Vor wenigen Wochen stellten wir euch mit dem Santa Cruz Tallboy LTc ein 29er für den gröberen Touren- bis All-Mountainbereich vor. Heute folgt mit dem Bergamont Revox 9.2 ein Racehardtail, das wohl vor allem Langstreckenfahren und CrossCountry-Piloten anspricht.

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# Schon im Stand schnell – das Revox

Aus dem Karton

Auf den ersten Blick sehen die meisten Hardtailrahmen schlicht und ähnlich aus, die einzelnen Rahmen unterscheiden sich von der großen Masse meist nur in kleinen Details. Erst beim näheren Betrachten fallen einem die ein oder anderen Besonderheiten auf – und das trifft auch auf das Revox zu.

Bergamont hat neben dem getaperten Steuerrohr, das mittlerweile zum Standard gehört, vor allem am Hinterbau des Revox viel Arbeit investiert. So sind die Kettenstreben mit 429mm für einen 29er auf der sehr kurzen Seite und liegen im Bereich von gängigen 26″ Geometrien. Durch diesen Kniff soll sich das Bike besonders handlich fahren lassen. Um dem Carbon-Rahmen einen guten Komfort mit auf den Trail zu geben, sind die Sitzstreben sehr schlank ausgeführt worden. Ohne die horizontale Steifigkeit negativ zu beeinflussen soll hier ein geringer Flex in vertikaler Richtung für eine bessere Dämpfung sorgen. Des Weiteren gehen die Sitzstreben am Sitzrohr in einen großen Verbund über. Um den Rahmen im Sitzbereich zu versteifen, ist das tiefgezogene Oberrohr durch ein zusätzliches Rohr mit der Sitzstrebe verbunden. Die PostMount-Bremssattelaufnahme befindet sich innerhalb des Sitz- und Kettenstreben-Dreiecks und erlaubt die direkte Aufnahme für PM-Bremsen mit 160er Scheiben. Das spart Gewicht, sieht sauber aus und schützt zudem den Bremssattel vor Ästen oder Ähnlichem.

Optisch zeigt sich unser Testbike mit schwarzem Rahmen und rot-weißen Decals von einer gefälligen Seite und vermittelt einen hochwertigen Eindruck. Da passt schön ins Bild, dass Bergamont auch die Decals an Gabel und Laufradsatz farblich abstimmt und die Sattelnase den cleanen Look farblich abrundet. Bei der Ausstattung wurde auf bewährte Produkte zurückgegriffen. Auffällig ist hier, dass bis auf den Antriebsstrang von Shimano fast jede weitere Komponente von einem anderen Hersteller stammt.

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Diese Fotos im Fotoalbum anschauen

Der LRS wird aus Standardkomponenten aus den Häusern DT Swiss und SRAM aufgebaut, gefedert wird mit der FOX 32F RL 29er und gebremst mit einer Formula RX.

Die Ausstattung des Bergamont Revox 9.2

  • Rahmen: 29“, Carbon Ultra Lite MCS Composite
  • Steuersatz: FSA Orbit (tapered)
  • Gabel: FOX 32F 29″ RL
  • Bremsen: Formula RX, 180/160mm
  • Laufräder: DT-Swiss X-470 / SRAM X7
  • Reifen: Schwalbe Racing Ralph Evolution
  • Kurbelsatz: Shimano XT
  • Schaltung: Shimano Deore XT
  • Schalthebel: Shimano SLX
  • Sattel: Fizik Tundra 2
  • Sattelstütze: Crankbrothers Cobalt
  • Lenker: Easton EA70 XC
  • Vorbau: Syntace 149
  • Griffe: BGM Race
  • Gewicht: 10,3kg

Die Geometrie


# Geometrie Bergamont Revox 2012 Carbon

Auf dem Trail

Zu Beginn des Tests ist die Umstellung von dem zuvor getesteten, gutmütigem XC-Fully Cannondale Scalpel zurück auf ein waschechtes Racehardtail ziemlich beeindruckend gewesen. Nach mehreren Ausfahrten ist mir wieder klar geworden, warum dieser Radtyp mein Favorit ist: Jede Pedalumdrehung wird effektiv in Vortrieb umgewandelt und man bekommt ein klares Feedback über den Untergrund, sodass die Geschwindigkeit direkt spürbar ist.

