Die UCI scheint sich im MTB-Bereich mehr und mehr auf die XC-Disziplinen zu konzentrieren zu wollen, einen Abbruch an der Beliebtheit von Gravity-Events hat dies bisher jedoch nicht zur Folge gehabt. Im Gegenteil: Neben dem DH-Weltcup, haben sich die IXS-Serien etabliert, Enduro-Events boomen und auch der Neustart der 4X-Szene jenseits des Weltcups kann durchaus als gelungen bezeichnet werden.

Im kommenden Jahr wird die Pro Tour unter anderem wieder Station in Szczawno Zdroj, Fort William und Val di Sole machen. Hinzu kommt wohl die jüngst von Tomas Slavik errichtete Strecke in Jablonec nad Nisou [Bericht]. Das die Events erneut eine Vielzahl an Zuschauern anziehen werden – von den Fahrern ganz zu schweigen -, darf aufgrund der stets gebotenen Spannung vermutet werden.

Grund genug, sich einmal im Hardtail-Bereich umzuschauen. Denn nach wie vor gibt es Firmen, die in die Zukunft des Sports investieren und mit allerhand Neuerungen aufwarten. Eine dieser ist die in Berlin beheimatete Firma NOX. Im vergangenen Jahr überraschten sie auf der Eurobike mit einem Carbon-Hardtail, welches explizit auf die Verwendung im 4X und auf Dirts ausgerichtet war. In dieser Saison hat es sich vor allem beim Pro-Tour-Stop in Schottland bewährt. Was das Phoenix D4X getaufte Rad kann, wollten wir in einem ausführlichen Test wissen. Tatkräftige und fachlich fundierte Unterstützung fanden wir dabei bei Rick Schubert, dem neuen Mann hinter Fourcross.tv, mit welchem wir den kleinen Berliner zum Test gebeten haben. Hier ist sein Eindruck:

# Das NOX Phoenix D4X.

Die Berliner Firma NOX ist für ihr eher konventionelles und schlichtes Design bekannt, jedoch haben die Hauptstädter schon 2011 auf der Eurobike in Friedrichshafen eine komplett neue Seite von sich zum Vorschein gebracht. Mit einem Carbon 4X-Bike, welches auf den Namen Phoenix D4X hört, bricht das neue Design auf den ersten Blick mit allen bekannten straighten Linien der Marke.

Da Carbon stark im Vormarsch in den Gravitydisziplinen ist, habe ich es mir nicht nehmen lassen, das Rad auf Herz und Nieren zu testen. Wirft man einen Blick auf das Rad wird schnell klar, dass hier klar auf Performance gesetzt wird. Es werden, vor allem gewichtstechnisch, nur wenige Kompromisse eingegangen und wenn, dann doch nur zugunsten des Bikehandlings.

Unser Testbike ist wie folgt ausgerüstet.

  • Rahmen: Nox Phoenix Carbon D4X Team
  • Federgabel: Rock Shox Reba RL 100mm 15mm
  • Laufräder: Mavic Crossmax SX 100/15mm 135/12mm
  • Steuersatz: Nox Semi Set
  • Bremsen: Sram X0 black
  • Bremsscheiben: Avid Rotos 180mm/160mm
  • Kurbel: Sram X0 DH 170mm 38T
  • Pedale: Nox Snapper
  • Trigger: Sram X9
  • Kassette: Sram PG-1070, 11-28, 10 speed
  • Kette: Sram PC-1031
  • Schaltwerk: Sram X0 short cage
  • Vorbau: Truvativ Holzfeller
  • Lenker: Schmolke Carbon Lowriser DH
  • Griffe: Nox
  • Kettenführung: eThirteen LG1 Plus, ISCG 05, black
  • Sattel: Selle Italia SL-XC white
  • Sattelstütze: Truvativ Noir T30
  • Reifen: Schwalbe Rocket Ron Pace Star 2.25
  • Rahmengröße: S
  • Farbe: Melon / Black

