HomeAllgemein10 Tipps für Abenteuer auf zwei Rädern — 23. September 2012 15:49

10 Tipps für Abenteuer auf zwei Rädern

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Mit Sack und Pack auf dem Mountainbike in den Bergen unterwegs – was sofort nach Abenteuer klingt, entpuppt sich schnell als recht anspruchsvoll: Neben den Utensilien für eine klassische Biketour braucht es plötzlich noch recht große und sperrige Gegenstände wie Schlafsack, Isomatte und Kocher, eventuell sogar ein Zelt. Der Rucksack wird dann schnell so schwer, dass die Tour zur berühmten Tortour wird, und man nimmt doch lieber Hütten in Anspruch. Das muss nicht sein – mit ein paar Tricks lässt sich auch mit dem Mountainbike die absolute Unabhängigkeit einer “Trekkingtour” erleben.

Wheelie - wenigstens der geht mit Rucksack einfacher
# Wheelie – wenigstens der geht mit schwerem Rucksack einfacher.

1. Setup

Mit 15kg Rucksack sinkt das Rad ganz schön in den Sag – und wird sich ziemlich anders fahren. Ein aufsetzendes Innenlager und ein träges Fahrverhalten machen nicht viel Spaß, also vorher Gabel und Dämpfer aufpumpen. Bei einem Stahlfederfahrwerk wird die Sache schwieriger, hier lässt sich gegebenenfalls mit etwas Vorspannung und Druckstufe das schlimmste verhindern.

Mit Rucksack unterwegs
# Mit Rucksack unterwegs

2. Schwerpunkt

Mit richtig Gewicht auf dem Rücken fährt es sich ganz anders, das weiß jeder Bikefotograf. In jeder Kurve, in jeder Abfahrt macht sich die Trägheit dieser Masse bemerkbar. Der Rucksack zieht nach in Kurven nach außen, bergab drückt er nach vorne – durchaus erschwerende Umstände. Wer damit rechnet tut sich aber in jedem Fall leichter.

Mit schwerem Gepäck am Spielen
# Mit schwerem Gepäck am Spielen

3. Der Rucksack

Ausrüstung braucht Platz – um alles unterzubringen braucht es mindestens ein Modell mit 35l Volumen. Theoretisch wären sogar noch mehr praktisch, das führt zur zwei Problemen: Erstens, mehr Volumen führt zu mehr Gewicht und einem weiter außen liegenden Schwerpunkt, will man beides nicht. Außerdem handelt es sich bei solchen Modellen meist um Toploader – mit der Konsequenz, dass diese höher als die Schultern bauen. Fazit: Bergauf alles okay, bergab kann man den Kopf aber nicht mehr in den Nacken legen, problematische Angelegenheit. Merke: Der Rucksack sollte nicht deutlich höher als die Schultern bauen.

Ab hier wird's kritisch: Rucksack höher als Rücken ist ungut.
# Ab hier wird’s kritisch: Rucksack höher als Rücken ist ungut.

Als Tragesystem für die hier übliche Last (ca. 15kg) kommt im Grunde nur direkter Körperkontakt in Frage – eine Belüftung wäre zwar grundsätzlich nett, ist aber ei derartigen Gewichten nicht zu machen. Groß genuge Bike-Rucksäcke sind eine Seltenheit, doch auch mit Modellen für Alpintouren fährt es sich noch gut Fahrrad.

4. Essen

Gewicht sparen, trotzdem satt werden und die nötige Energie für viele Höhenmeter sammeln – um nicht mehr und nicht weniger geht es bei der Ernährung auf Tour. Weil man im Normalfall mit nur einem Topf auskommen muss, bieten sich Tütengerichte an. Von den teuren Varianten aus einschlägigen Outdoor-Geschäften muss man nur aus Preisgründen abraten – sie schmecken nicht besser, sind nicht gesünder und enthalten auch nicht mehr Kalorien. Also gerne bei Maggi oder noch besser: Der Eigenmarke von Kaufland und Konsorten zugreifen.

Ein Bach? Da muss man wohl durch...
# Ein Bach? Da muss man wohl durch…

5. Kochen

Ohne Kocher wird selbst das Tütengericht nicht genießbar. Die Frage die sich stellt: Gas- oder  Mehrstoffkocher? Ein Gaskocher ist leichter, braucht aber spezielle Kartuschen. Außerdem lässt die Leistung bei Höhe und Kälte nach. Ein Mehrstoffkocher hingegen lässt sich an jeder Tanke mit Benzin befüllen, fällt aber eben mehr ins Gewicht und muss meist (außer Soto) vorgeheizt werden.

Abladen, Abendessen. Primus: Anodisierte Alu-Töpfe sind Trumpf. Der Primus Omnilite Ti ist ein robuster, leichter Nobelkocher. Was alles in so einen Rucksack muss.
Diese Fotos im Fotoalbum anschauen
Ein Modell, das sich bei uns besonders bewährt hat, ist der Primus Omnifuel Ti. Dabei handelt es sich um die gewichtsreduzierte Variante eines sehr robusten, bewährten Kochers, der im Grunde alles (Daher der Name Omni) verbrennt: Kerosin, Diesel, Benzin, Gas, Petroleum – man kann ihn füttern, womit man will.

Ein Blick auf die Karte hilft im Vorfeld zu klären, wie viel Wasser ins Gepäck gehört. Meist lässt sich hier Gewicht sparen, indem man an Bächen wieder auffüllt. Dabei unbedingt darauf achten, nicht aus Bächen zu trinken, bei denen knapp oberhalb Weidetiere zu finden sind. Im Zweifel empfiehlt es sich, eine Trinkflasche mit Filter, oder Tabletten wie Mikropur mitzuführen. Auch der Steripen ist eine komfortable, und vor allem geschmacksneutrale Variante zur Trinkwasserbereitung.

