HomeMagazinIndustrieUnternehmenSRAM International Corporation kurz vor Börsengang in den USA — 13. Mai 2011 23:32

SRAM International Corporation kurz vor Börsengang in den USA

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Aktuelle Eingaben von Sram an die amerikanische Börsenaufsicht SEC (Securities and Exchange Commission) geben begründeten Anlass zu der Vermutung, dass man bei Sram einen Börsengang (englisch “IPO” –> “initial public offering”) plant. Demnach soll das Unternehmen an der New Yorker Börse (New York Stock Exchange, NYSE) oder an der elektronischen Börse NASDAQ gehandelt werden. Unklar ist außerdem noch das Volumen der Emission sowie der Emissionskurs, wie Sram in einer Pressemitteilung verkündet hat. Gerüchten zu Folge könnte der Umfang bis zu 300 Millionen Dollar betragen, wie heute in den USA berichtet worden ist.

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Im Zuge eines Börsenganges kann ein Unternehmen neue finanzielle Mittel vom Kapitalmarkt beziehen, in dem es die Aktionäre direkt am Eigenkapital der Firma beteiligt. Der Vorteil von Eigenkapital für das Unternehmen: Obwohl ein höherer Zins an die Eigenkapitalgeber gezahlt werden muss (Dividende + Kurssteigerungen), werden diese im Falle einer Insolvenz nachrangig behandelt, was wiederum für Fremdkapitalgeber interessant ist. Im Rahmen der Diskussionen rund um die Eigenkapitalquoten nach der Finanzkrise werdet ihr von dem Thema wohl mittlerweile fast genug haben… Dennoch ist dieser Punkt wichtig, da sich durch den Börsengang selbstverständlich die Eigentumsverhältnisse an der Unternehmung verändern. Die Kollegen von velobiz.de wollen in dem Dokument Hinweise darauf gefunden haben, dass die bisherige Inhaberfamilie im Zuge der Umstrukturierung plant, ihre Anteile am Unternehmen wieder zu erhöhen und einen Großinvestor zu verabschieden.

“Im Gegenzug soll sich offenbar die frühere Lehmann-Tochter Trilantic als Finanzinvestor aus
dem Unternehmen zurückziehen.”

www.velobiz.de

Interessant sind aber auch vor allem diejenigen Daten, welche von Sram bei Vorlage ihrer Dokumente auch der breiten Öffentlichkeit der potentiellen Anteilseigner offenlegt. Das insgesamt 156 Seiten umfassende Dokument dient der SEC zur Beurteilung der Situation bei Sram und bietet uns “kurz und knapp” Daten über Sram, die bislang nicht mal geschätzt werden konnten. Wie profitabel ist ein Konzern in der Fahrradbranche? Wie viel Geld steckt wirklich drin? Vieles haben wir bislang schlichtweg nicht gewusst, so auch beispielsweise Antworten auf die Frage, wie die Bike-Industrie von der Finanzkrise getroffen worden ist. So weist das Unternehmen im Krisenjahr 2008 beispielsweise einen Verlust nach Steuern von 48,6 Millionen Dollar aus. Das ebenfalls negative Betriebsergebnis in diesem Jahr zeigt, dass trotz gutem Nettoumsatz von 478,35 Mio. Dollar bereits unternehmensintern sehr hohe Kosten verursacht worden sind – die Finanzkrise scheint hier eher weniger ausschlaggebend gewesen zu sein. Ein möglicher Zusammenhang zwischen der Finanzkrise und dem Jahresverlust im Zuge der Beteiligung einer Lehman Tochter am Sram Konzern kann damit ausgeschlossen werden. Bei gleich hohen Umsatzkosten hat Sram hingegen im Jahr 2010 das Betriebsergebnis auf knapp unter 100 Millionen Dollar heben können, was für einen Jahresüberschuss von ca. 50 Millionen Dollar gut gewesen ist.

Die Aussage dieser Zahlen? 1. Sram geht es insgesamt rein von den Zahlen her gut und gerade, wenn man betrachtet, dass der Umsatz im Jahr 2006 noch bei 284 Millionen USD gelegen ist, zeigt sich das enorme Wachstum des Konzerns. Über die letzten vier Jahre gerechnet immerhin durchschnittlich 16% pro Jahr. 2. In der Bike-Branche steckt doch eine nicht gerade kleine Summe Geld, doch das weiß ebenfalls jeder, der schon mal ein XX – Schaltwerk von Sram gekauft und am nächsten Stein zerschmettert hat ;).

Spannend ist für einige von euch sicherlich auch die Darlegung der Vorstandsgehälter bei Sram. Wer überlegt, in die Bike-Industrie einzusteigen, könnte hier (etwas) schlauer werden. So verdiente etwa Sram CEO Stanley R. Day Jr. im Jahr 2010 514.000 USD, wobei in dieser Summe ein Bonus von immerhin 80.000 Dollar enthalten ist. Deutlich größer sind die Boni für den CFO Michael R. Herr und COO Jeffrey M. Shupe ausgefallen (je 100.000 $), die jedoch ein deutlich niedrigeres Grundgehalt haben und auf insgesamt 352.500 USD respektive 412.767 USD kommen. Wer jetzt sofort in blankem Neid an “Abzocke” oder “Wucher” oder “Auch nur Banker” denkt, der bedenke, wie groß Sram ist und welche Verantwortung der CEO eines so großen Konzerns zu tragen hat…

Abseits von reinen Finanzzahlen präsentieren die Dokumente Sram als zweitgrößten Fahrradkomponentenhersteller (nach Shimano), der einen stolzen Anteil von 33% der eigenen Umsätze im Aftermarket realisiert und nach eigenen Angaben im Fachhandel auf einen Anteil von 15% kommt (gerechnet mit einer Gesamtmarktschätzung von 3,5 Milliarden Dollar!).

Wer Blut geleckt hat und gerne mehr wissen würde, dem sei der folgende Link ans Herz gelegt. Hier gibt es das komplette Dokument online zur Einsicht: http://www.sec.gov/Archives/edgar/data/1519622/000119312511136366/ds1.htm


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