An manchen Tagen auf den Trails in den Voralpen rund um Garmisch habe ich das Gefühl, dass Evoc sich zur Übermacht entwickelt hat. Abseits von Genussradlern und Gelegenheitsbikern scheint die halbe Mountainbikegemeinde mit dickem Evoc Branding auf dem Rucksack unterwegs zu sein, manche verstauen sogar ihre Bikes in großen Evoc-Taschen. Zufall oder nicht, mit der Kombination aus Rucksack und Rückenprotektor in einem hat Evoc viele Tourenfahrer, Enduropiloten und Freerider angesprochen, die viel Wert auf die Abfahrt legend und entsprechend geschützt sein wollen, wenn sie in steilem und ausgesetztem Terrain unterwegs sind. Eine einteilige Kombination aus Rucksack und Rückenprotektor ist dabei nicht nur naheliegend, sondern auch deutlich angenehmer zu tragen als eine getrennte Lösung (auch wenn sie nie den Schutz eines direkt am Körper getragenen, expliziten Rückenprotektors bieten können wird). Ein weiterer Vorteil für die Produkte von Evoc: Dank dem breiten Bauchgurt und der an die Körpergröße angepassten Rückenlänge sitzen die Rucksäcke wie kaum ein anderer und bleiben auch bei wilder Fahrweise wie gewünscht am Rücken. Der Nachteil: Die Belüftung am Rücken und auch unter den soliden Trägern geht gegen Null.
Eines der ältesten und beliebtesten Modelle im Evoc-Sortiment ist der FR Trail 20l Rucksack, den es dieses Jahr in einer Limited Edition zu kaufen gibt, die auch gut ein Rocky Mountain Signature Modell sein könnte. Nur das statt Ahorn-Blättern Sterne aufgedruckt sind, doch das Farbschema passt perfekt. Das Vorgängermodell habe ich bereits ausführlich im Fahrbericht gehabt [Bericht], nun habe ich den gesamten Sommer über die aktuelle Ausführung mit auf die Trails, in den Bikepark und zur Uni genommen, um zu testen, wie sich der Rucksack in den verschiedenen Situationen zu helfen weiß.
In der Hand
Der erste Eindruck bei allen Rucksäcken, die ich bislang von Evoc in der Hand gehabt habe, ist durchweg positiv gewesen. Die Verarbeitung wirkte hochwertig und sauber, darf bei den geforderten Preisen aber auch erwartet werden. Ganz subjektiv betrachtet wirkte das Vorgängermodell aber noch hochwertiger. Hinzu kommt, dass bei Evoc sowohl Fans von dezenten Farbgebungen, als auch von kunterbunten TLD-Schlafanzug-Versionen gleichermaßen bedient werden. Auffällig wie so manche Farbe ist aber auch das Gewicht der Rucksäcke gewesen. Während die Außenstoffe teils sehr dünn gehalten sind, fährt der CE geprüfte Rückenprotektor eben auch mit und das drückt auf’s Gewicht. Mit knapp unter 1400g liegt der FR Trail in Größe M/L definitiv im Bereich der schwereren Rucksäcke, doch die zusätzlichen Gramm sind in die eigene Sicherheit je nach Strecke gut investiert. Wer gerne ein paar Gramm sparen möchte, kann die Plastikplatten des Rückenprotektors aber auch herausnehmen und dadurch eine kleine Verbesserung erreichen. Der doppelte Rücken bleibt und es sollte jedem klar sein: XC-Fahrer fahren auch keinen Fullface-Helm. Warum sollte ein abfahrtsorientierter Rucksack das Gewicht eines 6l CC-Rucksacks schlagen können?
Im Bezug auf das gefahrene Modell FR Trail (20 Liter) ist aber vor allem die Frage wichtig: Was hat sich im Gegensatz zum Vorgängermodell getan? Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Rucksäcke gerne mehr als nur eine Saison lang halten und deshalb sollte ein neues Modell vor allem technisch überzeugen können, indem es besser ist. Nicht nur neu gefärbt. Die auffälligste Änderung betrifft in jedem Fall den Zugang zum Hauptfach. Im letzten Jahr noch als kleine Klappe ausgeführt, kann nun der gesamte Rucksack auf der Vorderseite aufgeklappt werden, um an die Innereien zu gelangen. Wenn das fest integrierte Helmfach zugeklippt bleibt, kann nach wie vor auch nur der Deckel vorgeklappt werden. Dank dieser Layoutänderung lassen sich nun die 20l Volumen endlich richtig nutzen, denn die kleine Öffnung ist für manche DSLR schon zu klein gewesen – gerade dann, wenn im Rucksack noch weiteres Material verstaut gewesen ist. Ein weiterer Vorteil dieser Gestaltung ist, dass auch unten aus dem Rucksack auf einfache Art und Weise auf den Inhalt zugegriffen werden kann – in jeder Hinsicht besser als beim Vorgängemodell.
