noch nicht mal Science Fiction. Dann hat Tom MTB-News.de gegründet und ich habe ihm denn angeboten, eines der fünf Subforen als Moderator zu betreuen. So bin ich bei den Reisen gelandet.

Welchen Forumsbereich checkst stets als erstes ab?

Seit ungefähr einem Jahr auf alle Fälle die News. Die sind deutlich besser und wertvoller geworden und beinhalten jeden Tag was lesenswertes. Dann natürlich den Hochtourenthread in der Galerie, ab und zu das Litevilleforum und natürlich den Reisebereich.

Welche konstruktiven Vorschläge hättest du, mit denen das Forum verbessert werden könnte?

Es gibt einige Forenbereiche, in denen viel Quatsch geredet wird und auch Leute persönlich angegriffen werden. Ich denke mal das liegt unter anderem an der Anonymität im Forum. Dagegen ist man beispielsweise bei Facebook mit seinem Realname drin und man läuft Gefahr, dass auch mal der Nachbar oder der Chef über sein Profil stolpert. Da überlegt man sich schon, was und wie man schreibt. Das schadet meiner Meinung nach nicht. Das Reiseforum und der Hochtouren-Fotothread sind da innerhalb des Forums wohl noch eine Insel der Glückseligkeit. Hier herrscht in der Regel ein angenehmer und respektvoller Umgangston. Ansonsten würde der IBC auch mal ein Facelift ganz gut stehen.

Du bist als Transalp-Fan mit Hang zu technischen Trails bekannt. Seit wann interessiert Dich das Hochgebirge?

Ich bin glaube schon immer ein Kind der Berge. Ich wurde schon als Zweijähriger in der Kraxe auf den Gipfel geschleppt und in den Urlaub sind wir auch immer in die Berge, an den Gardasee oder nach Korsika gefahren. Richtig angefangen hat das denn beim zweiten Alpencross. Da haben wir die Bikes über die Schneebergscharte und das Eisjöchl geschleppt. Das war genau mein Ding. Und danach komplett abfahren, ohne den Fuß vom Pedal zu nehmen. Unglaublich! Aber irgendwann kommt der Punkt, da erkennt man, das Pässe fahren nicht alles ist. Denn ein Pass ist immer der tiefste Punkt zwischen zwei Bergen. Daneben geht es weiter hoch. Erst wenn Du auf dem Gipfel stehst, dann bist Du ganz oben.

Du bezeichnest dich auch als Bikebergsteiger. Wie bist du zu dieser Nische im Bikesport gekommen?

2004 habe ich Harald Philipp kennen gelernt und so bekam ich noch im selben Jahr die Ehre die Vertrider in Innsbruck zu besuchen. Bis dahin habe ich immer gedacht, ich hätte etwas drauf. Aber die Jungs haben mir mal richtig gezeigt, wo der Hammer hängt und was Biken wirklich bedeutet. Ich habe mir dann ein richtiges Bike gekauft und Fahrtechnik trainiert. Nach und nach habe ich einige in meinem Freundeskreis mit diesem Virus angesteckt und inzwischen fahren hier in Aalen einige mit Bashring, fetten Reifen und sattem Federweg durch den Wald.

Die Bikebergsteiger sind eine besondere Gruppe von Bikern. Viele kennen sich persönlich, man tauscht sich aus und hier herrscht noch echter Pioniergeist. Nichts mit vorgekauten Touren, geprüft vom Tourismusverband mit Schotterweggarantie und Einkehrmöglichkeit.

Besonders gefällt mir beim Bikebergsteigen der Teamgeist. Die bei Radfahrern und Bikern durchaus häufig anzutreffende Rivalität, das Rennen „wer ist zuerst oben“, „wer kann besser, schneller oder extremer runter fahren“ findet man hier nicht. Gemeinsam ankommen ist das Ziel, heil runter kommen ist stellenweise auch Teamarbeit. Man hilft sich, sei es in einer Kletterpassage wo die Bikes durchgereicht werden müssen oder beim Spotten an einer Schlüsselstelle der Abfahrt.

Zudem kann ich beim Bikebergsteigen eines meiner weiteren Hobby genießen: Das Bergwandern bis zum Gipfel. Und für die Abfahrt habe ich denn eine Abstiegshilfe dabei, wie beim Skitourengehen.

Gibt es denn immer noch technische Passagen, die dir sehr zu schaffen machen?

