Fotorucksack-Spezialist f-stop gear hat mit dem “Loka” ein äußerst interessantes Profi-Modell für Bike- und Outdoor-Fotografen im Portfolio – das wir angesichts vieler Fotografen im Forum etwas genauer unter die Lupe nehmen wollten. Schon Anfang des Jahres testete Fotograf und Filmer Sebastian Doerk mit dem Evoc PP35 einen Fotorucksack für uns – in den Kommentaren fiel anschließend mehrfach der Firmenname “f-stop” als Hersteller von Outdoor-Fotorucksäcken, was uns neugierig machte.

Anfang der Saison bestellten wir deshalb den 37 Liter fassenden f-stop Loka zum Langzeittest über die Saison 2012 – in welcher der Rucksack jede Menge Shootings, Events und die WM in Leogang mit jeder Menge Matsch miterleben sollte. Hier ist das Ergebnis.

f-stop loka
# Der “Loka”

Allgemeine Infos: f-stop Loka

Bis zu Beginn dieses Jahres wussten wir rein gar nichts über die Firma f-stop und verbanden das Wort ausschließlich mit der englischen Übersetzung von “Blendenstufe”. Ein Fehler – denn die Rucksäcke im charakteristischen Ripstop Nylon-Design werden auch von Bike-Fotografen wie Lars Scharl, Mattias Fredriksson oder Sven Martin eingesetzt.

Für unseren Langzeittest entschieden wir uns mit dem Modell “Loka” und 37 Litern Inhalt für eine der mittleren Größen der Modellpalette. Neben dieser 37L-Version geht es noch in beide Größenrichtungen weiter: Neben kompakten Fototaschen mit 13 Liter Inhalt wird es auf der anderen Seite fast trekkingrucksack-groß: Der Satori EXP ist mit 62 Litern eher für die etwas umfangreicheren Fototouren gedacht. Diese hatten wir mit dem “Loka” nicht vor – für das fast hinter uns liegende Jahr 2012 sollten 37 Liter locker ausreichen.

  • Inhalt: 37 Liter
  • Gewicht: 1.56 kg (ohne ICU)
  • Abmessungen (cm): 21,6 cm (Tiefe) x 30,5 cm (Breite) x 55,9 cm (Höhe)
  • Aluminium-Rahmen integriert
  • Preis: Rucksack ohne ICU 229 € / Rucksack + 1 ICU: 279 € / Raincover: 18 €
  • Mehr Informationen (engl.) gibt es hier

In der Hand

Noch nicht wirklich imposant wirkend trifft das Paket von f-stop ein – denn der Rucksack besteht aus zwei großen Einzelteilen, die unkombiniert noch so gar nicht nach einem großen, stabilen Rucksack aussehen. Anders als die meisten Fotorucksäcke bestehen die Modelle von f-stop nicht aus einem Teil, sondern einer Rucksackhülle (“shell”), in die ein oder mehrere sogannte ICUs, “Internal Camera Units”, eingesetzt werden. Dies hat den Vorteil, dass man zu manchen Anlässen nicht immer auf den ganzen Rucksack angewiesen ist, sondern durch das Lösen der Verbindungsschlaufen mit der ICU eine spartanische, aber vollwertige Kameratasche erhält. Diese ICUs gibt es in mehreren Größen und zwei Varianten (“Shallow” und “Pro”), wir haben testweise eine Large- sowie eine Medium-ICU geordert.

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# Innenteil mit Verbindungsschlaufen: Die ICU in Größe “large”

Die ICUs bestehen aus wasserabweisendem Nylon, im Innenraum befindet sich typisches Polster- und Klettmaterial, das ordentlich haftet und eher mit zuviel als zuwenig Abtrennungen geliefert wird. Um Platz zu sparen, wenn das ICU-Modul im Rucksack montiert wird, kann der Schaumstoff im Frontdeckel herausgenommen und der Rest nach hinten weggeklappt und im Rucksack verstaut werden.

