Ein guter Rucksack kann auf einer Tour über Freud oder Leid entscheiden. Verteilt der die Lasten gleichmäßig auf Schultern und Hüfte, dann ist er ein toller Begleiter, vorausgesetzt er beinhaltet die richtigen Utensilien – doch wird der Rücken eher malträtiert, dann nützt auch die beste Brotzeit, das passende Werkzeug und die dichte Regenjacke nichts. Der Vaude Tracer II hat Designpreise gewonnen, und optisch gefällt er auf jeden Fall. Doch ob er deshalb auch preisverdächtig ist, haben wir im Fahrbericht überprüft.

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Ausstattung

Abgesehen von der knalligen blauen Farbe verkündet der Tracer sein Volumen auf der Seite: 20l sollen es sein, genug auch für längere Tagestouren, bei denen Wegzehr, Karte, Werkzeug und Protektoren genauso ins Gepäck gehören, wie ein Fotoapparat oder die Regenjacke. Die Fächeraufteilung ist dabei recht übersichtlich gestaltet: Im wesentlichen gibt es ein großes Hauptfach, dass durch eine große Reißverschlussöffnung an der Oberseite beladen werden kann und nach unten schmaler wird. Es handelt sich also um einen Toploader, wobei der Schnitt des Fachs schon mal sinnvoll erscheint: Beim Biken taugt ein höherer Schwerpunkt am Rücken erfahrungsgemäß eher, und bei einer umgekehrten Form ließen sich a) große Teile gar nicht in den Rucksack bringen und b) unten liegenden Sachen nur schwer wieder erreichen. Das Deckelfach fällt ausgesprochen groß aus, dank des weichen Innenfutters eignet es sich perfekt für Goggles oder auch Kameras, es passt sogar eine DSLR mit kleinem Objektiv rein, auch wenn der Schutz natürlich nur mittelmäßig ist, Haupteinsatzzweck werden Wertsachen, Brillen, … sein. Auf der Vorderseite findet sich schließlich noch ein sehr organisiertes Fach mit Unterfächern und Netztaschen (teils mit Reißverschluss und Schlüsselring) für Schlüssel, Pumpe, Werkzeug, alles macht einen sehr aufgeräumten Eindruck.

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Den Tracer gibt es in nur einer Rückenlänge – wer dahinter eine schlechte Passform für jeden, außer Max Mustermann erwartet, der liegt falsch: Ein kurzer Zug an der roten Schnur hinter dem Hüftgurt sorgt dafür, dass dieser in der Höhe verstellbar wird, und zwar um satte 20cm. Damit passt der Rucksack wirklich für Typen von 170 bis über 200cm. Apropos Rückentragesystem: Vaude setzt weder auf einen Netzrücken, noch auf einen direkt anliegenden Rückenteil, sondern auf einen cleveren Mittelweg: Die Polsterung ist gestanzt und mit Netz überzogen, es ergeben sich viele Luftkammern und einige Tunnels. Zwischen dem Gepäckfach und Rückenpolsterung liegt ein weiteres Reißverschlussfach, was leicht zugängig und perfekt für Trinksysteme ist, deren Schlauch wird dann jedoch etwas umständlich erst ins Deckelfach und dann aus diesem heraus weitergeführt. Dafür sind auf den Schultergurten Gummiführungen vorhanden, die auch die Lastenriemen gegen herumflattern sichern. Gleiches gilt für die Längenverstellung der Schultergurte, auch hier ist alles sehr aufgeräumt.

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Auf dem Hüftgurt findet sich ein sehr dehnbares Fach, es ist perfekt geeignet um z.B. eine GoPro unterzubringen. Die Weitenverstellung des Hüftgurtes erfolgt außen, die überstehenden Gurtbänder können schön angeklippt werden, es sei denn: Man ist zu schmal, was ich z.B. bin – dann stehen die Bänder in großer Schlaufe ab, nicht schlimm, aber doch nicht ganz so perfekt, wie es sein könnte. Am Brustgurt findet sich überraschenderweise keine Pfeife im Schnellverschluss, das Helmfach wird mit neumodischen, aber nicht sehr praktischen Metallschiebeverschlüssen eingehängt. Am Rucksackboden findet sich eine weit geschnittene, mit Gummizug fixierbare Regenhülle in grellem Orange, die auch über montierten Helm und Protektoren passt. Die Seitenfächer sind ebenfalls sehr flexibel, hier lassen sich auch 1.5l Flaschen sicher transportieren.