Wenn der Untergrund bröselt, der Abgrund gähnt und die Stufen verdammt hoch werden. Dann setzt das Hirn ein und ich steige ab. Ein Sturz im hochalpinen Gelände ist etwas Anderes als ein Abflug im heimischen Wald. Zudem mag ich Spünge nicht besonders.

Welche Rollen spielen Stürze für dich und deinen Fahrstil? Was war dein übelster Crash?

Ein Sturz ist ein absolutes NoGo. Beim Alpencross und erst recht beim Bikebergsteigen. Bei uns in der Gruppe ist abends eine Runde fällig, wenn sich tagsüber einer ablegt. Wir sind 2009 zu fünft die Transalp Tirol gefahren. Sieben Tage bis an den Gardasee, 100 % Sturzfrei. Was aber nicht bedeutet, dass wir an Schlüsselstellen abgestiegen sind, um zu schieben. Bei Gipfeltouren kann ich von mir leider nicht behaupten, dass alles immer reibungslos und sturzfrei verlaufen ist. Meist geht es gleich am Gipfelkreuz mit technisch sehr anspruchsvollen Passagen im Fels los. Man ist noch nicht warm, hat sich noch nicht eingerollt und es geht gleich in die Vollen. Im Herbst bin ich mit dem Pedal an einem Felsen hängen geblieben und habe mich überschlagen. Das hätte echt ins Auge gehen können. Ich habe reflexartig versucht so schnell wie möglich auf den Boden zu kommen, egal wie ich lande, nur nicht zu weit fliegen und Abstürzen. Das ging gerade noch mal gut, für mich und für das Bike, welches ich nach meinem Einschlag gerade noch in der Luft schnappen und festhalten konnte. Mein übelster Crash beim Biken? 2007 auf dem Westalpencross. Wir waren schon ziemlich lange unterwegs an dem Tag, dann haben wir uns verzettelt, es gab in der Gruppe Diskussionen über die weitere Wegführung und ich hab mich kopflos eine steile Holztreppe runter gestürzt. Da hab ich mich denn überschlagen und mir den linken Ellenbogen demoliert. Ich konnte zwar noch auf dem Radweg weiter fahren, aber die Tour war für mich gelaufen. Das war es nicht wert. Fakt ist: Ein Crash bedeutet mehrere Tage oder gar Wochen Bikeverzicht, und das ertrage ich bestimmt nicht.

Wie setzt du die sogenannte Singletrail-Skala ein und welchen Sinn macht sie für dich?

Wir haben uns das mal auf einer mehrtägigen Tour ausgedacht. Beim Klettern gibt es so etwas und in anderen Sportarten auch. Harald Philipp, David Werner und ich haben die Skala denn weiter verfeinert und veröffentlicht. Leider ist sie von den Printmedien und von Buch- und Tourenautoren nicht in dem Umfang angenommen und verwendet worden, wie wir uns das eigentlich mal erhofft haben. Für mich persönlich macht es auf jeden Fall Sinn Abfahrten in Tourenbeschreibungen, besonders bei Alpencrossrouten nach der Skala einzustufen. Da weiß jemand, der die Tour nach fahren will, was ihn erwartet und ob die Tour für ihn geeignet ist. Auch für das Finden des richtigen Tourenpartners kann die Singletrail-Skala hilfreich sein. In meiner eigenen Passdatenbank auf meiner Webseite habe ich alle Pässe, die ich selbst gefahren bin und dort veröffentlicht habe, eingeteilt. Und das sind schon eine ganze Menge.

Auf deiner Webseite führst du deine Sponsoren auf. Bekommst du Material gratis oder wie sehen da die Kooperationen aus?

Nachdem mein Bruder 2004 die erste DVD veröffentlicht hat, habe ich mal bei einigen Firmen angeklopft und nachgefragt, ob sie mich etwas unterstützen wollen. Ich bekomme zum Teil ganz neues Material vor der Markteinführung und kann den Herstellern so wertvolles Feedback vom Einsatz auf meinen Touren geben. So kann ich zumindest einen Teil meiner Materialkosten und die Verschleißteile wie Reifen und Kettenblätter besorgen. Auch die High-Tech-Kleidung von X-Bionic trage ich unheimlich gerne, weil sie einfach gut ist. Wenn ich die Trikots nicht bekommen würde, dann hätte ich sie mir gekauft. Beim Liteville Rahmen ist das das Gleiche. Ich benötige Material, auf das ich mich unterwegs zu hundert Prozent verlassen kann. Und da ich in den Wintermonaten zweimal täglich in der Dunkelheit unterwegs bin, brauche ich ein anständiges Licht am Bike. Früher habe ich mir selber Lampen gebastelt, seit der Kooperation mit MyTinySun kann ich auf modernste LED-Technik zurückgreifen und den Entwicklern dort Vorschläge zur Weiterentwicklung und Verbesserung der Produkte liefern.

