Menschen, Unternehmen — 18. November 2011 8:38

[Hausbesuch] Geschichtsstunde bei Kona – von Cascade bis zum 29er Fully

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Während unseres USA- und Kanada-Trips hatten wir in Vancouver auch einen Besuch im Kona-Hauptquartier vereinbart. Bei der Planung im Hotel fiel uns auf, dass Kona quasi um die Ecke lag – Yodas Stimme leitete uns im Auto Richtung Hafendistrict. In der Email von Mitchell stand, dass wir nach der “orangenen Hausfront” Ausschau halten sollten. Als diese dann links von uns auftauchte, waren wir uns dennoch nicht sicher. Wieder mal kein Firmenschild, nur das Gesicht des Mannes der gerade zu seinem Auto ging kam mir bekannt vor… Nach dem wir das Auto geparkt hatten, schüttelten wir Doug Lafavor, auch bekannt als “Dr. Dew”, die Hand. Wir waren richtig.


Das Kona Hauptquartier


Dr. Dew empfängt uns

Die Gegend hier in der Nähe des Güterbahnhofes sei nicht unbedingt die beste und so möchte man nicht groß auffallen mit einem glänzenden Firmenschild. Hinter der Tür tut sich das Hauptquartier von Kona auf – früher wurden hier auch Bikes zusammengebaut, jetzt dient das Gebäude als Lager für alte Schätze, für die Flotte der Messebikes und für Sondergeschichten, die nicht den normalen Vertriebsablauf gehen. Zusätzlich sitzt hier in der Railway Road auch die “Chefetage” von Kona – die Gründer Jacob Heilbron und Dan Gerhard – zusammen. Kona wurde 1988 als “Cascade” gegründet, musste den Namen aber kurz darauf ändern, seitdem heisst das Unternehmen Kona.

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Dr. Dew hob im Eingangsbereich eine Machete hoch. Die liegt hier einfach so rum, “für den Fall der Fälle”, erklärte er uns grinsend. Links stand ein Teil des Lagers offen. Wir folgten dem Doc in den Keller. Überall hingen Bikes. Wieder mal ein komplettes Kontrastprogramm, wenn wir uns an das cleane Firmengebäude von Norco erinnern. Nur hier bei Kona stimmte die Vorstellung mit dem aktuellen Bild überein.


Ein Kona Prototyp an dem aktuell gearbeitet wurde – designed by Stefan Stark aus Germany


Ein Weltmeister-Trikot von Fabien Barels

Beim nicht ganz so typischen Hausbesuch erfahren wir viel über die Geschichte von Kona und Dr. Dew plaudert aus dem Nähkästchen…

Hier das Video zum Hausbesuch – Film ab:


Zu Besuch bei Kona von Thomas auf MTB-News.de

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Nachdem wir bei Kona alles gesehen hatten, fuhren wir mit zu Dik – einem der Mitarbeiter. Er lud uns ein zu sich nach Hause. In seinem fahrenden Wohnzimmer glitten wir Richtung DeepCove am Mt Seymoure.

Von dort aus machten wir uns gleich auf den Weg auf seine Cross-Country-Hausrunde. Was Cross-Country hier in Kanada bedeutet, entsprach nicht unbedingt der Vorstellung, die wir aus Deutschland davon hatten!

Mit den beiden Hunden im Schlepptau ging es los. Dik nahm uns mit auf “die leichteste” Crosscountry-Hausrunde hier am Berg. Er fährt sie seit über 20 Jahren, wie er meinte.
Nach einer Stunde extrem technischem Uphill (teils mit Schieben und Tragen) erreichten wir den Streckeneinstieg zu “Sticks and Stones” (“Stock und Stein”). Sehr treffend gewählter Streckenname. Dik düste davon. Er kennt hier jeden Stein und jede Wurzel persönlich – mit Vornamen. Ich versuchte dran zu bleiben, was in diesem Gelände wirklich schwierig war. Die Strecke war schwer einsehbar und nach so mancher Kurve ging es plötzlich in einen kurzen Gegenanstieg. Man war sehr oft am Schalten und der Sattel blieb am besten in einer niederen, mittleren Position.

