HomeMagazinTestsBekleidung und ZubehörFahrbericht: Five Ten Freerider VXI – Weniger ist mehr — 25. April 2013 10:31

Fahrbericht: Five Ten Freerider VXI – Weniger ist mehr

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Als Five.Ten auf der Eurobike letzten Jahres den 5.10 Freerider VXI vorstellte, staunten wir nicht schlecht: Weniger Profil für, ja wofür eigentlich? Bisher hatten die Kalifornier ihre Schuhe auf mehr Grip und noch mehr Grip optimiert, was kam jetzt?

Sauber verarbeitete robuste Obermaterialien
# Sauber verarbeitete, robuste Obermaterialien

Die Antwort ist eigentlich recht einfach: Das Ergebnis der eben beschriebenen Entwicklung war, dass die Schuhe für manchen schlicht und ergreifend zu viel Halt boten. Wie muss man sich das vorstellen, zu viel halt? Natürlich nicht etwa wie beim Klickpedal, dass sich die Füße im Falle eines Sturzes nicht mehr von den Pedalen lösen ließen, sondern eher so: Man steigt auf sein Fahrrad, denkt sich nicht viel, und steht irgendwie auf den Pedalen. Normalerweise nimmt man dann etwas Druck vom Pedal und repositioniert den Schuh so, dass man bequem steht. Wenn jetzt die Sohle aber so gut mit den Pins verzahnt ist, dass dies nicht mehr möglich ist? Dann musste man tatsächlich teilweise den Fuß ganz vom Pedal nehmen – was natürlich auch bedeutet: Den anderen Fuß nach unten orienierten – und konnte erst dann eine angenehme Haltung einnehmen. Passierte dies gleich mit beiden Füßen, so war das, sagen wir mal: Suboptimal. Die Option, sich zu setzen und beide Füße gleichzeitig neu auszurichten, lassen wir in Anbetracht des angedachten Einsatzzweckes der griffigen 5.10-Schuhe mal außen vor.

Der Freerider VXI in Schwarz - Rot Robust und griffig - außer auf Schnee und Eis Charakteristische Neuerung: Der abgeflachte Bereich der Sohle Der Schuh ist schlanker, leichter, fester als bisherige.
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An alle, die bei der beschriebenen Thematik genickt haben, richtet sich der Freerider VXI, der übrigens neben dem Freerider im Programm steht. Er ersetzt diesen also keinesfalls, sondern erweitert das Angebot, wodurch man ein wenig die Qual der Wahl hat. Welcher Schuh nun für wen der richtige ist, haben wir im Fahrbericht geklärt.

Aus der Box

Wie bisher alle Schuhe, die wir von Five.Ten in der Hand hatten, ist auch der Freerider VXI sauber verarbeitet. Er ist dabei leichter, enger geschnitten und straffer gepolstert – weniger Skater, mehr Biker.

Dazu passt auch die steife Sohle, der Schuh ist spürbar schwieriger durchzubiegen als der konventionelle Freerider, sogar fast so hart wie der Impact. Die Materialien weisen zum Teil eine leichte Oberflächentextur auf, welche beim Schwarzen Modell an Carbon-Look erinnert. Unabhängig, wie das gefällt, sieht man es eigentlich nur, wenn man den Schuh in der Hand hat, was natürlich nicht der ursprüngliche Einsatzzweck ist.

Ähnlich wie bei den bekannten Modellen steht auch beim neuesten Wurf die Ferse leicht erhöht, allerdings deutlich weniger als beispielsweise beim Mitbewerber Teva Links.

Zur Größe lässt sich sagen: Der Schuh fällt genau wie Impact und Freerider gewöhnlich aus, einfach in der persönlich bekannten Schuhgröße bestellen und die Sache passt. Dank der dünneren, festeren Polsterung änderte sich auch nach einigen Malen Tragen die Größe nicht signifikant.

Steahl Rubber mit ausgeformten Kanten
# Stealth Rubber mit ausgeformten Kanten

An der Sohle fällt natürlich zu allererst die erwähnte, flache Zone des „Floatkonzepts“ auf. Diese ist, anders als es ein flüchtiger Blick vielleicht vermuten lässt, nicht einfach eben. Stattdessen weist sie in Längsrichtung natürlich die leichte Biegung auf, die das Abrollen beim Gehen unterstützt, spannender wird es aber quer dazu: Hier weist sie ein konkaves Profil auf, die Außenkante ist sichtlich ausgeprägt. Vor und Hinter dieses Sweetspots findet sich die klassische, grob gepunktete Profilierung. Auch in Sachen Gummi schöpft der VXI aus bekannten Ressourcen: Stealth Rubber S1 heißt die berühmte Mischung, die zäh, deformierbar und doch fest ist.