Was hast du für 2011 an Reisen und Projekten geplant?

Ich werde wie jedes Jahr im Mai an den Gardasee fahren und im September eine Alpentour machen. Zudem werde ich mir eine Region der Alpen noch einmal genauer ansehen und dort viele Touren fahren.

2010 habe ich ziemlich viele krasse Sachen gemacht. Gipfel, bei denen der Aufstieg oft sehr anspruchsvoll und bisweilen grenzwertig war. Dazu Abfahrten mit Neuschnee drin und auf fahrtechnisch höchstem Niveau. Irgendwann hat mich nichts mehr geschockt, so nach dem Motto „vor zwei Wochen war es noch extremer“. Ich glaube ich muss mal einen Gang zurück schalten und wieder Touren fahren, die ich danach weiterempfehlen und veröffentlichen kann (grinst). Ansonsten interessieren mich Rennen, wie die Liteville Trail Trophy und der Megavalanche in Alpe d’Huez. Da wird nicht nur runter geballert, es kommt auch auf Taktik und Kondition beim Uphill an. Ob es nächstes Jahr allerdings was wird, kann ich noch nicht sagen.

Welche Gebiete in den Alpen haben es dir besonders angetan?

Die Dolomiten sind landschaftlich unschlagbar. Da werde ich sicher immer wieder hin fahren. Leider kann man dort mit dem Bike nicht überall legal und ungestört fahren. Daher zieht es mich immer wieder nach Graubünden und ins Wallis. Dort ist man willkommen und gern gesehen. Zudem bieten die beiden Schweizer Kantone einfach die schönsten Trails auf Erden.

Welche ausländischen Regionen zum Biken reizen dich außerhalb der Alpen?

Finale Ligure ist immer einen Besuch wert. Ich war dreimal dort und werde sicher mal wieder hin fahren. Zudem will ich unbedingt mal nach Korsika, nach La Palma und natürlich mal nach Utah. Mich ziehen karge und felsige Regionen magisch an. Im Wald rum gurken tue ich jeden Tag, im Urlaub muss ich raus und den Himmel sehen.

Fährst du nur Fullys oder taugt dir auch manchmal ein gutes Hardtail?

Bis vor zwei Monaten hatte ich zwei Hardtails. Ein Uraltes für Regenwetter und Eines für den täglichen Weg zu Arbeit. Die habe ich jetzt auf Eines reduziert und mir stattdessen noch ein zweites Fully aufgebaut. Fakt ist jedenfalls, dass ich bisher die meisten Kilometer auf dem Hardtail abgespult habe. Das liegt aber vor allem daran, dass ich damit täglich zur Arbeit fahre und morgens oder abends noch ein paar Kilometer dran hänge, statt den direkten und kürzesten Weg zu nehmen. Mit dem Hardtail habe mich damit fahrtechnisch schön pushen können in den letzten Jahren. Die Stelle geht mit dem Fully, also probier ich es mit dem Hardtail auch noch. Dass da ein leichtes XC-Bike schon mal an seine Belastungsgrenze kommt liegt auf der Hand.

Welche Einstellung hast du gegenüber Bikeparks?

