HomeProdukteKind Shock LEV: Die Vario-Sattelstütze im IBC-Fahrbericht — 13. September 2012 12:11

Kind Shock LEV: Die Vario-Sattelstütze im IBC-Fahrbericht

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Einige Jahre ist es mittlerweile her, dass Crank Brothers mit der Joplin den Markt der Teleskopsattelstützen etabliert hat. Doch nachdem die ersten Modelle in der Regel über einen Hebel direkt unter dem Sattel oder eine mechanische Ansteuerung an der selben Stelle bedient worden sind, ist Optimierungspotential offen gewesen. Während die Funktion dieser Systeme bereits viele Mountainbiker glücklich gemacht hat, haftet ihr doch immer der Makel des Unperfekten an. Wird die Stütze für eine Abfahrt abgesenkt, so verändert sich die Leitungslänge zum Lenkerhebel und schon hat man den Kabelsalat, denn die entstehende Schlaufe will irgendwo am Rahmen untergebracht werden, bevor sie von Hinterbau oder Hinterrad gefressen wird. Aus diesem Grund ist in der ersten Evolutionsstufe der Teleskopsattelstützen daran gearbeitet worden, die Ansteuerung in den unteren, nicht beweglichen Teil der Sattelstütze zu verlegen. Eine der neusten Lösungen für dieses Problem kommt von Kind Shock und hört auf den Namen LEV. Im Fahrbericht berichten wir euch, welche Erfahrungen wir mit der KS LEV gemacht haben.

Die Firma Kind Shock hat sich in den letzten Jahren einen Namen dafür gemacht, Teleskopsattelstützen anzubieten, die einfach zu bedienen sind und zuverlässig funktionieren. Darüber hinaus ist KS einer der wenigen Hersteller, die Sattelstützen auch im schlanken Maß 27,2mm anbieten. So ist das Angebot mittlerweile auf zwölf Sattelstützen ausgebaut worden und der jüngste Spross der Produktfamilie ist die Kind Shock LEV Sattelstütze. Sie verfügt über eine mechanische Ansteuerung der Hydraulik, die die Luftfeder zum Anheben des Sattels blockiert und freigibt. Klingt kompliziert? In gewisser Weise ja, doch der Test der KS LEV wird zeigen, was der Kunde vom komplexen Aufbau mitbekommt. Als Testrad haben wir einen 650b Enduro-Prototypen der Firma 2SoulsCycles verwendet und diesen abwechselnd mit zwei KS LEV Stützen (125mm / 150mm Absenkung) gefahren.


Die KS LEV ist eine der Sattelstützen, bei der der Zuganschlag für die Lenkerfernbedienung unten am unbewegten Teil der Stütze angebracht ist.


So lässt sich die Stütze mittels eines kompakten Lenkerhebels fernbedienen.


Doch wie schlägt sich die KS LEV in im Praxistest? Wir haben sie ausprobiert!

Technische Daten

Hersteller: KS (Kind Shock)

  • Modell: LEV
  • Modelljahr: 2012
  • Produktkategorie: Variosattelstütze, vom Lenker verstellbar
  • Ansteuerung: mechanisch
  • Funktionsmechanismus: Luftfeder, hydraulisch betätigt
  • Absenkung: 100mm / 125mm / 150mm
  • Durchmesser: 27,2mm / 30,9mm / 31,6mm
  • Material: Aluminium
  • Sattelklemmung: 2-Schrauben-Mechanismus
  • Besonderheiten: Leitungsabgang in 15° Schritten drehbar, stufenlose Einstellung der Absenkung, Lenkerhebel kompatibel zu ODI Schraubgriffen


Der Lieferumfang der KS LEV. Oben rechts alle Einzelteile, die noch montiert werden müssen.

