HomeAllgemein“Haute Route – Das Leben ist ein Pass” – Interview mit Tom Malecha über seinen neuen Film — 8. April 2013 14:46

“Haute Route – Das Leben ist ein Pass” – Interview mit Tom Malecha über seinen neuen Film

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“Die berühmteste Ski-Tour der Welt - mit dem Mountain Bike.” So umschreibt Tom Malecha alias “teecee” seinen bisher längsten Film, der wie meistens weniger in die brachiale Action geht, sondern vielmehr auf äußerst sehenswerte Weise das Biken und die Landschaft in den Mittelpunkt stellt. Im 16minütigen “Haute Route”, in dem Tom zusammen mit seinem Bike-Kollegen Johannes im Wallis 180km und über 10.000 Höhenmeter bewältigt, steht steht zudem eine Geschichte der “Herausforderungen” im Mittelpunkt – welche dies genau sind, seht ihr im Film. Wie auch schon beim letzten Clip haben wir Tom zu seinem aktuellen Film einige Fragen gestellt.

Haute Route – Das Leben ist ein Pass von teecee – mehr Mountainbike-Videos

MTB-News.de: Was genau ist die “Haute Route”?

Tom Malecha: Irgendwann in der Mitte des 19. Jahrhunderts haben es sich ein paar Engländer in den Kopf gesetzt, auf der höchst möglichen Route vom Mont Blanc zum Matterhorn zu wandern. Und ein paar Jahre später haben sie es dann im Winter versucht. Ich würde behaupten, die Haute Route ist heute die berühmteste Ski-Tour der Welt.

Wie kam die Idee auf, das mit dem Bike nachzumachen?

Auf die Idee bin ich durch eine Story im Ride Magazine gekommen. Angeblich waren es Hans Rey und Holger Meyer, die diese Tour als erste gefahren sind. Im Gegensatz zur Original-Route führt diese Version von Verbier nach Brig.

Mit 160mm das perfekte Bike für die Tour: Tom und sein Orbea Rallon im Zielanflug auf Brig.
# Mit 160mm das perfekte Bike für die Tour: Tom und sein Orbea Rallon im Zielanflug auf Brig.

Wie würdest du die Tour beschreiben?

Man überquert jeden Tag mindestens einen Pass, der knapp an der 3000er-Grenze kratzt. Die meiste Zeit ist man also wirklich in hochalpinem Gelände unterwegs. In den Uphills bedeutet das überwiegend tragen. Wir haben, um die Abwärtsmeter zu maximieren, auch drei Lifte genutzt. Aber trotzdem sind das noch jeden Tag um die 2000 Höhenmeter und das bei ziemlich dünner Luft. Ich will das Ganze jetzt nicht übermässig dramatisieren, aber man sollte für den Trip schon eine gewisse Fitness mitbringen. Hinzu kommt: Wir haben ja nebenbei noch einen Film gedreht. Das hat natürlich noch zusätzlich Kraft gekostet.

Die oberste Prämisse bei der Routenplanung: Immer knapp unterhalb der Gletscher entlang.
# Die oberste Prämisse bei der Routenplanung: Immer knapp unterhalb der Gletscher entlang.

Was waren die Downhills für Strecken? Eher einfache Singletrails oder viele rumpelige Passagen?

Da sind schon ein paar wirklich knackige Abfahrten dabei. Ohne Umsetzen ist vieles nicht fahrbar. Aber dafür sind auch viele Sahnestücke dabei. Insbesondere der Downhill vom Augstbordpass nach Stalden ist der Hammer. 2000 Höhenmeter am Stück! Als Tagestour ist die Abfahrt aus logistischen Gründen nicht wirklich sinnvoll zu fahren. Insofern sind solche Downhills dann die Belohnungen für die ganze Kraxelei.

Man kann davon ausgehen, dass man eine solche Tour nicht mit der gleichen Ausrüstung absolviert wie bei der Feierabendrunde. Was kannst du zum Equipment sagen?

Das wichtigste sind erst mal gute Schuhe. Johannes und ich fahren beide mit Klicks, deshalb haben wir uns vorher die Shimano SH-MT91 besorgt. Das sind quasi richtige Bergschuhe, aber mit Klicks. Die Tour mit normalen Freeride-Schlappen oder gar Race-Schuhen fände ich leichtsinnig. Als Bike hatte ich mein Orbea Rallon dabei, das ist ein leichtes 160mm Enduro.

Auf dem Col de Torrent.
# Auf dem Col de Torrent.

Ich hatte zuerst aus Gewichtsgründen überlegt mein All Mountain zu nehmen, aber ich war dann sehr froh um den Federweg. So konnte ich selbst mit meinen eher mittelmässigen Fahrkünsten fast alles fahren. Ach ja, und die Tubeless-Reifen haben sich extrem bewährt. 10000 Höhenmeter fiesestes Geröll und trotzdem keinen einzigen Platten. Ausserdem konnten wir Vaude als Sponsor für die Geschichte gewinnen, die haben uns dann mit vernünftiger Kleidung ausgestattet. Wie ihr im Film sehen könnt, konnten wir die wirklich gut gebrauchen. Mit durchnässten Klamotten sich über einen fast 3000m hohen Pass zu schleppen wäre kein Vergnügen gewesen.

Quasi Bikebergsteigen - allerdings nicht nur als Tagestour...
# Quasi Bikebergsteigen – allerdings nicht nur als Tagestour…

Johannes Riebl startet in die Abfahrt vom Meidpass.
# Johannes Riebl startet in die Abfahrt vom Meidpass.

Vielleicht noch ein paar Worte zum Film?

Mit knapp 16 Minuten ist das mein laengster und aufwändigster Film. Es war von vorne herein klar, dass wir nicht viel Equipment mitnehmen können. Ich hatte nur eine Canon EOS 550D mit einem Sigma-Zoom, einen Gorillapod und eine Gopro dabei. Da klar war, dass wir nicht mit krassen Kamerafahrten glänzen können, habe ich mich darauf konzentriert, eine gute, persönliche Geschichte zu erzählen. Insofern bin ich mal sehr gespannt, wie der Film ankommt!

Danke für das Interview. Eine letzte Frage: Wie lauft’s mit den “neuen Herausforderungen”? Seid ihr denen gewachsen?

Oha. Ja, das läuft. Das Leben ist ja wie gesagt ein Pass. Manchmal muss man ein bisschen kämpfen, aber wenn man dann oben ankommt, hat man ein breites Grinsen im Gesicht. Der Bewegungsradius ist mit Kind natürlich ein bisschen kleiner. Aber Johannes und ich waren zum Beispiel bis letzte Woche mit ein paar anderen Freunden samt Frauen und Nachwuchs auf La Palma. Also keine Sorge, die Bikes sind noch nicht eingerostet!

Wer die Tour nachfahren will, findet hier die wichtigsten Tipps:

Daten zur Tour: 180 km Distanz, 9515m Uphill, 12910m Downhill
Jahreszeit: Die Tour sollte nur im Sommer und bei guten Wetterbedingungen gefahren werden.
Bike-Verbote: Auf dem allerersten Stueck führt der Trail kurz über eine Strecke mit Bike-Verboten. Wir sind aus diesem Grund wochentags und in aller Frühe gestartet, um Konflikte zu vermeiden.
Übernachtung: Leider liegen keine Berghütten entlang der Route. Wir haben deswegen in den Tälern übernachtet. Dort gibt es eine ganze Auswahl an – leider nicht ganz günstigen – Hotels.

Daten und Visualisierungen zur Tour gibt es hier.

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Fotos: Johannes Riebl, Tom Malecha


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