Um es vorweg zu nehmen: Ich finde es gut, dass es so etwas gibt. Für viele Biker ist es der ideale Ort, um sich auszutoben, einfach nur Spaß zu haben oder an seiner Fahrtechnik zu feilen. Mich persönlich reizen die gebauten Stecken und die Sprünge, Northshores und Drops überhaupt nicht. Die Abfahrten sind mir in der Regel zu schnell, zu untechnisch oder dann wieder zu krass. Eine Ausnahme ist da wohl der Nordketten-Singletrail in Innsbruck. Das ist einfach ein schwerer alpiner Trail, der meiner Art zu Biken schon näher kommt. Generell stehe ich den Bikeparks aber auch skeptisch gegenüber. Oft wird damit versucht zu kanalisieren. Und das bedeutet leider meist auch banalisieren: “Da gibt es eine Stecke, da geht hin und fahrt dort, aber die Berge drum herum, da habt Ihr nix zu suchen”. Das wäre, als würde man einem Kletterer eine Bockleiter in den Vorgarten stellen und ihm verbieten am Felsen nebendran seinem Hobby nachzugehen. Beim Skifahren gab es eine ähnliche Entwicklung: Bleibt brav auf der Piste, im Tiefschnee habt Ihr nichts zu suchen und da ist es eh lebensgefährlich, da gibt es nämlich überall Lawinen. So was prägt sich denn in die Köpfe der Menschen ein und alle sehen einen entsetzt an, wenn man ihnen erzählt, dass man auf Skitour geht. Ich hoffe dass es beim Biken so einen Trend nie geben wird.

Nimmst du auch an Marathons oder XC-Rennen teil?

Ich bin früher regelmäßig Marathons gefahren. Ich habe sogar ganz passable Ergebnisse erzielen können. Der Aufwand für die Marathons ist mir aber irgendwann zu groß geworden. Monate davor anmelden, denn trainieren, Kilometer abspulen und dann wird man drei Tage vor dem Rennen krank oder das Wetter ist so, dass man eigentlich keinen Hund vor die Tür schicken möchte. Seit ich weniger Zeit habe nutze ich ein Wochenende lieber für eine schöne Tour in den Bergen, als mit 2000 anderen Bikern auf langweiligen Schotterwegen rum zu gurken. Ich habe mich weiter entwickelt, aber die Stecken wurden mir einfach zu langweilig, technisch zu anspruchslos und zu wenig selektiv. Vielleicht versuche ich es in ein paar Jahren wieder, wenn ich in einer Altersklasse bin, in der ich wieder vorne mit fahren kann, haha. Zum Thema Cross Country: Hobbyrennen bei uns in der Gegend bin ich immer wieder mit gefahren und werde das auch in Zukunft tun. Da stehen denn Freunde und Bekannte an der Strecke und klatschen. Im Profibereich ist der Trainigsaufwand immens und viele Rennen zu bestreiten ist beinnahe ein Full Time Job. Gereizt hätte mich das schon, zumal die Stecken durchaus anspruchsvoll und abwechslungsreich sind. Ich wohne in der Nähe von Heubach. Es ist unglaublich, was dort einmal im Jahr auf die Beine gestellt wird und was die Veranstalter vor Ort für eine traumhafte Stecke in den Wald gegraben haben. Ich bin öfters dort und fahre die Abfahrt gerne. Leider darf man beim Hobbyrennen nur eine kurze und anspruchslose Stecke rund ums Festzelt fahren. Schade eigentlich.

Finden deine Kinder cool, was für ein Abenteurer ihr Daddy ist? Fahren sie auch schon Rad?

Meine Mädels sind zweieinhalb und die Große wird demnächst fünf. Ich glaube ihnen ist noch nicht ganz klar, was ich auf dem Bike wirklich treibe. Jedenfalls erkennen sie mich bereits auf Fotos und freuen sich wenn Papa irgendwo zu sehen ist. Besonders, wenn er im Fernsehen kommt – wie gut dass es DVD´s gibt (grins). Die Große fährt seit letztem Sommer mit ihrem Kinderrad und hat schon ganz beachtliche Touren absolviert. Beide haben meine Gene und daher kräftig Pfeffer im Arsch. Klettern, Skifahren oder einfach im Wald rum toben, da sind sie dabei. Und mit dem Zipfelbob über Schneewehen springen, das macht Spaß, den großen und den kleinen Kindern. Ich freue mich jedenfalls schon mächtig darauf, wenn sie älter werden und ich sie mit auf meine Touren nehmen kann.

Welche technische Entwicklung der letzten Jahre findest du am wichtigsten für den MTB-Sport?

Die Viergelenker sind ausgereift und halten auch jahrelangem harten Einsatz im anspruchsvollen Gelände stand. Wenn ich bedenke, was vor 10 Jahren noch im normalen Toureneinsatz alles zu Bruch gegangen ist, dann haben wir heute schon bessere Voraussetzungen. Standfeste und langlebige Scheibenbremsen, langhubige und absenkbare und somit voll tourentaugliche Federgabeln machen extreme Touren in den Bergen überhaupt erst möglich.