6. Regen

Großräumige Trockenphasen länger als einige Tage sind selten, und wenn doch, nimmt wenigstens auch die Gewitterneigung zu. Eine Regenjacke schleppt man also nicht nur für den Wetterumschwung mit, sondern wird sie recht sicher brauchen – und wenn nicht, darf man sich darüber freuen. Im Fall der Fälle schützt nur eine Hardshell sicher. Leichte, dichte Regenjacken wiegen zum Glück nur mehr 300g, sollten aber nicht fehlen. Bewährt sind die Membranjacken von Sympatex und GoreTex, auch mit eVent haben wir gute Erfahrungen gemacht. Das Material ist dabei für die Dichtheit sicher wichtiger als der Hersteller, der ist für Schnitt und Optik entscheidend. Im Sommer zählt maximale Atmungsaktivität, da punkten Active Shell und eVent.

Sommer = Sonne? Eher nicht.
# Sommer = Sonne? Eher nicht.

7. Schlafen

Gegen Rückenbeschwerden vom Rucksack-Tragen hilft eine erholsame Nachtruhe. Weil ein Feldbett nicht in den Rucksack passt, ist die Isomatte das Mittel der Wahl, besonders empfehlenswert ist die NeoAir-Serie von Thermarest. Unter 500g leicht und klein wie eine 1l Wasserflasche bläst sie sich dennoch auf 5cm Dicke auf. Tipp: Das Modell “Trekker” hat die beste Preis/Leistung und knistert im Gegensatz zu den noch leichteren Modellen nicht.

Mountain Equipment Schlafsack mit ordentlich Komfort
# Mountain Equipment Schlafsack mit ordentlich Komfort-Limit.

Beim Schlafsack führt für bestes Wärme/Gewicht Verhältnis kein Weg an Daune vorbei. Die Modelle von Mountain Equipment sind fair für die Gänse und seine Benutzer, auch der Preis stimmt (verglichen mit Nobelmarken wie Yeti oder Western Mountaineering).

8. Kleidung

Bei mehrtägigen Unternehmungen gehört natürlich mehr als die Regenjacke (–> Regen) ins Gepäck. In Sachen Funktionsbekleidung steht der Biker von heute im Grunde vor nur einer Wahl: Mikrosfaser oder Merinowolle? Zur Beantwortung hilft das Wissen um die Vorteile beider Materialien: Mikrofaser-Bekleidung trocknet schneller, wodurch man weniger auskühlt und auf längeren Reisen öfter waschen kann – über Nacht aufgehängt ist die Klamotte am nächsten Morgen  meist schon wieder trocken.

Wunderschöner Singletrail - leider auf der falschen Talseite
# Wunderschöner Singletrail – leider auf der falschen Talseite

Merinowolle hingegen hat das etwas bessere Temperaturmanagement, trocknet allerdings langsamer. Dazu sorgen antibakterielle Eigenschaften für weniger Gestank, weshalb man die Sachen öfter anziehen kann. In beiden Fällen ist das Ziel natürlich, weniger Bekleidung umhertragen zu müssen. So kann man mit Merino-Funktionswäsche, Bikeshort, Tourenhose, Fleece oder Wärmejacke und Regenjacke schon mehrere Tage und einen großen Temperaturbereich abdecken.

9. Wohnen

Ein Zelt zu transportieren, lohnt erst ab zwei Personen – drunter ist ein besserer Biwacksack die bessere Lösung. Auch dann heißt es noch: Gewicht sparen, nur wenige 2 Personen-Modelle wiegen unter 2kg, viel mehr darf es aber auch nicht sein. Tipp für alle, die noch etwas leichter unterwegs sein wollen: Ein Tarp. Es lässt sich mit Hilfe von Bäumen, Fahrrädern, und was sonst noch in Reichweite ist, aufspannen und ist offensichtlich erheblich leichter und kleiner.

zelt
# Das MSR Hubba Hubby hat sich bewährt – es gibt allerdings noch leichtere Modelle.

10. Touren planen

Wer nach Karte fährt, wird in den Alpen oft auch aus einer 1 : 25000er Karte nicht ablesen können, ob ein Wanderweg nun fahrbar sein wird, oder nicht. Die Antwort auf diese Frage liefern oft andere Bergsportler oder Hüttenwirte, ihre Tipps sind (vor allem was Wetter und Gehzeiten angeht) zu beachten. Oft hilft die Frage, ob der jeweilige selbst Mountainbike fährt, die Auskunft besser einschätzen zu können.

Drei Türme, vom Drusentor aus gesehen
# Drei Türme, vom Drusentor aus gesehen

Hier noch ein paar Impressionen von größeren Alpentouren, freilich nicht alle mit ganz schwerem Gepäck – für eine Übernachtung kann man auch mal dem Alpenverein-Wetterbericht trauen und bei “Stabilem Spätsommerwetter” die Nacht unter freiem Himmel verbringen. Eine Alternative zum Rucksack ist übrigens für Minimalisten möglich: Das nötigste mit Gurtbändern am Fahrrad befestigen – dann sollte man sich allerdings wirklich reduzieren können…

Breite Lenker, schmale Brücke Trail Vorarlberg Wunderschöne Piste im Montafon Verdiente Pause Abfahrt von der Grenze nach Österreich Die Lindauer Hütte - viel schöner wird's nicht. Trailspaß ohne Ende
Diese Fotos im Fotoalbum anschauen

Wer von euch war schon mit Mountainbike und Übernachtung im Tausend-Sterne-Hotel unterwegs?


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