Dass sowohl der Weltradsportverband als auch unser nationaler Verband in der jüngeren Vergangenheit immer wieder stark kritisiert wurden, dürfte wohl niemandem entgangen sein. Während die UCI für ihre plötzliche Abschaffung des 4Cross World Cups in die Kritik geriet, so wurde hierzulande der BDR immer wieder von der Szene für seinen schlechten Umgang mit den Gravity-Disziplinen im Allgemeinen gerügt. Es hatte den Anschein, als bestände gänzlich kein Interesse vonseiten des Verbandes, etwas für die jungen und spektakulären Disziplinen zu tun. Weder teilte der Verband den Gravity-Disziplinen ein angemessenes Budget zu, noch zeigte er irgendein Interesse an deren Förderung.

Nun macht es jedoch den Anschein, als habe sich still und heimlich etwas verändert. Am vergangen Samstag fand beim BDR in Frankfurt ein Treffen der Arbeitsgemeinschaft Downhill/4Cross – und neuerdings auch Enduro – statt. Zu aller Überraschung wohnten der Sitzung auch der BDR Vize-Präsident Udo Sprenger sowie der neue Sportdirektor Patrick Moster bei. Dies könnte man als Zeichen dafür deuten, dass neuerdings auch das BDR Präsidium auf die Gravity-Disziplinen aufmerksam geworden ist. In der Sitzung wurde neben dem Aus des 4Cross World Cups auch die Einführung einer 4Cross Bundesliga in Deutschland besprochen. Überraschend und gleichermaßen erfreulich war die Meldung, dass der BDR die noch junge, jedoch sehr populäre Enduro-Sparte als offizielle Radsportdisziplin anerkennt und die erste deutsche Enduro-Serie in seinen Kalender aufnimmt. Ebenfalls überraschend war der Rücktritt des bisherigen DH-Koordinators Maxi Dickerhoff. Sein Amt wurde von Fabian Waldenmaier übernommen, der ab sofort für den Downhill-Sport in Deutschland zuständig ist.

Die erste Amtshandlung des ehemaligen BDR DH-Koordinators – Maxi Dickerhoff als Coach bei der DH EM in Slowenien im Jahr 2009.

Seinen Rücktritt vom Amt des MTB-Koordinators begründete Maxi Dickerhoff (der auch bei uns im Redaktionsteam tätig ist) folgendermaßen:

“Das Ehrenamt des DH-Koordinators beim BDR niederzulegen war für mich keine leichte, und eine durchaus lang überlegte Entscheidung. Dazu veranlasst hat mich schlicht ein Mangel an Zeit. Als ich das Amt vor knapp drei Jahren antrat, stand ich einer 1,5-jährigen, ärztlich angeordneten Sport-Pause gegenüber, verursacht durch einen schweren Sturz. Aufgrund meiner guten Kontakte in die Szene, dem Willen meinem Sport trotz Verletzung etwas zurückgeben zu wollen und der Tatsache, dass ich aufgrund meiner beruflichen, bzw. schulischen Tätigkeit genügend Zeit zur Verfügung hatte, entschloss ich mich, mich der Aufgabe des DH-Koordinators anzunehmen. Mittlerweile haben sich jedoch alle Aspekte gewandelt und so stehe ich zum einen nach meiner Schulzeit wieder voll im Berufsleben und möchte zudem wieder selbst im DH-Rennsport aktiv werden. Es fehlt mir daher grundlegend an der nötigen Zeit, die dieses Amt in Anspruch nimmt. Da ich nicht beabsichtige dem Sport im Wege zu stehen, war und ist es für mich die einzig richtige Entscheidung das Amt niederzulegen. Ich möchte an dieser Stelle jedoch auch anführen, dass seit der diesjährigen WM meine Motivation stark nachgelassen hat. Wir konnten in den letzten drei Jahren viel bewegen, wenn gleich auch vieles noch unbewegt blieb. Stets wurde die Schuld für das Ausbleiben von Top-Ergebnissen deutscher Fahrer im weltweiten Vergleich auf den BDR und dessen fehlenden Support abgewälzt.