Ebenfalls deutlich verbessert wurden die Materialschlaufen an der Unterseite. Die elastischen Bänder der ersten Version konnte niemand so richtig verwenden, die beiden längenverstellbaren und schnell verstellbaren sowie verstaubaren Gurte der aktuellen Verson hingegen jeder. Protektoren, die Regenjacke oder aber das Handtuch auf dem Weg zum Strand – hier unten lässt sich endlich schnell und einfach was auch immer befestigen. Besser nutzbar geworden ist auch das Fach auf der Oberseite des Rucksacks. Es bietet nun deutlich mehr Volumen und kann voll geöffnet werden, so dass eine Goggle ohne Probleme eingepackt werden kann. Praktisch ist auch ein Handy-Fach am Hüftgurt und die wie gewohnt sauber sortierten Werkzeug- und Kartenfächer auf der Vorderseite des Rucksacks für schnellen Zugriff. Von der Nutzbarkeit schlechter geworden sind die beiden kleinen Fächer an den Seiten des Rucksacks. Früher habe ich hier meine Objektive, Handschuhe oder den Geldbeutel + Ladegerät unterbringen können, zur Not auch Helmlampe und Akku. In der neuen Version sind die Fächer ganz abschließbar (dadurch scheiden nasse Handschuhe als Inhalt aus) und der neu geführte Reißverschluss gibt nur noch eine etwas kleinere Öffnung frei. Genau diese Verkleinerung ist es aber, die es kaum noch erlaubt, die oben genannten Gegenstände schnell und einfach in dem Fach zu verstauen. Für Tourenfahrer wichtig: Endlich verfügt der Rucksack über einen integrierten, abnehmbaren Regenschutz mit reflektierendem Schriftzug und eine Anklippmöglichkeit für ein Rücklicht (die jedoch nur ohne Regenschutz nutzbar ist).
Um der Belüftung des Rucksacks ein wenig auf die Sprünge zu helfen hat man bei Evoc die Oberflächen der Kontaktbereiche verändert und mit offenporigen Mesh-Stoffen überzogen, um die effektive Auflagefläche zu reduzieren und den Abtransport von Wasserdampf und Hitze positiv zu beeinflussen. Außerdem sind die beiden gerade verlaufenden Bänder direkt am Rückenteil gelocht ausgeführt. Was das bringt? Wir werden sehen.
Technische Daten
- Volumen: 20l (Size M/L; S: 18l, XL: 22l)
- Gewicht: 1300g [S/M, Herstellerangabe], 1400g [selbst gewogen]
- Größe: 27 cm x 56 cm x 14 cm (Size M/L)
- Material: Nylon 210/D Ripstop PU coated, N 600/D PU coated, Air Mesh
- Rückenteil separat als Rücken Protektor tragbar
- Technischer Tagesrucksack und Rückenprotektor in einem
- CE-zertifiziert entsprechend EN 1621-2
- 2-Step-Zip System
- Protektoren Halterung
- Weit aufklappbares Werkzeugfach
- Integrierte Regenhülle
- Passt für Trinksysteme bis 3l Volumen
- Erhältlich in 3 Größen S, M/L, XL entsprechend der Körpergröße
- CE geprüfter Schutz: Materialien und Schutzfunktionen wurden von TÜV SÜD nach EU Norm 89/686/EWG für persönliche Schutzausrüstung, Kategorie 2 (PSA) geprüft und zertifiziert.
Auf dem Trail
Von diesen Änderungen ist im Uphill nur herzlich wenig zu spüren. Der Rucksack sitzt angenehm und bei geschlossenem Hüftgurt auch bei schwerer Beladung perfekt am Körper doch genau das ist der Grund, warum dieser Rucksack nie zu den Belüftungswundern zählen wird. Mit gelockertem Hüftgurt geht der perfekte Sitz flöten und die Belüftung wird nur unwesentlich besser. Tatsächlich Abhilfe schafft es, wenn man den Rückenteil des Rucksacks durchspannt und dadurch Luft zwischen den Rücken und den Protektor bringt. Doch genau das unterbindet die Funktion des Protektors und damit wird der Rucksack an sich hinfällig. Wer also Wert auf eine gute Belüftung legt, der braucht nach wie vor nicht über den Evoc FR Trail nachzudenken. Umso attraktiver ist er jedoch für all jene, die Wert auf den Schutz legen und denen es wichtig ist, dass der Rucksack am Rücken bleibt und sich so wenig wie möglich hin- und herbewegt.
