HomeMagazinMenschenInterviewsDie Zukunft des Mountainbikes – ein Interview mit den Specialized-Machern — 28. Oktober 2012 14:28

Die Zukunft des Mountainbikes – ein Interview mit den Specialized-Machern

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Brendon Sloan ist Produkt-Manager bei Specialized – eine Position, in der er durchaus über Trends am Mountainbike mitentscheidet. Wohin er und sein Kollege Sam Benedict unser aller Sportgerät in Zukunft pushen werden, erfahren wir im Interview.

MTB-News.de Brendon, stell Dich doch ganz kurz vor!

Brendon Sloan: Hi, ich bin Brendon Sloan, und mein Job ist offiziell “Director of Highend-Mountainbikes” bei der Firma Specialized. Ich lebe in Morgan Hill, einem verschlafenen Ort südlich von San Francisco in Kalifornien. Meine Arbeitsgruppe baut im Grunde alle Gravity Bikes, Twentyniner und die Stumpjumper-Modelle. Früher bin ich viel XC- und DH-Rennen gefahren heute zeige ich ab und zu bei Enduro-Rennen die Nase und schlage mich ganz passabel.

Brendon Sloan, Director of Highend-Mountainbikes
# Brendon Sloan, “Director of Highend-Mountainbikes”

Auf welches Rad bist Du in der 2013er Kollektion besonders stolz?

Das wird ein enges Rennen zwischen dem neuen Enduro und dem Aluminium-Camber. Beim Camber haben wir vermutlich den größten Schritt in Sachen Fahrqualität gemacht, und es ist ein Highlight, weil man ein so gutes Fahrrad für einen richtig guten Preis kriegt. Der neue Hinterbau, bei dem wir einen Drehpunkt einsparen konnten, den Dämpfer mit einer Verlängerung auf Kugellagern laufen lassen… das fährt sich ziemlich gut.

Neu am Camber: Geteilter Drehpunkt.
# Neu am Camber: Geteilter Drehpunkt.

Damit bietet es eigentlich alles, was man von unseren teureren Bikes, also Enduro und Stumpy, kennt, zu einem günstigeren Preis. Aus purem Eigensinn muss ich aber eben auch sagen: Das neue Enduro. Das ist einfach die Art von Mountainbiken, wie ich sie liebe, und ich denke das Enduro ist uns einfach gut gelungen.

Wenn wir uns das neue Enduro anschauen, sieht man auf den ersten Blick keinen riesigen Schritt zum Vorgänger. Was macht es denn für den Mountainbiker da draußen zu einem besseren Bike?

Da hast Du recht, und es war auch eines unserer Ziele, die Optik, das Image des Bikes beizubehalten. Deshalb haben wir die Rohrformen, den sogenannten X-Shape des Rahmens, vom Vorgänger übernommen. Die größten Änderungen am Bike sollen dagegen dafür sorgen, dass es ein besseres Bike für Enduro-Rennen wird. Die sind in Europa schon jetzt ein Riesen-Trend, und auch in den USA entwickelt sich da momentan einiges. Wir wollten deshalb ein Bike bauen, das sich effizienter pedalieren lässt und reaktionsfähiger ist, mehr Feedback gibt. Wenn Du Dich aus einer Kurve rausdrückst – eine klassische Rennsituation – sollte das Rad nicht wegsacken, wie es das alte Bike gerne mal gemacht hat. Gleichzeitig sollte es aber natürlich im Downhill weiterhin sehr fähig sein.
All das haben wir durch eine Anpassung der Kinematik erreicht, im Ergebnis ist das Bike im mittleren Federwegsbereich linear auf höherem Niveau, und verfügt über mehr Endprogression.

Der schöne Teil des Jobs: Trails fahren...
# Der schöne Teil des Jobs: Trails fahren…

Wenn man Enduro-Racing hört, denkt man vielleicht auch an einen flachen Lenkwinkel. Mit 66,5° ist er nicht steil, aber auch nicht so richtig flach – was ist hier die Philosophie?

Weißt Du, wir bauen schon seit einigen Jahren Enduro-Mountainbikes, wir sind auf dem Gebiet sicher nicht neu. Unsere Erfahrung: Du kannst viele Argumente für flachere, aber auch für steilere Lenkwinkel finden, aber das Bike muss anpassbar sein, und für vieles geeignet: Anstiege, flache Abfahrten, Steilstücke. Deshalb haben wir keinen Downhill-Lenkwinkel, sondern einen dazwischen, Enduro eben: Uphill & Downhill.

