Das Scott Spark RC 29 ist eines der 29er Bikes, die schon im Stand “Bock auf Ballern” machen. Das Design spricht an und leichte Komponenten sollen für den richtigen Vortrieb sorgen. Deshalb soll man mit einem solchen Bike nicht nur bergab ballern können, sondern auch quer durch die Talsohle und am anderen Ende wieder den Berg hinauf. Mit dem Spark RC 29 haben wir das teuerste Bike der Scott Spark-Linie im Test, doch die Ergebnisse lassen sich im weiteren Sinne auch auf die günstigeren Modelle übertragen. Um dem Race-Bike gebührend die Sporen geben zu können, haben wir das Rad unter anderem bei den 24h von Finale Ligure 2012 mit an den Start genommen und nach dem Renneinsatz gleich noch die Tourenfreundlichkeit getestet. Und auch die Abfahrt von der NATO-Base in Finale ist dem leichten 29er nicht erspart geblieben.


Mit dem Scott Spark RC 29 im Renneinsatz in Finale Ligure. Das Rad fühlt sich auf schnellen Strecken wohl. Bild von Sportograf.de


Optisch ein Renner und bei uns im Praxistest: Das Scott Spark RC 29

Technische Daten

Ausstattung

  • Hersteller: Scott
  • Modell: Spark 29 RC
  • Modelljahr: 2012

  • Rahmen: Scott Spark Carbon, IMP5 Technologie, HMX NET, BB92, Carbon Hinterbau mit PM160 Aufnahme, U-Mono Link, Tapered Steuerrohr, IDS SL Ausfallenden, 12x142mm Hinterradachse, Einstellbare Innenlagerhöhe und Lenkwinkel
  • Dämpfer: Scott DT Nude2, dreistufige Druckstufeneinstellung (Offen / Trail / Lockout), 165 x 38mm, Zugstufeneinstellung
  • Federweg Hinterbau: 100mm
  • Federgabel: Rock Shox SID 29 RLT3 Air, DNA3 Dämpfung mit dreistufiger Einstellung, Tapered Steuerrohr, Zugstufeneinstellung
  • Federweg Gabel: 100mm
  • Remote System: Scott Twinloc Lenkerhebel zur Steuerung von Federgabel und Dämpfer. Federwegsstellungen: 0 / 70 / 100mm
  • Steuersatz: Ritchey Pro Tapered 1.5″ – 1 1/8″, Semi-Integriert 50 / 61mm
  • Schaltwerk: Sram XX Carbon, langer Käfig, 10fach
  • Umwerfer: Sram XX, Direct Mount (S3), Bottom Pull
  • Schalthebel: Sram XX Trigger, Matchmaker Ti
  • Bremshebel: Avid XX World Cup Carbon
  • Bremsen: Avid XX World Cup, 180mm vorne, 160mm hinten, HSX CL Bremsscheiben
  • Kurbel: Sram XX GXP Pressfit, Carbon, Q-Faktor 156mm
  • Kettenblätter: 39 / 26
  • Innenlager: Sram GXP Pressfit, 41×89,5mm
  • Lenker: Ritchey Carbon WCS Tbar, T shape flat, 680mm, Scott Lockon Griffe
  • Vorbau: Ritchey WCS C-260, 31,8mm, -6° Winkel
  • Pedale: keine
  • Sattelstütze: Ritchey WCS Carbon, 31,6mm
  • Sattel: Ritchey Streem V2 WCS, Titanium
  • Vorderradnabe: DT Swiss XR-RS29 Disc CL, RWS Schnellspanner
  • Hinterradnabe: DT Swiss XR-RS29 Disc CL, 12x142mm RWS Achse
  • Kette: Sram PC 1091
  • Kassette: Sram XX, 11-36 Zähne
  • Speichen: DT Swiss Super Comp
  • Felgen: DT Swiss XR-RS29 Disc, 32 Loch, Tubeless Ready
  • Reifen: Schwalbe Rocket Ron EVO, 29 x 2,25″, 127 EPI Kevlar, Tubeless Ready, PaceStar Mischung

Gewicht

  • 1890g (Rahmen inkl. Dämpfer, Herstellerangabe)
  • 10,35kg (ohne Pedale)

