Dass sich der Downhill-Sport in den letzten Jahren vom Fun-Sport zum ernst zu nehmenden Leistungssport entwickelt hat, ist längst nicht mehr nur Insidern bewusst. Auch nach außen verkauft sich der Sport seit geraumer Zeit durch Serien wie dem iXS Cup und den darin involvierten Teams und Fahrern als Formel 1 des Mountainbikes-Sports, in dem es schon lange nicht mehr um halsbrecherisches Glücksspiel, sondern um kalkulierten Rennsport geht. Und obwohl dieser moderne und actiongeladene Sport dem sensationslüsternen Medienkonsumenten genau das bietet, wonach er verlangt, hat es der Downhill-Sport immer noch nicht geschafft, auf großer Bühne Fuß zu fassen. Wenn dies dann aber ausnahmsweise doch einmal der Fall ist, dann meist durch fragwürdige, negativ ausgelegte Beiträge wie jüngst bei SPIEGEL TV MAGAZIN.

Die Moderatorin beschreibt die Downhill-Fahrer sinngemäß als lebensmüde und schmerzsüchtig. 

Unter dem Titel “Freiwillig in Gefahr: Suchtstoff Adrenalin” wird in der Sendung SPIEGEL TV MAGAZIN, welche am 23.10.2011 auf RTL ausgestrahlt wurde und nun auch auf Spiegel-Online zu finden ist, das Thema Extremsportarten behandelt. Die Moderatorin leitet das Thema mit folgenden Worten ein: “Bei manchen jungen Leuten hat man das Gefühl, dass sie das Älterwerden nicht wirklich mit einplanen. Jedenfalls sehen die Sportarten die sie betreiben eher so aus, als ob es der Tod ist, den sie in Kauf nehmen.” In einem Atemzug nennt sie in diesem Zusammenhang auch den Downhill-Sport, welchen sie als “Downhill-mountain-biking” betitelt. Weiter heißt es: “….es muss wehtun und es muss Angst machen.” Der Beitrag selbst fällt weniger aggressiv aus, vermittelt aber ebenso den Eindruck, als ginge es den Sportlern darum, Schmerzen zu erleiden und sich gezielt in Gefahr zu bringen. Unterstrichen wird dieser Eindruck durch völlig aus dem Zusammenhang gerissene Statements der Protagonisten und durch gezielt reißerische Worte wie “Höllenritt” oder “Gefahrensucher”. Auch wenn die Aussagen der gezeigten Sportler mit Sicherheit unter einer anderen Fragestellung zustande kamen, so sollte dennoch gesagt sein, dass sie ihrem Sport nicht sonderlich helfen, wenn sie mit ihren Statements den Eindruck vermitteln, dass es cool wäre, Stürze, Schmerzen und Verletzungen gezielt in Kauf zu nehmen.

Ob den Protagonisten des Beitrags bewusst war, welche Wirkung ihre Aussagen auf den Zuschauer haben werden?

Entgegen der Darstellung des SPIEGEL TV Beitrags geht es im DH-Sport, wie auch in jedem anderen Sport, um die sportliche Betätigung als solches. Dass sich der DH-Sport von anderen Sportarten abhebt, ist jedoch nicht von der Hand zu weisen. Der Reiz dieser Sportart kommt jedoch nicht durch die vermeintliche Gefahr zustande, sondern durch das Zusammenspiel von geistiger und körperlicher Koordination und Reaktion auf höchstem Niveau. Hätten sich die Redakteure ernsthaft mit dem Thema befasst, wäre ihnen bewusst gewesen, dass der DH-Sport dem überaus populären Formel 1 Motorsport gar nicht mal so unähnlich ist, und das bei einer erheblich besseren Energiebilanz.

Das ist Downhill – ein gut kalkuliertes Rennsportspektakel, das die Massen in seinen Bann zieht, wie hier beim World Cup in Fort William.

