Julia Hofmann hat es 2012 gut vor: Nachdem sie im Winter zum Trainieren auf La Palma war geht es demnächst nach Schottland, bevor dann die Enduro-Saison mit Rennen in ganz Europa beginnt. Zum Interview gibt es klasse Fotos und ein schönes Video, das ihre Ambitionen unterstreicht.

Julia inmitten von Innenarchitektur - Foto Philip Ruopp
Julia inmitten von Innenarchitektur – Foto: Philip Ruopp

MTB-News.de: Julia Hofmann – vermutlich haben schon einige User hier zumindest Bilder von dir gesehen, können den Namen aber dennoch nicht zuordnen, stell Dich doch deshalb ganz kurz vor!

Julia Hofmann: Ich bin Julia Hofmann, bin 27 Jahre alt, studiere Innenarchitektur im letzten Semester und fahre seit mehreren Jahren leidenschaftlich Mountainbike. Wenn ich nicht auf den Trails dieser Erde unterwegs bin, findet man mich im schönen Frankenland wieder.

Vor ein paar Monaten habe ich dich in Lenzerheide beim Lensescape Foto-Workshop noch als Veranstaltungshelferin kennen gelernt, heute bist du Cube Teamfahrerin und hast ambitionierte Ziele für diese Saison. Wie hast du seitdem eine so steile Karriere hingelegt?

Veranstaltungshelferin ist ja schon ein bissl untertrieben! :) Ohne mich, als international verantwortliche Würschtel-Beauftragte des global agierenden Lensescape-Komitees wärd ihr verhungert und erfroren :-D

Steile Karriere? – Hmm wenn ich das selbst wüsste! Eigentlich habe ich nur das gemacht, was mich glücklich macht. Wenn ich so darüber nachdenke, war es wohl die Zeit in der Schweiz, die Schuld an dem ganzen hat. Ich war im letzten Winter so viel Radfahren wie noch nie zuvor. Dave, ein Freund aus Luzern und ich, sind egal bei welchem Wetter biken gegangen. Das hat mehr und mehr die Leidenschaft für das zweirädrige Gefährt in mir geweckt und ich wollte immer mehr können und trainierte fast jeden Tag dafür.

Lässt es stauben - Julia Hofmann - Foto Philip Ruopp
Lässt es stauben – Julia Hofmann – Foto: Philip Ruopp

Dass du Fahrrad fahren kannst, weiß ich spätestens seit der gemeinsamen Tour in Graubünden – welche Spielart des Mountainbikens taugt dir denn am meisten, wie fährst du gewöhnlich Fahrrad?

Spielen ist schon mal gut und das möglichst viel, mit allem was im Weg ist! Mir fällt es schwer, mich auf eine Disziplin festzulegen. Ich gehe gerne DH fahren, fahre gerne Trails , Pumptrack aber auch mal Cross Country und Rennrad. Wenn ich mich auf eins festlegen müsste, wäre es wahrscheinlich Enduro, das bietet ein bisschen was von allem, technisch Berg hoch, flowig Berg runter und im Gegensatz zum CC und Rennrad muss ich keine Windelhosen tragen :-D

Bei den Frauen scheinen die Leistungsunterschiede noch erheblich größer zu sein als bei den Männern – woran liegt’s?

Ich glaube, dass die Gründe dafür, warum und wie Frauen das Radfahren anfangen, dabei eine große Rolle spielen. Da gibt es drei unterschiedliche Möglichkeiten. 1.) Die, die anfangen weil der Freund fährt. So kann man mehr gemeinsam Zeit verbringen, aber eigentlich nicht des Radfahrens wegen. 2.) Dann die, deren Freund fährt, sie wegen ihm anfängt und dann wirklich den Spaß an dem Sport entdeckt. Und 3.) die, die davon gelesen, es gesehen etc. haben und das auch lernen wollen. Diese unterschiedlichen Motivationsgründe geben, meiner Meinung nach, die Leistung vor.

Irische Wiesen - Foto Manfred Stromberg
Irische Wiesen – Foto: Manfred Stromberg

Und was hast Du dafür unternommen, um diese Saison vorne zu landen?

