Schon auf den ersten Blick heben sich die Rotor 3D+ MTB Double Kurbeln deutlich von dem Erscheinungsbild ab, das wir von Shimano und Sram seit Jahren gewohnt sind. Doch es sind nicht maßgeblich die gefrästen Kurbelarme, die den Unterschied machen. Nein – es sind die unrunden Kettenblätter, die an unserem Testrad verbaut gewesen sind. Marktführer Shimano hat unter dem Namen “Biopace” bereits von 1983 bis 1993 derartig unrunde Kettenblätter produziert, die den Totpunkt (Kurbel auf 6 Uhr / 12 Uhr-Stellung) überwinden und so für einen konstanten Kettenzug sorgen sollen. Einen ganz ähnlichen Weg gehen auch die Rotor Q-Rings genannten Kettenblätter, die jedoch weniger stark verformt sind als die Pendants von Shimano. Wie sich das System in der Praxis bewährt oder ob es zu Kettenklemmern kommt, haben wir für euch im Fahrbericht herausgefunden.


# Auffällig anders: Die Rotor 3D+ Kurbel ist nicht nur fein gefräst, sondern mit den ovalen Q-Rings auch wirklich nicht normal.

Technische Daten

Hersteller: Rotor Bike Components
Modell: 3D+ MTB Double (110/74) Kurbel
Modelljahr: 2013
Kategorie: Kurbelset, 2-fach
Material: Aluminium
Kettenblattaufnahme: 5-Arm, 110 / 74mm Lochkreis
Kettenblätter: Rotor Q-Rings, 40 / 26 Zähne
Gewicht Kurbel: 493g (Herstellerangabe ohne Kettenblätter, Schrauben und Innenlager)
Achsmaße: BB30 (68mm Innenlagergehäuse) / BSA

Kurbellängen: 170mm / 172,5mm / 175mm

Q-Faktor: 163mm
Kettenlinie: 44,5mm

Besonderheiten: Zertifiziert nach EN 14766; Lagervorspannung extern einstellbar


# Die Kurbelarme werden aus Aluminium gefräst. Die Achse gibt es sowohl für konventionelle BSA Innenlager, mit Pressfit (BB24) oder großer BB30 Achse.

Konzept & Details

Das eingangs erwähnte Biopace-Konzept von Shimano zielte darauf auf, die Knie der Fahrenden zu entlasten, indem der größte Durchmesser des Kettenblatts am oberen und unteren Totpunkt der Kurbelumdrehung vorlag, während der reduzierte Durchmesser in waagerechter Kurbelstellung dafür sorgen sollte, dass der Totpunkt mit mehr Schwung erreicht und so leichter überwunden wird.


# This is, where the magic happens: Der Durchmesser des Rotor Q-Ring Kettenblatts ist nicht konstant, sondern ändert sich im Verlauf einer Kurbelumdrehung.

Das von Rotor bei den Q-Rings verwendete Konzept geht hingegen in eine umgekehrte Richtung: Basierend auf der Idee, dass das größte Moment aus der waagerechten Position heraus entwickelt werden kann, ist hier der Durchmesser am größten gewählt, während er zum Totpunkt hin immer weiter abnimmt. Auf diese Weise soll das System einen gleichmäßigen Kettenzug ermöglichen und Kraft einsparen, da der Totpunkt leichter überwunden werden kann. Das Resultat sind ovale Kettenblätter, die abgesehen von optischer Auffälligkeit auch ergonomisch Vorteile bieten sollen. Um diese Vorteile herauszufinden, haben wir die Rotor 3D+ MTB Kurbel mit den passenden Rotor Q-Rings mit zum 24h Rennen in Finale Ligure genommen und dort im Renneinsatz auf die Probe gestellt.


