Zugegeben, ein Fahrrad sieht anders aus – erinnert das dreirädrige Gefährt doch eher an Rennfahrzeuge aus Super Mario Kart-Zeiten. Was im Grunde sogar zur Hälfte der Wahrheit entspricht: Die “SkidCruiser” sind halb BMX, halb Kart, aber noch ein kleines bisschen Mountainbike: Kartrollen, Stahl-Rahmen, BMX-Gabel und -Vorderrad – plus MTB-Lenkzentrale.
Nachdem wir dem Gefährt nun sowohl beim Dirtmasters-Festival wie auch auf der IBC Dirt/Street-Tour mehrfach begegnet sind, möchten wir euch das spaßige Driftgerät im Kurzfahrbericht vorstellen.


Spleenworks – SkidCruiser in Winterberg von Grinsekater auf MTB-News.de

Aufbau

Vor einiger Zeit war es noch etwas kompliziert, etwas zum Setup der Trikes zu sagen – da es bisher eigentlich nur Eigenbauten gab. “SpleenWorks” in Person von Gründer Sebastian Schultze ist nun die erste Firma, die selbst Drift-Trikes selber schweißt, aufbaut und vertreibt – diverse Vorserien-Versionen dieses sogenannten “SkidCruisers” haben wir zum Testen unter die Räder genommen. Herzstück des Trikes ist der Rahmen, der aus einem verstärkten Bodengerüst für den Sitz und einem “Unterrohr” besteht, in das Steuerrohr können reguläre 1 1/8″-Steuersätze eingepresst werden.


SkidCruiser-Rahmen in grün


Kart-Felgen und “Rutschis”

Der Sitz ist verstellbar und bietet im Abstand von jeweils 50mm drei verschiedene Sitzlängen. Um Stabilität und Steifigkeit zu erhöhen, sind am Unterrohr zwei zusätzliche, geknickte Vierkantrohre angeschweißt. Eine Federgabelmontage schließt sich aufgrund der zu hohen Bauhöhe leider aus – hier kommen Gabel, Vorderrad, Pegs (Achsverlängerungen) und Felgenbremse aus dem BMX-Bereich. Die Lenkzentrale hingegen darf wieder breit und flach sein – ein breiter Mountainbike-Lenker mit geringem Rise und ein kurzer Vorbau eignet sich für die Steuerung des Trikes am besten.
Der Einfluss aus dem Kartbereich kommt im Heck zum Vorschein: 120mm-Kartfelgen mit entsprechender Bereifung sind die Basis, auf die für das Driftverhalten nötige “Skid tube”-Hartplastikröhren “aufgezogen” werden. Kräftig aufpumpen reicht, um die Plastikröhren ausreichend zu fixieren.


Drei der “SkidCruiser”

Vorbereitung

Abgesehen von der aktuellen Verbotsdiskussion in Hessen ist es in Deutschland eigentlich fast überall möglich, problemlos und legal mit dem Bike zu fahren – mit dem “SkidCruiser” gestaltet sich das leider etwas anders. Mit der STVO hat das dreirädrige Gefährt wenig zu tun und darf deshalb nicht im öffentlichen Straßenverkehr genutzt werden.
Es gilt also, sich möglichst private und unbefahrene Straßen mit leichtem Gefälle zu suchen, um nicht mit dem Gesetz oder einer Autostoßstange in Konflikt zu kommen. Shutteln ist natürlich am bequemsten – andernfalls kann man das Trike auch tretroller-mäßig den Hang hochbewegen. Na dann? Los geht´s nach oben:


Mit dem unkonventionellen Shuttle nach oben

Auf der Straße

Reingesetzt, Helm und Handschuhe auf – und losrollen. Erst einmal fühlt man sich an alte Dreirad-Zeiten erinnert – wenn man dann etwas schneller rollt und lenken will, werden die Unterschiede allerdings schnell deutlich, denn der Hinterbau schmiert weg. Allerdings im positiven Sinne: Definiert lässt sich auch wieder gegenlenken, um das Trike wieder auf stabilen Kurs zu bringen. Sind die ersten Drift-Versuche noch eher gewöhnungsbedürftig, lassen sich nach ein paar weiteren Metern bereits beachtliche Erfolge erzielen, was das seitliche Fahren angeht. Need for Speed-Gefühl meets Dreirad – eine extrem spaßige Kombination!


Ab geht´s…

Eine weitere Drift-Variante wird ausprobiert: Die 360°-Rotation. Ist der Trick auf dem Mountainbike meistens eine lange und mitunter schmerzhafte Trainingsangelegenheit, so benötigt man beim “SkidCruiser” eigentlich nur einen scharfen Einschlag mit dem Lenker.
Das Hinterrad bricht aus, driftet um 180° herum und instinktiv drehe ich den Lenker zur anderen Seite – so, wie ich es vom Mountainbike gewöhnt bin wenn ich aus dem Fakie wieder herausfahren will. Die falsche Herangehensweise, wie ich bald merke: Ich rolle rückwärts in den Graben. Der nächste Versuch läuft besser: Hält man den Lenker komplett eingeschlagen und behält eine einigermaßen aufmerksame Orientierung, gelingt auch der 360°-Drift sehr schnell – macht das Spaß! Viel zu schnell ist die erste Abfahrt vorbei und wir lassen uns direkt wieder hochziehen.
Eine weitere Variante, wie der “SkidCruiser” zu fahren ist, ist aktuell noch den Profis vorbehalten: Das Fahren auf zwei Rädern erfordert höchste Koordination und Übung, denn eigentlich liegt das Gerät viel zu satt auf der Straße, um auch nur ansatzweise umzukippen. Es gibt also noch einiges zu lernen – sobald ich wieder in Berlin bin, gibt es sicher eine weitere Session!

Fazit

Ein Fortbewegungsmittel ist es nicht, ein spaßiges Sportgerät absolut: Der “SkidCruiser” von SpleenWorks wirkt ausgereift und hat nichts mit selbstgebauten Internetkonstruktionen gemein. Der Spaßfaktor ist hoch, denn die Steuerung ist schnell erlernt, die ersten Drifts spielend leicht – hier kommt kein anfänglicher Frust auf. Insbesondere gemeinsame Drift-Sessions machen unglaublich Laune – noch besser wird es, wenn man eine unbefahrene, breite Straße und einen Shuttle zur Verfügung hat.


Foto: Philipp Messinger | http://philipp-messinger.com

Der Preis für den “Made in Germany”-Rahmen liegt bei rund 460 €, für ein Komplett-Trike (laut Homepage demnächst verfügbar) muss man ca. 770 € auf den Tisch legen.  Wer noch eine spaßige Nebenbeschäftigung neben dem Biken sucht und Spaß am Driften hat, wird mit dem “SkidCruiser” definitiv eine Menge Spaß haben.

Mehr Informationen: http://www.spleenworks.com
Alle Fotos: Johannes Herden, www.spleenworks.com, Philipp Messinger

Die neuesten Kommentare
  1. benutzerbild

    a.nienie

    dabei seit 05/2006

    wie damals mit den seifenkisten :)
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    Anzeige

  3. benutzerbild

    Downhill_Roman

    dabei seit 07/2012

    also ich hab so n teil und das macht so fun boaaaaaaaa :D der preis is echt ne Wucht, aber denkt mal so ihr oder ich gebt ja auch fürn downhill bike 5000? :D
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    NicoG.

    dabei seit 12/2012

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    cycophilipp

    dabei seit 08/2003

    nach Kickboards schreit heut kein Hahn mehr... 770 Euros, etwas zuviel für den temporären Spaß imo

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