Das Bergamont Revox muss sich in dieser Gattung nicht vor den Topmodellen der Nobelmarken verstecken und punktet durch ein agiles Fahrverhalten sowie eine deutlich spürbare Dämpfung durch die schmalen Sitzstreben und die dünne 27,2mm-Stütze, die auch lange Ausfahrten nicht zur Qual für den Rücken werden lässt.


# Das Bike scheut sich nicht vor technischen Strecken wie hier der Bundesligastrecke in Albstadt

Durch die kurzen Kettenstreben lässt sich das Rad trotz der 29er-Laufräder gut um enge Kurven dirigieren, was besonders auf verwinkelten Singletrails oder technischen Rennkursen von Vorteil ist. Die Kehrseite der Medaille ist eine gewisse Nervosität in schnellen Downhills mit verblockten Steinen. Die 29er-Laufräder bügeln zwar einige Bodenunebenheiten weg und sorgen für Laufruhe, doch überwinden sie die den Geometriedaten geschuldete Nervosität nicht. Geübte Rennfahrer wird das aber nicht stören, im Gegenteil, das Revox begeistert durch ein gutes Handling und ein verspieltes Fahrgefühl. Verantwortlich dafür ist vor allem der sehr kurze Hinterbau, der die größere Trägheit größerer Räder bestens kompensiert.


# Das verspielte Fahrverhalten lädt förmlich dazu ein es auch bergab laufen zu lassen – hier sogar auf der Bikepark-Strecke.

Für einen Einsatz auf langen Marathons spricht vor allem die gute Dämpfung des Hinterbaus. Was Cannondale mit dem Flash vorgemacht hatte, wurde hier von Bergamont aufgegriffen und gut umgesetzt. Die dünnen Sitzstreben flexen und vermindern die Schläge auf den Fahrer. Des Weiteren wird dieser Effekt noch durch die dünne 27,2mm Stütze verstärkt: Gerade auf Schotterpisten mit kleinen Vibrationen kann dadurch der Unterschied entstehen, ob man im Sattel sitzen bleiben kann oder im Stehen fahren muss. Je länger man unterwegs ist, desto mehr fällt der Unterschied im Vergleich zu anderen Rädern auf. Die recht massiven Kettenstreben bieten dagegen eine hohe Steifigkeit und sorgen somit für eine gute Kraftübertragung.

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# Das Bergamont Revox lässt sich prima beschleunigen

Mitlerweile sieht man an fast allen Rändern, egal mit welchem Einsatzbereich, 2fach-Kurbeln mit einer 10fach Kassette kombiniert. Anders beim Revox 9.2: Bergamont spendierte dem Rad einen 3x10fach-Antrieb von Shimano. Viele Fahrer halten das für überflüssig, doch gerade in steilen Singletrails bergauf kam das kleine Blatt öfters zum Einsatz um auch einmal etwas entspannter fahren zu können, während die größte Übersetzung zum Einsatz kam um auf abschüssigen Schotterpisten noch Tempo machen zu können.

Rennfahrer werden mit 2 Kettenblättern sicherlich zurecht kommen, aber meiner Meinung nach sind drei Kettenblätter an einem Marathonbike weiterhin nicht fehl am Platz für lockere Trainingsrunden, für lange Marathons oder aber für Touren mit lange Anstiegen in den Alpen. Bergamont schwimmt hier nicht mit dem Trend mit, was meiner Meinung nach an einem 29er Rad auch vollkommen berechtigt ist, denn die großen Laufräder sorgen schon von vornherein für eine schnellere Übersetzung.

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# Drei Kettenblätter sind an einem 29er für steile Rampen immer noch sinnvoll.

Ein weiterer Pluspunkt für das Revox 9.2 ist das gute Preis-Leistung-Verhältnis. Für den Preis bekommt man einen sehr hochwertigen Carbonrahmen und auch die Ausstattung ist auf einem hohen Niveau. Einige wenige Details hätten dennoch besser gelöst werden können: Hier sind besonders die Gabel, der Sattel und die Griffe zu erwähnen.

