HomeAllgemeinFotografen bei der Arbeit: Lars Scharl im IBC-Interview — 30. Januar 2012 22:59

Fotografen bei der Arbeit: Lars Scharl im IBC-Interview

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Viele von euch können sich sicherlich noch an die Fotoberichte und Video-Tagebücher von Johannes Fischbach und Guido Tschugg erinnern, welche die Berichterstattung von den 2011er Weltcup-Events mit Kurzweil bereicherten. Darüber hinaus, kennt ihr bestimmt auch das Sequenzfoto von Antti Risanen’s Cashroll, welches den stillen Finnen quasi über Nacht bekannt machte. Die Liste ließe sich beliebig verlängern, ist doch die Person, die für diese Arbeiten verantwortlich ist, eine der derzeit umtriebigsten im Business. Im Gravity- und Dirt-Bereich gibt es momentan nur wenige Events, bei denen Lars Scharl nicht vor Ort ist. Grund genug für uns, euch den sympathischen Bayer einmal näher vorzustellen.

MTB-News: Hallo Lars, wie geht’s?

Lars: Sehr gut, danke der Nachfrage!

Einigen unserer User dürftest du ja bereits durch deine Photos bzw. Videos bekannt sein. Könntest du dich trotzdem noch einmal kurz für diejenigen vorstellen, die dich noch nicht kennen?

Servus, ich bin der Lars, bin 28 Jahre alt, komme aus München und wohne aber seit 15 Jahren in Bayreuth. Ich bin seit 2004 hier im Forum mehr oder weniger aktiv und arbeite seit 2007 als Fotograf im Actionsportbereich – mit meinem Hauptaugenmerk auf dem Bikesport.

Wie bist du zum Fotografieren gekommen? Kannst du dich noch an deine erste Kamera erinnern?

Das hat sich einfach ergeben. Ich habe schon immer gerne die Fotos in MTB- und Snowboardmagazinen angeschaut und hab aus einem spontanen Impuls heraus meine erste Kamera gekauft – eine Canon 20D, die damals ganz frisch auf dem Markt war. Dafür sind damals meine ganzen Ersparnisse, die ich nach dem Abi mit meinem Sommerjob als Bademeister angehäuft hatte, draufgegangen. Ich habe dann sofort angefangen, Sportfotos zu machen und ab dann war das mit dem Fotografieren irgendwie ein Selbstläufer.

Und mit welchen Kameras fotografierst du jetzt?

Im Moment sind das die Canon 5D Mark2 und die Canon 7D, dazu Canon Objektive, Pocketwizard Funkauslöser, Canon Kompaktblitze und ein großer Elinchrom Akkugeneratorblitz.

Das ist stattlich! Wie sieht für dich ein pefektes Kamera-Setup aus?

Kameragehäuse, Fisheye oder Weitwinkel, lichtstarkes Portraitobjektiv wie z.B. ein 50mm 1,4, 70-200mm Zoom, dazu zwei bis drei Kompaktblitze mit Funkauslösern – das ist so die Ausrüstung mit der 99% meiner Bilder entstehen.

Freeride, Dirt und MTB-Contests gehören zu deinen Hauptmotiven. Wie kam es dazu? Hast du dich von Beginn an auf MTB konzentriert?

Nein, angefangen habe ich mit Snowboardfotos, allerdings kam das Biken dann sehr bald dazu. Mein erstes “richtiges” MTB-Shooting hatte ich mit den Bruchpiloten um Jens Staudt und Andi Krieger in Darmstadt, das nächste mit Falco und Gernot Ruppert in Finale Ligure – die Ergebnisse daraus haben dann auch schon gereicht, um mit dem Freeride Magazin an einen regelmäßigen Abnehmer für meine Bilder zu kommen. Nachdem ich vom Snowboarden her schon ziemlich trickfixiert war, konnte ich mich dem Dirtjumpen natürlich nicht lange entziehen und so bin ich recht bald auch regelmäßig zu den Dirt-Contests gefahren, z.B. zum 26 Trix in Leogang.

Und wo bist du derzeit unterwegs?

Ich versuche so oft wie möglich im Schnee unterwegs zu sein. Leider wurde das in den letzten Jahren etwas weniger, aber diese Saison hat schon recht vielversprechend angefangen! Generell bin ich aber oft im Schnee – egal ob auf Langlauf- oder Alpinskiern oder auf dem Snowboard.

