HomeAllgemeinPedaliert, kommentiert, fabriziert: Multitalent Marius Hoppensack im IBC-Interview — 3. Januar 2013 13:26

Pedaliert, kommentiert, fabriziert: Multitalent Marius Hoppensack im IBC-Interview

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Seit 10 Jahren aktiv als Fahrer dabei und mit 24 Jahren mittlerweile Besitzer einer eigenen Bikemarke: Der Duisburger Dirtjumper und Beddo-Gründer Marius Hoppensack ist ein Allround-Talent. Obwohl nicht mehr aktiv auf Contests unterwegs, ist er als Kommentator und Fotofahrer weiterhin mit dabei und betreut nebenbei als Teammanager Beddo-Fahrer wie Max Fredriksson oder Anton Thelander.

Wenn er sich nicht gerade auf Roadtrips, Video-Shootings oder Wettkämpfen befindet, studiert er an der Uni Duisburg – an der wir uns kurz vor Weihnachten für ein Interview samt Foto-Session mit ihm getroffen haben.

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Hi Marius! Wir haben aktuell Dezember und die Bike-Saison befindet sich ein bisschen im Standby-Modus – bist du trotzdem viel auf dem Bike unterwegs?

Zur Zeit sieht es ganz gut bei mir aus mit dem Radfahren. Das Wetter ist ja nicht gerade winterlich und ich habe ein paar Spots die man auch noch fahren kann, wenn es ein wenig geregnet hat. Hin und wieder sind natürlich auch immer Phasen, die nicht so zum Radfahren einladen und genau die Tage ohne Fahrrad lassen mich doch schon etwas nervös werden. Deshalb bin ich viel auf der Suche nach neuen Spots und Locations, um sie jetzt aufzubauen und, wenn das Wetter wieder wirklich gut ist, zu fahren.

Vor zwei Jahren hast du dich schwer am Knie verletzt. Wie geht es deinem Knie mittlerweile?

Ja, ziemlich genau zwei Jahre ist es jetzt her. Langsam fahre ich immer öfter wieder ohne Orthese und es fühlt sich ganz gut an. Natürlich ist nach so einer Verletzung nicht wieder alles so wie vorher und ich habe schon ab und an Schmerzen im Knie. Das ist allerdings kein Grund, nur das Schlechte an so einer Verletzung zu sehen. Nachdem die Ärzte der Meinung waren, dass ich wohl nie mehr richtig laufen könnte und ich es geschafft habe nun wieder auf dem gleichen Niveau Rad zu fahren wie vorher, kann ich wohl mit ziemlicher Gewissheit sagen, dass ich alles schaffen kann, wenn ich es nur genug will. Und wenn diese Erkenntnis ein bisschen Zwicken im Knie kostet, dann ist es eben so.

Marius Hoppensack - Flug übers Rail
# Marius Hoppensack – Flug übers Rail

Wie bereitest du dich auf die kommende Saison vor?

Ich habe keine wirkliche Saisonvorbereitung zur Zeit, außer die Spotsuche. Eigentlich versuche ich einfach so viel es geht auf dem Rad zu sein und auch jetzt dabei so viel Spaß wie möglich zu haben. Worum geht es den sonst, wenn nicht um den Spaß an der Sache?

Seit einigen Jahren hast du nun deine eigene Bikemarke Beddo – ist das dein Hauptjob oder was machst du aktuell als Pro-Rider, der keine Contests fährt?

Na eine gute Frage! Haha! Man muss vielleicht sagen, dass ich nicht der Typ dafür bin, irgendetwas in meinem Leben als richtigen Job zu betrachten. Ich mache von morgens bis abends, was mir Spaß macht. Ob es nun Radfahren, Trips organisieren, meine Bikemarke Beddo voranbringen, studieren oder eben auf einem Contest moderieren ist. Würde mir etwas davon grundlegend keinen Spaß mehr machen, würde ich es einfach sein lassen. Natürlich gibt es bei jedem dieser Dinge immer Probleme, die natürlich keinen Spaß machen, aber dann macht mir eben die Herausforderung wieder Spaß. Und wenn ich mal etwas verkacke, ist es auch nicht schlimm, weil ich dann einfach an einer anderen Ecke weiter mache und meine Lehren daraus ziehe. Und weil es eben alles Teile meines Lebens sind, trenne ich sie auch nicht so rigoros voneinander. Also, ich kann es dir nicht sagen, tut mir Leid!