Das was mir Spaß macht: Sehr, sehr viel Rad gefahren und die Dinge, die mir noch schwer fallen viele Male geübt und dabei die kleinen und großen Erfolge genossen. Das Gefühl vor einem Hindernis zu stehen, es anzufahren, das Zweifeln und die Überwindung und schließlich das Hindernis gemeistert zu haben treibt mich an und bringt mich weiter. Genau diesen Herausforderungen habe ich mich in dem letzten halben Jahr fast täglich gestellt, als ich mit einer Horde verrückter Mountainbiker die Trails auf La Palma zum Trainingsgelände umfunktioniert habe. Außerdem habe ich recht viel Kraft und Ausdauer trainiert und bin nicht nur einmal mit letzter Kraft zum Taxi gerollt.

Reicht Ausdauer- und Krafttraining, oder muss man einfach Fahrrad fahren?

Also mir genügt Ausdauer- und Krafttraining nicht, das wird mir zu langweilig. Aber das gehört natürlich auch zu meinem Trainingsplan. Ich fahre ganz viel Rad die Berge rauf und wieder runter, mache Ausdauer aber auch Sprinttraining. Aber ich fahre nicht nur einfache Wege nach oben, sondern richtig technische Trails mit richtigen Steigungen. Ich wechsle zwischen langen gleichmäßigen Anstiegen und kleinen kurzen Rampen, denn diese ziehen im Rennen die Kraft aus den Beinen.

Rennluft schnupper beim Big Blast in Irland - Foto Manfred Stromberg
Rennluft schnuppern beim Big Blast in Irland – Foto: Manfred Stromberg

Du warst im letzten Winter in der Schweiz und nun 2 Monate auf La Palma, welche Gegend war denn besser zum trainieren?

Alles zu seiner Zeit! Schweiz war der Wahnsinn, ich konnte meine Ausdauer bei langen Anstiegen perfekt trainieren und auch das Tragen des Bikes durch den Schnee machte mich körperlich fit. Mit massenweise Schlamm und Kuhdung an den Füssen sind die Schuhe besser als jeder Gewichtsgurt. Auch die Abfahrten hätten kaum besser sein können um zu trainieren. Von verschlammten teilabfahrten bis hin zu verschneiten, vereisten Flowtrails war alles an Bodenverhältnissen vorhanden.

La Palma hingegen: Der krasse Unterschied. Nicht nur der Hitzeschock, auch die Trailverhältnisse, das komplette Gegenteil. Als mir aber während der Fahrt durch den tiefen Lavasand mehrmals die Laufräder ausgebrochen sind, hat mich das schon an das Fahren durch den Tiefschnee am Pilatus, dem Berg in Luzern, erinnert – da bin ich auch im hohen Bogen in der Hecke gelandet, weil die Räder nicht mehr kontrollierbar waren.

Macht nicht nur auf dem Rad eine gute Figur - Foto Philip Ruopp
Macht nicht nur auf dem Rad eine gute Figur – Foto: Philip Ruopp

Wie ist es, wenn man als Frau in die Männer Domäne Enduro/Downhill rein kommt, gerade bei einem Gelände wie La Palma, wo viele gute Fahrer hinkommen, um im Winter Gas zu geben? Wie sind die Reaktionen am Shuttle, wenn sie merken, dass eine Frau in der Gruppe ist?

Die Reaktionen gehen von: „Naja, du kannst ja sonst bei der zweiten Abfahrt im Shuttle sitzen bleiben“, bis hin zu: „Komm, ich heb dir das Rad auf den Anhänger, das ist ja viel zu schwer für dich.“
Glücklicherweise sind die meisten auf dem Trail so mit sich selbst und dem Gelände beschäftigt, dass es ihnen kaum auffällt, dass ich warten muss ;)

Was stellt sich ein Frischling wie Du vor, wie die Saison verläuft und welche Ziele Du erreichen kannst?

Wenn man Rennen fährt, dann hat man immer das eine Ziel vor Augen. Egal ob man vorher sagt, mitmachen ist alles, oder nicht. Sobald man an der Startlinie neben hunderten von aufgeregten Fahrern steht, die Musik immer lauter und aggressiver wird und der Heli über das im Schnee versinkende Fahrerfeld zieht, wird einen der Ehrgeiz packen und man startet mit dem Ziel, ganz vorne mit dabei zu sein… Ob das bei mir der Fall sein wird, das wird nur die Zeit zeigen. Ich muss sagen, ich bin wirklich sehr gespannt und freue mich riesig, gemeinsam mit dem Cube Action Team die Trails unsicher zu machen.

Neue Trails - neuer Sponsor - Foto Philip Ruopp
Neue Trails – neuer Sponsor – Foto: Philip Ruopp

Hohe Ziele führen zu hohen Erwartungen – und damit möglicherweise zu einem ganz schönen Erfolgsdruck. Bist Du jemand, der das braucht, oder schreckt Dich das ein bisschen ab?