Anders als meine beiden eigenen Rucksäcke von Lowepro und Dakine befindet sich im “Loka” ein Aluminiumgestänge, was bei eingebauter ICU dafür sorgt, dass der Rucksack in sich stabil und auch auf dem Rücken getragen in Form bleibt – zudem werden hier die Schlaufen der jeweiligen ICU befestigt. Ebenfalls ein Unterschied zu einigen Konkurrenzprodukten: Der robuste Reissverschluss der Rückwand befindet sich etwas innen liegend direkt am Rückenteil und verläuft nicht außen um den Rucksack herum – das Gewicht des Rucksacks liegt somit nicht auf dem Reissverschluss (wie beispielsweise beim Dakine Mission Photo).

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# Der Innenraum der Rucksackhülle mit Aluminiumgestänge

Neben robustem Nylongewebe als Hauptmaterial ist insbesondere das verbaute Elastomer-Material “Hypalon” interessant: Die meisten Abdeckungen sowie die im Outdoorbereich oft stark beanspruchte Unterseite besteht beim “Loka” aus diesem wasserdichten und zugleich sehr abriebfesten Material.

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# Links: Unterseite des “Loka” aus Hypalon, rechts der wasserabweisende Frontreißverschluss für nasse Klamotten

Stauraum und Befestigung

Die ICU in Größe “large” ist für das wichtigste Equipment ausreichend: Zwei große Kamerabodys, zwei Blitze und 4 Objektive passen hinein, die Schaumstoff-Abteilungen kletten sehr straff und lassen sich wie bei jedem anderen Rucksack je nach Inhalt beliebig ausrichten.

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# Kompakt, aber ordentlich Platz für Equipment in der Kamera-ICU

Nach dem Einbau der ICU bleibt noch ein Stauraum darüber: Dieser reicht mit der ICU “large” in unserem Fall locker für eine Bikejacke, einen Pullover und diverse Ladegeräte – mit dem “medium”-Modul gibt es noch ein gutes Stück mehr Raum. Auf der Innenseite des weit aufklappbaren Deckelfachs befinden sich weitere Fächer für Kleinteile wie Speicherkarten oder ähnliches. Über diesem Haupt-Stauraum befindet sich ein weiteres Fach, dass angesichts der exponierten Lage mit wasserabweisenden Reissverschlüssen versehen ist.

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# Die Zugänge zu den Fächern über der ICU – das obere Fach mit wasserabweisendem Reissverschluss. Darunter das Loch für einen optionalen Trinkschlauch

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# Das Hauptfach für sonstiges Equipment – von mir für Ladegeräte und Klamotten genutzt

Auf der Vorderseite befindet sich ein ebenfalls mit wasserabweisendem Reissverschluss versehener Stauraum für nasse Klamotten – dieser ist etwas knapp bemessen, reicht aber für Trikot und dünne Bikehose aus. Die Innenseite der Rückwand des “Loka” beinhaltet mehrere Fächer für Kleinkram: Zwei Speicherkartenfächer mit wasserabweisendem Verschluss und zwei weitere Taschen für Akkus, Kabel und mehr.

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# Die Innenseite des Rückenteils: Zwei Kartenfächer und zwei weitere Aufbewahrungsmöglichkeiten für Akkus und Co.

Seitlich befinden sich Netztaschen und diverse Straps, mit denen sich Flaschen, Stative und Ähnliches festzurren lassen, auch auf der Vorderseite finden sich zwei Zurrgurte mit Klickschnallen. Reicht für den täglichen Gebrauch normalerweise vollständig – wer noch mehr mitnehmen will, nutzt die genormten Tragestreifen des MOLLE-Systems, die seitlich angenäht sind (ein Video von MOLLE gibt es hier).

Sollte der Platz für Trinkbehälter schon durch Equipment ausgebucht sein, kann eine Trinkblase im Einsatz vor dem ICU-System verstaut werden. Für den Schlauch ist eine seitliche Öffnung angebracht, eine Führung für den Schlauch befindet sich am rechten Träger. Das (nicht im Lieferumfang enthaltene) Raincover wird an der Unterseite des “Loka” verstaut.