... mit Freunden am Lagerfeuer...
# … mit Freunden am Lagerfeuer…

Wenn das Rad anpassbar sein soll, warum bietet ihr dann keine verstellbare Geometrie an?

Wir haben früher verstellbare Geometrien gebaut, Tretlagerhöhe, Lenkwinkel, all das Zeug. Aber über die Jahre sind wir davon abgekommen und bieten heute lieber ein einfaches, funktionierendes Paket an. Eine Geometrie, und die funktioniert. Wir glauben davon, dass sie ideal für eine große Breite von Fahrern ist. Natürlich ist sie nicht für jeden einzelnen perfekt, das hängt ja von deinen Überzeugungen und Vorlieben ab, aber auf diese Art und halten wir das Bike schlicht und funktionell. Außerdem spart es etwas Gewicht und ist sehr einfach zu verstehen, man weiß, womit man es zu tun hat.

... Hotdogs grille...
# … Hotdogs grillen…

Specialized ist ja für kurze Hinterbauten bekannt. Woran liegt das?

Wir mögen den kurzen Hinterbau, das machen wir schon seit ich bei Specialized bin, also seit der 2001er Kollektion. Kurze Kettenstreben machen das Rad verspielt, es geht leichter in den Manual und über Absätze hinweg. Dafür bauen wir recht lange Hauptrahmen, um den Radstand auf ein “normales” Niveau zu heben. Das kurze Heck sorgt für ein verspieltes, handliches Fahrverhalten, und man hat das Hinterrad direkt unter Kontrolle. Den Vorteil spürst Du auch, wenn Du über Wellen pumpst um Geschwindigkeit mitzunehmen. Das Gefühl ist direkter, und Du kriegst mehr Feedback vom Hinterrad, wenn Du so willst.

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Wenn man das Konzept des langen Hauptrahmen auf die Spitze treibt, landet man bei der Forward-Geometry von Mondraker. Was denkst Du darüber?

Da haben wir natürlich schon genau hingeschaut, und wir probieren ja selbst auch alle möglichen Geometrien und Rahmenkonstruktionen. Ich bin das Foxy noch nicht gefahren, aber es ist natürlich eine coole Idee und einige meiner Freunde fanden das Konzept ganz schön interessant, wir werden sehen! Das endet dann wie am Motorrad, was den Vorbau angeht. Es macht Spaß, da rumzuspielen, man muss nur wirklich alle geänderten Parameter betrachten. Wenn man einfach nur den Hauptrahmen verlängert, wird der Radstand sehr lang! Das ist in manchen Situationen von Vorteil, in anderen wiederum nicht. Aber wenn jemand an alle Details denkt und das mit gutem Grund macht, dann können wir solche Konzepte nur unterstützen. Im Grunde gehen wir ja schon ein bisschen in die Richtung: Kurzes Heck, längerer Hauptrahmen.

... und noch mehr Trails fahren.
# … und noch mehr Trails fahren.

Hauptrahmen-Länge ist ein guter Punkt: Für 2013 habt ihr den XL-Rahmen gestrichen, kompensiert ihr das mit den anderen Größen?

Naja, Rahmenlängen sind eine ganz schön schwierige Geschichte. Manchmal hat man eine “Lücke” im Programm, damit sich die Leute entscheiden müssen – aber eben auch können. Will ich den längeren oder den kürzeren Rahmen? Insgesamt wollen wir natürlich mit möglichst wenigen Rahmen einer möglichst großen Breite von Fahrern passen. Da probiert man von Jahr zu Jahr, und manchmal kriegt man es perfekt hin, und manchmal nicht – wir hoffen natürlich, nächstes Jahr trotz einer Rahmengröße weniger den Leuten besser zu passen.

Wir wissen, dass Du schon ziemlich lange mit Ritzeln mit 9 Zähnen herumspielst, um mit einer 1X10 Übersetzung alles fahren zu können. Jetzt hat Sram die XX1 vorgestellt – ist Sie das, was Du dir gewünscht hast?