Was war eigentlich die Intention, eine eigene Bikemarke ins Leben zu rufen? Warst du so unzufrieden mit dem bisherigen Kram oder hattest du einfach Lust, selbst was zu bauen?

Ich denke es war eine Mischung aus beidem. Mich haben die Herausforderungen genau wie die Möglichkeiten daran gereizt. Und dabei ist es bis heute geblieben. Ohne jemanden schlecht machen zu wollen, denke ich, dass es manchen Leuten, die bei manchen Firmen die Entscheidungen treffen, gut tun würde auch mal das Rad zu fahren, was sie da gerade an den Mann bringen wollen. Natürlich musste ich auch erstmal merken, dass die gleichen Jungs, ganz andere Fähigkeiten haben und sich dafür ganz gut mit Märkten usw. auskennen. Ich denke aber, dass ich mittlerweile diese Defizit ganz gut aufgeholt habe.

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# Läuft gut mit neuem Material: Marius bei einer nicht ganz ungefährlichen Aktion in Duisburg 2011. Foto: Jan Fassbender

Für alle die es nicht wissen: Wer macht was bei Beddo?

Meine Aufgabe bei Beddo ist so ziemlich alles, was mit dem Bauen von Fahrradteilen, Managen von Teamfahrern, Organisieren von Trips, Schalten von Anzeigen, News usw. zu tun hat. Natürlich gibt es ein paar Sachen, die ich nicht kann und die ich andere Leute machen lassen muss. Produktfotos werden zum Beispiel von Jan Faßbender oder Stephan Peters gemacht. Das Design und die Grafiken macht Till Overwien. Solche Sachen übernehmen aber immer alles Leute, die auch selbst auf dem Rad sitzen, damit wissen worauf es ankommt und gleichzeitig ihr Handwerk in genau diesem Bereich beherrschen.

Kalt ist es im Pott: Dezember-Shooting im Shirt
# Kalt ist es im Pott: Dezember-Shooting im Shirt

Aktuell gibt es zwei Rahmen, Vorbau, Lenker, Griffe – sind neue Sachen für die Zukunft geplant?

Ja, wir werden für Anfang Januar noch neue Sattel-Sattelstützencombos, Felgen, Stahlkurbeln und wieder neue Steuersätze am Start haben. Dieser ganze Produkt-Entstehungsprozess ist immer ziemlich langwierig, aber jedes Jahr kommt etwas dazu und es macht einfach riesig Spaß, Beddo Stück für Stück wachsen zu sehen. Mittlerweile haben wir fast ein ganzes Rad zusammen.

Marius schmeißt sich mit einem satten Fufanu an die Mauer
# Uni Duisburg: Marius schmeißt sich mit einem satten Fufanu an die Mauer

Du bist ja selber noch aktiv, hast auch Teamfahrer mit viel Potenzial. Während die Teamfahrer aktiv Dirt und Slopestyle fahren, sieht man dich eher als Kommentator oder Judge – wirst du das auch 2013 so handhaben oder sieht man dich auch mal wieder aktiv auf Events?

Ich werde das auch weiterhin so handhaben. Als Judge trete ich nicht auf, denn wenn ich nicht will, dass mich andere Leute bewerten, kann ich mir ja wohl kaum rausnehmen andere zu bewerten. ;) Die einzigen Gründe, weshalb ich Contests aber gut finde ist, dass sie die Szene zusammenbringen und sich alle Radfahrer immer wieder sehen oder damit unser Sport einem Publikum präsentiert wird und sie verstehen, wobei es bei diesen waghalsigen Sprüngen auf dem Rad geht. Und für das Verständnis der Zuschauer ist der Kommentator da und wenn der keine Ahnung hat, finde ich es persönlich echt anstrengend einem Contest zu folgen.

Und weil es mir einfach so viel Spaß macht und ich mittlerweile ganz gut beide Seiten kenne, die der Zuschauer und die des Fahrers, kann ich gut zwischen ihnen vermitteln. Ich versuche aber, dass man mich als Ausgleich zum Moderieren noch genug in Videos, auf Bildern oder außerhalb von Events auf dem Rad sieht.

