HomeAllgemeinArbeitsgerät: Liteville 301 MK9 von Harald Philipp — 28. Juni 2011 14:16

Arbeitsgerät: Liteville 301 MK9 von Harald Philipp

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Er ist einer der wenigen begnadeten Bikebergsteiger, denen kein Gipfel zu hoch und keine Abfahrt zu steil ist. Als Fahrtechnik-Coach, Bikeguide und Abenteurer machte sich Harald Philipp einen Namen in der Mountainbike-Welt. Wenn es um alpines Mountainbiken auf höchstem Niveau geht, dann ist der 28-jährige der Mann der Stunde. Auch vor Erstbefahrungen schreckt Harald nicht zurück. Um seine Leidenschaft jeden Tag aufs Neue umtriebig ausüben zu können, entschloss sich der gebürtige Deutsche im Jahr 2005, seinen Wohnsitz ins benachbarte Österreich zu verlegen. Mit welchem Arbeitsgerät der Ausbilder des DIMB/BDR Bundeslehrteams die Trails unsicher, oder besser gesagt, sicher macht, erfahrt ihr hier.

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Für euch haben wir das Arbeitsgerät des Bikebergsteigers unter die Lupe genommen. Beginnen wir mit den technischen Spezifikationen.

Rahmen: Liteville 301 MK9 – Gr. S – 120mm Federweg – Syntace X-12 Steckachse

Dämpfer: DT Swiss EX 200

Gabel: DT Swiss EXM 150 – 15 mm Steckachse

Bremsen: Formula The One, 2012er Serie, 200er Rotor vorne, 180er hinten

Laufräder: DT Swiss EXC 1550 Carbon

Reifen: Schwalbe Fat Albert 2,4 – Vorderreifen vorne + hinten – trailstar triple compound – tubeless ready

Kurbeln: Shimano XTR 22/32/Syntace Grinder – 175mm Kurbellänge

Schaltwerk: Shimano XTR 10-fach

Umwerfer: Shimano XTR

Schalthebel: Shimano XTR 10-fach

Kette: Shimano XTR 10-fach

Kassette: Shimano XTR 10-fach

Pedale: Syntace Number Nine

Lenker: Synatce Vector Carbon, 680mm, 12°

Vorbau: Syntace Megaforce 2, 40mm

Sattelstütze: Syntace P6 Alu

Sattel: Fizik Tundra 2

Gewicht: 12,35 kg

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Das Arbeitsgerät des Harald Philipp ist ein Liteville MK9, welches er sich optimal für seine Paradedisziplin, das Bikebergsteigen, aufgebaut hat. Harald setzt aus Gründen der Agilität auf einen Rahmen in der Größe S. Er bevorzugt einen Rahmen mit einem kurzen Heck und einer langen Front. Das kurze Heck sorgt für Agilität und lässt das Bike verspielt aus Kurven herausbeschleunigen, die lange Front sorgt hingegen für Laufruhe auf der Abfahrt. Besonders interessant ist die Wahl, die Harald in Bezug auf die Wippen gefällt hat. Obwohl er sich fast ausschließlich in anspruchsvollem Terrain bewegt, setzt Harald entgegen aller modernen Trends auf weniger Federweg anstatt mehr. Dies begründet er folgendermaßen: „Ich mag, es wenn die Federung hinten ein wenig straffer und direkter ist, da ich sehr viel mit dem Hinterrad steuere, sei es nun über Entlastung beim Versetzten des Hinterrades oder bei leichten Drifts. Dabei ist es mir eben wichtig, ein sehr direktes Fahrgefühl zu haben. Für das angesprochene direkte Fahrgefühl sorgt auch mein DT Swiss EX Dämpfer, den ich im Gegensatz zum Seriendämpfer mit sehr viel Druckstufe fahre.“ Der Gedanke bei Liteville in Bezug auf die 120mm FW-Wippen ist, dass der Fahrer dementsprechend eine ebenfalls kurze Gabel wählt und sich an der Geometrie somit nichts ändert. In Haralds Fall verändert sich die Geometrie jedoch durch die von ihm gewählte 150mm Federgabel, von Harald selbstverständlich so beabsichtigt. Denn der Lenkwinkel wird dadurch abfahrtsorientiert flach.

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Da Harald, wie ein DH-Racer, sehr zentral über seinem Rad fährt, wundert es nicht, dass sein Set-Up dem eines Downhill-Race-Bikes ähnelt. Er fährt seine Federgabel mit viel Luftdruck und somit sehr straff, auch die Druckstufe nutzt er gut aus, so hat er diese zu 2/3 geschlossen. Wie oben schon erwähnt, kommt beim Dämpfer ebenfalls viel Druckstufe zum Einsatz, dafür verringert Harald jedoch den Luftdruck im Dämpfer. Die Zugstufe der Gabel ist eher schnell und der Dämpfer deutlich langsamer.

