HomeAllgemeinE-Bikes: eine neue Generation alles könnender Spaßmaschinen? [Audi "Wörthersee" & KTM Freeride E] — 23. Mai 2012 15:18

E-Bikes: eine neue Generation alles könnender Spaßmaschinen? [Audi "Wörthersee" & KTM Freeride E]

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Nun ist es soweit – eine neue Generation E-Bikes steht vor der Tür. Bisher standen Elektro-Bikes immer unter dem Schirm der energiesparenden Fortbewegung. Auch wenn sie sich jüngst vom Öko-Mobil zum schicken Lifestyle-Objekt mausern konnten, so dienten sie dennoch größtenteils dem reinen Fortbewegungszweck. Ausnahmen im MTB-Bereich, wie beispielsweise Freeride-Bikes mit externen Elektromotoren, konnten sich in Sachen Fahrvergnügen ohnehin nie wirklich durchsetzen. Doch das soll sich jetzt ändern – die neueste Generation der E-Bikes soll die Schnittstelle zwischen umweltbewusster Fortbewegung und jugendlichem Fahrspaß darstellen, allen voran das brandneue E-Bike-Konzept “Wörthersee” des Automobilherstellers Audi.

Das jüngst vorgestellte Audi Zweirad-Technikkonzept “Wörthersee” soll ein einzigartiges Fahrvergnügen bieten, quasi eine Mischung aus Mountainbike und Trial-Motorrad. Zustanden kommen soll dies über das Zusammenspiel modernster Techniken und Materialien, die Audi bereits im Automobilbau einsetzt. So basiert das Fun-Bike beispielsweise auf einem 1.600 Gramm leichten Kohlefaser-Rahmen, der mit 1.200 Gramm leichten CFK-Laufrädern und einem 2.3 kw starkem Elektromotor aufgebaut ist. Am Hinterrad greift ein maximales Drehmoment von ganzen 250 Nm an. Die Werte lassen darauf schließen, dass das “Wörthersee” kein Kinderspielzeug ist. Laut Audi soll der grenzenlose Fahrspaß durch verschiedene Fahrmodi unterstützt werden, wie beispielsweise dem Wheelie-Modus. Insgesamt kann der Fahrer aus fünf verschieden Modi wählen, von der eigenen Leistung über die Unterstützung beim Treten bis hin zum reinen Elektroantrieb.


Audi E-Bike “Wörthersee” – ©2012 – Audi

Durch ein Leistungsgewicht von 7 kg pro PS soll das Audi Bike in Sachen Fahrverhalten einem Trial-Motorrad ähneln, aufgrund des geringen Gesamtgewichts von 26.5 kg jedoch die Agilität und Handlichkeit eines Mountainbikes haben. Um einen idealen Schwerpunkt zu erzielen, liegt der permanent erregte Synchronmotor im tiefsten Punkt des Rahmens. Seine Kraft überträgt er direkt auf die  Kurbelachse – das dabei aufkommende Drehmoment wird wie bei einem herkömmlichen Fahrrad über eine Kette auf das Hinterrad übertragen. Der Lithium-Ionen-Akku bietet eine Leistung von 530 Wh. Der knapp fünf Kilogramm schwere Akku lässt sich mit wenigen Handgriffen zum Laden aus dem Bike entfernen und kann gegen einen bereits aufgeladenen Akku ausgetauscht werden.

Wie schon erwähnt bietet das System fünf verschiedene Fahrmodi, die über das Bike selbst, aber auch über das Smartphone eingestellt werden können. So lässt sich beispielsweise im “Pedelec”-Modus eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h erreichen und das bei einer Reichweite zwischen 50 – 70 km.

Zweirrad-Technikkonzept von Audi: E-Bike Wörthersee 1 - ©2012 - Audi Zweirrad-Technikkonzept von Audi: E-Bike Wörthersee 2 - ©2012 - Audi Zweirrad-Technikkonzept von Audi: E-Bike Wörthersee 3 - ©2012 - Audi
Diese Fotos im Fotoalbum anschauen

Audi “Wörthersee” – die Fakten:

  • 1.600 Gramm leichter Kohlefaser-Rahmen mit CFK-Hinterbau
  • 1.200 Gramm leichte CFK-Laufräder
  • Up-Side-Down-Luftgabel mit 130 mm Federweg
  • 2.3 kw starker Elektromotor mit max. 250 Nm Drehmoment
  • 530 kw Akku – 2.5 Std. Ladezeit bei 230 Volt [ca. 5 kg schwer]
  • Gesamtgewicht 26,5 kg – ca. 21 kg ohne Akku
  • 5 Betriebsmodi
  • - Pure [keine Unterstützung]
  • - Pedelec [unterstützt - bis zu 80 km/h]
  • - eGrip [rein elektrisch - bis zu 50 km/h]
  • - Power Wheelie [Wheelie-Winkel wird über Boardcomputer oder Smartphone voreingestellt, E-Motor hält den Winkel bei]
  • - Balanced Wheelie [Geschwindigkeit wir über Körperhaltung des Fahrers vorgegeben, E-Motor hält das Gleichgewicht]
  • Bedienung über Boardcomputer [im Oberrohr integriert] und über Smartphone-App
  • hydraulische Schaltung
  • LED-Beleuchtung für Straßentauglichkeit
  • Wegfahrsperre via Smartphone aktivier-/deaktivierbar

Die Crux an der Sache:

Zur Frage, ob das Projekt-E-Bike “Wörthersee” wirklich in Serie gehen wird, schweigt sich Audi bisher aus. Auch der Einsatzzweck, den das “Wörthersee” abdecken soll, wurde bisher nicht wirklich definiert. Audi beschreibt das Bike als Sport-, Fun- und Trick-Bike. In einem Werbevideo zeigt der französische Red Bull Motorrad-Trial-Athlet Julien Dupont, was mit dem neuen Audi E-Bike so alles möglich ist. In dem Video bewegt sich Julien mit dem “Wörthersee” ausschließlich in urbanem Gelände. Es macht jedoch den Anschein, als könne das Bike auch im Handumdrehen für die Nutzung in freier Natur umgebaut werden.