Die ist cool! Wir waren in die Entwicklung schon recht lang mit einbezogen, zwar nicht direkt beteiligt, aber doch dabei. Anfangs haben wir versucht eine DH-Gruppe mit MicroDrive zu entwickeln, wie sie auch jetzt an unserem limitierten Demo zu haben ist. Jedenfalls fahren ja schon jetzt einige Leute 1fach Systeme und genießen die Vorteile der Einfachheit, Sicherheit und Optik. Mit der XX1 kriegst Du jetzt eine größere Übersetzung und einige ziemlich geniale Merkmale. Für mich mit das beste ist das neue Kettenblatt mit den abwechselnd breiten Zähnen, was die Kette sicherer führt. Sehr einfach, aber sehr clever.

Laut Sram funktioniert das sogar ohne Kettenführung – Du hast eurem Enduro trotzdem eine verpasst, warum?

Wir haben die XX1 am Epic S-Works, am S-Works Hardtail und am S-Works Enduro. Am Hardtail und am Epic verbauen wir sie ohne Kettenführung, am Enduro mit. Wir konnten die XX1 nicht lange fahren, aber das Kettenblatt hatten wir ziemlich lang im Einsatz. Es hält die Kette tatsächlich schon wirklich gut, weshalb wir denken, dass das für den XC Einsatz reicht.

Trotz guter Funktion sorgt eine leichte Kettenführung für absolute Sicherheit.
# Trotz guter Funktion sorgt eine leichte Kettenführung für absolute Sicherheit.

Am Enduro ist die Sache ein bisschen anders: Heftigere Schläge und weniger Treten – gleichzeitig darf die Kette wirklich auf keinen Fall runterfallen, deshalb haben wir dem ohnehin schon sicheren Sram-System einfach noch eine super leichte, obere Kettenführung zur Seite gestellt.

Werden wir denn in Zukunft mehr Getriebeschaltungen sehen, oder bleibt die Kettenschaltung das Maß der Dinge?

Das wird sicher noch eine Zeit dauern. Die Hammerschmidt war ja schon mal ein guter Vorstoß, mit einigen Vorteilen, aber leider auch einigen Nachteilen. Das ließe sich sicher noch optimieren, aber erstmal ist cool, dass SRAM das überhaupt gewagt hat. Auch hier muss man neues probieren, aber ich denke weil die Kettenschaltung über viele Jahre perfektioniert wurde ist sie ziemlich schwer zu schlagen.

Deine Meinung zu Pinion?

Ich bin das Getriebe noch nie gefahren, deshalb ist es schwierig, dazu etwas zu sagen. Das Teil hat Potential, und sah auf der Eurobike schon ganz schön gut aus. Ich habe gute, interessante Dinge darüber gehört, bin aber noch nicht sicher ob es wirklich schon so weit ist, sich breiter durchzusetzen.

Ein weiteres spannendes Thema ist die Radgröße. Nächstes Jahr gibt es das Epic, das Stump Hardtail und das Camber nur noch mit 29″. Ist das nicht riskant?

Ich denke nicht. Bei den genannten Bikes sind 29″ die bessere Wahl, und zwar für jeden Mountainbiker. Die Bikes fahren sicherer, schneller, komfortabler. Wir haben schon in den letzten Jahren in diese Richtung gearbeitet, und 2013 ist auch der Markt, egal ob in den USA oder Europa, für die Twentyniner endgültig bereit. Das ist definitiv die richtige Radgröße für diese Kategorie.

Habt ihr auch eine Lösung für wirklich kleine Fahrer, die in Steilstücken bergab nicht hinter den Sattel kommen, oder viel mehr auf dem großen Reifen aufsitzen?

Nun, das Rad ist natürlich größer, und wenn Du einfach so weiterfährst wirst Du dir vielleicht deine Hose am Reifen reiben. Der Punkt ist aber: Du musst gar nicht mehr so weit nach hinten gehen, wie mit dem Twentysixer. Wenn Du eine Lösung hören willst: Wir hatten echt Probleme, die von uns so geliebten kurzen Kettenstreben am Twentyniner umzusetzen, Du brauchst ja auch noch Platz für den Umwerfer, etc. . Ich denke aber das wir inzwischen echt eine funktionelle Geometrie gefunden haben, die die Vorteile aus beiden Welten vereint: Handlich und laufruhig.

Specialized: Twentyniner für alle, egal ob groß oder klein.
# Specialized: Twentyniner für alle, egal ob groß oder klein.

