HomeMagazinTestsBikesIntense Tracer 2 2011 – Fahrbericht mit Video — 23. Mai 2011 13:26

Intense Tracer 2 2011 – Fahrbericht mit Video

Von

Kurzer Fahrbericht zum Alleskönner aus dem Hause Intense: Erst kürzlich wurde das AllMountain / Enduro Rad aus der Kultschmiede in Kalifornien einer gründlichen Überarbeitung unterzogen – was das Rad kann, lest Ihr hier.

photo

Das meistverkaufte Intense ist das Tracer – ein Trailbike für alle Fälle. Weil es aber nicht mehr brandneu ist, hat man bei Intense Kunden, Teamfahrer und Mitarbeiter gefragt, was man überarbeiten könnte – herausgekommen ist das Tracer II:

photo

Dabei ist der Federweg einstellbar von 145 – 160mm (durch umhängen des Dämpfers im oberen Link), die Geometrie soll für aggressives Trailriding, also Mountainbiken mit Spaß im Sinn, gedacht sein. Das Steuerrohr ist auf 1.5 Zoll dimensioniert, wodurch jede Gabel und viele Steuersatzoptionen offen stehen, inklusive Angleset und Konsorten.

photo

Die Ausfallenden sind für 142X12 oder 135X10mm zu haben.

photo

Auch das Tracer wird in Süd-Kalifornien produziert und ist mit jeder Menge neuer Frästeile und hydroforming ausgestattet, nagelneu ist auch die oben gezeigte Farbe.

photo

Im Stand

Schauen wir uns das Testrad erst einmal an – spannend, wie viel sich zur vorgestellten Variante noch verändert hat.

photo

Schicke Dämpferaufnahme am Serienrad, am Testrad noch die Vorserienversion.

photo

Ob das Intense optisch gefällt oder nicht, muss jeder für sich selbst entscheiden. Fest steht aber: Seine kurvigen Formen, die extrem langen Schweißnähte und die unorthodoxen Farben fallen auf. Auch viele kleine, aber sehr sinnvolle Details ziehen die Aufmerksamkeit auf sich: Die Schmiernippel an den Umlenkwippen, die austauschbaren Ausfallenden, die den Rahmen mit sämtlichen Achsstandards kompatibel machen, dazu einige Schmankerl, wie man sie von einem hochpreisigen Hersteller erwartet: Das wunderschöne Logo am Steuerrohr oder auch, je nach Wahl, die Farbe: Brauntransparent über rohem Aluminium ist meine Lieblingsfarbe, sie verbindet Eleganz mit der Sichtbarkeit von Handarbeit.

photo

Die Frästeile wurden erst für die Serie überarbeitet, sie bieten jetzt mehr Reifenfreiheit.

photo

VPP – Die Hinterbautechnik teilt man mit Santa Cruz, ebenfalls aus Kalifornien.

photo

Wunderschönes Logo auf dem dicken 1.5 Steuerrohr.

Der Aufbau unseres Testrades am Gardasee sah wie folgt aus: Gefedert wurde per 36 Talas und RP23 aus dem Hause Fox, den Bodenkontakt stellen Hauseigene Intense Reifen auf ZTR Flow Felgen an Competition-Speichen auf Sun Ringle Naben her. Cockpit und Sattel kommen von Chromag, letzterer ist dank Kind Shock Stütze durch einen kurzen Griff unter die Sattelnase höhenverstellbar. Die Schaltung übernimmt eine X9 Gruppe mit 26/39 Zähnen vorne, hinten sind eine große X9 Kassette und ein MediumCage Schaltwerk verbaut, die Bremsen kommen von SRAM und sind mit 185mm Scheiben ausgestattet. Gut gefällt die Umwerferaufnahme via DirectMount-Standard, wenn jetzt noch eine Kettenführung montiert würde, wäre das Enduro perfekt. Im dicken 1.5“ Steuerrohr dreht sich ein Cane Creek XX Steuersatz, wir waren auf Flatpedals unterwegs. So wie beschrieben und auf den Fotos zu sehen brachte es das Rad auf 14,4kg ohne Pedale.