Im vergangenen Jahr warst du vor Allem mit Fischi und Guido unterwegs. Die Video-Tagebücher und die Ghost-Stories haben großen Anklang gefunden. Wie bist du dazu gekommen, beide mit der Kamera zu verfolgen?

Da Fischi quasi bei mir ums Eck im oberpfälzischen Outback wohnt, wollte ich mit ihm eh schon länger mal zusammenarbeiten. Im Herbst 2010 hats zum ersten Mal hingehauen und danach haben wir beschlossen, die Rennsaison 2011 mit Fotos und Videos etwas aufwändiger anzugehen. Dass Guido mit im Boot war, war im Prinzip glückliche Fügung. Insgesamt denk ich, hat das alles ziemlich gut gepasst.

Und wieviel Arbeit steckt hinter den Videos? Wie hast du den Zeitdruck während der Weltcups gehandhabt?

Fischi und Guido werden jetzt wahrscheinlich laut lachen, aber die Videos haben tatsächlich einige Anstrengung gekostet. Nachdem das Konzept Weltcup-Podcasts ja nicht wirklich neu war, hatten wir uns die Geschichte mit den tagesaktuellen Videos ausgedacht. Das bedeutete dann schon regelmäßig halb durchgearbeitete Nächte und Stress beim mitten in der Nacht Videos online stellen – probiert das mal in Südafrika ohne verlässlichen Onlinezugang. Aber im Rückblick hats ja schon ganz gut hingehauen und wir haben tatsächlich extrem zeitnah Impressionen und Infos durchgeben können. Parallel dazu mussten natürlich auch immer noch Fotos geschossen werden, das war dann doch manchmal das größere Problem.


GHOST Weltcup Tagebuch – Val di Sole Tag 1 u. 2 von StuMan auf MTB-News.de

Ursprünglich sollte es in diesem Jahr ja mit den Tagebüchern vom 4X-Weltcup weitergehen. Wie hast du die Nachricht aufgenommen, dass es in diesem Jahr keinen 4X-Weltcup mehr geben wird. Wirst du dennoch mit den beiden unterwegs sein?

Dass dem 4X als Disziplin solche Steine in den Weg gelegt werden, finde ich extrem schade, denn meiner persönlichen Ansicht nach war der 4X die für Zuschauer und Medien attraktivste Disziplin im Rennzirkus. Dieses Jahr wirds nun also gezwungenermaßen ein paar Änderungen im Konzept geben – wie genau diese aussehen werden kann ich an dieser Stelle noch nicht genau sagen, aber die beiden werden auf jeden Fall wieder von sich hören und sehen lassen, soviel sei verraten.

Fischi hat ja vor einigen Tagen bekanntgegeben, dass er nunmehr im DH angreifen will. Wie siehst du seine Chancen?

Da bin ich ziemlich optimistisch! Was das Talent angeht, ist Fischi mehr als ausreichend gesegnet und hart trainieren kann er sowieso. Das erste Jahr wird sicher nicht einfach, da er sich noch an das Bike und die Strecken gewöhnen muss, aber wenn er sich verletzungsfrei vorbereiten kann und die ersten Rennen gut übersteht dann werden wir ganz bestimmt super Ergebnisse von ihm erwarten können. Also: Daumen drücken!

Das ist eine Ansage! Wir würden es Fischi natürlich gönnen. Lass uns die Disziplin wechseln. Du hast gesagt, dass du sehr gern Tricks fotografierst und hast dies ja auch schon eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Deine Sequenz von Antti Rissanen’s Cashroll gehört mitlerweile zu den am meisten gesehenen Dirt-Bildern im Internet. Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Antti?