Was gerade noch das Leid des Fahrers gewesen ist – der breite Hüftgurt – wird beim Abfahren zum größten Vorzug des Rucksacks. Verglichen mit einigen Hüftgurten der Wettbewerber verdient dieser Gurt den Namen voll und ganz, ist er doch etwa zehn Mal so massiv ausgeführt wie bei vielen anderen Mountainbike Rucksäcken. Dank diesem Layout ist er in der Lage einen Großteil der im Rucksack befindlichen Last auf die Hüfte zu übertragen und somit die Schultern zu entlasten. Das wiederum ist enorm wichtig, wenn man schnell und flüssig mit dem Bike unterwegs sein will, denn wenn der Rucksack als Gegengewicht schwingt kommt man nur schwer in den Flow oder erlebt beim Springen sein blaues Wunder, wenn die ganze Masse von hinten an den Helm klatscht. Genau diese Effekte unterbindet Evoc mit dem patentierten Rückensystem.
Somit kann der Evoc FR Trail bei Touren mit schwerem Gepäck und hohem Abfahrtsanteil seine Vorteile voll ausspielen und dank der integrierten Fächer für Trinkblase, Goggle und Helme aller Art ist er mit einer sehr breiten Palette an Einsatzbereichen kompatibel. Damit wird der Rucksack zur ersten Wahl für alle, denen guter Schutz im Falle eines Sturzes und fester Sitz auf dem Rücken wichtiger sind als perfekte Belüftung.
Wieder in der Hand
Nach einer knappen Sommer-Bike-Saison bleibt natürlich die Frage, wie sich der Rucksack eigentlich gehalten hat. Der sehr gute Qualitätseindruck vom Anfang hat im Laufe der warmen Jahreszeit nur an wenigen Punkten gelitten. Nach wie vor funktionieren Regenschutz, Klett-, Clip und Reißverschlüsse wie am ersten Tag. Als weniger belastbar haben sich die weißen Rucksack-Teile erwiesen, die teils ein wenig verfärbt sind und bei so manchem Bodenkontakt Farbe gewonnen haben. Gar nicht gut mit dem Einsatz ist die weiche Mesh-Polsterung am Hüftgurt zu Recht gekommen. Da ich in der Stadt in der Regel mit losem Hüftgurt unterwegs bin, hat sich hier der Stoff stark aufgerauht und zeigt deutliche Abnutzungserscheinungen.
Fazit
Eine gute Belüftung hat der Evoc FR Trail Rucksack noch immer nicht doch mit den besser nutzbaren 20 l Volumen und vielen sinnvollen Verbesserungen gegenüber dem Vorjahresmodell und eine klare Empfehlung für Tourenfahrer im Gebirge, die ihren Rücken zumindest halbwegs zuverlässig vor Verletzungen bei Stürzen schützen wollen.
Weitere Informationen zum Evoc FR Trail 20l Rucksack findet ihr hier im Internet.
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das pre-2011 NV system von camelbak kann beides: belüften und schützen, wobei man letzteres nicht als feature anpreist.
dreh und angelpunkt der geschichte ist ein zum waschen herausnehmbares kunststoffrückenteil.
das rückenteil hat das profil eines waschbretts. es passt sich dadurch beim beugen als ganzes dem rücken an, versteift aber punktuell gesehen wunderbar.
ab davon: mir scheint ein direktes "auf den rücken fallen" eines der seltensten sturzereignisse beim radfahren zu sein. häufiger, jedoch immernoch selten, sieht man einen einschlag in der nackengegend wobei dann über den rücken abgerollt wird. ob es für das gekullere nach dem eigentlichen einschlag noch einen backprotector braucht? ich persönlich zweifel daran.
was mir am evoc jedoch deutlich besser gefällt sind die breiten hüftgurte.
die vermutung liegt nahe, dass man die gurte insgesamt nicht so fest anziehen muss, dass man sich fühlt wie eines solche:
In meinen Augen ist genau der breite Hüftgurt der Unterschied. Dadurch sitzt der Rucksack enger und fester am Rücken, wodurch er im Zweifelsfall nicht so sehr seine Position verändert, wenn's mal zu Boden geht. Dadurch der bessere Schutz als beispielsweise beim Camelbak oben.