Was sind deine Hometrails, die du häufig fährst?

Wir haben hier in Aalen auf der schwäbischen Alb ein dichtes Netz von Wanderwegen. Zudem bietet das Gelände mit einigen Felsen, alten Steinbrüchen und Hinterlassenschaften des Bergbaus faszinierende Möglichkeiten zum Biken und Trialen. Leider zerstört die intensive Forstwirtschaft mit ihren monströsen Maschinen immer wieder schöne Trails. Jahrelang pflegen wir zum Beispiel eine Abfahrt in einer Geländerinne, stutzen im Sommer mit der Rosenschere den wuchernden Urwald oder sägen im Frühjahr Schneebuch und Sturmholz heraus. Dann kommt eines Tages ein Bagger, schiebt eine sechs Meter breite Schneise in den Wald oder Aushub von einer neunen Turnhalle oder von einem großen Einkaufszentrum wird einfach im Wald entsorgt. Und zwei Tage später wird man im Wald angemault, man solle als Biker doch auf dem Schotterweg bleiben. Schade eigentlich, aber nach und nach werden wir Biker im Wald akzeptiert und gerne gesehen. Rücksicht und gegenseitiger Respekt ist gefragt. Dann klappt es auf dem Trail. Zudem versuchen wir immer umweltverträglich zu fahren, hinterlassen keine Spuren und bei Nässe meiden wir einige Wege, um hier keine Schlammrinnen zu erzeugen. Das Abschneiden von Kurven auf Wanderwegen und der illegale Bau von Schanzen und Nortshores mitten im Wald lehne ich dagegen ab.

Welche Touren-Route würdest du deinem besten Kumpel empfehlen und warum genau?

Als Alpencross ganz klar die Trans Alp Tirol. Diese alpine und fahrtechnisch anspruchsvolle Tour hat mein Kumpel Appi zusammen gestellt. Nach über zehn Jahren Alpenüberquerungen hat mich die Stecke sowohl landschaftlich als auch von den Trails her absolut vom Hocker gehauen. Man muss sich natürlich darauf einstellen berghoch das Bike öfters mal zu tragen und auch bergab sollte man Spitzkehren können und lieben.

Als Dreitagestour kann ich eine Rundtour im Glarner Land empfehlen. Diese ist sehr abwechslungsreich und bietet für jeden etwas. Man fährt durch die bizarre Rheinschlucht und ein paar Stunden später ist man auf dem Panixer Pass mitten in einer alpinen Gletscherlandschaft. Nur in zwei Tagen, wie ich damals mit Michael gefahren bin, ist diese lange Toureigentlich nicht machbar.

Momentan entstehen mehrere neue Bike-Zeitschriften im Printbereich – wie beurteilst du die Entwicklung von Webportalen und ihre Konkurrenz zu den Print-Formaten?

Ich finde es extrem wichtig, dass hier mal etwas frischer Wind ins Geschäft kommt. Immer nur Testberichte, neue Produkte und Touren, die man vor fünf Jahren schon mal gesehen hat, abzudrucken, mag für Einsteiger ja ganz interessant sein, ist auf Dauer aber zu reproduzierbar. Da sind neue Formate, Webmagazine mit neuen Medien wie Videos und ähnliches schon eine enorme Bereicherung. Zudem stiegt die Qualität der Berichte, Fotos und auch der Videoclips ständig. Es beeindruckt mich immer wieder, mit wie viel Herzblut, Engagement und Professionalität hier gerade von Privatleuten gearbeitet wird. Dadurch wird es aber auch für den Einzelnen und für kleine Firmen immer schwerer, da mit zu halten und sich auf dem extrem hohen Niveau im Web zu präsentieren.

Welche Sportarten außerhalb des Fahrradbereiches interessieren dich?

