Sie ist mit Sicherheit eine der schnellsten deutschen Enduro-Fahrerinnen, was sie jüngst mit ihren Siegen bei der letzten Etappe der Specialized Enduro Series in Treuchtlingen oder beim Trailfox in Flims wieder unter Beweis gestellt hat. Wir haben die sympathische Oberallgäuerin getroffen, sind mit ihr eine Runde Radfahren gegangen und haben beim Cappuccino danach ein Gespräch mit ihr geführt.
Was ihre Pläne für 2013 sind, in welchem neugegründeten Enduro-Team sie fahren wird und wie ihr Training im Winter aussieht, erfahrt ihr in folgendem Interview.

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# Ines mit ihrem Trainingsrad im Allgäu

MTB-News: Hallo Ines, vielen unserer User bist du bereits ein Begriff, verrate doch den anderen kurz ein paar Hintergründe zu deiner Person:

Ines: Hallo zusammen, ich bin die Ines Thoma, komme aus dem Allgäu und bin 23 Jahre alt. Seit ich denken kann betreibe ich für mein Leben gerne Sport, alles was in der Natur und den Bergen stattfindet. Ansonsten hab ich in Augsburg Grundschullehramt studiert und mache im Februar mein 1. Staatsexamen, weshalb ich im Winter öfter mal die Telemark-Ski gegen Bücher tauschen sollte.

Du fährst aktuell ja sehr erfolgreich Enduro-Rennen, wie kam es dazu, und was hast du vorher gemacht?

Biken an sich tu ich schon seit meiner frühesten Kindheit. Nach vielen Jahren im Cross Country, in denen ich unvergessliche Erlebnisse und Erfahrungen sammeln durfte, musste ich im ersten Jahr U23 leider verletzungsbedingt meine CC-Hoffnungen begraben. Beim Bikefestival in Willingen 2010 bin ich dann spontan aus Langeweile, weil ich nicht am Marathon teilnehmen konnte, das Enduro-Rennen gefahren und habe dabei entdeckt, dass es außer beim CC noch weitere Möglichkeiten gibt, mit dem Bike Gas zu geben.

Du bist also lange Zeit Cross Country gefahren, siehst du einen Vorteil durch die Jahre harten Trainings?

Ich denke die Rennerfahrung und das Training in jungen Jahren gehen auf jeden Fall nie ganz verloren. Gerade in puncto Bikebeherrschung und natürlich die Toleranz des Körpers, sich auch mal zu quälen, sind Eigenschaften, die einem beim Enduro sicher helfen. Trotzdem ist es manchmal echt deprimierend zu sehen, wie fit man einmal war, und wie viel Arbeit es ist, wieder in die Nähe dieses Levels zu kommen.

Welche Rolle spielt Cross Country heute sonst noch für dich?

Hm, auf jeden Fall sind schöne Erinnerungen, Freundschaften und Pokale im Schrank geblieben. Sonst merke ich oft noch, dass ich immer noch gerne an meine Grenzen gehe und mich ab und zu mal so richtig auspowern muss, um nachts friedlich schlafen zu können. *lacht* Mein Faible für Langstrecken-Enduro-Rennen mit möglichst vielen Tretpassagen kommt sicher auch noch aus meiner Cross Country-Zeit.

ines (9 von 15)
# Dank der Cross Country-Vergangenheit ist Ines sicher eine der konditionell stärksten Fahrerinnen.

Welche Rennen hast du diese Saison denn absolviert, und welche haben dir besonders gut gefallen?

Ich bin einiges gefahren und habe die Abwechslung im Enduro-Rennkalender total genossen. Spontan fallen mir die Bike-Attack in der Lenzerheide ein, eine geile Kombination aus High-Speed und Tretpassagen. Megavalanche in Alpe d’Huez war eine super Erfahrung und hat in Sachen Kondition, Technik und Atmosphäre vieles getoppt. Die Enduro Series in Kirchberg war auch cool, da das Format der Specialized Enduro Series für mich neu war und mir der Einzelstart und die Strecke dort gut gefallen haben. Nicht zu vergessen sind noch der Trailfox in Flims/Laax und der Trailmaster am Wildkogel, zwei sehr chillige Mehrtagesevents, bei denen die unterschiedlichsten Skills gefragt sind.