# Der Antriebsbereich des Phoenix D4X macht einen soliden Eindruck.

# Die Ausfallenden lassen sich je nach Bedarf schnell wechseln.

# Carbon, wo man hinschaut. Auch der Lenker ist aus Kohlefaser gefertigt.

Blicken wir nun etwas genauer auf das Herstück des Bikes, den Rahmen. Kreisförmige Profile sucht man hier vergebens. Man findet aber gelungene und schöne Lösungen für ein cleanes und steifes Rad. Vor allem die im Rahmen verlegte Zugführung begeistert neben den Ausfallenden, die man nach Belieben tauschen kann. Des Weiteren gibt es eine Maxle-Steckachse am Heck und eine integrierte Sattelklemmung. Auf eine Lackierung wurde glücklicherweise verzichtet, so dass man sehr schön die Struktur des Carbons erkennen kann. Allerdings: In dem für NOX typischen Gelb kommen die Decals daher, welche nicht unbedingt auf Understatement setzen, sich aber schön in die Rahmenlinien integrieren.

Der in 3-K Superlight Modulus Carbon Bauweise gefertigte Rahmen besitzt ein Gewicht von lediglich 1690g (Dirt) bzw. 1740g (4X) und glänzt dabei durch enorme Steifigkeitswerte. Das komplette Rad bringt gerade mal 10,62 kg auf die Waage! Eine Ansage, bedenkt man das Gewicht der Bikes der unmittelbaren Konkurrenz.

# Das Phoenix D4X ist ein Leichtgewicht.

Die Geometrie des Rahmens ist sowohl auf Agilität wie auch auf Laufruhe ausgelegt.

  • Lenkwinkel: 68°
  • Oberrohr: 561mm
  • Steuerrohr: 120mm
  • Kettenstrebe: Dirt – 395/409mm / 4x -425mm
  • Radstand: 1053mm
  • Tretlagerhöhe: -10
  • Sitzrohrlänge: 328mm
  • Sitzwinkel: 71°
  • Tretlagergehäusebreite: 73mm
  • Sattelstützenmaß: 31,6mm
  • Achsmaß hinten: 12/135 MAXLE
  • Empf. Federweg: 80-100mm
  • Kettenführungaufnahme: ISCG 05
  • DropOuts: Maxle oder Singlespeed
  • Steuersatzmaß: 1 1/8“ semi integrated
  • Gewicht: 1690(D) / 1740(4x)
  • Rahmengröße: S

Das Einsatzgebiet des Phoenix D4X ist begrenzt und das mit Absicht. Zwar ist das Bike ausgeschrieben für Dirt und 4x, aber man merkt sofort, dass es sich hier um ein reinrassiges Racebike handelt. Dies sieht auch Christian Scholz (Product Manager NOX) so:

„Die Idee hierzu entstand vor ca. 2 Jahren in unserer Berliner Entwicklungs- und Designabteilung. Carbon ist im Bereich XC heute nicht mehr wegzudenken. Steifigkeit bei gleichzeitig geringem Gewicht sind hierbei die wohl wichtigsten Vorzüge dieses Materials. Genau diese sehen wir aber auch im Anwendungsbereich Fourcross, wo NOX seit Jahren recht stark vertreten ist. Steifigkeit und Stabilität bei gleichzeitig geringst möglichem Gewicht sind hier die wohl wichtigsten Kriterien, die ein guter Wettkampfrahmen erfüllen muss. So war schnell klar: Ein Carbon-4X-Bike muss her! Da die Eigenentwicklung eines solchen Rahmens schnell eine sehr kostspielige Angelegenheit werden kann, entschieden wir uns, auch den Dirt – Bereich im HighEnd-Segment mit zu bedienen, um die teuren Entwicklungskosten dieses Projekts zu rechtfertigen. Zugegeben etwas ungewöhnlich, aber warum nicht?! Nach unzähligen Designentwürfen, der Ausarbeitung eines umfangreichen Pflichtenheftes und der ersten Produktion war es dann so weit – die ersten Prototypen standen und waren bereits sehr nah an der Serie! Es folgte die Testphase. Ausgesuchte Magazine und Teamrider durften den Phoenix D4X in der Skatehalle und auf 4X-Strecken fahren bzw. fliegen und auch wenn einige, diesem Projekt anfangs etwas skeptisch gegenüberstanden, zeigten sie schnell Gefallen am Phoenix D4X. Nach kurzer Zeit waren auch die letzten Zweifel verflogen und es hieß nur noch: Das Ding geht ab wie eine Rakete. Inzwischen sind auch die letzten Detailverbesserungen dieser Testphase in die Serie eingeflossen und umgesetzt und wir können mit Stolz sagen, den wohl schnellsten 4X-Rahmen und vielleicht verrücktesten Dirt-Rahmen der Welt in Serie gebracht zu haben.”