Wir flogen zwischen Wurzeln, Steinen, riesigen Bäumen und Farnen dahin. Sonnenlicht flackerte durch das dichte Laubdach. Diks Hunde jagten mit uns durch den sehr alt wirkenden Wald über den Trail oder neben uns durchs Dickicht. Die Zeit stand still, während wir uns dem Flow auf dem Trail hingaben. Wir konnten nicht sagen, wie lange wir schon unterwegs waren. Auch wenn Dik zeitlich knapp bemessen war, machten wir hin und wieder Fotostops.
Die Kombination aus Bikern und Hunden wirkte in diesem Wald fast unecht. Während einer Pause sahen wir uns ungläubig um – wir saßen inmitten des wahrhaftig gewordenen Bikermekkas. Diese Bilder sah ich das erste Mal vor vielen Jahren auf einer VHS Kassette mit der Aufschrift “Kranked” und nun fuhren wir selbst durch diese Szenen. Wahnsinn!

Bei einem der Stops klärte uns Dik auf, dass das hier eine offizielle Crosscountry Runde sei, die er auch immer mit der Schulklasse fahre, welche er betreut. Um die 400 Kinder fahren hier in der Gegend bei wöchentlichen Rennen mit!

Crosscountry…? Okay, es gibt kein durchgängiges Gefälle – aber was den Untergrund angeht, konnte man die Strecke durchaus mit Bad Wildbad vergleichen. Auf dem Rückweg trafen wir im Wald noch zwei Locals. Einer schob sein Rad mit einer Hand. Bei einem Sturz hatte er sich gerade an der Hand verletzt, ein gebrochener Knochen stand aus dem blutigen Handrücken heraus. Dik klärte kurz ab ob sie sich auch auf dem schnellsten Weg zum Parkplatz befinden und wir zogen mit einem mulmigen Gefühl weiter. Die ständig nassen Wurzeln und Steine fordern anscheinend ihren Tribut.

Dik leitete am gleichen Tag noch ein Schul-Mountainbike-Projekt und musste direkt nach unserer Tour noch mal für zwei Stunden los. Wir waren etwas länger unterwegs als geplant und so erklärte er uns kurzangebunden, dass seine Frau gerade weiter oben auf dem Berg Schneeschuhlaufen ist und wir so lange allein im Haus sind. Wir sollen duschen und es uns bequem machen. Bier sei in der Kühlbox neben dem Haus, im Kühlschrank fänden wir was zu essen, wir sollen uns einfach selbst bedienen. Wenn wir Internet bräuchten sollten wir an den iMac im Erdgeschoss gehen – alles kein Problem.

Man hatte zwar davon gehört dass in Kanada Haustüren nicht verschlossen sind, aber als wir das nun wirklich erleben ist das schon ein wenig irritierend. Ganz ehrlich. Wer würde zwei Leuten, die er am gleichen Tag das erste Mal gesehen hat, direkt das ganze Haus zur Verfügung stellen?

Wir schnappten uns ein Dosenbier und schlenderten runter zur Pier. Während wir die letzten Sonnenstrahlen genossen, fuhren die Bewohner der küstennahen Häuser ihre Einkäufe mit dem Boot nach Hause. Anscheinend hatte es niemand so richtig eilig, denn alle machten einen grundentspannten, freundlichen Eindruck.

Nach eineinhalb Stunden machten wir uns auf den Rückweg und als wir die Haustür öffneten, sah uns Diks Tochter an. “Oh you’re coming in my house? My father must have invited you – he does this all the time.

Wir blieben noch zum Abendessen und konnten unsere Blicke bei Käsepasta und Roastbeefsandwiches kaum von der Bucht lösen.
Das Angebot, noch über Nacht zu bleiben, mussten wir leider ablehnen, schliesslich mussten wir am kommenden Morgen zum Flughafen und unser Zeug lag noch im Hotel. Völlig erledigt fuhren wir nach einem sehr langen Tag zurück nach Vancouver.

