HomeAllgemeinTeva Links Bikeschuh – Fahrbericht mit Video — 5. Mai 2011 10:01

Teva Links Bikeschuh – Fahrbericht mit Video

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Aus dem Karton

Was vorher schon bekannt war: optisch orientiert sich dieses Modell an Skateschuhen im Stile des Nike 6.0, es finden sich knallige Farben und dicke Polsterungen. Während die Farben bei Bikern wie Skatern Geschmacksache sind und ein junges – oder junggebliebenes – oder jung bleiben wollendes – Publikum ansprechen sollen, ist der Rest der Schuhform durchaus funktionell. Die Polsterung sitzt da, wo sie für gute Passform, Komfort und Schutz sorgt, dazwischen finden sich ein paar Lüftungsöffnungen, der Schuhrand ist extra verstärkt. Soweit nichts besonderes, aber dann geht es los: Die Lüftung über den Zehen fällt zuerst auf, sie ist an sich äußerst durchlässig, aus Meshmaterial, gefertigt, für Haltbarkeit aber mit einem Gummiartigen Netzgewebe überzogen. Laut Teva hat Entwicklungspartner Jeff Lenosky unter anderem dieses Detail gewünscht, weil seine alten Schuhe dort offen waren. An der Seite finden sich einige Belüftungsschlitze, die aber nicht die ganz frische Brise versprechen.
Betreten wir aber Neuland und werfen einen Blick auf die Unterseite des Schuhs, die in den Pressemitteilungen auffällig unauffällig behandelt wurde. Sie verfügt über ein leichtes Profil mit kleinen, Negativ-Pyramidenförmigen Ausprägungen im Pedalbereich und griffig scheinendem Profil an der Zehenspitze und der Ferse. Das mehrfarbige Gummi hört auf den Namen “Spider-Rubber” und ist von den Outdoor-Sandalen und Schuhen bekannt. Seine besondere Eigenschaft: Exzellenter Nassgriff bei guten Verschleißwerten.

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Ansonsten ist die Fersenkappe erwähnenswert, sie ist sehr stabil aus Kunststoff ausgeformt und sollte Passform und Schutz gleichzeitig gewährleisten. Die Sohle ist im vorderen Teil vernäht, ein Ablösen also Ausgeschlossen. Die gut kontuierte Einlegesohle liegt perfekt im Außenschuh, ein Ersatzpaar Schnürsenkel gehört zum Lieferumfang. Die Verarbeitung unseres Testexemplars war tadellos, lediglich unter der Einlegesohle waren ein paar längere Fadenenden versteckt, was aber durchaus häufig der Fall ist und der Funktion keinen Abbruch tut.
Die Oberfläche des Schuhs fühlt sich dabei so an, wie sie ist: Vollsynthetisch, außen recht glatt, innen eher rau.

Am Fuß zu Fuß

Erster Eindruck: Leicht! Zweiter Eindruck: Krass gedämpft!
Diese zwei Merkmale sind beim Gehen mit den Tevas am auffälligsten und lassen sich objektiv bestätigen. Mit 430g (Größe 42) wiegt ein Schuh ganze 170g weniger als ein 5.10 Impact Sam Hill, und immer noch 100g weniger als ein Freerider. Das spürt man, was vor allem verständlich ist, wenn man die Differenz in Prozent oder Brüchen ausdrückt, ein Drittel ist doch deutlich. Das ShocPad genannte hintere Polster ist für den zweiten Punkt verantwortlich. Es sitzt unter dem Fersendorn und lässt sich, wenn der Schuh auf seiner hinteren Kante belastet wird, weit eindrücken. Auf diese Weise läuft man stark gedämpft abrollend und bekommt das sichere Gefühl, dass auch eine Landung aus 2m Höhe auf Beton nicht weiter schlimm sein kann – das Gefühl lässt sich übrigens im Versuch bestätigen. Die Dämpfung im Vorfußbereich ist dabei nicht ganz so beeindruckend, aber doch effektiv – und fällt zugunsten des Fahrverhaltens eher flach aus.