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# Die Trek Bike Attack in Lenzerheide konnte Ines dieses Jahr für sich entscheiden. (Foto: Sportograf.de)

All zu lange kann man ja meist nicht in Erinnerungen schwelgen, wie sieht denn dein Training im Winter aus?

Ich liebe Wintersportarten und je nach Zeit, Wetter und Laune gibt es bei uns viele Möglichkeiten. Momentan sind Telemarken und klassisch Langlaufen bei mir hoch im Kurs, aber ich gehe auch sehr gerne auf Ski- oder Bergtouren. Da ich gerade diesen Winter recht viel Lernen werde, wird es wohl öfter auch mal auf eine Laufrunde und eine Trainingseinheit mit dem Balanceboard hinauslaufen, das ist zeitsparender und geht direkt von der Haustür aus. Dieses Jahr möchte ich auch wieder vor April aufs Bike, am Besten in den Süden, aber man wird sehen was sich ergibt.

Wenn es dann wieder aufs Rad geht, an was musst du für 2013 noch am meisten feilen und wo liegen beim Radtraining deine Schwerpunkte?

Ohje – da fehlt es noch überall. Auf jeden Fall Kondition im Frühjahr, aber auch technische Passagen wie Spitzkehren und Drops will ich noch weiter üben. Solange ein Hr. Wildhaber noch ca. doppelt so schnell fährt wie ich, gibt es da viele Schwerpunkte. *lacht*

Rennwochenenden schlauchen den Körper ja doch sehr, wie entspannst du dich nach harten Racetagen denn am besten?

Wenn ich mal Zeit habe gehe ich gern meiner kreativen Ader nach. Ich male und zeichne gerne und hab ein eigenes kleines Label namens „endlos“ mit genähten, bedruckten und gestrickten Sachen *handmade with love*. Das macht mir total viel Spaß und ist eine gute Einnahmequelle um das Studentenbudget aufzubessern… also hier mal Werbung in eigener Sache: wer Mützen, Stirnbänder, Shirts, Laptoptaschen und Co. benötigt, kann gerne einmal hier vorbeisehen.

ines (7 von 15)
# Auch mit nur 120mm Federweg macht Ines eine gute Figur auf den lokalen Trails im Allgäu

Ist es denn ein Ziel von dir als Profi-Bikerin Karriere zu machen oder wie stellst du dir deine Zukunft vor?

Zu meiner CC-Zeit war das auf jeden Fall mein Ziel. Leider, oder vielleicht auch Gott sei Dank musste ich aber auch miterleben, wie schnell so ein Traum z.B. durch Verletzungen ausgeträumt sein kann. Heute sehe ich das Ganze viel gelassener, ich hab einen Job gefunden der mir Spaß macht, kann mir zwar schon vorstellen eine gewisse Zeit hauptsächlich zu Biken, aber irgendwann will ich nicht mehr von sportlichen Erfolgen abhängig sein. Als Rentnerin will ich auf jeden Fall mal auf einer Alm wohnen und was dazwischen kommt wird sich zeigen.

Bei einigen Rennen war auch immer jemand von deiner Familie mit vor Ort, sind sie genau so Bike-infinziert wie du und welche Rolle spielen sie für dich bei den Rennen?

Ja, meine Family war von Anfang an dabei und gerade als Kind hätte ich es ohne meine Eltern nie zu etwas gebracht! Heute freu ich mich immer noch, wenn sie ab und zu mitfahren. Das Gemeinschaftliche an den Rennwochenenden mit Freunden oder der Familie gehört für mich einfach dazu!

Mittlerweile steigen die Teilnehmerzahlen der weiblichen Starter vieler Rennen ja stark an, wie siehst du diese Entwicklung?