Gewichte

Modelle

Einbaulänge / Hub / Durchmesser

  • 335mm / 100mm / 30,9mm und 31,6mm
  • 385mm / 125mm / 30,9mm und 31,6mm
  • 435mm / 150mm / 30,9mm und 31,6mm
  • 400mm / 100mm / 27,2mm

Preis

  • 269€ (bester Preis im Internet am 12.09.2012)

Montage

Im Grunde genommen ist die Montage einer Remote-Sattelstütze nicht sonderlich komplex: Sattelstütze einstecken, den Zug zum Lenker verlegen und dort den Hebel montieren. Im Falle der KS LEV ist der Prozess genau wie beschrieben, doch die konstruktiven Besonderheiten der Stütze, die für einige sehr positive Eigenschaften verantwortlich sind, machen die Montage zu einem durchaus langwierigen Prozess.

Zu allererst sollte man sich überlegen, wie die Leitungsverlegung aussehen soll. Die LEV bietet die Möglichkeit, den Leitungsabgang am unbewegten, unteren Teil der Stütze in 15° Schritten passend zur angestrebten Zugführung zu drehen. So ist die Stütze mit den verschiedensten Rahmenformen kompatibel. Um diese Anpassung zu ermöglichen, ist der Klemmkopf der Stütze drehbar ausgelegt. Das bedeutet, dass zuerst die Stütze in der gewünschten Positionierung im Rahmen fixiert wird und dann der die Sattelklemmung so ausgerichtet wird, dass der Sattel nach vorne zeigt. Hierzu ist leider der gesamte Kopf zu demontieren und das Luftventil zu öffnen, was den Prozess deutlich verlängert. Ist diese Hürde genommen, kann der Sattel montiert werden und der erste Schritt ist abgeschlossen.


Der Leitungsabgang ist fest mit der Stütze verbunden. Um dennoch eine flexible Positionierung zu ermöglichen, wird einfach die gesamte Stütze nach Belieben gedreht.


Anschließend kann am Kopf der Stütze die Drehung so korrigiert werden, dass der Sattel nach vorne zeigt. Hierzu ist die Abdeckplatte (auf den Fingern) zu entfernen und der Gegenhalter (schwarz, am Kopf der Stütze) zu verdrehen. In der Mitte der Stütze befindet sich das Luftventil für die Luftfeder, die die Stütze nach oben ausfahren lässt.

Anschließend erfolgt die Zugverlegung. Hier liefert KS alle Bauteile einzeln mit, so dass ein kleiner Bausatz zusammengesteckt und -geschraubt werden muss. Die Verlegung der Außenhülle selbst ähnelt dem Prozess beim Verlegen eines Schaltzugs, wobei darauf zu achten ist, dass man die Nachspannvorrichtung an beliebiger Stelle in die Außenhülle einsetzt. Danach wird der Zug eingefädelt und am offenen Ende mit genau 22mm Überstand abgeknipst. Hier ist Präzision gefragt, denn wenn die Stütze sauber funktionieren soll, sollte dieses Maß stimmen. Leichte Korrekturen sind allerdings über die Spannvorrichtung möglich.


Um die Spannung in der mechanischen Ansteuerung zu kontrollieren gibt es ein Stellstück, dass in die Außenhülle eingebaut wird. Der Zug steuert eine hydraulische Blockierung in der Stütze. Dadurch kann die LEV in jeder beliebigen Position arretiert werden. WICHTIGER HINWEIS: Auf dem Bild oben rechts ist der Zug falsch herum eingehängt. Die flächige Seite des Hakens sollte zur Stütze hin zeigen, nicht wie hier von der Stütze weg. Im Zweifelsfall kann so der Machanismus ausrasten und die Abdeckplatte verlorgen gehen. Vielen Dank für den Hinweis!


Die Anpassung des Endstücks auf dem Zug erfordert ein wenig Feinarbeit. Ist alles richtig zusammengeschaubt kann der Zug wie im Bild oben rechts mit der Stütze verbunden werden. Die KS-Abdeckkappe dichtet das System gegen äußere Einflüsse ab.

Nachdem auf das offene Ende des Zuges eine kleine Feder gesteckt und ein Verbindungsstück geschraubt worden sind, kann die rote KS Abdeckung an der Stütze vorsichtig entfernt und der Zug eingelegt werden. Das Verbindungsstück greift direkt in einen Bolzen, der aus der Stütze herausragt und einfach zu fixieren ist. Das gesamte System wird durch den mit Gummidichtung versehenen Deckel in Position gehalten und kann abschließend getestet werden. Unter Umständen ist ein leichter Ruck nötig, um die Stütze in Bewegung zu setzen, doch laut KS Bedienungsanleitung ist das Teil der spielfreien Funktion der Stütze und kann nicht umgangen werden.