# Volle Kraft voraus. Das NOX macht auch in Kurven Spaß. Foto: Niklas Vogt

Anfängliche Zweifel, dass sich das Bike auf technisch anspruchsvollen Strecken träge fährt – hervorgerufen durch die mit 425mm sehr langen Kettenstreben und die sehr flache Front -, verflogen schnell. Man merkt sofort, wie das Rad nach vorne geht. Der Antrieb ist genial, was sicherlich auch auf Gewicht und Steifigkeitswerte zurückzuführen ist.

# Rick Schubert auf der RedBull-Revolutionbahn in Berlin. Foto: Niklas Vogt

Der erste Härtetest fand während der Streckeneröffnung in Waldsassen statt. Die Gabel stellte ich dafür schön straff und etwas langsamer ein. Die Strecke in der Oberpfalz ist sehr verspielt, mit engen Kurven und einigen spaßigen Hindernissen. Zwar ist sie nicht super schnell, aber man spürte auf dem losen Untergrund sehr schön die Laufruhe des Rades. In den Kurven ließ sich das Bike sehr kontrolliert steuern und die gut ausbalancierte Geo vermittelte auf allen Passagen ein sehr angenehmes Gefühl. Auch wenn das Phoenix D4X im Grenzbereich bewegt wurde, verzieh es den einen oder anderen Fehler und ließ nicht das Gefühl der Unsicherheit aufkommen. Der Rocket Ron von Schwalbe überzeugte hier zudem. Trockener und leicht steiniger Untergrund liegen dem Reifen. Für guten Grip sorgten auch die Snapper-Pedale von NOX. Eindruck machte darüber hinaus der Lenker. Schmolke Carbon sieht man selten im Gravity-Bereich, jedoch muss sich die Firma aus Konstanz keineswegs vor der Konkurrenz verstecken. Der Lenker flext nur geringfühig und passt sich dank seiner schönen Form super an das Bike an.

Mit beiden Rädern am Boden ist das Nox extrem stabil. Kommen technische Passagen ist allerdings Können gefragt. Surfen, Anziehen, Pushen sind anstrengend. Die flache Front und die damit verbundene Gewichtsverteilung ist zwar in Kurven und beim Treten von Vorteil, bei fehlender Technik und Kraft in rhythmischen Teilen nicht optimal. Fahrer mit weniger Erfahrung haben es hier schwer. Mir gelang die Umstellung dennoch recht schnell. Hat man den Dreh erst einmal raus, ist man begeistert, wie gut sich das Rad anfühlt.

Der Hinterbau hat aber nicht nur Nachteile beim Wheelen. Lange und vor allem tiefe Wellenkombos kann man prima fahren und das Hinterrad sauber reinstellen, mit genügend Druck um Speed aufzubauen, muss man sich aber etwas umstellen in der Fahrweise. Während man viele Hardtails zur Beschleunigung mit viel Druck auf dem Vorderrad fahren kann, muss man hier beim Pushen mit dem Körperschwerpunkt sehr weit nach hinten.