Gibt es sonst noch Rucksäcke, bei denen der komplette Rücken in verschiedenen Größen kommt? Von der Abdeckung her ist da schon ein Unterschied gegenüber den Meisten anderen Rucksäcken.
Lediglich die Seitentaschen finde ich nicht so toll, da hätte ich zumindest gerne eine Netztasche.
was mir in dem bericht noch fehlt ist ne bewertung der eignung für trinkblasen. separates fach? groß genug für 3 liter? voller rucksack+volle blase=krummes rückenteil? praktikable leitungsführung?
Zum Trinkfach:
- Fassungsvermögen 3l
- separates Fach
- keinerlei Einfluss auf Rückenform und -passung da zwischen Innenfach und Protektorplatten gelegen
- Leitung wird im Nacken durch separate Öffnung nach außen geführt, auf den Rucksackträgern befinden sich Bänder zur Fixierung der Leitung
--> Einwandfrei.
Ich bleibe bei Camelbak oder Deuter.
grüße,
Jan
was mir in dem bericht noch fehlt ist ne bewertung der eignung für trinkblasen. separates fach? groß genug für 3 liter? voller rucksack+volle blase=krummes rückenteil? praktikable leitungsführung?
Wobei die Antidote mit den flachen Profil generell die bessere Blase ist.
An der Leitungsführung hab ich nix auszusetzen, lediglich die Führung nach außen könnte etwas größer sein, ist je nach Mundstück ein arges Gefummel.
Ich bleibe bei Camelbak oder Deuter.
Solch ein Rückensystem gibts en masse an jedem Rucksack. Einzig Deuter hat es mit seinem System geschafft, mal für einen trockenen Rücken zu sorgen! Und ich bekomme in den auch alles rein. Nachteil des Deuter wäre einzig der Hüftgurt, der breiter sein könnte... Warum allerdings ein Rückenprotektor hier Sinn machen sollte verstehe ich auch noch nicht.... lass da mal was hartes drin sein. Zumindest wird der Sack bei einem richtigen Sturz genauso verdrehen wie mein Deuter... Die Optik ist allerdings ganz cool... nur der Preis...
Daher finde ich den Evoc auch ne Interessante Alternative.
... Nach wie vor funktionieren Regenschutz, Klett-, Clip und Reisverschlüsse wie am ersten Tag.
Ist aus Südostasien, oder was
Edit sagt: wenn schon kein "ß" mehr auf der Tastatur, dann wenigstens Doppel-s
Der Deuter Attack 20 kostet UVP auch 150. Mit Protektor sind die Rucksäcke eher generell in der Preisregion, unabhängig vom Hersteller.
Mein Trans Alpine 30 liegt bei 89 UVP - hat im Rückenteil einen 1-1,5cm dicken Schaumstoffpolster das man rausnehmen kann und zum hinsetzen verwenden kann. Wiegt fast nichts.
@ biker-wug
dann eben fast das doppelte. Trans Alpine 30 kosten 89. Und ja ich verwende den auch beim Downhill, für die Arbeit, beim CC, abends zum Bier transportieren, Laptop reinpacken usw. Alles wofür ich überhaupt nur einen Rucksack gebrauchen kann mache ich damit. Da sind meine, persönlichen, Anforderungen an einen Rücksack. Einen für alles.
Aber wenn man die Protektorenrucksäcke vergleicht, kosten die LEIDER alle so viel.
Mit Rucksäcken ist es wie mit Reifen oder Bikes. Wenn ein breiter Einsatzzweck da ist sind nur "noch mehr Rucksäcke" besser als "viele Rucksäcke". Kompromisse macht man immer.
grüße,
Jan
Ich habe meinen Evoc Rucksack wieder ausgemustert.
Mit den Evoc bekomme ich Rückschmerzen, ich verwende wieder einen Deuter-Rucksack.
Der Deuter sitzt einfach besser.
ray
Aber dafür hast auch beim Ski- oder Snowboardfahren nen passablen Rückenschutz.
@DocB: Ist geändert.
Aber dafür hast auch beim Ski- oder Snowboardfahren nen passablen Rückenschutz.
Kommt eben drauf an, was man machen will.