Kompakt und flexibel – die Zugverlegung an der KS LEV kann überzeugen.

Wenn die Stütze korrekt montiert worden ist, lässt sich über wenig Kraft am Daumenhebel die Verriegelung öffnen und die Absenkung durchführen. Funktioniert das nicht, kann über die Spannstelle im Zug nachjustiert werden. Im Zweifelsfall kann die Stütze auch bei geöffneter Abdeckung bedient werden, wodurch die Wirkbewegung sichtbar wird und Fehler behoben werden kann. Am Luftdruck in der Stütze ist grundsätzlich nichts einzustellen außer der Ausfedergeschwindigkeit – in unserem Falle ist die Werkseinstellung absolut in Ordnung gewesen, so dass wir keinen Grund zur Veränderung gesehen haben.


Der schlanke Lenkerhebel aus Carbon liegt gut unter dem Daumen und lässt sich leicht bedienen.


Sofern der Hebel mit ODI Griffen kombiniert wird, benötigt er keinen zusätzlichen Platz am Lenker.

Als praktisches Detail bietet KS auch bei der LEV die Möglichkeit, den Remote-Hebel direkt am Griff an Stelle eines der Lock-Ringe zu montieren. Das geht nur bei ODI Griffen, bringt dann jedoch keinen zusätzlichen Bauraum und den Hebel in eine ergonomisch vorteilhafte Position direkt im Bewegungsbereich des Daumens. Da der Hebel ausreichend kompakt ausfällt, ist er dennoch nicht im Weg. Um Gewicht zu sparen, ist der Hebel aus Carbon gefertigt.

Auf dem Trail

Wie schlägt sich die KS LEV in der Praxis? Für unseren Fahrbericht sind wir mit der Stütze drei Wochen lang unterwegs gewesen und haben den Testabschluss gemeinsam im schönen Bad Münster und auf dem Rotenfels durchgeführt. Wie in vielen Regionen bietet auch Bad Münster kaum wirklich lange Anstiege, sondern ein stetiges Auf und Ab, so dass eine vom Lenker aus bedienbare Sattelstütze ihre Vorteile voll zur Geltung bringen kann.

Die KS LEV hat uns hier mit weicher, unauffälliger Funktion überzeugen können. Während andere Sattelstützen dazu neigen, einem regelrecht das Kreuz zerschmettern zu wollen, fährt die LEV schnell aber nicht zu schnell aus, so dass auch bei unbedachter Bedienung des Hebels kein Schleudertrauma zu erwarten ist. Hinzu kommt, dass sich die Bedienkräfte angenehm in Grenzen halten und dank dem gut am Daumen liegenden Hebel wird die Stütze auch so häufig verwendet, wie sie genutzt werden sollte. Einziger Wermutstropfen: In unregelmäßigen Abständen ist es im Test vorgekommen, dass die Stütze mit Nachdruck in Bewegung gesetzt werden wollte. Das kann ärgerlich sein, wenn es gerade schnell gehen muss und ist besonders in der tiefsten Position vorgekommen. KS erwähnt dieses Verhalten bereits in der Anleitung und stellt klar, dass es funktionsbedingt zu dieser Erscheinung kommen kann. In unserem Test ist das Problem jedoch nicht gezielt reproduzierbar und selten gewesen, so dass wir hier kein ernsthaftes Problem sehen. Zumal die Stütze davon unbeeindruckt nach gezielter Aktivierung genau so gut wie zuvor funktioniert.


Insbesondere in hügelligen Landschaften mit kurzen Anstiegen und anschließenden (leider ebenfalls kurzen) Abfahrten können die Variosattelstützen ihre Vorteile ausspielen.


Von der Funktion her hat uns die KS LEV nie im Stich gelassen. Niedrige Bedienkräfte und ergonomischer Hebel sorgen dafür, dass der Griff zur Höhenverstellung häufig erfolgt.