Ja, Frauen sind im Kommen, das freut mich total!! Das Interesse war gefühlt so groß wie noch nie. Da wird sich in den nächsten Jahren sicher einiges tun und ich bin mir sicher, dass auch die Starterfelder bei den Frauen im Enduro Bereich wachsen werden!
Vielleicht fangen dann auch einige Organisatoren an umzudenken und wir Frauen bekommen beim ein oder anderen Rennen auch einen extra Start und werden nicht wie in Brixen einfach „zwischenrein gewurschtelt“.

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# Massenstart-Rennen sind aktuell noch Ines´ Favorit. (Foto: Sportograf.de)

Bisher bist du ja bei den Canyon Mountain Heroes in einem sportlich sehr breit aufgestellten Team gefahren. Gibt es da Änderungen für die kommende Saison?

Ja hier gibt es einiges Neues! Ich werde nächstes Jahr in einem neugegründeten, reinen Enduro-Team fahren, mit nur wenigen Sportlern und dafür einer super Betreuung. Biketechnisch setze ich auf Altbekanntes, was sich eben einmal bewährt hat, will man auf keinen Fall ändern und drum freu ich mich umso mehr, dass ich bei Canyon bleiben werde!

Canyon plant für nächstes Jahr also ebenfalls ein Enduro-Team, kannst du uns hier zu schon ein paar Details verraten?

Ja, es wird sich wie gesagt um ein reines Enduro-Team handeln. Marco Bühler wird dabei sein, ebenfalls ein Allgäuer, den ich schon aus meiner Mountain Heroes-Zeit kenne und der ein perfekter Reise- und Bikepartner ist! Dann ist da noch Joe Barnes – ein, wie ich gehört habe, wahnsinnig schneller Schotte, das wird also bestimmt eine spannende Sache!

ines (5 von 15)
# Die heimischen Berge bieten perfekte Trainingsbedingungen…

ines (8 von 15)
# … und massenhaft spaßige Trails.

Vor einigen Tage wurde bekanntgegeben, dass es für 2013 eine „World Enduro Series“ geben wird. Werden wir dich bei allen Stops der Serie sehen und worauf freust du dich beim aktuellen Kenntnisstand am meisten?

Wir warten jetzt auf jeden Fall mal ab, bis die Planung sicher steht, aber ich werde sicherlich bei den meisten Events am Start sein. Ich freue mich auf alle Rennen, aber die Stopps in Schottland und Kanada sind auf jeden Fall aufregend, ich bin gespannt wie das Format aussehen wird!

Für Enduro-Rennen lassen sich ja die verschiedensten Fahrertypen begeistern, neben ehemaligen Downhill-Fahrern starten auch Cross Country Racer und komplette Quereinsteiger. Welcher Fahrertyp ist hier in deinen Augen im Vorteil?

Jeder, der einen Sport einmal hochleistungsmäßig auf WC-Niveau betrieben hat, ist auf jeden Fall im Vorteil, denke ich. Ansonsten kommt es vielleicht ein wenig auf das Format des Enduro-Rennens an und wie das Verhältnis zwischen Kondition und Technik ist. Cross Country-Fahrer sind auf jeden Fall topfit und technisch sind die WC-Strecken auch brutal schwer, darum würde ich auf einen CC-Fahrer setzen, wenn ich wetten müsste.

Welche Pläne stehen für 2013 neben den ganzen Rennen denn sonst noch ganz oben auf deiner To-Do-Liste und gibt es besondere Orte, die du nächstes Jahr gerne besuchen möchtest?

Orte gibt es immer viele in meinem Hinterkopf! Der Megavalanche in La Reunión zum Beispiel oder der Maxivalanche in Åre. Wenn ich im Herbst noch nicht mit dem Referendariat beginne, könnte ich mir auch gut vorstellen, mal längere Zeit nach Thailand oder Neuseeland zum Biken zu gehen. Natürlich sind viele, viele Rennen mit meinem neuen Team auf der To-Do-Liste ganz weit oben und das Examen sollte ich vielleicht auch nicht ganz vergessen.

ines (14 von 15)
# die traumhafte Landschaft begeistert die Geologie Studentin immer wieder.