Rahmengrößen

  • S, M, L und XL


Scott Spark 29er – Sizechart

Geometriedaten


Geometrie – Scott Spark 29

Während in den letzten Jahren im Bezug auf die richtige 29″-Geometrie teils verschiedene Richtungen eingeschlagen worden sind, setzt Scott beim Spark RC auf eine Geometrie, die auf der gegenwärtig vorherrschenden Bauweise aufsetzt und einen relativ flachen Lenkwinkel (69,5° in der flachen Stellung) mit einem steilen Sitzwinkel (72,5° in der flachen Stellung) kombiniert. Typisch für 29er mit Uphill-Fokus sind die 448mm langen Kettenstreben, während die Innenlagerhöhe von 317mm (tiefe Stellung, Innenlagerabsenkung 48mm) eher auf der tiefen Seite ist. So kann es im Uphill durchaus mal eng werden. Aus diesem Grund macht die Möglichkeit zur Anhebung um sieben Millimeter mittels Flip-Chip durchaus Sinn und ist von uns in Finale Ligure direkt verwendet worden. In der hohen Stellung hat das Rad noch immer einen Radstand von 1112mm. Die exakten Angaben zu Reach und Stack sowie allen weiteren Geometriemaßen findet ihr in der oben eingebetteten Tabelle.

Ausstattungen und Preise (Stand Modelljahr 2012)

Neben der hier getesteten Spark RC 29 Top-Version gibt es das Spark 29er auch in fünf weiteren, jeweils günstigeren Versionen (Ausstattungsdetails sind auf der Scott-Homepage abzurufen):

  • Spark 29 RC – 5.999,-€
  • Spark 29 Pro – 3.699,-€
  • Spark 29 Expert – 2.999,-€
  • Spark 29 Elite – 2.299,-€
  • Spark 29 Team – 1.999,-€
  • Spark 29 Comp – 1.499,-€

Einsatzbereich

  • Marathon
  • Etappenrennen
  • Touren

Die hier genannten Einsatzbereiche entsprechen der Empfehlung von Scott. Das Spark kann unserer Erfahrung nach auch als leichtes All-Mountain Bike verwendet werden. Das gilt insbesondere für die 26″-Version, doch die Ähnlichkeit des Spark RC 29 zur neuen Genius 900er-Serie zeigt hier deutlich, dass unter Umständen auch eine 120mm-Version des Spark 29er viel Spaß auf ruppigeren Trails bieten könnte. Das Genius 2013 [Vorstellung und Fahrbericht] bietet in der 29″-Version 130mm Federweg und ist konzeptionell mit dem Spark 29 eng verwandt.


Scott verwendet beim Spark 29 einen abgestützten Eingelenker als Hinterbau. Die Ausstattung ist in der “RC”-Version mit Sram’s XX-Gruppe komplettiert.

Im Stand

Das Spark 29 RC ist die High-End Version der 29er-Bikes bei Scott. Und auch wenn es keine 650b Laufräder wie die Race-Bikes von Nino Schurter und Kollegen aufweist, ist ihm die Zugehörigkeit zu den Schnellsten dieser Welt deutlich anzusehen. Anstatt bei der Optik zu experimentieren hat Scott das Bike mit dem schlichten, aber sehr ansehnlichen Team-Look aus dem World Cup gewürzt. Neben mattem Schwarz gibt es gelbe und weiße Akzente passend zum Firmenlogo – das war’s. Dank der schlichten Optik wirkt das Rad bereits im Stand schnell und kaschiert gleichzeitig die großen Laufräder geschickt.

Fahrwerk

Eines der Highlights am Scott Spark ist die Integration der Federungskomponenten in ein vom Lenker bedienbares Fahrwerkskonzept. Der spezielle Nude2-Dämpfer, der in Zusammenarbeit mit DT Swiss entwickelt worden ist, kann über einen Hebel vom Lenker aus parallel zur Rock Shox SID-Federgabel an der Front verstellt werden. DNA3 lautet das System bei Rock Shox, das es ermöglicht, die Gabel analog zum Dämpfer nicht nur in der Druckstufe zu verstellen, sondern direkt auch den Federweg zu beeinflussen. So bietet das Spark die Option, über den TwinLoc Lenkerhebel den Federweg des Bikes von den offenen 100mm auf die reduzierten Stellungen mit 70mm Federweg (Trail Modus) und 0mm Federweg (Lockout für den Uphill auf Asphalt) umzuschalten. Neben dem Federweg wird über die Druckstufe auch die Dämpfungsplattform so angepasst, dass das Rad perfekt auf die jeweiligen Einsatzbereiche anpassbar sein soll.