Im Winter gehe ich Skitouren. Dabei besteige ich gerne Berge, auf denen ich im Sommer schon mit dem Bike war. Das ist besonders reizvoll ein und en selben Ort aus zweierlei völlig unterschiedlichen Perspektiven erleben zu können. Ansonsten sind Skitouren im Winter genau die gleich Art und Weise, wie ich die Berge im Sommer mit dem Bike erlebe. Man schleppt knappe 15 kg Ausrüstung und Sportgerät mit eigener Kraft nach oben und hat dann Spaß bei der Abfahrt. Inlineskaten und Klettern habe ich auch mal angefangen, aber um das intensiv zu betreiben, dazu fehlt mir leider oft die Zeit. Im Winter gehe ich ab und zu ins Fitnessstudio und mache was für den Rücken. Eine Sache die man bei einem Bürojob zwangsläufig irgendwann mal tun muss. Aber lieber setze ich mich aufs Bike, kämpfe mich durch den Schnee und zur Not trage ich das Bike halt durch den Wald. Immer noch besser als stundenlang auf der Rolle zu sitzen und dabei die Wand an zustarren. So etwas kommt für mich nicht in Frage. Interessieren tun mich zudem alle Sportarten, die irgendwie etwas mit Bergen und Outdoor zu tun haben. Schnell und Actionreich müssen sie sein. Für Ballspiele und besonders für Fußball kann ich mich jedoch ganz und gar nicht begeistern.

Welcher Bike-Trip wird dir immer als beste Reise in Erinnerung bleiben?

2004 sind wir zu viert in meinem Passat mit Bikes auf dem Dach und Schlafsäcken im Kofferraum sechs Tage lang durchs Trentino von Trail zu Trail getourt. Geschlafen haben wir unter freiem Himmel, gekocht haben wir auf dem Gaskocher und den ganzen Tag sind wir auf dem Bike gesessen und haben echt geniale Touren gemacht. Abends sind wir dann mit dem Auto ein Stückchen weiter gefahren, so dass wir am nächsten morgen von dort aus gleich zur nächsten Tour starten konnten.

Dein perfekter Tag sieht folgendermaßen aus:

Sehr früh aufstehen, in Ruhe Zeitung lesen, Laptop an, Mails checken, Facebook durchschauen, den Kids und der Frau ade sagen, aufs Bike setzen, zwei Stunden durch den Wald fahren, eine Schlüsselstelle meistern, spät in die Firma gehen, duschen, Frühstücken, etwas arbeiten, ganz früh Feierabend machen, weil die Sonne scheint, noch eine Runde Biken gehen, was mit den Kids unternehmen, grillen, chillen und den Tag langsam ausklingen lassen.

Danke für das Interview und viel Spaß in der Saison 2011!

Carsten in bewegten Bildern:

…Mountainbiken beginnt dort wo der Kiesweg aufhoert: im IBC TV ansehen
Die neuesten Kommentare
  1. benutzerbild

    nochi

    dabei seit 06/2009

    DoubleU
    Schönes Interview und auch inspirierend bzw. es macht heiß auf die ersten Frühlingstage! :)
    frühlingstage ..
    donnerstag is Dreikönigsbiken ..
  2. benutzerbild

    Anzeige

  3. benutzerbild

    DoubleU

    dabei seit 03/2006

    nochi
    frühlingstage ..
    donnerstag is Dreikönigsbiken ..
    Hier liegt wohl ein Mißverständnis vor.:)
    Ich sage ja nicht, daß ich jetzt nicht bike, aber ich gebe offen zu, daß es mir bei ggf. 40 Grad Hitze und wenn die Sonne vom Himmel knallt deutlich mehr fun bringt als im Schnee bzw. vor allem wenn es saukalt ist.
  4. benutzerbild

    idworker

    dabei seit 02/2008

    :daumen:Klasse Carsten:daumen:
  5. benutzerbild

    Schwabi

    dabei seit 01/2003

    :daumen::daumen::daumen:

    bis zur trailtrophy wieder !!
  6. benutzerbild

    robby

    dabei seit 01/2003

    LockeTirol
    Aber wie machst Du das blos, so viel auf dem Bike zu sitzen? Vor allem auch so viele Mehrtagesgeschichten? Ich habe nur ein Kind und bin bedeutend weniger unterwegs. Wenn ich mehr machen würde, müsste ich mich wohl ernsthaft mit Themen wie Unterhaltpflicht und so auseinander setzen.
    Das kann ich unterschreiben. In der Theorie mag die so oft beschriebene "richtige Zeiteinteilung" ja schön und gut sein, nur in der Praxis sieht die Sache eben manchmal leider anders aus. :(

    Um so mehr freut es mich, wenn es dann doch jemand schafft und aus der Reihe tanzt.

    Wie auch immer ... Wenn man jedenfalls Carstens Werdegang die vergangenen Jahre so beobachtet hat ists doch interesant zu sehen, wie sich Material und Fahrtechnik (positiv) verändert haben. Mir gefällts.

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