Das besondere bei uns: An allen kleinen Rahmengrößen, besonders der ganzen Frauen-Kollektion, haben die Twentyniner identische Maße was Schrittfreiheit, Sattelhöhe, Lenkerhöhe angeht, teils sogar niedriger. Und auch am neuen Camber hat der 29er nur 1mm weniger Schrittfreiheit als der 26er vom letzten Jahr. Am Hauptrahmen wirst Du also kaum einen Unterschied spüren. Kleine Fahrräder profitieren dann genauso von der erhöhten Laufruhe, wie es große Fahrer tun. Viele andere Marken meinen, Twentyniner seien für kleine Rahmengrößen nicht zu machen, aber weißt Du: Da musst Du einfach ein bisschen mehr Hirnschmalz reinstecken. (Lacht) Es ist natürlich viel einfacher etwas anderes anzupassen, als kleine Twentyniner zum funktionieren zu bringen; zum Beispiel könnte man extra eine neue Radgröße erfinden um Platz zu schaffen.

Die angesprochenen Platzprobleme werden natürlich mit wachsenden Federwegen größer. Was würdest Du sagen: Wie viel Federweg lässt sich mit Twentyninern realiseren? Werden wir auch ein Enduro mit 29ern sehen?

Vor ein paar Jahren haben wir gedacht, dass es nicht möglich wäre, ein 29er Stumpy Evo (mit 140mm Federweg, Anm. d. Red.) so handlich und spaßig wie das 26″-Bike zu bauen. Vor einigen Jahren. Dann ziehen die Jahre ins Land, die Geometrien ändern sich, und heute haben wir genau das Bike.

Also: Bis wie viel Federweg kann man gehen? Heute sind wir bei 140mm, da kann ich mir gut vorstellen, dass 150, 160 auch gehen. Vielleicht sogar 170, wer weiß. Aber möglich ist es auf jeden Fall, und es wird auch definitiv kommen.

Typisch USA - große Trucks auch bei Specialized
# Typisch USA – große Trucks auch bei Specialized

Twentyniner verbreiten sich rasend, sodass man sich bald so gut dran gewöhnt hat, dass nicht mehr sie, sondern die 26″ Räder ungewöhnlich aussehen. Werden 26″-Bikes bald zur Rarität, oder durch 650B ersetzt?

Das ist eine Möglichkeit. 650B greift einige der Vorteile von Twentyninern und von 26ern auf. Deshalb könnte es auf Dauer Sinn machen, 26″ zu ersetzen. Aber 26″ waren so viele Jahre auf dem Markt, sind so verbreitet auf der ganzen Welt, weshalb Du deinen Lieblingsreifen in deiner Lieblingsmischung und sogar deiner Lieblingskarkasse wählen kannst, was natürlich ein Vorteil ist. Das wird einige Jahre dauern, bis sich daran etwas ändert, aber es kann sicher passieren, weil RockShox, Fox, und natürlich diverse Laufrad- und Reifenhersteller auf dem Zug sitzen.

Wenn wir nicht schon viele Jahre Geschichte geschrieben hätten, wer weiß, vielleicht wäre 650B von Anfang an die bessere Laufradgröße gewesen, und man müsste heute nicht mehr umsteigen. Aber wir haben das nicht, und 26″ haben Geschichte geschrieben.

Während 26″ stark etabliert waren, gab es an anderen Stellen verschiedenste Standards, und auch Specialized hat schon Achs-Standards erfunden. Setzt sich da irgendwann mal einer durch?

Es sieht so aus als würde 12X142mm das Rennen machen. Es ist natürlich Glück, wenn sich ein guter Standard durchsetzt. Leider machen wir nicht so viele Fortschritte, wie wir machen könnten, der 15mm Steckachs-Standard am Vorderrad zum Beispiel: Da ist zwar die Achse dicker, aber der Flanschabstand gleich zu einem 9mm Rad. So eine Chance für ein steiferes, stabileres Laufrad zu vergeben, ist echt schade. Auf diese Art und Weise kriegst Du ein bisschen Steifigkeit aus der Achse, aber viel Gewicht, und die Laufradsteifigkeit bessert sich gar nicht, was traurig ist. Aber es ist wie es ist, der Standard hat sich wohl etabliert, aber hoffentlich gibt es in der Zukunft einen intelligenteren Standard.

Deshalb kamen wir auch mit 142+ als Standard, bei dem wir die Speichenflansche auf beiden Seiten um einige Millimeter nach außen schieben konnten, was den Speichenwinkel verbessert und das Laufrad haltbarer macht.