Eins lässt sich mit Sicherheit sagen: Verletzungen und Schmerzen sind definitiv bei keinem DH-Fahrer gern gesehen oder gar erwünscht. Ganz im Gegenteil, es ist wohl jeder darauf bedacht, unnötige Risiken zu minimieren und mit Verstand neuen Herausforderungen gegenüber zutreten. Ausnahmen bestätigen natürlich auch hier die Regel. Wer DH-Fahrer für die Ausübung ihres Sports verurteilt, da sie freiwillig das Risiko eingehen durch einen möglichen Sturz Schmerzen zu erleiden, der dürfte selbst nicht mehr aktiv am alltäglichen Straßenverkehr teilnehmen. Denn die Gefahr hier in einen Unfall verwickelt zu werden, ist erwiesenermaßen höher als die Wahrscheinlichkeit, sich beim DH-Sport zu verletzen.

Jill Kintner bei ihrem “Höllenritt” entlang den Zuschauermassen beim World Cup in La Bresse – TV-Übertragung auf Eurosport 2 und Freecaster inklusive. 

Es stellt sich daher automatisch die Frage, ob sich die Redakteure dieses Beitrags schlicht und einfach nicht intensiv genug mit dem Thema Downhill und Extremesportarten im Allgemeinen befasst haben oder ob hier gezielt auf Kosten des Sports Effekthascherei und Augenwischerei betrieben wird. Wie auch immer dieser Beitrag zustande kam, eins ist sicher: Er zieht den Ruf unseres Sports rücksichtslos durch den Schmutz. Solche Beiträge sind unserem Sport einfach nicht würdig. Erstaunlich, dass dieser Beitrag aus dem Hause SPIEGEL stammt, denn wie man anhand eines Artikels, zum Thema Whistler, aus der SPIEGEL Online Redaktion sehen kann, können die SPIEGEL-Redakteure auch anders.

Auch innerhalb der MTB-News Redaktion stieß dieser Beitrag auf große Empörung. Die Meinungen der Redakteure sehen dabei folgendermaßen aus:

Grinsekater: “Hier wurde anscheinend im Vorfeld schon beschlossen, welches Bild über die Sporttreibenden gezeichnet werden soll. Diese Arbeitsweise erinnert mehr an das Spiegelbild einer großen deutschen Tageszeitung. Die Logogestaltung scheint schon mal voneinander inspiriert – traurige Vorstellung.”

Nuts: “Traurigerweise eine sehr einseitige Berichterstattung – die Statements der Protagonisten werden in meinen Augen durch die Kommentare dazwischen, bewusst in eine stark voreingenommene Richtung gezogen, Objektivität fehlt. Dass das Downhill-Biken inzwischen ein Sport ist, den nicht nur Adrenalinjunkies ausüben und Stürze sowie Verletzungen nicht die Regel, sondern die Ausnahme bilden, wird verschwiegen. Stattdessen wird durch emotional geladene Worte wie “Höllenritt” Stimmung gemacht – gegen die “jungen Leute” von heute. Ihnen dann auch noch Todessehnsucht zu unterstellen, ist eigentlich nur konsequenterweise auch an der Realität vorbei. Für die Vertreter der anderen Sportarten verläuft die Geschichte leider ähnlich…”

Freesoul: “Äußerst schade, wie unser Sport hier dargestellt wird. Dass das “Downhill-mountain-biking”, in dem es schon seit 1990 Weltmeisterschaften gibt, eine Disziplin des äußerst populären Trendsports Mountainbike ist und zudem ein stetig wachsender, ernst zu nehmender Wirtschaftszweig ist, scheint nicht bekannt gewesen zu sein. Ebenfalls schade ist es, wie die äußerst seriös und kalkuliert wirkenden Statements der Sportler, die (wahrscheinlich einer netten, gut gelaunten Redakteurin) nur ihre Faszination erklären, in der Postproduktion zu verantwortungslos wirkenden Sätzen inmitten des reißerischen Off-Kommentars degradiert werden.
Wie selbstverständlich es ist, dass Familien in den Ski-Urlaub fahren – birgt doch der Abfahrts-Ski-Sport ebenso heftige Gefahren. Dass der anerkannte Downhill-Sport, der seit vielen Jahren Weltmeisterschaften und World Cups stattfinden lässt und in Nord- und Südamerika sowie dem Rest Europas sehr populär ist, auf “Adrenalin” und “Gefahr” reduziert wird, in dem unterschwellig das Wort “Verantwortungslosigkeit” mitklingt, ist schade – und lässt mich an reißerische Fernsehberichte aus den 70er Jahren denken. Heutzutage müssten es auch TV-Redakteure eigentlich besser wissen.”