# Die Fertigungsqualität und das Finish können überzeugen.

Die passende Kurbeln zu den Rotor Q-Rings ist die Rotor 3D+ MTB Double Kurbel, die für unseren Test mit zwei Kettenblättern in einem Pyga OneTwenty 650b Testrad montiert gewesen ist. Die Kurbel ist aus Aluminium gefertigt und CNC-gefräst, macht optisch einen sehr hochwertigen Eindruck und verfügt ähnlich wie die Kurbeln von e*thirteen über einen kleinen Kompressionsring, über den die Lagervorspannung im Innenlager eingestellt werden kann. Optisch auffällig ist neben der rot eloxierten Schraube zur Befestigung des Kurbelarms auf der Achse auch die Laser-Gravur. Bei den Farben bietet Rotor keine große Auswahl: schwarz muss reichen.


# Die Vorspannung des Innenlagers kann bei der Rotor 3D+ MTB Kurbel über einen kleinen Vorspannring eingestellt werden. Ein ähnliches System findet sich an den Kurbeln von e*thirteen.

Fahreigenschaften

Die zentrale Frage zu Beginn unseres Tests ist gewesen, ob die Rotor 3D+ MTB Double Kurbel während der Fahrt einen spürbaren Unterschied im Tret- und Fahrverhakteb machen würde. Der erste Eindruck: Negativ – das Testrad lässt sich trotz unrunder Kettenblätter beschleunigen wie jedes andere Rad auch. Nur wenn es steil bergauf geht und die Trittfrequenz sinkt, ist ein Unterschied in der Drehmomententwickung am Hinterrad für manche Tester spürbar gewesen, während bei hohen Trittfrequenzen und dementsprechend geringen Drehmomenten kein Unterschied spürbar wird. Folglich helfen die Q-Rings insbesondere dann, wenn hohe Kräfte bei niedriger Trittfrequenz aufgebracht werden. So lässt sich das Rad aus einem großen Gang heraus besser durch kurze Anstiege drücken – wer es hier knieschonend und gemütlich angehen lässt, wird hingegen keinen Unterschied spüren können.


# Wie stark das ovale Kettenblatt in der Praxis zu spüren ist hängt stark von der Trittfrequenz ab.

Je niedriger die Trittfrequenz, desto größer der Effekt!

Insofern geht das Konzept physikalisch auf, doch die Physik des Mountainbikens endet nicht im Antriebsstrang, sondern wird auch von der Bodenbeschaffenheit maßgeblich mit beeinflusst. Hier bringt die Rotor 3D+ Kurbel neben den beschriebenen Vorteilen auch nicht zu vernachlässigende Nachteile mit sich: 1. Eine reduzierte Schaltqualität und 2. signifikant verschlechterte Kettenführungseigenschaften am Umwerfer.

Vergleicht man die Schaltqualität mit der einer Sram XX Kurbel oder einer Shimano XTR, so fällt unmittelbar auf, dass die Rotorkurbel bei korrekter Umwerfereinstellung langsamer und unsauberer schaltet. Hier macht sich die Unrundheit der Kettenblätter bemerkbar, denn je nach Position muss die Kette einen längeren oder kürzeren Weg zurücklegen.


# Testfahrer Patrick unterwegs mit der Rotor 3D+ Kurbel auf dem XX in Finale Ligure. Wenige Meter später ist die Kette weg…

Gewichtiger ist unserer Meinung nach jedoch der Umstand, dass sich der Abstand zwischen der Oberkante des Kettenblatts und des Umwerferleitblechs nicht wie gewohnt auch einen minimalen, konstanten Spalt von ca. 1 – 2mm reduzieren lässt, sondern auch bei korrekter Einstellung zwei Mal pro Kurbelumdrehung variiert. So bildet sich je nach Kurbelstellung ein Spalt, der groß genug ist, dass die Kette beim Herausbeschleunigen aus Kurven abspringen kann. Derlei Probleme enden beim Mountainbike häufig mit schmerzhaften Bodenkontakten und führen letzten Endes dazu, dass wir das Rotor-System nicht für die härtere Gangart im Gelände empfehlen würden. Die Vorteile auf Seiten der Leistungsentfaltung sind zwar nachvollzieh- und teilweise spürbar, doch sie werden mit Beeinträchtigungen der Schaltqualität und der Kettenführung erkauft. Zwar lassen sich hier Verbesserungen bei Verwendung eines Shadow Plus / Type2 Schaltwerks mit erhöhter Kettenspannung erreichen (unser Testrad ist mit einem Sram XX Schaltwerk ohne derlei Technologie ausgestattet gewesen), doch auch diese Schaltwerke haben am Auflaufpunkt der Kette auf das Kettenblatt, der vom Umwerferleitblech kontrolliert wird, nur geringe Auswirkung auf die Kettenführungseigenschaften.