Beides! Vielleicht ist abschrecken nicht das richtige Wort, aber ich mache mir schon meine Gedanken ob ich gut genug bin… Aber gerade diese Gedanken spornen mich mehr und mehr an, viel zu trainieren.

Enduro boomt – glaubst Du, dass die Disziplin auch gerade für Frauen ein großes Potential bietet?

Ja, ich denke, dass durch diese Disziplin noch viel mehr Frauen Rennen fahren werden. Ich glaube, dass die Luft unter den Reifen bei Downhillrennen viele Frauen abschreckt, Rennen zu fahren – aber so muss man fahren, um wirklich schnell auf diesen Strecken zu sein. Bei Enduro ist das anders.

Im lichten Wald ist es gut Radfahren - Foto Manfred Stromberg
Im lichten Wald ist es gut Radfahren – Foto: Manfred Stromberg

Wir haben hier noch ein ziemlich cooles Video von Dir, das offensichtlich über einen größeren Zeitraum hinweg entstanden ist. Wo habt Ihr gedreht und was wolltet Ihr ausdrücken?

Das Video haben wir auf meinen Lieblingstrails auf La Palma gedreht. Und nach zwei Monaten Staubschlucken hat gerade die Schlammpackung auf dem Puntallana-Trail besonders viel Spaß gemacht. Aber ich sage Euch, so oft umgezogen wie für dieses Video habe ich mich noch nie. :)
Es zeigt mein Training, meine Philosophie und den Spaß, den ich beim Radeln habe. Ihr glaubt nicht, wie oft ich den urigen spanischen Weinbauern mit Händen uns Füßen versucht habe zu erklären, dass ich ihr Auto für mein Mountainbike Video brauche. Schließlich habe ich es bekommen, das gleiche wie ich zuhause fahre.

Julia im Wald von La Palma - Foto Philip Ruopp
Julia im Wald von La Palma – Foto: Philip Ruopp

Jetzt, bevor mir hier auch die Fragen ausgehen, noch die Frage, die wahrscheinlich die meisten neidisch macht: Was hast du die nächsten Wochen vor, die Enduro Saison beginnt ja erst recht spät im Jahr, hast du noch Pläne?

Ja, die Saison startet super spät, das erste richtige Rennen ist in Andorra, im Juli, bis dahin ist noch viel Zeit. Ende März werde ich noch mit Max Schumann, Tobias Woggon und Manfred Stromberg nach Schottland fahren, um dort einige Singeltrailparks zu besuchen und versuche endlich mal auf die Isle of Sky zu kommen. Letzten Herbst gab 600 m vor der Brücke mein Auto den Geist auf, und ich musste den Trip abbrechen, aber diesmal wir alles gut, hoffe ich. Den Fehler, mit einem italienischen Auto nach England zu fahren, mache ich nie wieder. Diesmal nehme ich meinen Land Rover, dafür bekommt man sogar im kleinsten Lebensmittelladen Ersatzteile.

Julia, Danke fürs Interview! Wenn Du noch jemandem für die Unterstützung bei deinem Senkrechtstart danken willst, ist jetzt der richtige Augenblick gekommen.

Zuerst möchte ich mich für dieses Interview bedanken. Ausserdem gilt mein Dank Cube, die mir ermöglichen, meine Plänen und Vorhaben umzusetzen und all denen, die mit mir tags und nachts gemeinsam die Wurzeln und Kanten der Trails und Städte unsicher machen und von denen ich sehr viel lernen darf. Und jetzt: Viel Spaß mit dem Video!


Julia Hofmann – Sunny Ride of Life von nuts auf MTB-News.de

Die neuesten Kommentare
  1. benutzerbild

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  2. benutzerbild

    Farodin

    dabei seit 08/2006

    Sehr schönes Video!
    Sehr schöne Locations!
    Sehr schöne Bilder!

    Netter Style auf dem Trail.
  3. benutzerbild

    BuDDaH

    dabei seit 04/2012

    Haben sie am Wochenende am Ochsenkopf getroffen. Sie fährt fürs Cube Action Team.
  4. benutzerbild

    firebean

    dabei seit 03/2012

    Auf der Homepage des Cube Action Teams ist sie allerdings nicht mehr vertreten.
  5. benutzerbild

    p00nage

    dabei seit 05/2009

    firebean
    Auf der Homepage des Cube Action Teams ist sie allerdings nicht mehr vertreten.
    Ist sie auch nicht mehr ;-)

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