Der TwinLoc-Hebel ist der Kern des verstellbaren Fahrwerks am Scott Spark 29er.


Der TwinLoc erlaubt es, sowohl die Gabel als auch den Dämpfer über einen Hebel zu steuern und neben dem offenen Modus in einen stark gedämpften und einen geblockten Modus umzuschalten.


Am Hinterbau arbeitet deshalb ein Scott eigener DT Swiss Nude2 Dämpfer, der je nach Hebelstellung 0, 70 oder 100mm Federweg bietet.

Das TwinLoc System ist einfach zu bedienen und wirkungsvoll. Eine gute Wahl für Biker, die nicht lange über ihr Fahrwerk nachdenken und alles im Griff haben wollen.

Neben der Anpassung der Federungscharakteristik sorgt die Reduktion des Federwegs auf 70mm (oder 0mm) dafür, dass das Rad unabhängig vom Setup weniger tief im Sag sitzt und so dank steileren Winkeln und höherem Innenlager besser bergauf zu pedalieren sein sollte. In der Praxis ist dieses Konzept spürbar, wirkt sich jedoch bei einem 150mm Bike wie dem Scott Genius 700 oder dem Cannondale Jekyll wesentlich stärker aus. Trotz der Abkehr vom Pull-Shock Dämpfer bleibt Scott damit auf der Linie des ehemaligen Entwicklers Peter Denk, der ein ähnliches Konzept nach wie vor bei Cannondale verwendet.

Die Empfehlung von Scott lautet, dass man sich das Rad im 70mm Traction-Mode so abstimmt, dass es auf flachen Trails eine ausreichende Federungsperformance bietet. In dieser Einstellung sollte das Bike grundsätzlich fahrbar sein, so dass für ruppige Abschnitte und Downhills Federweg freigegeben werden kann, während das Bike für steile Uphills auf hartem Untergrund in einen steifen Lockout-Modus geschaltet werden kann.

Der Lenkerhebel des TwinLoc-Systems liegt dazu direkt in Reichweite des Daumens und lässt sich leicht bedienen, weshalb wir auf dem Trail überprüft haben, ob die drei Stufen den gewünschten Effekt bringen und ob 70mm Federweg bei einem 29″ Bike genügend Reserven bieten, um genügend Traktion zu bieten.

Details

Damit das Rad allerdings so schlicht und durchdacht daher kommen kann, hat man bei Scott einiges an Technologien in das Spark RC 29 einfließen lassen.

Der Rahmen des Spark RC 29 besteht aus dem Scott-eigenen IMP5 Carbon, das durch “High Modulus”-Fasern besonders haltbar und steif sein soll. Gleichzeitig soll durch Materialeinsparungen das Gewicht weiter gedrückt werden können. Ebenfalls aus IMP5 Carbon gefertigt wird der Hinterbau, der auch die Ausfallenden aus Carbon gefertigt hat und eine PM160mm-Scheibenbremsaufnahme auf der Kettenstrebe aufweist. Diese Konstruktion soll einerseits Gewicht sparen und ermöglicht andererseits die Einleitung der Bremsmomente in die groß dimensionierten Kettenstreben, wodurch das Dämpfungsverhalten der Sitzstreben positiv genutzt werden kann. Hinzu kommt, dass die Drehpunktposition direkt über der Hinterradachse bei einer konventionellen Bremsenaufnahme nur schwer hätte erreicht werden können.


Die PM160 Aufnahme für die Scheibenbremse ist direkt in die Kettenstrebe integriert. Dadurch wird Platz für den Drehpunkt des Hinterbaus geschaffen und die Belastung optimiert.

Bei den Ausfallenden selbst verbaut Scott die bekannten IDS SL-Ausfallenden, die nicht nur austauschbar sind, sondern auch die Wahl zwischen den in unserem Fall verbauten 12x142mm Steckachsen, einer 12x135mm Steckachse oder einer 5x135mm Schnellspannachse ermöglichen. Für den Einsatz mit 29″ Laufrädern bietet sich auf Grund der höheren Steifigkeit die breite 142mm-Steckachse an, die in Serie verbaut wird.

