HomeMagazinMenschenInterviewsEvery Day Girls #2: was Männer können, können Frauen schon lange [Interview - Tahnée Seagrave] — 30. Oktober 2012 13:35

Every Day Girls #2: was Männer können, können Frauen schon lange [Interview - Tahnée Seagrave]

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Das Kurz-Interview mit Micayla Gatto machte gestern den Anfang unserer vierteiligen Serie “Every Day Girls”. Inspiriert vom gleichnamigen Shimano Saint-Werbeclip stellten wir uns die Frage, wie es den Damen, die wir hier präsentieren, gelungen ist, sich in einer Männerdomäne so gekonnt und erfolgreich durchzusetzen. Wir hoffen mit dieser Serie die weiblichen Leserinnen hierzulande ermutigen zu können, den Vorbildern dieses Artikel nachzueifern. Die Gesprächspartnerin des heutigen Kurz-Interviews ist keine Geringere als die 17 Jahre junge Juniorinnen Vize-Weltmeisterin im Downhill: Tahnée Seagrave.

Dass Tahnée sich im MTB-Sport einen Namen machen wollte, schien sie sich wohl schon in jungen Jahren in den Kopf gesetzt zu haben. Im Alter von 13 Jahren veröffentlichte sie ihr erstes Video, dass sie beim Bikepark-Shredden in Morzine/Frankreich zeigt. Schon dieses erste Video veröffentlichte sie unter dem Titel “FMD”, was für “Follow My Dream” steht. Bis heute fährt sie unter dem Team-Namen “FDM Racing” und ist ihrem Projekt über 4 Jahre treu geblieben. Neben einigen beeindruckenden Ergebnissen im Downhill World Cup schaffte es die junge Britin, dieses Jahr auf den zweiten Platz der Juniorinnen bei den MTB Downhill-Weltmeisterschaften in Leogang zu fahren.

Bekannt wurde Tahnée jedoch schon vor ihrer “Karriere” als Downhill-Rennfahrerin. Die in Frankreich lebende Schülerin zeigte vor zwei Jahren, dass ihr das Talent auf dem Zweirad wohl in die Wiege gelegt wurde. Das Video zeigt die damals 14-jährige bei einigen beeindruckenden Downhill- und Sprung-Manövern auf einer der anspruchsvollsten Downhill-Strecken der Welt: der WM-Strecke von 2011 in Champery. Das Video sorgte in der Gravity-Szene weltweit für Aufsehen und brachte Tahnée schnell zu einiger Bekanntheit. Wir fragten nach, was bei ihr den Reiz am Mountainbike-Sport ausmache und warum sie nicht vor typisch unüberlegten Männeraktionen zurückschrecke.

Tahnée Seagrave – Steckbrief

  • Geboren in: South London, Großbritannien
  • Geboren am: 15 Juni 1995
  • Wohnhaft in: Morzine, Frankreich
  • Nationalität: Britin
  • Radsport seit: BMX im Alter von 11 Jahren, MTB seit dem zwölften Lebensjahr
  • Hobbies: BMX, Skiing, Snowboarding, Wakeboarding und ihr Honda CR80 Motocross-Moped
  • Sponsoren: Intense Cycles, FoxHead Europe, Marzocchi, Hope Technology, Schwalbe Tires, MRP, Renthal Cycle Products, Goodridge, FiveTen, Oakley Eyewear


# Tahnée Seagrave in Leogang


# Tahnée Seagrave auf dem Weg zur Vize-Weltmeisterin

Kurz-Interview mit Tahnée Seagrave

MTB-News.de: Hallo Tahnée, auch wenn du es schon zu einem gewissen Ruhm gebracht hast, würde es uns freuen, wenn du dich unseren Usern kurz vorstellen könntest.

Tahnée: Hey MTB-News, also gut. Nun, ich bin ein ganz normales 17jähriges Mädchen – ich geh zur Schule, fahre Fahrrad und mache die Sachen, die ich mag!

War es schon immer dein Traum professionelle Mountainbikerin zu werden?

Nun ja, ich habe schon immer sehr viel Sport gemacht und auch immer heimlich davon geträumt, in meinem Sport die Beste zu sein. Irgendwann habe ich mich ins Biken verliebt und nun hoffe ich, irgendwann davon leben zu können.

Was fiel dir denn am schwersten, deinen Plan eine Profi-Fahrerin zu werden in die Tat umzusetzen?