Was möchtest du all den anderen radbegeistertern Frauen noch mit auf dem Weg geben?

Eigentlich nichts anders als den radbegeisterten Männern auch – Hauptsache Spaß am Biken, macht euch keinen Stress und genießt die Zeit im Sattel! Und auf jeden Fall dürfen auch Frauen ihre Männer zum Biken begeistern und nicht immer andersrum, ich sehe da nicht so den Unterschied!

ines (1 von 1)
# Entspannte Atmosphäre während des Interviews

Zu guter Letzt noch ein paar Schnellschüsse – mach dich bereit!

Mit wem fährst du am liebsten Rad?  Oje, jetzt sollte ich wohl meinen Freund nennen ;) aber der ist es auch!

Welches Bike nutzt du am häufigsten? Dieses Jahr mein Canyon Torque, nächstes Jahr will ich mehr das Strive einsetzen.

29er oder 26 Zoll? 650b

Wo lässt es sich am besten fahren? Vinschgau, Südtirol – I love it

Bester Bikepark? Hmm. Ich war noch nicht in vielen, aber nach Tigne möchte ich nochmal.

Dein Lieblings-Urlaubsland? Ich war mal 2 Wochen in Neuseeland bei der WM, da würde ich so gern mal länger hin. Und Island und Norwegen

Jeans oder Kleid? Jeans

Fullface oder Halbschale? Halbschale, aber aus Achtung meines Kieferorthopäden auch ab und zu Fullface

Mit Protektoren oder ohne? Wenn es geht nur Knie

Das Beste neben dem MTB-Sport? Skifahren

Party oder früh ins Bett? Mindestens 8 Stunden Schönheitsschlaf, wenn beides geht ist es am besten

Meer oder Berge? Berge

Bikepark oder selbst erstrampeltes Singletrail-Vergnügen? Selbst hochgestrampelt

Das magst du an dir? Die Liebe zur Natur

Daran musst du noch arbeiten? Etwas wirklich Sinnvolles tun, auf das ich später einmal stolz sein kann

In 10 Jahren bist du… wenn ich mir die Hollywood-Schönheiten anschaue, bestimmt jünger und knackiger als jetzt

Vielen Dank für das Interview und alles Gute für die neue Saison!

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Zum Schluss gibt es noch ein paar weitere Bilder der gemeinsamen Tour:

ines (13 von 15)
# selbst ist die Frau, um ihr Equipment kümmert sich Ines selbst.

ines (4 von 15)
# Sonne war uns leider kaum vergönnt, meist ging es bei tristen Himmel bergauf

ines (12 von 15)
# auch mit wenig Federweg war Ines äußerst flott unterwegs.

ines (10 von 15)
# Den Fokus für die neue Saison hat Ines ganz klar auf Racing gelegt.

ines (15 von 15)
# In einer Klamm trafen wir den Hund Max, er bot uns noch eine äußerst unterhaltsame Showeinlage auf der engen Brücke

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Gewinnspiel

Netterweise stellt uns Ines zwei ihrer handgemachten Stirnbänder für ein Gewinnspiel bereit – um zu gewinnen, möchten wir gemeinsam mit ihr die Antwort auf folgende Frage wissen:

Wie würdet ihr eure PartnerIn zum Biken motivieren oder wie habt ihr sie motiviert?

Die Gewinner der beiden Stirnbänder stehen fest, Ines entschied sich für die User “punkd” und “master evo”

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# diese beiden Stirnbänder gibt es für die besten Antworten zu gewinnen.

Die neuesten Kommentare
  1. benutzerbild

    Skull Rider

    dabei seit 11/2004

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    punkd

    dabei seit 01/1970

    Danke schön Ines :) Meine Freundin freut sich wie ein Schnitzel.

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