Das Steuerrohr ist tapered, womit Scott dem gegenwärtig vorherrschenden Trend folgt, dass sich die von unten nach oben verjüngenden Steuerrohre im Mountainbike-Bereich durchsetzen. Die Kombination des alten 1 1/8″-Maßes am oberen Ende mit dem neuen und wensentlich steiferen 1.5″-Maß am unteren Ende erlaubt einerseits eine Erhöhung der Steifigkeit im Steuerrohrbereich, ermöglicht jedoch zur gleichen Zeit die Verwendung konventioneller Vorbauten und damit leichterer Anbauteile.

Neben den Federelementen ist auch die Geometrie des Spark in zwei Stufen verstellbar. Ein im Mono-Link integrierter Flip-Chip bietet die Möglichkeit, das Innenlager um 7mm abzusenken und dabei die Winkel des Rades um 0,5° flacher zu machen.


Klare, schlanke Linien am Spark Carbon-Rahmen. Die Zugverlegung erfolgt teilweise intern und unter dem Unterrohr. Scott verzichtet auf einen Steinschlagschutz.

Auf dem Trail

Für die Fahreindrücke haben wir das Scott Spark RC 29 mit nach Finale Ligure genommen. Dort findet traditionsgemäß zu Pfingsten eines der anspruchsvollsten 24h Rennen der Welt statt und nachdem wir im letzten Jahr gute Erfahrungen mit 29″ Laufrädern auf dieser Strecke gemacht haben, hat nun das Scott beweisen müssen, wie gut es im Renneinsatz zu gebrauchen ist.

Bereits nach der ersten Abstimmungsfahrt zeigt sich, dass das Setup einfach von der Hand geht und die Verstellung der Federung über den TwinLoc Hebel denkbar einfach funktioniert. Auf Grund der Streckencharakteristik haben wir von der vollständigen Blockierung wenig Gebrauch gemacht, während das Schalten zwischen Traction- und Descend-Mode häufig angewendet worden ist.

Uphill

Das Scott Spark hat nur beim Blick auf die Geometrietabelle einen steilen Sitzwinkel, denn in der Praxis ist das Sitzrohr stark geknickt, dass der obere Teil des Rahmens deutlich flacher gegenüber dem Sitzrohr steht. Durch diesen Kniff gelingt es den Scott-Entwicklern, großen Fahrern genügend Raum zwischen Lenker und Sattel zu schaffen und das Rad dennoch handlich und kompakt fahrbar zu machen. Bergauf hat man so viel Druck auf dem Vorderrad, der vom deutlich abgesenkten Innenlager, die langen Kettenstreben und dem -6°-Vorbau noch verstärkt wird. Wir haben in unserem Fall mit den verbauten Spacern experimentiert und sind letzten Endes in der tiefsten Stellung geendet. Auf diese Weise bietet das Rad bei sehr guten Klettereigenschaften immer noch genügend Sicherheit in steileren Passagen und kompensiert die hoch bauenden Laufräder. Größere Fahrer (> 185cm) werden hier sehr wahrscheinlich zu einem anderen Setup kommen.


Bergauf ist das Spark in seinem Element. Das kurze Steuerrohr, der negativ montierte Vorbau und der reduzierte Federweg tragen dazu bei. Bild rechts von Sportograf.de

Von der Idee her wird das Spark bergauf im Traction Mode des Fahrwerks gefahren. So soll die nach vorne geneigte Sitzposition die Klettereigenschaften verbessern und dennoch die Traktion am Hinterrad dank 70mm Federweg nicht zu gering ausfallen. Auf dem Trail profitiert das Bike deutlich von der Traktion der 29″-Reifen, doch kann die Federung in technischen Anstiegen nicht immer die Traktion halten. Die selben Sektionen haben wir danach nochmals mit vollem Federweg gefahren und teils deutlich bessere Ergebnisse erzielt. Hier heißt es für den Spark-Piloten: ausprobieren, Gefühl für den Hinterbau entwickeln und dann entscheiden. Fakt ist, dass die Verstellung an sich gut funktioniert und dem Rad insbesondere auf steilen Streckenabschnitten hilft. Das straffe Setup an Gabel und Dämpfer hilft dabei, schnell Tempo aufzubauen und keine Energie zu verschwenden, während grobe Schläge zuverlässig geschluckt werden. Insbesondere die Rock Shox SID arbeitet hier zuverlässig. Warum wir uns dennoch nicht damit angefreundet haben, das Rad dauerhaft auch in der Ebene mit 70mm zu bewegen, erklärt sich schnell, wenn es bergab geht.