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Ausfahrt

Wie gut funktionieren diese Lösungen in der Praxis? In der Kurzform: Sehr gut. Im Detail: Das Tragesystem überträgt das Gewicht sehr gut auf Hüfte und Schultern, der Rucksack liegt gut an und folgt den Bewegungen des Körpers sehr gut. Die belüfteten Schultergurte und die gestanzte Rückenpartie lassen keine übermäßig große Hitze aufkommen, aber geschwitzt wird natürlich auch hier. Der Hüftgurt sitzt gut und ist schmal genug geschnitten, um nicht einzuschränken, auch die Verstellung des Brustgurtes wirkt langlebig. Die Fächeraufteilung passt, doch trotz konischem Schnitt lassen sich tief liegende Inhalte nur schwer erreichen.
Die Helmhalterung nimmt vom XC-Helm über die Halbschale bis zum Vollvisier-Helm alles vernünftig auf, auch Knieschoner lassen sich unterbringen. Eine Fixierungsmöglichkeit für Protektoren unten oder seitlich längs vermisse ich aber ein wenig, die Riemen über den Seitenfächern sind etwas zu knapp bemessen und unterstützen lediglich Trinkflaschen und ähnliches sinnvoll.
Das Ausstattungsmerkmal, dass ich am meisten geschätzt habe, ist aber die Regenhülle. Darunter ließen sich noch viele Dinge (Pullover, Schoner, Helm) fixieren und vor Nässe schützen, sehr praktisch.

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20l sind für einen Tagesrucksack sicherlich ein gutes Volumen, und als Bike-Rucksack ist der Vaude Tracer fast ohne Einschränkung zu empfehlen. Einige Kritikpunkte seien aber dennoch erwähnt: Der Hüftgurt liegt zwar an sich gut an, ist aber leider absolut verdrehsteif, weshalb er Körperbewegungen nicht mitmachen kann. In Folge dessen kann man ihn nicht ganz eng schnallen, will man sich noch bewegen, weshalb er doch nicht optimal sitzen kann, wenn es ruppig wird oder man im Wiegetritt fährt, außerdem rutscht jedes Trikot, jede Jacke und jedes T-Shirt Tritt für Tritt den Rücken hoch. Einfach möglich wäre eigentlich der optionale Einsatz eines Rückenprotektors dort, wo das Trinksystem vorgesehen ist, das würde den Rucksack noch vielseitiger machen. Als Allround-Bergrucksack vermisse ich aber bessere Fixierungsmöglichkeiten außen am Rucksack. So lässt sich z.B. ein Stativ kaum am Tracer montieren, von einer Schaufel, Wanderstöcken, Seil oder Eispickeln mal ganz abgesehen, dass kann manch eine Konkurrenz besser. Die Toploader-bedingten Schwierigkeiten, an tief gelegene Ausrüstung zu kommen, wurden schon erwähnt, sind aber nicht sehr dramatisch.

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Die Materialauswahl ist dabei schön robust, nach einigen Monaten täglichen Einsatzes beim Biken, in der Uni, beim Klettern und der Lastenradtour zeigten sich außer Verschmutzung keine Gebrauchserscheinungen.

Ausklang

Mit dem Tracer II bietet Vaude einen stylischen, funktionellen Tagesrucksack an. Abgesehen vom nicht drehbar gelagerten Hüftgurt ein toller Rucksack für Biker, die den Rucksack nicht in zu vielen anderen Sportarten brauchen. Das verstellbare Tragesystem und die aufgeräumten Fächer sind neben dem geräumigen Regencape die besten Merkmale.

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Alternativ ist der Tracer II auch in Grün oder Schwarz erhältlich.
Preis: 100€ überall, wo es Vaude gibt (Also sowohl im Fachhandel als auch online)

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Fotos: Max Schumann / Fredrik Westmann

Die neuesten Kommentare
  1. benutzerbild

    flowbike

    dabei seit 10/2005

    du meinst das hier?:

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    ist zwar der Nortshore 28, sollte ja aber ähnlich sein. Das müßte doch ganz gut sein für nen fullface.
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    felixh.

    dabei seit 07/2004

    Ja ist im Prinzip gleich, aber halt sehr straff wenn der Rucksack voll ist (und mein Helm ist nicht riesig). Optimal ist es für Halbschalen / Dreiviertelschalen...
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    Carsten

    dabei seit 11/2000

    Interessant wäre ein direkter Vergleich mit einem der Deuter Attack Rucksäcke und das Verhalten, des Rucksacks beim Tragen des Bikes (liegt´s gut drauf oder rutscht´s runter)
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    kamo-i

    dabei seit 08/2005

    Kennt jemand den Unterschied des II´er (2010/11) zum I´er (2011/12)? Also die Weiterentwicklungen?

    Frage daher, weil ich Ihn mir gerade holen will und überlege nicht das aktuelle, sondern Vorgängermodell zu holen....

    Für Antwort im Voraus vielen Dank.
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    blackleaf

    dabei seit 03/2008

    Möchte mir den Northshore kaufen, weil ich von der Vaudequalität absolut überzeugt bin. Bin allerdings am überlegen welches Volumen brauche. Welche Erfahrungen habt ihr gemacht, 20 oder 28 L? Ist der 28 L deutlich größer? Ich werde den wahrscheinlich selten vollpacken, aber ab und an nehm ich auch mal die DSLR mit auf die Tagestour. Außerdem soll er auch im Alltag verwendet werden (Ordner, Notebook, etc.).

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