Die diesjährige WM führte mir jedoch vor Augen, dass die Fahrer schlicht selbst nicht in Lage sind, ein Entgegenkommen vonseiten des Verbandes anzunehmen, was das konkrete Beispiel veranschaulicht: trotz der Tatsache, dass der BDR für die deutschen WM Teilnehmer in den Disziplinen Trial, 4Cross und DH eine Unterkunft in Champery gebucht, für Transport sowie Verpflegung und Verköstigung gesorgt hatte, nahm entgegen den beiden anderen Disziplinen kein einziger DH-Fahrer/in dieses Angebot in Anspruch. Und das, obwohl die gesamten Kosten vom BDR getragen worden wären. Dieser Alleingang der Sportler führte mir vor Augen, dass jegliches Engagement zwecklos ist, wenn die Sportler es nicht annehmen. Dies war letzten Endes die Tinte auf meinem Schreiben zur Niederlegung meines Amtes. Ich hoffe, dass die junge, in den Startlöchern stehende Generation eine andere Mentalität mitbringt und gemeinsam mit dem neuen DH-Koordinator Fabian Waldenmaier wieder Medaillen für Deutschland bei internationalen Rennen einfahren wird.”

Nach dieser Überraschung nahmen wir Kontakt zu Georg Schmitz auf, der beim BDR für den MTB-Sport im Allgemeinen zuständig ist. Er schilderte uns den aktuellen Stand der Dinge in Hinsicht auf die Zukunft der Gravity-Disziplinen beim BDR.

BDR MTB-Koordinator Schorsch Schmitz – selbst aktiver Biker, wie hier beim MTB-Hessencup in Rodheim-Bieber / Seniorenklasse III.

MTB-News: Herr Schmitz, Sie bekleiden beim BDR das Ehrenamt des MTB-Koordinators. Da in den letzten Jahren die Gravity-Sportarten enorm an Popularität gewonnen haben, kommt der BDR kaum noch umher, diese in seiner Planung außer Acht zu lassen. Seit ihrem Amtsantritt ist bekannt, dass sie den Gravity-Sportarten 4Cross und DH innerhalb des BDR stark den Rücken stärken. Weshalb legen Sie als eine der wenigen Personen innerhalb des BDR einen solchen Wert auf die beim Verband eher wenig beachteten Disziplinen?

Schmitz: Der Eindruck täuscht. Wir haben beim BDR viele Mitstreiter, wenn es um die Belange des DH- und 4Cross-Sports geht. Das macht meine Arbeit für die beiden Disziplinen sehr viel leichter. Mit Cross-Country-Bundestrainer Peter Schaupp spreche ich zum Beispiel über Trainings-Möglichkeiten für Athleten aus den Gravity-Sportarten und er sagt mir seine Unterstützung zu. BDR-Vizepräsident Udo Sprenger ist ebenfalls ein ausgesprochener Förderer der beiden Disziplinen. Und auch vom neuen Sportdirektor Patrick Moster werden wir ganz sicher Unterstützung erfahren. Wir sind also gut aufgestellt und das ist wichtig, weil der Trend ganz eindeutig hin zu den Spaß-Disziplinen führt und dem werden wir uns mit aller Offenheit stellen.

MTB-News: Am vergangen Samstag fand ein Treffen beim BDR in Frankfurt statt, dessen ausschließlicher Inhalt die Gravity-Disziplinen waren. Was genau wurde bei dieser Sitzung besprochen und welche Neuigkeiten sind zu vermelden?

Schmitz: Zunächst einmal haben wir für jede Disziplin eine sportliche Bilanz gezogen. Auffallend beim Downhill ist, dass wir im Nachwuchsbereich zurzeit international noch Aufholbedarf haben. Trotz kleinem Budget wollen wir versuchen, durch gezielte Maßnahmen hier gegenzusteuern. Dabei wird es auch darauf ankommen, die Landesverbände mit ins Boot zu nehmen und deren Cross-Country-Kadermaßnahmen zumindest in der Vorbereitungszeit für Downhiller und 4Crosser zu öffnen. Die ersten Gespräche werden in den nächsten Tagen bereits geführt.