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Diese Fotos im Fotoalbum anschauen

Abseits befestigter Wege ist der Griff übrigens für das flache Profil erstaunlich gut, hier ist das Gummi zuhause. Gleich ob Matsch, staubiger Boden, nasses Holz oder gar Schnee, hier sind keine echten Schwächen zu verzeichnen, die Berechenbarkeit der Reibung schafft Vertrauen. Die kleinen Zähnchen an der Zehenspitze sorgen dafür, dass man beim Schieben bergauf nicht ins Rutschen kommt.

Der Teva Links fällt ziemlich standardmäßig aus, im Vergleich zu 5.10 einen Tick kleiner – seine Innenpolsterung hat die für mich perfekten Eigenschaften: Sie umschließt den Fuß eng, ohne zu drücken – dadurch sitzt er ausgesprochen gut. Die Polsterung in der Zunge, um die Ferse und an der Seite schmiegt sich dadurch tatsächlich hauteng an.

Auf dem Trail

Wie aber verbindet sich das Profil, und vor allem das Spider-Rubber, mit den Pins von Flat Pedals? Dazu war ich einiges auf verschiedenen Pedalen unterwegs, gefahren wurden NC17 Sudpin III S-Pro, Mag Ti S-Pro, 6Pack Racing Icon Mag Ti und Shimano DX, das ganze auf dem Pumptrack, auf Dirt und im Gelände, beim Enduro fahren und beim Hochschieben-Runterfahren.

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Erste Feststellung: Der Grip hängt tatsächlich wieder vom Pedal ab. Diese banal scheinende Erkenntnis ist nach Fiveten wieder etwas neues, denn mit dem dortigen Stealth-Rubber hatte ich sogar auf eher griffarmen Pedalen immer genügend Halt, mit den Tevas kommt es wieder vor, dass man beim unsauberen Hochziehen für einen spontanen Hop oder einen unpräzisen Tritt vom Pedal rutscht. Das verwundert nicht wirklich, denn ihre Gummimischung ist zwar auch weich, aber deutlich spontan elastischer, es verhält sich gänzlich anders als die Konkurrenz-Mischung, die, einmal mit einem Pin oder einem Fingernagel eingedrückt, nur sehr langsam wieder zurück in die Ausgangsform kommt. Mit größeren, aggressiveren Pedalen gab es aber mit den Tevas keine Probleme, vor allem in Kombination mit Sixpack und Shimano war der Halt absolut in Ordnung.

Ist weniger Grip zwangsläufig schlechter?

Wenn viel Halt ein Vorteil ist, dann ist weniger ein Nachteil, oder? Das stimmt so nicht ganz, denn wer einmal mit 5.10 Impact oder Freerider Schuhen unterwegs war, der weiß, dass es damit schier unmöglich ist, die Fußposition auf dem Pedal zu korrigieren, die Bindung ist einfach fixiert. Wer sich bisher also dort in seiner Freiheit eingeschränkt sah, der wird den Links lieben. Er bietet ausreichend halt, ohne sich aber gleich hartnäckig festzubeißen. Die Fußposition lässt sich leicht ändern, kein Problem hier. Lediglich in Kombination mit kleinen Pins würde ich sagen: Zu wenig Halt. Außerdem ist Grip natürlich etwas vom Einsatzzweck abhängig: Während Downhiller auch in den heftigsten Rüttelpassagen nicht vom Pedal rutschen wollen, sind die Gripanforderungen eine Dirt Jumpers, Slopestylers oder Street-Fahrers natürlich ganz andere. Ihnen geht es in erster Linie darum, bei Bunny Hops und Tricks einerseits das Rad gut hoch ziehen zu können, und andererseits bei unsauberen Landungen nicht abzurutschen. Hierfür ist meiner Einschätzung nach allerdings weniger Grip nötig, als es an einem nassen Tag im Bikepark der Fall wäre.