Auf dem Trail

Beim ersten Pedalkontakt fällt auf, dass angenehm wenig Raum Schuh zwischen Pedal und Fuß rückt, der Kontakt ist direkt und der Schuh dreht nicht unangenehm weit um die Pedalachse. Dann aufstehen, die Pins ins Gummi drücken, und ausprobieren: Wie leicht kann ich meinen Schuh neu ausrichten? Die Antwort lautet: „Es kommt drauf an!“ Worauf? 1. In welche Richtung soll der Fuß bewegt werden? Und 2. Wie lange steht der Fuß schon in der nicht erwünschten Position?

Welche Bewegungen werden erlaubt, welche behindert?

Wie bereits erwähnt, ist die speziell ausgeformte Sohle nicht einfach nur glatt. Ihre Konkave Form wirkt sich im Alltag so aus, dass es leicht fällt, den Fuß zu verdrehen, denn dann muss der äußere Wulst nicht über Pins gedrückt werden, die Relativbewegung Pin-Wulst erfolgt aneinander vorbei. Hat man den Fuß also leicht verdreht aufs Pedal gestellt, was bei uns recht häufig vorkam, so lässt sich dies leicht korrigieren.

Mit dem Freerider VXI unterwegs
# Mit dem Freerider VXI unterwegs

Anders sieht es aus, wenn man versucht, den Fuß zu verschieben, und zwar ziemlich egal, in welche Richtung. Eine seitliche Verschiebung wird durch die ausgeprägte Seitenkanten sehr schwer gemacht, ein Verschieben nach vorne oder hinten würde ebenfalls bedeuten, die Pins durchs Gummi drücken zu müssen.

Im Schnee sollte man auf dem Rad bleiben
# Im Schnee sollte man auf dem Rad bleiben

Wie wirkt sich die Standdauer auf den Grip aus?

Eine auf Reibung basierende Verbindung, in der Gummi beteiligt ist, weist die Eigenschaft des Kriechens auf. Das bedeutet nicht, dass sie auf Knien irgendwo hin robbt, aber eben doch, dass sich die beiden Verbindungspartner langsam aber sicher relativ zueinander bewegen. Außerdem weist Gummi eine Hysterese auf, was grob vereinfacht bedeutet: Man kann Gummi schneller eindrücken, als es sich wieder zurück verformt. Beides zusammen sorgt dafür, dass sich a) die Pins langsam aber sicher tiefer ins Gummi drücken und b) sie mit vergehender Zeit besser umschlossen werden. Das Ergebnis: Ob man den Schuh nur ganz kurz oder für mehrere Sekunden aufs Pedal drückt, macht einen Unterschied.

Nicht hinschauen - Dreck fliegt
#Da kann der nuts selbst nicht hinschauen – Dreck fliegt

Diese Eigenschaft ist natürlich wie gemacht für die gegebene Problemstellung. Die Fehlstellung ist schnell bemerkt und kann ohne großen Aufwand korrigiert werden. Hat man dann einmal die richtige gefunden, so wird diese auch noch gefestigt und somit nicht mehr so leicht verlassen.

Alles in allem lässt sich der Fuß also meistens ohne Probleme im richtigen Winkel ausrichten, Abrutschen wird aber weiter sicher verhindert. Gleichzeitig gilt auch: Erst wenn man mal Druck aufs Pedal gebracht hat (im Stehen oder beim Pedalieren) werden die Pins ordentlich ins Gummi gedrückt und greifen dann sehr gut. Dann liegt der Grip auf dem Niveau eines konventionellen Freeriders. Ohne Druck baut sich hingegen auch keine Reibung auf, der Grip ist dann offensichtlich nicht so gut wie bei einer profilierten Sohle, welche schon ohne Druck einen Formschluss aufbauen kann.
Angenehm ist auch folgender Effekt des leichter zu positionierenden Schuhs: Ähnlich wie mit Klick-Pedalen gewinnt man tatsächlich Bewegungs-Spielraum, den man zum Beispiel nutzen kann, um den Fuß in jeder Kurve richtig einzudrehen.

Mit Übung geht der Freerider auch zu Fuß bergauf
# Mit Übung geht der Freerider auch zu Fuß bergauf

Die zweite, brennende Frage, die sich beim Anblick der Sohle stellt, lautet natürlich: Wie viel Grip hat man mit dem Schuh, wenn man mal nicht auf einem Flatpedal mit Madenschrauben steht?