MTB-News: Wie steht der BDR zur Abschaffung des 4Cross World Cups? Nimmt der BDR die Möglichkeit eines Protests an die UCI wahr?

Schmitz: Zunächst einmal waren wir alle von der Entscheidung überrascht. Vizepräsident Udo Sprenger hat am Samstag noch einmal sein Unverständnis über diese Entscheidung zum Ausdruck gebracht. Der Mountainbike-Sport sei um eine Attraktion, um einen Zuschauermagnet beraubt worden. Wir alle hoffen, dass sich diese Disziplin auch international wieder aufrichtet und wir 2013 die 4Cross-Bundesliga einführen können. Das Thema stand eigentlich schon für 2012 auf der Agenda, aber wir haben uns in Abstimmung mit unserem 4Cross-Beauftragten Dan Auerswald und den Vertretern der beiden 4Cross-Serien in Deutschland dazu entschlossen, 2012 noch einmal abzuwarten, wie die Entwicklung laufen wird. Das Problem beim 4Cross ist: wir haben zu wenig Lizenzfahrer – und eben diese brauchen wir für eine Bundesliga.

MTB-News: Gleichzeitig zur Bekanntgabe der Abschaffung des 4Cross World Cups, verkündete die UCI auch, dass man Enduro Rennen zukünftig in den UCI Kalender aufnehmen möchte? Können Enduro-Rennen und Enduro-Rennfahrer nun auch hierzulande mir der Unterstützung des BDR rechnen?

Schmitz: Natürlich werden wir uns hier als Verband voll reinhängen und mit den Organisatoren eng zusammenarbeiten. Los geht es 2012 mit einer Enduro-Serie, deren Generalausschreibung wohl im März 2012 veröffentlicht werden kann. Vorgaben vonseiten den UCI gibt es noch keine, der BDR wird hier also eine Vorreiterrolle einnehmen. Abseits dieser Serie wird es weitere Enduro-Rennen geben. Mir liegen jetzt schon zwei entsprechende Anfragen vor. Auf jeden Fall freuen wir uns auf diese neue Disziplin.

MTB-News: Bei der Sitzung am Samstag wurde auch einer neuer DH-Koordinator ins Amt geholt. Gibt es in Zusammenarbeit mit dem neuen DH-Koordinator Fabian Waldenmaier eine neue Richtung beim Verband in Sachen Downhill?

Schmitz: Eine neue Richtung? Nein, das kann man angesichts des kleinen Budgets nicht ernsthaft sagen. Wir waren mit seinem Vorgänger Maxi Dickerhoff und seiner Nachwuchsarbeit sehr zufrieden. Von daher würden wir uns freuen, wenn Fabian diese Arbeit weiterführt und darüber hinaus noch intensiver den Kontakt zu den Cross-Country-Landestrainern sucht. Denn wir müssen für unsere ambitionierten Junioren jede Möglichkeit ausschöpfen, unter Anleitung trainieren zu können – und wenn es in erster Linie Konditionstraining in der Vorbereitungsphase ist.

MTB-News: Ist in Zukunft abzusehen, dass die deutschen DH-Sportler mit einer finanziellen Unterstützung bei World Cup sowie EM und WM Teilnahmen rechnen können?

Schmitz: Da sind wir auf einem guten Weg. Wir prüfen gerade ein eigenes, disziplin-gebundenes Sponsoring. Das Präsidium hat dazu bereits grünes Licht gegeben.

BDR Pre-Season DH-Camp 2011 – Marcus Klausmann und Andi Sieber greifen dem Nachwuchs unter die Arme.

Dem Sitzungsprotokoll ist zu entnehmen, dass sich der BDR Vize-Präsident Udo Sprenger sehr erfreut zeigte, dass der BDR in Sachen Enduro eine Vorreiterrolle einnimmt. Sprenger gab zudem zu Protokoll, dass man sich dem Thema stellen müsse und was die Frage der Anbindung der Athleten an den Verband anginge, über neue Strategien nachzudenken habe.