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# Trip nach England: Üppiger Superman Seatgrab. Foto: Sebastian Lehmann

Kürzlich warst du mit der Beddo-Crew in Japan. Wie lässt sich die Szene beschreiben, was hat dich in Japan besonders beeindruckt? Wie wird im Vergleich zu Europa dort gefahren?

Japan ist ziemlich groß und die Spots sind weit auseinander. Die Radfahrer, die nicht direkt in der Nähe von einem Spot wohnen, haben eigentlich keine Möglichkeit ihren Sport auszuüben, wenn sie kein Auto haben. Deshalb sind dort die meisten eher älter (25-45 Jahre).
Dort wo es die Spots gibt, die man gut erreichen kann, sind dann aber auf einmal Unmengen von Leuten aller Altersklassen. Das schöne in Japan ist, dass man von Grund auf älteren Leuten viel Respekt wegen ihrer Erfahrung zollt. Deshalb verstehen sich dort auch noch alle gut, wenn die Jüngeren die krasseren Tricks raushauen und die älteren die spannenderen Geschichten erzählen.

Das Level ist nicht ganz so hoch wie bei uns, was Dirts und Downhill angeht, weil die Disziplinen eher von älteren Fahrern betrieben werden, die sich irgendwann nicht mehr so hart geben. Im Streetbereich sind aber auch die jüngeren am Start und da geht es ziemlich ab. Ich denke da sind die Japaner den Europäern höchstens ein Jahr hinterher.

Schon im letzten Interview vor zwei Jahren hatten wir dich gefragt, ob du neben Dirt- und Parkaktivitäten auch anderweitig auf Mountainbikes unterwegs bist. Wie sieht es aus, fährst du mittlerweile FR oder Enduro-Geschichten?

Ich bin dazwischen schon ein paar Tage mal FR oder Enduro gefahren, aber mein Herz hängt einfach am Dirt-, Park- und Streetfahren und meinem Hardtail. Es ist nicht so, dass mir das andere keinen Spaß machen würde, aber sobald ich mein Rad sehe, kann ich ihm nur schwer mit einem Fully fremdgehen.

Auch Alex Teschner hatten wir schon im letzten Interview gefragt - woran liegt es deiner Meinung, dass das klassische Street- und Parkfahren im Vergleich zu Slopestyle und großen Dirtsprüngen medial aktuell eher wenig stattfindet?

Für die breite Masse, die keine bis nur wenig Ahnung von Radfahren hat, sieht es natürlich um einiges krasser aus, wenn sich ein Fahrer mit nem Salto eine Felskante runter stürzt, als wenn einer mit einem um das Vorderrad verdrehten Fuß den technisch versiertesten Footjam herauszaubert. Sobald du aber weißt, wo du deinen Clips als Park und Streetfahrer herbekommst, kann man nicht sagen, dass es von der Maße weniger Videos wären. Ich würde sogar sagen, dass die urbane Generation hervorragende Filmer und Cutter heran züchtet, die Tag für Tag neues Material produzieren. Für meinen Eindruck sogar mehr als die Slopestyle- und Dirt-Fraktion.

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# Vom Suntour-Teamtrip nach Mykonos: Walltap im Sonnenlicht. Foto: Niko Rigas

Wärst du dafür, dass in dem Bereich wieder mehr Contests oder Jams stattfinden?

Na klar, wäre das klasse! Aber ich denke das Hauptproblem liegt daran, dass viele Fahrer es nicht mitbekommen, wenn bei ihnen in der Nähe ein Contest oder eine Jam stattfindet. Das liegt zum einen an den Veranstaltern, dass sie es nicht genug in Foren schreiben und an den Fahrern, dass sie nicht genug in die Foren schauen. Wenn das besser organisiert wäre, würden Jams auch mehr besucht werden und es würde auch wieder mehr Jams geben.

Das Fahrniveau ist in den letzten Jahren und Monaten wieder extrem gestiegen. Verfolgst du die FMB-Tour intensiv? Wer ist dein aktueller Lieblingsfahrer, wessen Style magst du gerne?