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# Ausreichend regendicht – das leider nur zusätzlich erhältliche Raincover

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# Aufbewahrt wird das Raincover an der Unterseite

In Aktion

Beim Positionieren des Rucksacks fällt der breite Hüftgurt positiv auf: Dieser dient definitiv nicht nur der Fixierung des Rucksacks am Körper, sondern übernimmt, korrekt eingestellt, beim Laufen einen großen Teil der Traglast. Insbesondere bei mehrtägigen Events ist dieser Umstand enorm praktisch, da man durch diese Unterstützung definitiv den Schulterbereich schont. Eine gute Belüftung kann man jedoch nicht erwarten – die Hitze staut sich besonders bei längeren Touren im Rückenbereich, für eine belüftende Konstruktion oder eine dicke Polsterung fehlt angesichts der als Öffnung zum Kamerafach dienenden Rückklappe schlichtweg der Platz.

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# Dieses Equipment (plus Kamera, mit der das Bild gemacht wurde), muss im Extremfall in den Rucksack…

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# …und so passt alles rein: Der “Loka” mit knapp 20kg Gesamtgewicht.

Auch auf dem Bike lässt sich der “Loka” sicher bewegen. Wenn er mit voller Befüllung nicht gerade an der oben gezeigten 20kg-Marke kratzt (das ist auf dem Bike dann wirklich etwas unentspannt), fährt man mit diesem Rucksack, ordentlich mit Brust- und Hüftgurt festgezurrt vorausgesetzt, ohne große Beeinträchtigungen. Der große Vorteil ist hierbei, dass der Rucksack verhältnismäßig tief bzw. flach gehalten wurde und der Schwerpunkt daher relativ nahe am Rücken sitzt – somit verrutscht weder etwas, noch greift das zusätzliche Gewicht allzu störend ins Gleichgewicht ein.

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# Whippen mit Rucksack

Auch der teure Inhalt in der ICU übersteht selbst ruppige Abfahrten ohne Probleme: Sollte ein Objektiv oder ein Blitz nicht fest genug drin sitzen, lassen sich die Schaumstoffstücke problemlos anpassen oder mit den 5 beigelegten Gummibändern (3 kleine, 2 große) auch von oben fixieren.

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# Die Gummibänder in der ICU

Haltbarkeit

Nach der WM in Leogang (matschig), der Eurobike (5 Tage Dauereinsatz), dem Dirtmasters Festival (staubig oder nass) oder unserem Dirt/Street-Roadtrip, diversen Shootings mit > 15km-Touren und einer durchschnittlichen Befüllung von 10-15kg kann man unumwunden sagen, dass der “Loka” durchaus Stress gehabt hat: Quetschungen in vollbepackten Autos, stundenlanger Einsatz im Regen, öfter scharfe oder spitze Kanten in den externen Fächern, ordentlich Zug an den Trägern bei viel Beladung und ständiges Liegen im Staub, Dreck oder Matsch. Dazu kommt, dass es oft sehr schnell gehen musste und die Reissverschlüsse öfter dementsprechend ruppig behandelt wurden – für Rucksäcke in der Vergangenheit oft mit dem schlechteren Ende für den Reissverschluss.

Fazit? Ein recht müdes Lächeln seitens unseres hart rangenommenen Testobjektes. Bis auf minimale Standard-Gebrauchsspuren an den Gurten und eines etwas dreckigem Äußeren hat sich am “Loka” nicht viel verändert. Die Reißverschlüsse funktionieren vorzüglich, Risse an Trägern, Gurten oder dem Nylon-Material sind trotz des teilweise wirklich schweren Inhalts keine entstanden.

Pro & Contra

+ umfangreiches Platzangebot, was sich durch die verschiedenen Größen der ICUs für jeden Einsatzbereich passend variieren lässt
+ sehr robust und wasserresistent – mit Raincover dann vollständig geschützt
+ guter Sitz durch Einsatz von Brust- und Hüftgurt und die relativ kompakte Bauweise
+ passt als Handgepäck in den Flieger
+ zahlreiche Befestigungsmöglichkeiten
+ ICU als eigenständige, ausreichend stabile Fototasche nutzbar

- Ein- und Ausbau der ICU etwas umständlich
- Raincover nicht inklusive
- kein gepolstertes Laptop-Fach – dies gibt es erst im größeren Modell Tilopa BC
- nur im Direktvertrieb über http://fstopgear.com

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# die Rückseite des “Loka” mit dickem Hüftgurt