Eine weitere Kleinigkeit, die uns beim Testen aufgefallen ist, ist, dass die Zweischraubenklemmung am Sattel mit hohem Drehmoment angezogen werden sollte. Bei der KS LEV wird über diese Schrauben nicht nur der Sattel in Position gehalten und dessen Winkel eingestellt, sondern auch der drehbare Kopf der Stütze in seiner Position gehalten. Wer hier nicht genug Drehmoment auf die Schrauben gibt riskiert, dass Spiel in der Klemmung entsteht. Während die KS LEV in unserem Fall ohne nennenswertes Spiel in jeder beliebigen Position zwischen keiner und maximaler Absenkung blockierbar gewesen ist, kann dieses Spiel den sehr guten Eindruck der Stütze untergraben.


KS bietet die LEV mit drei Hublängen an: 100mm, 125mm und 150mm. Je nach Körpergröße ist mehr aber nicht zwingend besser.

Neben der Rock Shox Reverb ist die KS LEV eine der wenigen Sattelstützen, die es auch mit 150mm Absenkung zu kaufen gibt. Hier ist zu beachten, dass so viel Absenkung nur für große Fahrer sinnvoll ist. Wer herausfinden will, wie viel Absenkung er braucht, der sollte in seiner bevorzugten Sattelstellung nachmessen, ob überhaupt 15cm + 3cm zur Verfügung stehen. Je nach Verhältnis von Körper- zu Rahmengröße kann es sein, dass trotz aller Versuchung die 15cm Verstellbereich in der Praxis gar nicht nutzbar sind. In meinem Fall (177cm Körpergröße) sind 125mm Verstellweg genug gewesen, während Redaktionskollege Hannes (193cm) dankend die 150mm Verstellbereich gewählt hat. Da hier jedoch auch immer der verwendete Rahmen eine Rolle spielt, können wir an dieser Stelle keine pauschalen Empfehlungen geben.


Die Aussicht vom Rotenfels bei Bad Münster. Sattel hoch für Tempo auf dem Plateau.

Qualitätseindruck

Von der Verarbeitung und den verwendeten Materialen her hat die KS LEV Seatpost einen sehr guten Eindruck hinterlassen. Das gilt insbesondere für die Oberflächen. Alle Bauteile sind präzise gefertigt und der Carbon-Hebel zur Bedienung der Stütze liegt gut in der Hand. Einen ebenfalls guten Eindruck machen die Dichtungen am Standrohr der Stütze und zur Abdichtung des Bedienmechanismus. Verbesserungsmöglichkeiten sehen wir insbesondere bei der Montage der Stütze, doch sobald diese geschafft ist kann die KS LEV überzeugen. Auch nach mehreren Wochen im Praxiseinsatz zeigt die Stütze keinerlei nennenswertes Spiel und funktioniert uneingeschränkt gut.

Fazit

Ist die Montage erst einmal geschafft entpuppt die Kind Stock LEV sich als zuverlässige Sattelstütze, die mit minimalem Spiel und einfacher Bedienung punkten kann. Auch wenn sich der Mechanismus teilweise nur mit Nachdruck in Bewegung setzen will – die stufenlose und feste Fixierung kann letzten Endes überzeugen und die saubere Kabelverlegung macht Freude. Das Gewicht der Stütze liegt am oberen Ende des Wettbewerbs, der Preis ist mit knapp unter 300€ (je nach Modell) eher im hochpreisigen Segment angesiedelt.

Stärken

    + Mechanische Ansteuerung ist einfach zu warten

 

    + Große Auswahl an Modellvarianten inklusive einer 27,2mm Version

 

    + Einfache Bedienung mit guter Ausfahrgeschwindigkeit und niedrigen Bedienkräften

Schwächen

    - relativ hohes Gewicht

 

    - komplizierte Montage

Bildergalerie zum KS LEV Review

Bilder von Johannes Herden und Tobias Stahl

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Diese Fotos im Fotoalbum anschauen

Weitere Informationen

    Kind Shock Homepage [

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