Ich weiß zumindest immer wer gewonnen hat und da war es wohl meistens Brandon Semenuk. Meistens auf jeden Fall verdient und er hat auch zur Zeit einfach ein fast unschlagbares Trickrepertoire. Mein Lieblingsfahrer zur Zeit ist aber, neben allen meinen Beddo Fahrern, Thomas Genon. Ich bin schon früher mit ihm in Skatehallen gefahren, als er noch meistens auf dem BMX unterwegs war.

Und als er dieses Jahr endlich mal den 26TRIX gewonnen hat ohne vorher einen wirklichen Namen zu haben, hat es mich natürlich besonders gefreut! Auch bei der Berg-Line hat er über die 14m Kicker Tricks wie den Tailwhip to Nohand gezeigt, was ich bei dem Wind dann doch sehr beeindruckend fand! Auch Colorado war der Wahnsinn mit einem 360Barspin to Tailwhip. Also zur Zeit meine Nummer eins würde ich sagen.

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# Mit diesem Flair beweist Marius, dass er auch ohne Contests auf einem sehr hohen Niveau fährt. Foto: Jan Fassbender

Welche Contests sind dir am liebsten? Sind Crankworx und Co. mittlerweile zu sehr auf Spektakel aus oder guckst du dir diese Sachen trotzdem gerne an?

Crankworx ist natürlich der Wahnsinn, wie die Jungs sich von der Größe der Sprünge nicht beeindrucken lassen und da trotzdem sich durch die Luft schrauben wie bei Pumped BMX. Rampage dagegen wurde glaube ich einfach nur ins Leben gerufen, weil sich die Leute gerne Stürze anschauen. Bei Park und Dirt Contests im Gegensatz dazu ist meistens das geile, dass man dort neue Tricks sieht, die vorher noch keiner irgendwo gezeigt hat.

Ich würde sagen, ich bin einfach ein leidenschaftlicher Fahrradfahrer und finde an fast jedem Contest etwas, das mir gefällt. Als Fahrer muss ich natürlich auch sagen, dass bei den Kursen auf den großen Events ein kleiner Fehler oder etwas Pech das Ende einer großen Karriere sein kann. Jeder sollte für sich entscheiden, ob er dieses Risiko eingehen möchte oder nicht und im Zweifel die Größe beweist, anderen den Vortritt zu lassen.

Auch die Red Bull Berg Line findet 2013 wieder statt. Wie fandst du den Contest dieses Jahr?

Ich fand es vor allem geil, dass so ein großer Contest, genau wie der District Ride letztes Jahr, in Deutschland ausgetragen wurde. Ich glaube, dass es für die Zuschauer auf jeden Fall ein ziemlich fettes Spektakel war. Es waren direkt zwei Fahrer, die einen Double Backflip gezeigt haben. Vielleicht wäre ein großer Tricksprung am Ende nochmals cool gewesen für fette technische Tricks. Aber man kann natürlich immer ein paar Sachen verbessern.

Was ist bei dir sonst für 2013 geplant?

Dazu kann ich leider gar nichts sagen. Ich weiß leider nie ob alles so klappt wie ich mir das vorstelle und selbst wenn es schon feststehen würde, wäre es jetzt zu früh, davon zu berichten. Ich war zum Beispiel im September in Japan und jetzt ist gerade mal der erste von 3 Clips rausgekommen. Die Photostory wird erst im März in der World of Mountainbike gedruckt. Da ist einfach mal ein halbes Jahr zwischen und jetzt bin ich noch in der Planungsphase. Aber es wird sicherlich das ein oder andere Video von mir geben!

Schnellschüsse: 

Street oder Dirt?
Lightweight oder stabil?
Flip oder 360er?
Techniktricks oder große Sprünge?

Dazu nur soviel: Das schöne an unserem Sport ist ja, dass es nicht nur An oder Aus gibt und man ihn nicht in Zahlen fassen kann, wie Stabhochsprung usw. Es geht darum sich auf nichts festzulegen und seinen Weg zu finden, der wahrscheinlich irgendwo dazwischen liegt oder gar nicht mit den Wörtern beschrieben werden kann, die es schon gibt.

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg in 2013!

Wallride an der rutschigsten Stelle in der Umgebung
# Zum Abschluss der Session: Wallride an der rutschigsten Stelle in der Umgebung

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Mehr über Marius: http://www.marius-hoppensack.de

Mehr über seine eigene Bikemarke Beddo: http://beddo.de


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