Das war eine recht witzige und spontane Geschichte. Die Cashroll kommt ja eigentlich aus dem BMX-Bereich. Im Frühsommer habe ich erstmals davon gehört, dass Benny Phillips daran arbeitet, sie aufs MTB zu bringen und war gespannt, wann es denn soweit sein wird. Dann habe ich kurz nach dem Crankworx-Festival Anttis Cashroll-Video auf Pinkbike gesehen und habe sofort Kontakt zu ihm aufgenommen. Ich bin Halbfinne und hatte für den Spätsommer eine Woche Urlaub mit Freundin und Kumpels in unserem Häuschen geplant – wie sich herausstellte, kommt Antti tatsächlich aus dem nächstgrößeren Ort, ca. 30 Minuten entfernt. Also haben wir uns für ein Shooting verabredet, hatten Wetterglück und haben schnell die Sequenz geschossen. Witzigerweise hätten wir das Shooting nach 30 Minuten schon abbrechen können, da alles im Kasten war, aber ich hatte noch auf schöneres Abendlicht gehofft und so blieben wir noch gute vier Stunden vor Ort und Antti hat sich mit einem Haufen an anderen Tricks gut ausgepowert. Danke nochmal an alle für die Geduld, haha! Dass das Bild mittlerweile das meistgesehene Bild auf Pinkbike ist, stellt natürlich schon was Besonderes dar, eine knappe halbe Million Views sind schon cool. Trotzdem ist es “nur” ein Dokubild und keins, das ich zu den Top10 meiner besten Bilder zählen würde.

Du warst in diesem Jahr auch offizieller Event-Fotograf beim Nine Knights Contest. Wie wichtig sind dir solche Events?

Die spielen natürlich eine große Rolle. Der Dirt-Bereich mit seinen Tricks garantiert einem quasi schon spannende Motive. Wenn dann noch ein super Konzept, wie beim Suzuki Nine Knights Event dazukommt, das ja darauf abzielt, bestmögliches Foto- und Videomaterial zu erhalten, dann ist die Motivation natürlich extrem hoch. Generell bin ich sehr Trick-orientiert, egal ob im Bikebereich, auf Skiern oder auf dem Snowboard. Deshalb freut es mich auch sehr, dass ich z.B. mit Andi Wittmann einen Fahrer an der Hand habe, der immer top motiviert ist und auch gerne mal neue Bildideen ausprobiert, auch wenn die nicht immer hinhauen.

Wie wichtig ist dir die Vielseitigkeit bei der Motivwahl?

Ich versuche auf jeden Fall, möglichst abwechslungsreiche Shootings zu haben. Auf diese Weise bleibt man auch ständig gefordert und läuft nicht Gefahr, zufrieden mit sich und seinen Ergebnissen zu sein und nicht mehr herumzuexperimentieren.

Es heißt ja, dass man es das Auge für die Bewegungsabläufe schult, wenn man selbst auf dem Bike sitzt. Fährst du selbst MTB?

Soviel wie möglich, ja! Leider habe ich weniger Zeit für Gravity-orientierte Touren, als ich gerne hätte. Aber dann ist’s umso schöner wenns mal klappt. Ich habe außerdem kein eigenes Freeridebike, nur meine altgediente CC-Fräse. Dank Freeride-Crew sowie Fischi und Guido sitze ich aber dennoch regelmäßig auf größeren Bikes und kann mich darauf auf meinem Niveau austoben!

Hast du Vorbilder oder andere Fotografen oder Filmer, die dich interessieren?

Ein paar Namen gibts da auf jeden Fall, die mir schon ein Begriff waren, bevor ich überhaupt selber Fotos geschossen habe, z.B. Harookz und Mattias Fredriksson. Mit Mattias habe ich einmal beim Out Of Bounds-Weekend in Leogang zusammengearbeitet und beide habe ich dann auch bei der Nine Knights Woche wieder getroffen – supernette und extrem talentierte Jungs! Außerdem gibt’s ja immer Foto-Kumpels, die man regelmäßig auf den Events trifft und mit denen man sich dann gerne in ein Café oder in den Biergarten hockt. Mit Ale di Lullo und Christoph Laue habe ich sogar den leicht chaotischen District Ride mit guter Laune überstanden und das will was heißen.

Welche Firmen und Magazine gehören zu deinem Portfolio?

Auf der Magazinseite ist da vorrangig das Freeride Magazin zu nennen, auf Firmenseite momentan vor allem Ghost Bikes. Natürlich unterliegt das alles auch einer regelmäßigen Neuorientierung.

Von diesem Jahr an wirst du dich vollkommen aufs Fotografieren und Filmen konzentrieren. Gibt es Firmen, die dich dabei mit Material usw. unterstützen?