Die Philosophie vom elektrisch motorisierten Zweirad für den Einsatz in frei Natur verfolgt momentan beispielsweise der österreichische Motorrad-Hersteller KTM mit seinem Modell Freeride E. Das Motorrad basiert auf einem 30 PS starkem Elektromotor und verbindet die Klassen Trial und Enduro. Anders als das Audi E-Bike handelt es bei KTMs Freeride E um ein waschechtes Motorrad, dass durch seinen Elektroantrieb in Sachen Umweltverträglichkeit eine durchaus gute Sache ist. Weniger zu begrüßen sind hingegen die Werbekampagnen zu den beiden neuen Modellen Freeride und Freeride E von KTM: Sie erwecken den Anschein, als wäre diese “neue” Motorradklasse eine echte Alternative zum Mountainbike. Und das nicht nur, weil sie sich durch ihre verspielten und handlichen Geometrien und ihre umweltschonenden Motoren [Freeride E = Elektromotor / Freeride = Kraftstoffsparender Otto-Motor] einem Mountainbike annähern würde, sondern auch wegen ihres geringen Gewichts, welches auch weniger versierten Fahrer die Fortbewegung in anspruchsvollem Gelände möglich machen würde – eben so wie ein Mountainbike.

KTM veranschaulicht dies mit Werbeanzeigen und Videos, die unter anderem im Bikepark La Poma/Barcelona und auf Wanderwegen in den österreichischen Alpen rund um Saalbach-Hinterglemm aufgenommen wurden. Dem Käufer soll demnach vermittelt werden, dass er mit dieser Generation Motorrad keinen Grenzen mehr gegenüberstehen würde. Was KTM jedoch nicht zum Ausdruck bringt ist, dass es in Mitteleuropa per Gesetz ausdrücklich untersagt ist, sich ohne Genehmigung mit einem motorisierten Fahrzeug in freier Natur zu bewegen.

An dieser Stelle muss klargestellt werden, dass gegen den Motorradsport, sei es Trial, Enduro oder Motocross, absolut nichts einzuwenden ist, solange dieser auf den dafür ausgeschriebenen Flächen ausgeübt wird. Ebenso fällt es wohl weniger ins Gewicht, wenn Enduro-Piloten ihre Motorräder vereinzelt durch weitläufige und weniger dicht besiedelte Gegenden manövrieren, da hier die Schäden an der Natur und die Konfliktpunkte mit anderen Naturbesuchern erwiesenermaßen verschwindend gering sind. Was uns als Mountainbike-Fahrern jedoch aufstoßen sollte, ist, wenn eine motorisierte Nutzung der Natur in Ballungsräumen wie den mitteleuropäischen Alpen möglich gemacht, ja sogar beworben wird. Denn genau das ist es, was KTM momentan mit seinem Freeride E Modell macht.

Die Konflikte zwischen Mountainbikern und Wanderern sind hierzulande, ebenso wie in der Schweiz und Österreich, ohnehin schon am Schwelen. Wenn dieser Konflikt nun noch durch eine dritte Gruppe, und noch dazu eine motorisierte, angeheizt wird, braucht man sich wohl nicht zu wundern, wenn Zweiräder auf kurz oder lang gänzlich aus der Natur verbannt werden – egal ob motorisiert oder nicht. Auch wenn das neue E-Bike von Audi mit der hier beschriebenen Problematik nicht direkt in Verbindung gebracht werden kann, so bietet das Bike dennoch die Möglichkeiten dem gleichen Einsatzzweck nachzugehen wie er von der KTM Freeride E vorgegeben wird.

Eine weitere Problematik dürfte sich jedoch auch im urbanen Bereich ergeben, denn beide Bikes, auch das Audi “Wörthersee”, sind aufgrund ihrer Höchstgeschwindigkeit nummernschildpflichtig. Das hat wiederum zur Folge, dass auch das Audi E-Bike nicht so eingesetzt werden darf, wie es Julien Dupont im Werbevideo veranschaulicht. Fahrten auf Gehwegen, in Skateparks sowie Grünanlagen wären somit ein absolutes Tabu. Ob der angepriesene Fahrspaß in Anbetracht dieser Fakten überhaupt noch ausgelebt werden kann ist fraglich.

E-Bikes sind ohne Zweifel eine gute Sache und es ist ebenso zu begrüßen, dass E-Bikes zukünftig mit einer Menge Fahrspaß verbunden sein werden. Doch sollten nicht nur die Nutzer eigenverantwortlich darüber entscheiden, wo der Gebrauch eines solchen Bikes angebracht ist, sondern auch die Hersteller und Medien – denn diese geben das Verhalten der Verbraucher in den meisten Fällen leider maßgeblich vor.


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