Schnellschüsse

  • Der beste Trail der Welt: Sind meine Local-Trails, die Santa Cruz Mountains.
  • Die größte Innovation der letzten 10 Jahre am Mountainbike: Scheibenbremsen oder Teleskopstützen, such Dir eins aus.
  • Du hast einen Wunsch frei um dein Mountainbike zu verbessern – welchen Traum realisierst Du? Nur ein Wunsch? Wenn ich einen Wunsch hätte, wäre es mein Job den zu realisieren. Meine Verantwortung. Ich hoffe, dass ich alles, was ich mir erträumen kann, in den nächsten Jahren umsetzen kann.
  • Der beste Ort zum Reisen: Sicherlich Whistler, British Columbia.
  • Lieblingsessen: Dr. Pepper
  • Lieblingsfahrer: Boah, da gibt es so viele… und wenn ich einen vergesse, bringt er mich um! Lieber nicht!
  • Anzahl eigener Fahrräder: 2 – nur die, mit denen ich früher XC-Rennen gefahren bin. Dann habe ich bei Specialized angefangen und fahre nur noch Räder Probe – alle zwei, drei Monate gibt’s etwas neues, nichts bleibt lange gleich, außer meinem alten Hardtail.
  • Clicks oder Flats? Immer eingeklickt.

Sam, Du bist Mountainbike Product Marketing Direktor – was machst Du als solcher?

Sam Benedict: Ich verkaufe das Zeug, was der Kerl sich hier ausdenkt! (Lacht) Mein Job ist die Schnittstelle zwischen den Technikern und den Verkäufern. Zum Teil denken sich Ingenieure, Produktmanager oder Designer Sachen aus, die nicht sofort zu verstehen sind, und da komme ich ins Spiel, ich verdeutliche die Sachen sozusagen.

Specialized ist für Systemintegration bekannt – erklär einem Bastler die Vorteile davon.

Viele Leute könnten meinen, dass die Bikes dadurch komplizierter werden, weil neue Standards entstehen. Wir denken darüber anders. Wir wollen das bestmögliche Bike machen. Wenn Du die Möglichkeiten hast, eigene Laufräder, Lenker, Sättel, … zu bauen, gibt Dir das die Möglichkeit diese Teile zusammenzufügen. Nimm unsere Naben: Wir vergrößern die Kontaktfläche zwischen Laufrad und Gabel / Rahmen. Das sorgt für mehr Steifigkeit. Ist zwar eine Kleinigkeit, aber wenn Du genügend Kleinigkeiten machst, wird das Gesamtprodukt deutlich besser.

Sam Benedict, Produkt-Marketing
# Sam Benedict, Produkt-Marketing

Wenn das so gut ist, warum kommen die spezialisierten Hersteller – für dein Beispiel nehmen wir mal DT Swiss – nicht auf die Idee?

Ich denke nicht, dass sie das nicht wollen, aber manchmal ist man zu fokusiert auf sein eigenes Geschäft. Bei DT vermutlich auf Laufräder und etwas Federung, aber eben auf ein paar kleine Komponenten. Wir schauen hier auf das große Ganze. Manchmal reicht die andere Perspektive um so etwas besser zu erkennen. Die Jungs machen geniale Produkte, aber ich denke wir haben einen anderen Überblick über das Gesamtpaket.

2007 hatte Specialized sogar eine eigene Federgabel im Enduro angeboten – davon seid ihr aber wieder ab. Woran liegt’s?

Wir haben eine ganze Weile unser eigenes Federungsprogramm betrieben. Das lustige ist: Wir hatten das gar nicht vor. Aber wir mussten. Wir wussten, in welche Richtung wir die Entwicklung sehen wollten, wussten, was möglich ist, aber keiner hat’s gemacht. Wir konnten einfach nicht das passende kriegen, also haben wir es selbst gemacht. Wir hatten einige Erfolge, aber eben auch einige Rückschläge, haben viel dabei gelernt. Inzwischen haben sich Partnerschaften mit Fox, RockShox und CaneCreek entwickelt, nutzen unsere Ideen und deren Wissen über die Herstellung – dadurch entstehen am Ende sogar bessere Produkte. Am Ende denke ich, dass unser Gabel-Vorstoß andere Hersteller animiert hat, das nächste Level zu erreichen. Davon profitieren alle!

Die XX1 Kassette - sicher auch auf Input von Specialized entstanden.
# Die XX1 Kassette mit kleinem 10er Ritzel – auch auf Input von Specialized entstanden.