Der zur Zeit sehr häufig verbaute Fizik-Sattel hat bei noch keinem Testrad so wirklich gefallen, doch sind diese Parts – wie auch die Griffe, die durch ihre Verdickung in der Mitte auf Dauer unbequem sind und eine Fehlstellung der Handgelenke verursachen – meist Teile, die die Fahrer nach einer gewissen Zeit ohnehin austauschen lassen und auf persönlichen Vorlieben basieren.

Die Fox-Gabel dagegen gehörte schon in der 26er Version nicht zu den steifsten ihrer Klasse – in der 29er-Version ist das nicht besser geworden. Anstelle der Fox 29er mit 9mm-Schnellspannachse hätte dem Rad eine Gabel mit 15mm Achse gut getan. Die Gabel federt und dämpft Schläge gut ab, doch in ruppigen Sektionen oder beim Bremsen flattert sie etwas, wodurch man sich leicht unsicher fühlt. Das Flattern der Gabel hält sich zwar in Grenzen und man kann damit gut umgehen  – doch es geht eben auch besser.

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# Die Fox mit 9mm Schnellspannachse verrichtete zuverlässig ihre Dienste – mehr Steifigkeit wäre dennoch wünschenswert.

Diese Mankos sind aber lediglich Verbesserungsvorschläge an der sonst guten Ausstattung. Am Carbon-Rahmen, welcher ja eigentlich im Zentrum des Tests steht, ist im gesamten Testzeitraum kein Kritikpunkt aufgefallen.

Fazit

Mit dem Revox hat Bergamont ein Race-Hardtail im Programm, das bis auf kleine Ausstattungsmankos absolut überzeugen kann. Das Rad lädt förmlich dazu ein, die letzten Sekunden auf der Hausrunde herauszuholen und dabei den ein oder anderen verwinkelten Singletrail einzubauen. Trotz der 29er Laufräder fährt sich das Rad verspielt und zirkelt sicher selbst um enge Spitzkehren. Der Hinterbau mindert dabei kleine Schläge spürbar ab, ohne sich bei harten Antritten zu verziehen. Mit einem Preis von 2200€ und einem Gewicht von 10,3 kg stimmt die Preis-Leistung beim Revox und man bekommt für sein Geld einen Rahmen, der in der absoluten Topklasse mitspielt.

Pro:

  • geringes Gewicht
  • Hinterbau sehr komfortabel
  • gutes Preis-Leistungs-Verhältnis

Contra:

  • einige Ausstattungsparts verbesserungswürdig


# Das Bergamont Revox 9.2 konnte voll überzeugen und begeisterte auf jeder Ausfahrt

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Fotos: Tobias Stahl, Thomas Fritsch

Die neuesten Kommentare
  1. benutzerbild

    Dommaas

    dabei seit 05/2011

    @Simpel. Im vergleich zu anderen 29er die eher im Tourenbreich angesiedelt sind merkt man schon eine gewisse Nervosität. Wenn du vom 26er kommst dann wirst du das aber nicht merken weil da die meisten Racehardtails deutlich wendiger und waren.
    Das Bergamont ist für einen 29er ausgesprochen wendig und vereint so für mich die Vorteile von einem 26er und 29er.
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  3. benutzerbild

    visionthing

    dabei seit 07/2004

    Schade das es kein Fully ist in das man einen Revox einbauen könnte. ;)
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    bruellaffe

    dabei seit 06/2012

    Mit knieschoner, baggy-shorts und enduro-helm in den bikepark??!!manche leute haben schon eine komische vorstellung vom einsatzbereich eines 29" racehadtails...
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    Tobias

    dabei seit 08/2001

    @bruellaffe: Nunja... um Aussagen über das Handling treffen zu können ist der Bikepark nicht verkehrt. Und Knieschoner fahren hier manche sogar bei Marathons... :D

    Nicht zu sehr in Schubladen denken!
  6. benutzerbild

    Dommaas

    dabei seit 05/2011

    @bruellaffe Das mit den Knieschonern war nur beim Bilder machen. Aber was spricht denn gegen eine Runde im Bikepark ? Die heutigen CC-Strecken sind meist auf dem gleichen Niveau wenn man mal die Sprünge im Bikepark auslässt.

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