Auf welligen, verspielten Trails ist das Spark 29er in seinem Element. Die Geometrie lädt zum Spielen ein und das straffe Fahrwerk sorgt für Geschwindigkeit. Bild von Sportograf.de


Solange die Reifen Traktion bieten, ist der Kurvenspeed hervorragend. Die 29″-Bereifung sorgt für einen gutmütigen Grenzbereich. Bild von Sportograf.de

Downhill

Schon beim ersten Aufsitzen auf dem Scott Spark RC 29 ist uns aufgefallen, dass es sich relativ komfortabel auf dem Bike sitzt und das Rad zu einer aktiven Fahrweise verleitet. Dennoch muss man sich für den Downhill bewusst sein, dass es sich hier um ein leichtes Marathon-Bike handelt, das mit dünnen XC-Reifen und weitgehender Gewichtoptimierung mit Umsicht den Berg hinab bewegt werden sollte. Soweit die Theorie. In der Praxis ist die Abfahrtseignung des Rahmens und der Ausstattung überraschend gut. Im offenen Modus kann man mit dem Spark auch auf der Abfahrt von der NATO-Base in Finale Ligure gut das Gas stehen lassen und muss auch vor Sprüngen und Stufen nicht Halt machen. Solange im Hinterkopf die Informationen über die eigentliche Eignung des Bikes gespeichert bleiben, kann den Spaß so schnell nichts verderben. Die 29″-Geometrie geht auf und die flache Stellung der Geometrie gibt hier Sicherheit bei hohem Tempo. Für maximalen Spaß könnten die Kettenstreben noch ein kleines bisschen kürzer sein, doch dann würden die Uphill-Qualitäten leiden.


Allgemein macht der Nude2-Dämpfer im Spark 29er einen guten Eindruck, doch in ruppigem Gelände kommt er an seine Grenzen.

Keine ausgesprochenen Fans des forcierten Downhills sind jedoch die Federelemente. Trotz nominell 100mm Federweg kommt das Fahrwerk in technischen Sektionen relativ schnell an seine Grenzen und muss sich dann auf das sehr gute Überrollverhalten der DT Swiss Laufräder verlassen. Trotz alledem ist das Spark RC 29 in der Summe ein Bike, das den Downhill nicht zu scheuen braucht, insbesondere da es den Fahrer rein von der Geometrie her gut unterstützt.


Bergab kann man es mit dem Spark RC 29 gut laufen lassen. Zumindest solange die Federung dem Boden nachkommt. Bild von Sportograf.de

Ausstattungskritik

Eine Enttäuschung und Überraschung sind die Sram XX Carbon-Kurbeln gewesen. Ähnlich wie beim von uns parallel getesteten Merida Ninety-Nine Carbon [Fahrbericht] haben sie mit erstklassiger Funktion überzeugt, doch die Oberflächenqualität und -haltbarkeit sind unterdurchschnittlich gewesen. Ohne, dass wir ernsthafte Bodenkontakte als Fahrer registriert hätten, haben die Kurbelarme nach 24h Renneinsatz bereits tiefe Kratzer und Abriebspuren gezeigt, die eigentlich auch nach einer Saison noch nicht vorliegen dürften. Hier scheint an der falschen Stelle Gewicht gespart worden zu sein.


Der Klarlack der Sram XX Carbon-Kurbel hält keine 24 Stunden. Zwar ist die Kurbel so wohl noch nicht ernsthaft beschädigt, für ein Produkt dieser Preisklasse ist die Haltbarkeit von unserem Modell jedoch enttäuschend. Hinzu kommt, dass das Carbon der Kurbelarme in diesem Zustand frei liegt und beschädigt werden kann.