Fazit

Ein wenig verwunderlich, dass f-stop gear bisher noch eher selten auf den Fotografenrücken bei deutschen Events zu finden ist – denn am Beispiel unseres getesteten Modells “Loka” zeigt sich, dass sich die Produkte keinesfalls zu verstecken brauchen. Die Qualität und Robustheit des Rucksacks ist extrem hoch, der Stauraum für Kamera- und weiteres Equipment gut ausgewogen, der “Loka” ist für einen Fotorucksack recht rücken- und schulterfreundlich (auch wenn er konstruktionsbedingt keine gute Belüftung bietet) und bietet eine Vielzahl an Befestigungsmöglichkeiten, die man in dieser Variabilität an nicht vielen Rucksäcken findet.

Der Preis ist nicht niedrig, aber für einen hochwertigen Rucksack mit diesen Features angemessen. Lobhudelei hin oder her: am komplett durchdachten “Loka” gibt es bis auf Kleinigkeiten praktisch nichts zu meckern geschweige denn etwas zu verbessern, denn der Loka ist einfach ein ziemlich kompletter Rucksack – für Hobby-Fotografen wie für Profis.

———————–

Mehr Informationen: http://fstopgear.com/

Die neuesten Kommentare
  1. benutzerbild

    Freesoul

    dabei seit 10/2001

    Splash
    Das mit dem Handgepäck ist in der Tat nicht für jeden wichtig, für mich war es aber sehr wichtig. Viele Airlines haben ja mittlerweile diese Boxen und reagieren durchaus kleinlich, wenn man die Abmessungen überschreitet. Der Loka passt da zumeist genau, mit ein wenig stauchen, rein. Ich hätte kein Bock da abgewiesen zu werden und dann da Kameraequipment zusätzlich aufgeben zu müssen ...
    Mit dem Loka hatte ich bisher auch noch nie Probleme. Einzig nervig ist etwas, immer etwas aufpassen zu müssen dass die Leute ihr Gepäck nicht mit allzuviel Gewalt mit drauf- oder dazuquetschen. Auch ganz gut ist, dass ich selbst mit rund 20kg Beladung noch nie Stress am Check-In hatte. Dafür sieht der Loka einfach zu kompakt aus ;)
  2. benutzerbild

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  3. benutzerbild

    Enrgy

    dabei seit 01/2002

    kann man einbenstative im handgepäck mitführen?:confused:
    mir war das für die usa zu heiß und ich habs in den koffer getan. komplette kamera und rechner dann im bordcase und rucksack mit zweitkamera unterm sitz.
  4. benutzerbild

    jokomen

    dabei seit 01/2005

    Enrgy
    kann man einbenstative im handgepäck mitführen?:confused:
    mir war das für die usa zu heiß und ich habs in den koffer getan. komplette kamera und rechner dann im bordcase und rucksack mit zweitkamera unterm sitz.
    Sollte für die Durchleuchtungsbeamten doch kein Problem sein, das als Fotoequipment zu erkennen. Laptop und Elektro-Gedöns durchleuchten die aber immer getrennt.:rolleyes: Für den Rest des Fotogezimpels war das Interesse nicht mehr so groß (3! Stative, 14kg Fotozeugs in kleiner gepolsteter Sporttasche und wilder Ordnung ohne Beanstandungen).
  5. benutzerbild

    infinitetrails.de

    dabei seit 04/2007

    Die Jungs vom Zoll interessiert das eh nicht (SEPP MACHST DU MAL NEN E G I S!!!!) aber die Saft…. tschuldigung Stewardessen haben das nicht gern (Waffe). In die USA würde ich es immer im normalen Gepäck einchecken.
  6. benutzerbild

    Enrgy

    dabei seit 01/2002

    infinitetrails.de
    ...Stewardessen haben das nicht gern (Waffe). In die USA würde ich es immer im normalen Gepäck einchecken.
    genau darum ging es mir ja, die stellen sich beim sicherheitscheck ja manchmal extrem sensibel an. also auch in zukunft in den koffer, bevor man da ärger bekommt. die schweren sachen kommen dann eben ins handgepäck. mein trolley war letztens fast so schwer wie mein koffer :cool:

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