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Auffällig sind die 2012er Prototyp Formula The One Bremsen, welche Harald am Bike montiert hat. Neu ist hierbei die Hebelgeometrie, durch die der Bremshebel näher am Lenker liegt. Ebenfalls neu ist die Verstellschraube zur Einstellung der Hebelweite, die nun werkzeugfrei vonstattengeht. Sehr angenehm für die Montage ist, dass nun wieder herkömmliche Inbusschrauben für die Befestigung am Lenker verantwortlich sind. Wie üblich für diese Bike-Klasse kommt vorne eine 200mm Scheibe und hinten eine 180mm Scheibe zum Einsatz.

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Speziell ist auch der Megaforce 2 Vorbau an Haralds MK9. Es handelt sich hierbei um einen späten Prototyp. Um die Lenkzentrale tiefer zu bekommen, ist der Vorbau enorm flach (3,5cm anstatt der 4,3cm beim Superforce). Dies soll auch als Ausgleich zu den immer länger werdenden Federgabeln dienen. Harald beschrieb uns seinen Vorbau mit den Worten: „Meiner ist 40mm kurz und wiegt 113g.“ Schöner Satz, Harald.

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Bei den Reifen entscheidet sich Harald immer und überall für den Fat Albert. Jedoch fährt er den Vorderreifen vorne und hinten, dies erklärt Harald wie folgt: „Der Vorderreifen ist gebaut für Seitengrip und das gefällt mir äußerst gut, auch da er im Grenzbereich sehr gutmütig ist. Da ich das Bike wie schon erwähnt, sehr viel über das Hinterrad steuere, möchte ich, dass der Reifen sofort greift, sobald ich die Bremsen öffne und das Bike freigebe und das macht der Vorderreifen deutlich besser als der Hinterreifen. Der Hinterreifen ist auch sehr gut, jedoch ist dieser eher für Antrieb und Bremskräfte konzipiert. Nicht zu Letzt hat der Vorderreifen aber auch eine weichere Gummimischung, und daher ist mein Verschleiß deutlich höher, was für den Endverbraucher sicherlich von Nachteil wäre.“

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Entgegen dem Trend zu breiten Lenkern fährt Harald einen für heutige Verhältnisse sehr schmalen Lenker. Sein Vector Carbon ist lediglich 680mm breit. Da er oft in hochalpinem Gelände unterwegs ist und auch vor Klettersteigen nicht haltmacht, benötigt Harald diesen schmalen Lenker, da er sich sonst oft selbst aus der Wand stoßen würde. Prinzipiell ist Harald aber schon ein Befürworter der breiten Lenker, und so hat er an seinem Freeride-Bike einen breiten Lenker montiert. Der schmale Lenker am MK9 wurde schlichtweg aus pragmatischen Gründen montiert. Ein weiter wichtiger Punkt ist das Einschlagen bei Spitzkehren. Ein breiter Lenker zieht den Fahrer beim Einschlagen automatisch nach vorne und so kommt es schneller zum Überschlagsgefühl.

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Zu guter Letzt noch das wichtigste Teil an Haralds Bike. Denn die Ikone des Bikebergsteigens fährt seit geraumer Zeit nur noch mit original italienischer Espresso-Maschine durch die Weltgeschichte. Die Maschine passt perfekt in seinen Flaschenhalter und ist überall und immer mit dabei. Harald möchte somit ein Zeichen setzten, dass Mountainbiken ein Genusssport ist, bei dem nicht immer der Wettkampfgedanke im Vordergrund stehen muss. Er liebt es, sich nach erreichen des Gipfels mit einem frischen Espresso für die Anstrengungen zu belohnen und in einer ruhigen Minute die Natur zu genießen und zu würdigen.

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Es freut uns jedes Mal aufs Neue zu sehen, wie speziell doch die Vorlieben eines jeden Fahrers sind. Wir hoffen, dass auch ihr Freude an unseren Arbeitsgerät-Artikeln habt.

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Diese Fotos im Fotoalbum anschauen

Wer den guten Herrn Philipp in Aktion sehen möchte, sollte einen Blick auf dieses Video werfen (gefilmt und geschnitten von Sebastian Doerk):


DEJA-VU a Lago Trail Revival von flowzero auf MTB-News.de


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