Pünktlich zum neuen Jahr habe ich durch f-stop meinen ersten Materialsupport erhalten. Damit muss ich mir schonmal keine Gedanken mehr um erstklassige Fotorucksäcke machen! Da das technische Equipment beim Fotografieren und Filmen leider nicht das billigste ist und noch dazu alle zwei Jahre nach Updates lechzt, wäre ich natürlich in der Richtung mehr als glücklich, wenn sich was ergibt. Aber ich schätze, dafür muss ich noch ein bisschen mehr arbeiten.

Welche Projekte stehen derzeit neben den bereits genannten noch im Kalender?

Dieses Jahr wird sicherlich wieder sehr interessant durch einige DH-Rennen mit Fischi, außerdem stehen die großen Events der FMB-Tour auch wieder auf meiner to-do-Liste, also Crankworx und die Rampage. Im Hinterstübchen spukt bei mir zudem schon seit längerem die Idee eines größeren Filmprojektes umher. Mal schauen was die Saison so mit sich bringt. Ich hoffe auf jeden Fall, dass ich diese Saison auf der medialen Präsenz von letzter Saison aufbauen kann. Das wäre kein schlechtes Ergebnis!

Hast du Tipps für angehende Fotografen?

Üben, üben, üben! Man lernt nie aus, aber gerade am Anfang lässt sich durch Einarbeiten in die Technik, Auseinandersetzen mit dem Motiv und natürlich auch Dazugewinnen von guten Fahrerkontakten in kurzer Zeit viel erreichen. Nicht vorschnell aufgeben wenns mal nicht so gut läuft – in dem Beruf gehört Klinkenputzen und Eigeninitiative einfach dazu. Und: schätzt den Wert eurer eigenen Arbeit! Bilder kostenlos hergeben macht euch vielleicht auf kurze Sicht schneller populär, aber längerfristig wollt ihr ja vielleicht davon leben und mit einem netten Händeschütteln könnt ihr eure Brötchen dann doch nicht bezahlen.

Gibt es noch etwas, was du loswerden möchtest und was wir noch nicht von dir wissen?

Danke an alle Fahrer, mit denen ich bislang Fotos und Videos machen durfte! Ich hoffe es hat Spaß gemacht und wird weiter Spaß machen!

Zum Abschluss noch ein paar Schnellschüsse!

SLR oder DSLR?

DSLR! Ich könnte mir nicht vorstellen, jemals nochmal analog zu arbeiten, zumindest nicht im Sportbereich.

Gravity oder Dirt?

Dirt, ist aber eine knappe Entscheidung!

Regen oder Sonne?

Sonne, ist unkomplizierter!

Contest oder Training?

Contest! Da geht’s mehr zur Sache!

Film oder Foto?

Foto!

Danke für das Interview, Lars. Wir wünschen dir das allerbeste für die Saison.

Mehr Info’s über Lars gibt es auf seiner Homepage larsscharlphoto.com. Abschließend möchten wir euch noch einige der Bilder präsentieren, die für Lars aber eine besondere Bedeutung haben.


“Das war im Frühjahr 2007 in Finale Ligure mit Falco Ruppert. Falco hat verdammt gut gezielt, da war kein Spielraum mehr zwischen seinem Pedal und meiner Birne!”


“Fischi tobt sich auf seinem Heimtrack aus, Domi und Phil kratzen derweil lieber die Kurve…Der Himmel an dem Abend war wirklich toll. RAW ist das Foto nicht anders. Einfach eine Top-Stimmung.”


“Guido hat mich eine Stunde vor Sonnenuntergang vom Bahnhof angeholt, dann sind wir ‘ne halbe Stunde zum Spot gefahren, klick, Wunschbild im Kasten, heimfahren! So läufts unter Profis!”


“Martin Söderström mit einem dicken fetten Superwhip durch den Abendhimmel beim Nine Knights MTB – viel besser kanns nicht aussehen!”


“Max Weickl, frisch aus Anfang 2012, Frontside 540 in Flachau: Besser wird der Winter nicht – Tiefschnee, fetter Kicker, blauer Himmel, stylischer Fahrer – läuft!”


“Sam Pilgrim: Crankworx. Manchmal ist es nicht leicht, “andere” Perspektiven zu finden, wenn das um einen herum noch 150 weitere Fotografen versuchen. A,ber hier hat das, glaub’ ich, sogar geklappt!”


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