Damit nicht genug: Ihr hattet sogar einen eigenen Vorderachs-Standard!

Ja, 2007 hatten wir eine 25mm Achse. Ich persönlich denke, das war eines der besten Designs. Super steif, super leicht. Wir bauen es nicht mehr, aber das heißt nicht, dass wir nichts dabei gelernt haben.

Werden wir in Zukunft wieder eigene Standards sehen, mehr eigene Standards, so dass ein Specialized ein Komplettbike ist, an dem ich nicht mehr viel ändern kann oder will?

Wir wollen die Leute nicht verärgern, sondern einfach nur das Limit des machbaren etwas nach oben drücken. Wenn wir dazu zu eigenen Teilen greifen müssen, machen wir auch das. Wir wollen Innovation. Was wir gelernt haben, ist, dass die Zusammenarbeit mit anderen Firmen extrem produktiv sein kann. Ich kann nicht ausschließen, dass wir auch in Zukunft wieder eigene Ideen umsetzen werden, aber ich kann Dir versprechen: Wir werden immer das bestmögliche Bike bauen.

Am neuen Enduro kann ich beispielsweise nicht jeden beliebigen Dämpfer fahren – ihr hättet aber auch ein kompatibles System entwickeln können, oder?

Das stimmt. Aber weil wir an unserem System festhalten, verstehen mehr und mehr Hersteller den Sinn dahinter und arbeiten mit uns zusammen. So gibt es inzwischen passende Fox, RockShox und CaneCreek-Dämpfer. Glaub mir: Die Dämpfer in den Bikes sind da schon gut für gemacht. Für uns überwiegen einfach die Vorteile, und ich denke, dass die von uns verbauten Dämpfer niemanden abhalten sollten, unsere Räder zu fahren.

Eine Deutsche Firma, Bergamont, setzt eure Vorteile um und kombiniert sie mit einem austauschbaren Dämpfer…

Uh, das wusste ich nicht. Ich bin schon mal ein Bergamont Probe gefahren, aber die Lösung habe ich noch nicht gesehen. Ich vermute aber, sie ist nicht ganz so schlicht und leicht wie unsere. Aber wenn Sie einen Weg gefunden haben, mit normalen Dämpfern zu harmonieren, ist das natürlich cool!


Enduro Evo 2013 in natürlichem Lebensraum

Ihr habt das SX Trail durch das Enduro Evo ersetzt. Was sagen die Kunden?

Naja, der Name ist verschwunden, aber die Idee bleibt ja: Ein haltbares, spaßiges Freeride-Bike mit Einfachbrückengabel. Aber die Reaktionen auf das neue Enduro EVO fallen sehr positiv aus. Mir ging es übrigens genauso: Ich habe das SX-Trail echt gemocht, aber dann bin ich das Enduro Evo gefahren :)

Gleichzeitig ist auch das SX als 4X-Bike rausgefallen, jetzt gibt es das P.Slope. Ein echter Ersatz?

Das alte SX war ein sehr beliebtes Bike bei 4X-Fahrern. Einfach weil es ein sehr spaßiges Bike ist. Aber wir haben natürlich, genau wie beim SX-Trail, an all die Leute gedacht, denen solche Räder Spaß machen. Auch hier glaube ich: Die neuen Modelle werden nicht enttäuschen.


Specialized P.Slope auf der Eurobike 2012

Ein Kommentar zu den Sattelstützen, die Brendon und Buck durch die Gegend fahren?

Haha, gutes Auge, dass Dir die aufgefallen ist. Die CommandPost ist natürlich extrem wichtig für uns, und wir glauben an ihre Technik. Was Du hier gesehen hast, wird wohl eines Tages kommen, aber ich kann Dir nicht sagen, wann genau.

Arbeitet ihr auch an dem Geräusch, das die CommandPost macht, wenn sie anschlägt?

Dir gefällt der Anschlag nicht? Das ist gut zu wissen, weil wir darüber diskutiert haben. Wir haben ihn leiser gemacht, aber absichtlich da gelassen, damit Du weißt, wann der Sattel oben ist. Wenn Du das nicht weißt, ist es auch ärgerlich.

Alles klar ihr zwei, irgendwelche letzten Worte?

Danke, das Ihr nachgefragt habt. Viel Spaß auf den Trails, und wir sind gespannt, was die Zukunft bringt…

Sam, Brendon – Danke fürs Gespräch!


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