photo

Wichtige Anmerkung zum orangenen Testrad: Einige Frästeile sind noch aus einer Vorserie – davon sind die Reifenfreiheit am Yoke, die Dämpferaufnahme und die Ausfräsungen im Umlenkhebel betroffen. Die endgültige Ausführung ist auf den Fotos des braunen Rades zu sehen, was funktionell keinen Unterschied macht, das Auge aber dennoch erfreut!

photo

Die Geometrie:
photo

Bergauf

Auf befestigten Wegen fielen zunächst einmal die sehr leicht rollenden Reifen auf, in Kombination mit dem verbauten, recht langen Vorbau und der mittigen Sitzposition klettert das Rad erstaunlich, und das auch ohne von der Gabelabsenkung Gebrauch zu machen oder den Dämpfer zu blockieren. Die Übersetzungsbandbreite reichte für uns nach untenhin vollkommen aus, damit lassen sich auch steile Rampen erklimmen. Der Hinterbau lässt sich nur durch wilden Wiegetritt aus der Ruhe bringen, hier verpufft im normalfall nur sehr wenig Energie. Mit einem leichten Aufbau und Umwerfer würde ich das Tracer 2 auch für längere Anstiege empfehlen, die niedrige Front und der nicht zu flache Sitzwinkel sorgen hier für eine gute Eignung. Tritt man bergauf dann doch einmal über Wurzeln oder Steine, macht es sich bezahlt den Dämpfer offen gelassen zu haben, dann sorgt die Federung durchaus für Ruhe im Heck.

photo

In der Ebene

Hier fühlt sich das Tracer 2 pudelwohl. Sein nicht zu langer Radstand und der eher kompakte Hauptrahmen mit seinem moderaten Lenkwinkel (67°) sorgen für Agilität, der vollaktive VPP-Hinterbau dafür, dass man auch im Sitzen einfach weiter pedalieren kann. Hier mag manch einer das 39er Kettenblatt für zu groß befinden, mit der größeren Kassette lassen sich aber immer sinnvolle Gänge finden. Ein wahrer Segen ist die Teleskopstütze, obwohl der Griff zum Sattel so manches Mal zu unangenehmen Fahrsituationen führte, mit einer Hand am Lenker ist eben doch keine wirklich präzise Steuerung möglich. Bei Pausen, Hindernisüberquerungen und ungewollten Abstiegen ist die große Schrittfreiheit erwähnenswert, hier machen die kunstvoll geformten Bleche sicherlich Sinn.

photo

Bergab

Sobald die Schwerkraft die Beschleunigung übernimmt, freut man sich, dass in der Front eine 36er Gabel verbaut ist. Das Tracer 2 kann potentiell auch mit einer der leichten 150er Gabeln (Revelation, 32, 55) aufgebaut werden, der dann steilere Lenkwinkel und die Dimensionierung des Rades vermitteln aber den Eindruck, der uns auch von Shocker-Distribution bestätigt wurde, dass dieser Rahmen für die 160er Klasse entworfen wurde. Der Vorteil davon: Mehr Spurtreue, mehr Dämpfungsqualität und ein flacherer Lenkwinkel sorgen für mehr Fahrspaß bergab, der Hinterbau muss sich schon ganz schön anstrengen, da mit zu kommen. Solange die Schläge nicht zu schnell aufeinander folgen, macht der kleine Luftdämpfer noch gut mit, bei ernsteren Steinfeldern geht er aber gerne einmal auf die Blockade. Dann erweist sich auch der Aufbau ohne Kettenführung oder zumindest einenm Bashguard als Beschränkung, die Kette wieder angeln zu müssen hat noch nie Spaß gemacht. Auch der etwas zu lang geratene Vorbau führt in steilen Passagen und engen Kurven zu Unwohlsein, ein kürzerer Vorbau löst das Problem aber unkompliziert. Bei 177cm und Größe M würde ich 60-70mm nahe legen.