Hier findest du weitere Hausbesuche.

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53 Kommentare dazu im Forum

  • #2
    Schöner Bericht über eine kultige Firma!
  • #3
    der prototyp schaut vielversprechend aus... weg von der kona kynmatik... seeehhhrrrr löblich!
  • #4
    super Bericht und tolle Fotos! Danke.
    Der Prototyp gefällt mir sehr gut
  • #5
    Three cans of Beer Klasse Bericht.
  • #6
    schöner Fotobericht..!!!
  • #7
    So in etwa hab ich mir das bei Kona vorgestellt! ^^
  • #8
    german girls and salamis

    Ansonsten ein sehr schöner Bericht eines wirklich sympatischen Typen.
  • #9
    der Humor von Dr. Dew ist mir garnnicht so fremd. Hier.
    Wie in Canada das biken gelebt wird ist aktuellen Anlass für uns wirklich noch weit weg. Aber vielleicht ein Weg mit ganzen Schulklassen in den Wald. Schöner Bericht. Danke !
  • guter bericht und lockerer typ.

    das titan king kahuna hätte genau meine größe
  • Der Markt ist gesättigt. Nicht: Wir haben die neue Riesenidee (X-Country-Downhiller) sondern mal ganz ehrlich. Und auch die langen Produktzyklen von Kona scheinen mir jetzt nachvollziehbar. Womit ich bitte nicht gegen die vielen Innovationen der letzten Jahre an den Fahrrädern meckern will - da hätte ich von Kona schonmal auch was erwartet. Aber der Mann beschreibt das, was in der Branche passiert wohl ganz gut (Da sind mehr Freeridebikes zu verkaufen, als Leute, die sie kaufen können...)

    Sehr sehr sympatisch. Ich hab zwar kein Kona mehr, aber ich bin immer noch KONAFanboy - erst recht nach diesem Hausbesuch...
  • Gelebte Leidenschaft und der Humor hat genau meine Wellenlänge
  • UNGLAUBLICH GEIL!!!
    DANKE DANKE DANKE!!!
    made my day
  • Was für ein cooler Typ der ist . Inspirierend.

    Mit den Rädern von Kona kann ich nicht so viel anfangen, aber die Einstellung und die Überzeugung die er vermittelt ist doch einfach super.

    @Ope: "gelebte Leidenschaft" trifft den Nagel wohl auf den Kopf
  • ahaha, geile Vorstellung.
  • Sympathischer Laden ! Auch wenn ich sonst nicht auf Kona stehe.
    Nur der neue Rahmen ist ja völlig beliebig.
  • Zitat:
    Zitat von evil_rider Beitrag anzeigen
    der prototyp schaut vielversprechend aus... weg von der kona kynmatik... seeehhhrrrr löblich!
    War auch mein erster Gedanke. Schaut gut aus.
  • Nette Story! Schön kurzweilig geschrieben.

    Grüße
    Sebastian
  • Zitat:
    Zitat von evil_rider Beitrag anzeigen
    der prototyp schaut vielversprechend aus... weg von der kona kynmatik... seeehhhrrrr löblich!
    es macht mir fast angst, sowas von dir zu lesen...
  • Zitat:
    Zitat von Luke-VTT Beitrag anzeigen
    War auch mein erster Gedanke. Schaut gut aus.
    ich glaube, das ist das neue Satori 29er...
  • Ich wollte gar nicht alles gleich lesen, kam aber nicht mehr los. Super Bericht, und Kona hat in meinem Ansehen an Sympathie gewonnen.
  • Top Bericht

    Die Location erinnert mich an meinen besuch bei RaceFace im September!

    Auch unscheinbar in einem Hinterhof gelegen.
  • German girls do WHAT????
  • storck?
  • hat jemand von euch schon ein fahrrad dieser firma zamgebaut? ne?
    dann wär spätestens eure romantik weg..
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