Ibis Mojo HD Fahrimpressionen von nuts auf MTB-News.de
Okay, ist eigentlich ein Ibis-Video – auf den Fahraufnahmen wurde aber ausschließlich der “Links” getragen.

Die Belüftung des Schuhs beeindruckt nur in der Zehenbox, dort geht das Konzept auf. Die seitlichen Löcher bringen ähnlich viel, wie die Löcher in der Seite des 5.10 Freerider, ansonsten ist auch dieses Modell recht warm. Zwischen 5°C und 25°C sehe ich allerdings keine unkomfortablen Situationen auf den Träger zukommen.

Zur Schutzwirkung dieses Modells kann ich auch etwas sagen: Als ich auf Testfahrt durch die Federung des Ibis Mojo HD rauschte, kamen meine Füße dem bayerischen Steinboden etwas nahe, die Konsequenz: Mein Fuß fuhr im Teva Schuh ungebremst gegen einen Fels, Diagnose: Gelenkbruch im Zeh, unschönes Nagelbett, am Schuh keine Spur von irgendwas. Im 5.10 Freerider wäre vermutlich das gleiche passiert, der Impact hätte eventuell Schlimmeres verhindert, aber das ist Spekulation.

Und was ist nun dran an der “Ion-Mask”, der Oberflächen-Behandlung, die das Eindringen von Wasser “auf molekularer Ebene verhindern” soll? Nun, der Frühling war ziemlich trocken, ein paar Pfützen und Matsch habe ich dennoch gefunden. Resultat: Die Außenhaut des Schuhs ist tatsächlich abperlend, das gilt für alle grauen Zonen an diesem Schuh. Damit sind Spritzwasser und Regen ziemlich egal – es sei denn, sie treffen auf die Lüftungsöffnung im vorderen Bereich, wo sie ungehindert durch kommen, oder schaffen es gar in den Schuh hineinzulaufen. Dann saugt die dicke Polsterung des Schuhs das Wasser auf und er ist plötzlich 150g schwerer. Die gute Nachricht:

1.) Er trocknet danach unheimlich schnell wieder.
2.) Badegänge sind doch eher eine Seltenheit, zumindest mit angezogenen Schuhen.


Teva Links Bikeschuh Video von nuts auf MTB-News.de

Aus der Retrospektive

Wer auf einen echten Konkurrenzkampf zwischen den Outdoor-Marken Fiveten und Teva auf dem Mountainbike-Markt gehofft hat, der wird vorerst enttäuscht sein. Der Fokus des “Links” liegt nicht im Downhill-Bereich, sondern eher bei Slopestylern und Freeridern. Dazu passt die Optik, die Gummimischung und die superbe Dämpfung z.B. bei Stürzen. Gripfanatiker werden hier sicher nicht glücklich, wer stattdessen gerne mal den Fuß auf dem Pedal verdreht und sich über eine wasserabweisende Beschichtung freut, der wird mit dem Teva Links glücklich werden.

Pro
- Leicht
- Wasserabweisend, schnelltrocknend
- Sich perfekt anschmiegend

Contra
- Weniger Grip als FiveTen (Geschmackssache)
- Eben doch nur partiell wasserabweisend
- Sehr selbstbewusster Preis

Informationen:

- Fällt “normal” aus, evtl. halbe Nummer kleiner
- Niedriges Gewicht: 420g / Größe 42
- Wasserabweisende Außenhaut, saugendes Innenpolster
- Vertrieb über Tatonka
- Lieferbar ab KW34 (Anfang August)
- Empfohlener VK: 120€

Bezug:
TEVA “Links”, UVP: 120,- €; online ab Herbst erhältlich über fahrrad.de; bergfreunde.de; amazon.de; zalando.de
TEVA “Pinner”, UVP: 100,-€; online ab Herbst bei den gleichen und natürlich auch im Fachhandel


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