photo

Die Downhill-Eignung wurde leider durch nasse Bedingungen in Kombination mit dem ausgesprochenen Trockenreifen stark beeinträchtigt (Siehe Videoende), erst im weiteren Testverlauf konnten wir die Reifen vergessen und uns auf das Fahrverhalten an sich konzentrieren. Dann fiel auf: Das VPP-System funktioniert sehr gut, der Federweg (bei uns auf 160mm eingstellt) fühlte sich fast endlos an. Einziges Manko: Bei engen Radien in steilem Gelände könnte der Lenkwinkel noch etwas flacher oder die Front höher sein. Das würde aber die Allround-Eignung etwas herabsetzen, insofern sind die Bauhöhe der Front und die Geometrie ein guter Kompromiss. Dank Sag und niedrigem Innenlager ließ sich das Intense mit seinen eher kurzen Kettenstreben bequem über Stufen schieben und auf das Hinterrad bewegen. Hatten wir beim SS noch den lauten Kettenschlag bemängelt, würde ich behaupten, dass dieses Rad dort nicht auffällig wird. Verglichen mit einem Santa Cruz Nomad ragt sein Umlenkhebel nicht gar so exponiert nach vorne unter dem Innenlager heraus, trotzdem ist ein Aufsetzen recht wahrscheinlich, auch die Schmiernippel sind hier einer gewissen Gefahr ausgesetzt.

photo

Maxi: “Das Intense machte sowohl optisch als auch in der Praxis einen guten Eindruck auf mich. Gefallen hat mir der Hinterbau, da er VPP-Typisch mit relativ viel Sag gefahren werden will. Dadruch bekommt das Bike einen recht flachen Lenkwinkel. Das gepaart mit dem kurzen Heck und der etwas längeren Front kommt meinen Vorlieben sehr entgegen. Dies wurde unter anderem auf der Abfahrt deutlich spürbar. Das Bike lief spurtreu gradeaus, ohne sich aus der Ruhe bringen zulassen. Dennoch konnte man angenehm agil durch jede Kurve zirkeln. Überrascht war ich über die erwähnenswert guten Uphill-Eigenschaften des Intense. Abfahrtsorientierte Enduristen dürften mit dem Intense ihre Freude haben.”


Intense Tracer 2 Fahrimpressoinen von nuts auf MTB-News.de
Kurzer Videoclip vom Test, bergauf, in der Ebene und bergab, wie ich finde sehenswerte Crashaufnahme am Ende :)

Fazit:

Ein weiteres sehr gutes VPP-Enduro! Das Intense hat viel Charakter und einen großen Einsatzbereich. Der hier gezeigte Aufbau ist nicht ganz optimal, wir empfehlen einen kürzeren Vorbau, eine Kettenführung und für alle Bergabfahrer einen etwas größeren Dämpfer, vielleicht einen DHX Air oder einen Monarch Plus. Während unserem offensichtlich nur kurzen Test am Gardasee konnte das Intense überzeugen, Kritik an Frästeilen und Reifenfreiheit ist bei der endgültigen, für den Kunden erhältlichen Version auch nicht mehr angebracht. Prädikat Enduro, in der 150er Klasse sehe ich andere Bikes vorne, hier wäre das Tracer 2 zu stabil und kompakt.

Informationen:

- Preis: 2300€ inklusive Fox RP23
- Vertrieb über Shocker-Distribution in Deutschland und Österreich
- Verkauft wird der Rahmen mit Dämpfer
- Farben: Viele, einfach mal klicken.
photo

photo photo photo photo
Diese Fotos im Fotoalbum anschauen


Kurzlink zu diesem Artikel:

Ähnliche Artikel

Hier geht es zu Thema und Kommentaren im Forum.

Was meinst du?

Hier kannst du den Artikel direkt im Forum kommentieren.

Hier geht es zu Thema und Kommentaren im Forum.

Kurze Einschätzungen sind ok, Floskeln wie das sieht **beliebiges Schimpfwort einsetzen** aus oder ähnliches sollten im Sinne einer sachlich geführten Diskussion vermieden werden. Entsprechende Beiträge werden ggf. gelöscht.

Bitte sei höflich!