Es sei an dieser Stelle einmal betont, dass ein Rennsport erst durch Lizenz-Fahrer sein volles Potenzial entfalten kann. Speziell im Hinblick auf eine mögliche 4Cross Bundesliga im Jahr 2013 ist es daher wichtig, möglichst viele Fahrer zu animieren sich eine Lizenz zu nehmen.

Wie bewertet ihr die aktuellen Entwicklungen beim BDR? Seid ihr der Meinung, dass sich nach langer Durststrecke beim Verband nun endlich etwas tut? Und wie steht ihr zur neuen Enduro-Serie im kommenden Jahr?

Die neuesten Kommentare
  1. benutzerbild

    jonnydarocca

    dabei seit 05/2007

    Der natürliche Lebensraum eines Rotgesichtsmakaken ist nicht die DH-Strecke! Das aussetzen von Rotgesichtsmakaken auf DH-Strecken, verstößt gegen die Genfer-Konvention und wird mit blutenden Ohren und Kanten an den Beinen geahndet!
    Diese zu den Laberlemuren zählende Affenart, ist in den örtlichen Trachten- oder Fußballverein heimisch. Hier frönt der Rotgesichtsmakake, unter Artgenossen, seiner lieblings Beschäftigung- dem Labern.
    Also bitte, lasst den Rotgeesichtsmakaken in seiner natürlichen Umgebung!

    Grüße Jonny
  2. benutzerbild

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  3. benutzerbild

    Waldschratt

    dabei seit 09/2003

    Lizenzen machen das alles nur komplizierter. Außerdem kosten die Geld. Wenn man die hohen Anfangskosten für Bike und Ausrüstung sieht und die recht hohen Startgelder berücksichtigt sind Lizenzkosten nicht förderlich. Hinzu kommen die Reisekosten um an den Rennen teilnehmen zu können. Das ist für die meisten Leute nicht drin.
    Besser wäre es mehr regionale, kleine Serien zu schaffen die allen die Teilnahme an einer Rennserie ermöglichen. Daraus würde der Lizenznachwuchs dann von allein entstehen.
  4. benutzerbild

    Blackhawk88

    dabei seit 04/2003

    Waldschratt
    Lizenzen machen das alles nur komplizierter. Außerdem kosten die Geld. Wenn man die hohen Anfangskosten für Bike und Ausrüstung sieht und die recht hohen Startgelder berücksichtigt sind Lizenzkosten nicht förderlich.
    Weisst du was eine Lizenz kostet?
    Die kostet nichtmal 15€, sollte für die ganzen Jungs in ihren troy Lee Schlafanzügen gerade noch zu bezahlen sein.

    Ich weiß nicht wie das bei anderen Vereinen ist, aber bei den SOULRIDERN zahlt der Verein die Lizenz. Für jeden!
  5. benutzerbild

    Oppe

    dabei seit 03/2010

    Jochen_DC
    Bin ich nicht sicher ob das wirklich so wäre. Dier ersten 2 in der Gesamtwertung beim SDC waren U19 Fahrer. Ich denke man müsste im 4X eher Anreize für Neueinsteiger in der Lizenzklasse schaffen wie eine gesonderte Wertung, meinetwegen nenn sie 'Rookie of the year' oder ähnlich um die vorläufig fehlende Perspektive zu egalisieren. Wir haben sowas in dieser Richtung auch vor bereits 2012 umzusetzen.

    Würde ich begrüßen, finde das ist eine gute Idee!
  6. benutzerbild

    riding_gerch

    dabei seit 09/2004

    Ich finde, dass es noch ein weiteres Problem gibt hinsichtlich einer Lizenz. Ich bin 2011 wieder als Lizenzfahrer gestartet, jedoch kaum ordentlich trainiert geschweige den einmal Gates gemacht. Ich wollte dieses Jahr einfach nur wieder zum "Spaß" fahren, ohne wirkliche Ziele. Ich hatte nur eines übersehen - ich muss mit einer Lizenz immer und in jeder Art auch im DH als Lizenzfahrer starten, auch wenn ich nur mit dem Hardtail fahren will.
    Eine Lizenz fällt für mich 2012 flach - DH in der Lizenzklasse ist mir viel zu fett (zumindest aus jetziger Sicht), da kann 4x noch so viel Spaß machen!

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