Aufgeräumtes Cockpit dank Sram Matchmakern für Bremse und Schaltung. Der Ritchey Carbon Lenker misst 680mm. Je nach Präferenz würde dem Bike auch ein 710mm Lenker gut stehen.


Konstante Funktion ohne Bestwerte bei Bremsleistung und Dosierbarkeit. Die Sram XX World Cup Bremsanlage hat unauffällig ihren Dienst getan. Mit der Shimano XTR Scheibenbremse, die wir parallel getestet haben, kann sie jedoch nicht mithalten.

Der Rest der Sram XX Gruppe hat hingegen sehr gut funktioniert. So ist die Bremsanlage mit den 180/160mm Scheiben stets zufriedenstellend gewesen, auch wenn die maximale Bremskraft noch ein wenig höher ausfallen dürfte. Gewohnt gut hat die Kombination aus Sram XX Kassette, Schaltwerk und Schalthebeln gearbeitet. Schnelle und saubere Gangwechsel, die mit der Sram-typischen Härte durchgeführt werden.


Zwei Kettenblätter mit 39 und 26 Zähnen. In Kombination mit den 29″-Laufrädern ergibt das eine schnelle Kombination, die aber auch dicke Waden erfordert.


Geschaltet wird am Spark RC mit einer kompletten Sram XX-Gruppe. Der Umwerfer wird per Direct Mount montiert.

Sram XX Komplettausstattung und Rock Shox SID Federgabel – Scott setzt beim Spark RC 29 auf die Top-Modelle.

Gute Ergebnisse hat auch der DT Swiss XR-RS29 Disc-Laufradsatz gezeigt. Die Steifigkeit kann überzeugen und die Umrüstung auf ein Tubeless-System hat unter Zuhilfenahme eines Kompressors einwandfrei funktioniert. Nur mit einer Handpumpe ausgerüstet haben wir die Schwalbe Rocket Ron II Reifen hingegen nicht montieren können.

Kommen wir abschließend zur Preisleistung. 5.999€ sind eine Menge Geld und darauf zu verweisen, dass einige Konkurrenzmodelle noch weitaus teurer sind, hilft nicht unbedingt. Bei der Schaltung ist Scott bereits am oberen Ende der Optionen angekommen, doch bei einigen Anbauteilen bleibt noch Potential. So verzichtet Scott abseits des Rahmens nicht auf Carbon und dennoch liegt das Gesamtgewicht bei immerhin 10,35kg (ohne Pedale). Leichtere Laufräder und Detailoptimierungen bei den Komponenten könnten hier das Gewicht schnell unter die magische 10kg-Marke drücken.


Für unseren Test haben wir das Spark 29 mit den neuen Schwalbe Rocket Ron II (Modelljahr 2013) ausgestattet. Der Tubeless-Aufbau ist unter Zuhilfenahme eines Kompressors einfach und erfolgreich gewesen.

In der gefahrenen Ausstattung kann das Spark RC 29 jedoch insofern überzeugen, dass es trotz guter Renneignung nicht dazu zwingt, übertrieben viel Gas zu geben. Mit dem Spark können auch entspannte Touren in Angriff genommen werden und spätestens nach dem dritten Tag eines Etappenrennens wissen die meisten FahrerInnen ein wenig mehr Komfort zu schätzen. Den bietet die gewählte Ausstattung, auch wenn das deutlich günstigere Spark Pro 29 hier nicht allzuweit zurückliegen sollte.

Fazit

Das Scott Spark RC 29 hält, was es verspricht. Die schnelle World Cup-Optik schürt die Erwartungen an ein gutes Racebike und für alle, die auf Marathons und Etappenrennen auf Sekundenjagd gehen, bietet das Spark genügend Potential, um sich auszutoben. Doch dank der durchdachten Federungsverstellung kann das Rad auch auf entspannten Touren mit technischen Abfahrten Spaß machen. Einzig die Federelemente (insbesondere der Nude2 Dämpfer am Hinterbau) kommen dann an ihre Grenzen und die großen Reifen suchen stollenringend um Traktion. Die Ausstattung ist durchweg hochwertig, darf für den stolzen Preis von 5.999€ aber auch erwartet werden.