Mit dem Wissen, dass das Rad auch mal einen Fehler verzeiht, ging es im Anschluss an das Rennen in Waldsassen auf den RedBull-Revolution-Track im Berliner Mellowpark. Die Rhythmsection war schnell gemeistert und mit genügend Druck auf den Rädern ging es in die letzte Kurve. Doch was auf der Strecke wirklich gefragt war, ist das Verhalten auf großen Sprüngen. Die zweite Gerade mit den ca. 8m langen Sprüngen war dazu geradezu prädestiniert. Auch hier überzeugte das Rad. Die Sicherheit, die das Phoenix D4X beim normalen Fahren vermittelte, blieb erhalten. Es ließ sich gewohnt leicht bewegen, neigte jedoch dazu etwas frontlastig zu fliegen.

# Red Bull Revolution! Foto: Niklas Vogt

# Mit Druck in der Rhythmsection. Foto: Niklas Vogt

Den letzten Renneinsatz in der Saison leistete das Phoenix D4X beim Saisonabschluss in Plessa. Hier wurde auf der BMX-Bahn zunächst ein Zeitfahren abgehalten, bevor es auf einer Nahe gelegenen Enduro-Strecke zur Sache ging. Egal ob im Wald oder auf der BMX-Bahn, das Bike machte immer eine gute Figur.

Technische Defekte gab es nicht. Einzig und allein fiel mir die integrierte Sattelklemmung auf, welche nicht genügend Druck aufbaute und den Sattel abrutschen ließ, was zu unschönen Kratzern auf der Noir Stütze führte. Abhilfe könnte hier jedoch Carbonpaste leisten.

  

# Gateaction in Waldsassen. Foto: Lukas Hennecke, # Abspringen und wohlfühlen. Foto: Niklas Vogt

# Mit dem Phoenix auf Platz 1 in Plessa.

Fazit

Wie der Phoenix aus der Asche? Im übertragenden Sinne vielleicht. Fest steht, dass NOX mit dem Phoenix D4X ein kompromissloses Racebike geschaffen hat, welches mit einem wahnsinnigen Vortrieb und unglaublicher Laufruhe überzeugen kann. Eine gute Verarbeitung und High-End-Produkte haben aber auch ihren Preis. Mit 999€ für den Rahmen und 3299€ für das Komplettbike in der Teamedition sind weder Rahmen noch Rad ein Schnäppchen, wobei das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmig ist.

Für mich war das Phoenix D4X eines der wenigen 4X-Räder, mit denen ich problemlos und ohne Bedenken alle meine Lines mit Vollgas fahren konnte. Zwar braucht man viel Kraft, wird jedoch mit einem unglaublich gutem Speed belohnt!

Pro

  • sehr gute Verarbeitung
  • Gewicht
  • Ausstattung
  • super Handling

Contra

  • Preis
  • integrierte Sattelklemme verbesserungswürdig
  • gute Fahrtechnik von Nöten
Die neuesten Kommentare
  1. benutzerbild

    darkandy9929

    dabei seit 02/2012

    Ja sicher gibs es sollche Leute sind nicht alle sollche Spargeltarzane
  2. benutzerbild

    Anzeige

  3. benutzerbild

    evil_rider

    dabei seit 01/2002

    darkandy9929
    kann ich mir schwer vorstellen das so ein rahmen was für schwere gKräftige Jungs sein soll.

    Carbon Rahmen werden meist nur bis max 80kg zugelassen.
    die rahmen wiegen dann aber auch meist 900-1000g :rolleyes:
  4. benutzerbild

    Christiaan

    dabei seit 08/2003

    Warum 170mm Kurbeln, 175mm fuer snap out of the gate!
  5. benutzerbild

    Cr3ckb0t

    dabei seit 07/2009

  6. benutzerbild

    dhridernox

    dabei seit 12/2005

    Hallo? 10,6kg ist bei dieser Steifigkeit doch wohl eine echte Ansage..!!

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