Irgendwie ist mir nie irgendetwas wirklich schwergefallen. Ich bin noch recht jung und es kam oft alles wie von selbst, natürlich auch weil mich schon immer viele Leute unterstützt haben, wofür ich sehr dankbar bin. Ich denke aber, dass es am schwersten ist, sich “Eier” wachsen zu lassen um einfach mal die Bremsen aufzumachen. “grins”

Hast du dich in dieser Männerdomäne denn niemals in irgendeiner Art allein gefühlt – auf dem hohen Niveau, auf dem du dich bewegst?

Als ich noch jünger war hatte nie jemanden, mit dem ich mich messen konnte. Als ich jedoch alt genug war, um an der nationalen französischen Rennserie teilnehmen zu dürfen, bildete sich eine kleine Gruppe an Mädels, die sich gegenseitig pushten. Es war jedoch das Training mit den älteren Jungs, das mich letzten Endes zu einer besseren Fahrerin machte.

Du fährst besser als der männliche Durchschnitts-Fahrer dort draußen. Hattest du jemals Probleme mit Jungs, die dir dein Können missgönnt haben?

Das ist schon lustig, ja. Wenn ich auf meinen Local Trails unterwegs bin, treffe ich öfters Jungs, die mich zu einem Rennen herausfordern wollen. Ich spiele mit und biege dann heimlich einfach irgendwo ab, um abzuhauen. “lacht”

Wer hat dich denn am stärksten unterstützt, um deinen Traum wahr werden zu lassen?

In jedem Sport, den ich bisher gemacht habe, waren immer meine Eltern meine größte Hilfe. Bei ihnen kann ich mich darauf verlassen, dass sie immer hinter mir stehen werden und mich in allem unterstützen, was ich mache. Auch ihrer Aufopferung habe ich es zu verdanken dort zu sein, wo ich jetzt bin. Ebenso geht ein Gruß an dieser Stelle an Vanessa Quin und Nigel Page, die mir zu meinem ersten baby-blauen Bike verholfen haben. Und natürlich danke ich auch all meinen Sponsoren, die es heutzutage ermöglichen, meine Träume war werden zu lassen.

Es hat den Anschein, als gäbe es in Europa viel weniger gute Gravity-Bikerinnen als in Übersee. Kannst du das bestätigen – falls dem so ist, woran könnte das liegen?

Da bin ich mir nicht so sicher. Man findet überall auf der Welt schnelle Frauen. Die Französinnen haben den DH-Sport die letzten beiden Jahre schon stark dominiert. Anderseits fahren viele der kanadischen Mädels nicht den gesamten World Cup, da das ganze so teuer ist. Ich persönlich denke nicht, dass es irgendetwas mit der Nationalität zu tun hat, solange der Sportler an seinen Zielen festhält und sich dafür opfert.

Aber eins scheint wirklich Fakt zu sein: dass Mädels deutlich mehr Probleme haben große Sprünge zu springen als Jungs. Geht dir das genauso?

Haha, es wird sich wohl nie ändern, dass immer Jungs die Ersten sind, die sich über einen großen Sprung schmeißen. Erstens können Frauen physisch einfach nicht so stark und widerstandsfähig sein wie Männer und zudem handeln Frauen meiner Meinung nach kalkulierter [siehe Video #1 zu dieser Aussage]. Das Level der Frauen im World Cup wird jedoch kontinuierlich besser und immer mehr Frauen springen große Sprünge und entscheiden sich für schnellere Linien.

Wenn du anderen Mädels und Frauen einen bestimmten Rat mit auf den Weg geben könntest, welcher wäre das?

Wenn du eine Sache wirklich willst, dann schaffst du es auch. Es hängt immer davon ab, wie sehr du es willst – das habe ich auch erst vor noch nicht all zu langer Zeit gelernt.

Vielen Dank und alles Beste für die Zukunft! Die letzten Wörter gehören dir:

Ich möchte allen danken, die mir meine erste World Cup Saison so erfreulich gemacht haben.

Sehenswerte Videos von Tahnée Seagrave

Den dritten Teil von “Every Day Girls” setzen wir morgen mit einem Kurz-Interview jener jungen Dame fort, die Tahnée in Leogang auf den zweiten Platz versetzte: die amtierende Juniorinnen DH-Weltmeisterin Holly Feniak aus Kanada.

Weitere Infos zu Tahnée findet ihr hier:

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Text: Maxi Dickerhoff / Bilder: Benni Klose


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