Wer sich bisher selbst noch kein Bild von dem hier kritisierten SPIEGEL TV Beitrag machen konnte, der findet diesen unter dem hiesigen Link. Wie empfindet ihr solche Beiträge? Seht ihr den Ruf des Sports durch diese Art der Berichterstattung ebenfalls beschädigt oder stimmt ihr der Kernaussage des Beitrags am Ende sogar zu? Wie würdet ihr euch verhalten, wenn ihr vor der Kamera den DH-Sport beschreiben müsstet? Sollte euch der SPIEGEL TV Beitrag ebenso empören wie uns, dann teilt der Redaktion doch einfach eure Meinung mit – einfach eine E-Mail an: [email protected]

Die neuesten Kommentare
  1. benutzerbild

    Downhillalex02

    dabei seit 10/2009

    So ein Blödsinn

    Nur schlimm ,wenn wie zb in Thale ,die Leute einen dann immer mit irgendwelchen Müll anlabern .

    Wo haben die es wohl nur her .... !?
  2. benutzerbild

    Anzeige

  3. benutzerbild

    Re4lJuNgLiSt

    dabei seit 07/2006

    m.a.c.k.e.
    Tja gleichzeitig ähnlicherArtikel über Steffi Marth auf SPION!
    http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/0,1518,792534,00.html

    Ist zwar unter der Rubrik UNI zu finden und niiiiiiicht unter Sport!!!!! Aber okay.. Was willste machen...
    da sieht man auch an den kommentaren, was so ein artikel bei unterbelichteten auslöst, wenn ich das hier lese könnt ich :wut:

    Themostikles/ Spiegel-Online-Forum-Horst
    Ja, das ist für die moderne Frau ungeheuer wichtig: Siege über Männer. Was für eine wertvolle Information.

    Als Mann halte ich mich von Extremsportarten fern, zu gefährlich und die Motivation ist stets Eitelkeit. "Eitel" ist ein altes Wort und heißt "vergeblich" oder "unnütz.

    Wer solche Sportarten ausübt, besieget sich vor allem selbst. Bitte, liebe Steffi, die Du SOOOOOO gut aussiehst, mach weiter.

    Was hat die moderne Frau eigentlich, dass sie Männer ausgerechnet dort übertreffen muß, wo diese nachgewiesenermaßen völlig schwachsinnig handeln? So z.B. beim Downhill-Rasen. Verdient man da was außer Auszeichnungen? Doch, kompliziertete Knochenbrüche.

    Bitte, berichtet doch noch über weitere Triumphe der Weiblichkeit über die Männlichkeit, oh, wunderbarer Frauen-SPON!
  4. benutzerbild

    `Smubob´

    dabei seit 09/2005

    Wenn man sich über jede Ausgeburt der breiten, dummen Masse ärgern wollte, könnte man sich auch einfach die Kugel geben... das ist effizienter als an Herzinfarkt oder einem Magengeschwür zu krepieren.
  5. benutzerbild

    TRANSITION

    dabei seit 12/2007

    Das man solche Berichte auf professionell aufziehen kann zeigt der Bayerische Rundfunk mit einem kleinen Clip über die Freeride-World-Tour. Geht zwar um Ski/Snowboard aber das Prinzip ist das gleiche.

    http://www.br.de/fernsehen/bayerisc...endschau/freeride-die-geplante-gefahr100.html
  6. benutzerbild

    Apeman

    dabei seit 09/2008

    `Smubob´
    Wenn man sich über jede Ausgeburt der breiten, dummen Masse ärgern wollte, könnte man sich auch einfach die Kugel geben... das ist effizienter als an Herzinfarkt oder einem Magengeschwür zu krepieren.
    :daumen:

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