Dank langem Winter hatten wir ausgiebig Gelegenheit, den Schuh auch bei Schnee auszuprobieren. Es lässt sich nicht leugnen, dass wir abseits vom Bike ganz schön durch die Gegend gerutscht sind. Steht man auf dem Ballen auf einer wirklich glatten Fläche wie gepresstem Schnee oder Eis, so gibt es fast kein Halten. Das ändert sich zum Glück, wenn man die Zehenspitzen einsetzt oder den Schuh auf die Kante stellt. Macht man hiervon bewusst Gebrauch, so lassen sich auch verschneite oder matschige Steilhänge erklimmen, der zusätzliche Einsatz kostet aber klar Kraft und Bedarf einiger Konzentration. Auf losem oder rauhem Untergrund lassen sich derweil keine Defizite feststellen, heißt: Es gibt Einsätze, bei denen der Freerider VXI eine recht suboptimale Wahl ist, dies lässt sich aber weitestgehend kompensieren. Von einer Wanderung im Schnee wollen wir aber doch abraten.

Repositionieren fällt wirklich leichter
# Repositionieren fällt wirklich leichter

Was lässt sich sonst berichten?

Temperaturmäßig nichts neues. Wir würden den VXI, genau wie Freerider oder Impact, als ziemlichen Alljahres-Schuh bezeichnen. Im Sommer etwas heiß, im Winter etwas kalt, aber dadurch meistens ganz richtig.

Die Dämpfung, wenn man den Fuß rausstellt oder nach einem Sprung nicht mit den Reifen zuerst landet, ist gut, aber nicht gar so gut wie bei Tevas Links. Sie resultiert aus dem Gummi selbst, dazu kommt in der Mittelsohle eine Schicht unter Druck gespritzten Polyurethans.

Feuchte nasse Böden sind nicht die Paradedisziplin
# Feuchte, nasse Böden sind offensichtlich nicht die Paradedisziplin des VXI.

Die Steifigkeit hat sich im Laufe des Tests leicht verringert, bleibt aber auf einem sehr guten Niveau über dem Freerider. Die ersten Ausfahrten sind steif wie ein Impact, nach einigen Fahrten wurde der Schuh etwas gefühlsechter und dafür etwas weicher. Dichte Schäume, die wenig nachgeben und trotzdem sehr gut dämpfen und vor allem der stark ausgeformte Kunststoffbogen im Innenbereich geben ihren Beitrag zum dauerhaften und straffen Gefühl. Das Obermaterial lässt sich leicht reinigen, die Stoffe wirken sehr haltbar; nach ein paar Monaten lässt sich aber natürlich noch nicht endgültig sagen, wie lange er hält. Positiv fällt auf, dass das Material sehr schnell trocknet und ausdampft.

In Sachen Verschleiß liegt der VXI wohl genau auf dem Niveau der anderen Schuhe mit Stealth Rubber S1. Das heißt: Bei regelmäßigem, aber nicht übermäßigen Gebrauch sind zwei Saisons gut drin. Leichte Schnitte oder Abdrücke vom Repositionieren der Pins werden auf der „weißen Fläche“, die im Neu-Zustand natürlich makellos ist, schneller sichtbar, scheinen ihr aber erst einmal nichts anhaben zu können.

Die Passform taugte uns gut, es ergaben sich keine Druckstellen, das Fußklima war auch nach acht Stunden unterwegs noch angenehm.

Oberfläche mit Textur
# Oberfläche mit Textur

Eine Frauenversion gibt es nicht speziell, der Fit ist aber einen Tick schlanker, straffer und Dank des neuen, schmaleren, dafür aber konstanteren Schaums lang anhaltender. Die Größen gehen bei allen Modellen runter bis UK 2.0. Fit und Größen werden auch der Damenwelt insgesamt einen weiteren Schritt näher kommen. Zusammen mit dem Modell Spitfire, das ähnliche Größenschritte aufweist, hat 5.10 mehr Modelle denn je im Damengrößenbereich anzubieten.

Fazit

Der Freerider VXI ist eine gelungene Bereicherung für alle, die die mit griffigen Schuhen sonst mühselige Repositionierung nervt, aber auch für alle, die einen funktionalen, schlanken Bike-Schuh suchen und Einsätze im Schnee entweder selten tätigen oder ohnehin noch über einen Zweitschuh verfügen. Fest steht: Für viel Grip auf dem Pedal braucht es kein Profil – im Gegenteil: Die glatte Sohle schafft den Kompromiss aus viel Halt und dennoch einfacher Justage der Fußposition – und das kann nur gut sein: Um den Fuß für jede Kurve perfekt positionieren zu können, ihn öfter, aktiver einzusetzen.

  • Gewicht: 408g (Ein Schuh Größe 42) / Vergleich: Impact – 510g, Freerider – 408g
  • Freerider VXi: UK 2.0 – 13.0
  • Verfügbarkeit seit wenigen Tagen im Fachhandel
  • Preis: empf. VK 120,- €
  • Farben: Schwarz-Weiß-Blau (Pumice-Black) / Weiß-Rot-Schwarz / Schwarz-Grau (Charcoal-Grey)

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Fotos: Flo R. / Tobias Stahl / Max Schumann / Stefanus Stahl


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