Stärken

    + ausgereifte 29″-Geometrie
    + sicheres Fahrverhalten
    + Geometrieverstellung über Flip-Chip am Dämpfer

Schwächen

    - Federelemente auf ruppigen Strecken überfordert
    - starker Verschleiß an den Sram XX Carbon-Kurbeln
    - Möglichkeiten zum Upgrad der Federung durch TwinLoc-Systemintegration eingeschränkt

Bildergalerie Scott Spark RC 29

Bilder von Tobias Stahl und Sportograf.com

Sram XX Carbon Kurbel Schaden 2 Sram XX Carbon Kurbel Schaden 1 Scott Spark RC 29 - Sportograf-6 Scott Spark RC 29 - Sportograf-5 Scott Spark RC 29 - Sportograf-4 Scott Spark RC 29 - Sportograf-3 Scott Spark RC 29 - Sportograf-2 Scott Spark RC 29 - Sportograf-1 Scott Spark RC 29 - Review-27 Scott Spark RC 29 - Review-26 Scott Spark RC 29 - Review-25 Scott Spark RC 29 - Review-24 Scott Spark RC 29 - Review-23 Scott Spark RC 29 - Review-22 Scott Spark RC 29 - Review-21 Scott Spark RC 29 - Review-20 Scott Spark RC 29 - Review-19 Scott Spark RC 29 - Review-18 Scott Spark RC 29 - Review-17 Scott Spark RC 29 - Review-16 Scott Spark RC 29 - Review-15 Scott Spark RC 29 - Review-14 Scott Spark RC 29 - Review-13 Scott Spark RC 29 - Review-12 Scott Spark RC 29 - Review-11 Scott Spark RC 29 - Review-10 Scott Spark RC 29 - Review-9 Scott Spark RC 29 - Review-8 Scott Spark RC 29 - Review-7 Scott Spark RC 29 - Review-6 Scott Spark RC 29 - Review-5 Scott Spark RC 29 - Review-4 Scott Spark RC 29 - Review-3 Scott Spark RC 29 - Review-2 Scott Spark RC 29 - Review-1 Scott Spark RC 29 2012 Scott Spark 29er - Sizechart Geometrie - Scott Spark 29 - Grafik Geometrie - Scott Spark 29
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Die neuesten Kommentare
  1. benutzerbild

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  2. benutzerbild

    chaka biker

    dabei seit 02/2005

    Mammut91
    Moin,
    Meine Schrittlänge ist 88,5 cm, aber sattelstütze relativ weit draußen und Sattel weit nach vorne geschoben, damit ich nicht zu hecklastig fahre.
    Glaube auch, dass du mit L besser kommst:
    - musst Sattel net soweit rausziehen (Problem hecklastigkeit)
    - oberrohlänge von M dürfte schon ziemlich knapp sein (evtl nötiger längerer Vorbau verschärft das Handlingproblem )
    So wäre höchstens nen kürzerer Vorbau nötig...
    Aber probieren ist natürlich immer der Goldene Weg

    Greez Julius
    Hallo Julius,
    danke für deine Antwort. Ich dachte mir das auch schon mit dem L Rahmen, konnte ja schon mal in einem XXL shop beide größen in laden fahren. Das fahren auf der eigenen Hausrunde ist aber wiederum etwas anderes. Habe mich aber auch auf dem L Rahmen etwas woler gefühlt und notfalls wird ein kürzerer Vorbau montiert. Ich werde es die Tage erleben wie es sich fährt, kann mir ja eines zum testen abholen.
    Hast du schon einmal die verbauten laufräder gewogen und wie sind sie so von der steifigkeit her?

    Gruß
    Werner
  3. benutzerbild

    Mammut91

    dabei seit 08/2010

    :D Nein gewogen habe ich sie noch nicht, aber ich fahre sie tubeless und das bike fährt sich so angenehm spritzig, bzgl steifigkeit merkst natürlich den Unterschied zu 26ern, aber im Vergleich zu anderen 29ern fühlt es sich schon ziemlich gut an (diese syncros xr 1.5)
    Greez
  4. benutzerbild

    sommers.at

    dabei seit 12/2008

    Gewicht syncros xr 1.5 (von meinem neuem scale premium 29 - anderer Achstandard als beim Sparc):
    Hinterrad 10 mm RWS (inkl. Felgenband) - 885 gr
    Vorderrad 15 mm (inkl. Felgenband) - 799 gr

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