# Das Problem: Links kann der Umwerfer die Kette gut führen – rechts ist der Abstand zwischen Kettenblatt und Leitblech stark vergrößert, wodurch die Führungsqualität stark abnimmt.

Fazit

Die Idee von ovalen Kettenblättern ist alt und die physikalischen Zusammenhänge dahinter logisch nachvollziehbar. Im Mountainbike-Einsatz mit Umwerfer kommt das Konzept jedoch an seine Grenzen, da die Schaltperformance beeinträchtigt wird und die Kette leichter abspringt. Wer diese Nachteile in Kauf nehmen will, profitiert von den Rotor Q-Rings der 3D+ Kurbel – alle Anderen sollten bei runden Kettenblättern bleiben.

Stärken

  • + Unterstützung der Kraftentwicklung beim Treten
  • + schöne Fräsoptik

Schwächen

  • - Schaltperformance nicht auf der Höhe von SRAM oder Shimano Kurbeln
  • - Kettenführung durch Umwerfers wird verschlechtert


# Wer von euch hat bereits Erfahrungen mit den Rotor Q-Rings Kettenblättern gesammelt?

Weitere Informationen

Bilder: Tobias Stahl, Stefanus Stahl | MTB-News.de 2013
Rotor Bike Components Homepage – Link

Die neuesten Kommentare
  1. benutzerbild

    Thiel

    dabei seit 10/2007

    Ist doch klar das sowas empfohlen wird. (Auch wenn es sinnfrei ist / wäre)
    Der Rubel muss doch rollen.
  2. benutzerbild

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  3. benutzerbild

    h0rst99

    dabei seit 01/2008

    Das mag ja sein, allerdings spielt die Adaption der Muskulatur auf Q-Rings schon eine Rolle. Von daher bleibe ich dabei: ein Mix aus Q-Rings und normalen Blättern auf einer Kurbel ist absolut sinnfrei.

    Ich fahre an allen Bikes Q-Rings. Nicht wegen der Empfehlung, sondern um meine Muskulatur an ein System zu gewöhnen.
  4. benutzerbild

    jtroester

    dabei seit 08/2013

    Für Hochleistungssportler, die das letzte Watt aus ihren Muskeln kitzeln wollen/müssen, mag das gelten. Für einen Hobby-Fahrer stellt sich die Kosten/Nutzen-Relation auf einem ganz anderen Niveau. Bei meinen MTB-Touren in den Alpen ist das große Kettenblatt definitiv nicht Match-entscheidend.
  5. benutzerbild

    nam_bika

    dabei seit 01/2007

    Würde mich ja mal gern anbieten sie XX1 mit q-Rings dieses Jahr in Finale zu testen ;-)
  6. benutzerbild

    markus-maximus

    dabei seit 04/2012

    Ideal ist sicherlich eine komplette Garnitur, aber das kleine Ritzel bilft mir auch enorm..fahre es gerne aif längere Strecken bergauf.

    Das Problem am hoch schalten liegt am fehlenden HG..ist ja von Shimano patentiert..wegen den geraden Zähnen leidet die Schaltperformance.
    Ich halte einfach den Trigger etwas länger, dann flutscht es besser. Also kein Problem bei einer gut eingestellten Schaltung.

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