Mit absenkbaren 150mm Federweg ist die Magura Thor T150 die Federgabel der Bad Uracher für den aktuell boomenden Enduro-Sektor. Nach einer optischen Modellpflege ist die Gabel aktuell unter dem Namen Magura TS8 R verfügbar. In unserem Dauertest lest ihr, wie sich die Gabel ohne jeglichen Service seit Ende 2011 auf dem Trail schlägt und wie viele Enduro-Gene sie in sich hat.


# 150mm Federweg, Gewicht unter 1.800g – die Magura Thor T150 scheint von den technischen Daten her perfekt gerüstet für den All-Mountain-Einsatz.

Technische Daten

Hersteller: Magura
Modell: Thor T150 Lift Select (aktuell: TS8 R)
Modelljahr: 2011/2012
Kategorie: Federgabel
Laufradgröße: 26″
Federung: Luft, Lift Select
Federweg: 120 – 150mm
Einbaulänge: 530mm
Dämpfung: DLO+ (Dynamic Lockout)
Schaft: Aluminium, konisch 1,5″ – 1 1/8″ (1 1/8” Version verfügbar)
Standrohre: 32mm, Aluminium
Steckachse: 15mm Maxle Steckachse
Scheibenbremseaufnahme: PM 7″; (180mm Scheibe ohne Adapter fahrbar)
Scheibenbremsgröße: max. 210mm

Einstelloptionen: Federweg, Zugstufe, Druckstufe (Lockout mit Blowoff-Ventil)
Besonderheiten: Einstellknöpfe CNC gefräst, Double Arch Design (DAD, doppelte Gabelbrücken), Zuganschläge für RCL2 Lenkerfernbedienungen an der Gabelbrücke

Gewicht: 1803g (ungekürzt, selbst gewogen)

Einsatzbereich: Trail, All-Mountain, Enduro
Preis (UVP): 859€


# Magura Thor T150 Lift Select 2012

Die Magura Thor T150 ist vom Aufbau her eine klassische Teleskop-Federgabel, deren Casting aus Magnesium gefertigt wird, während die Gabelbrücke aus 6082 T6 Aluminium besteht.


# Eine Eigenheit von Magura: Doppelte Brücken am Casting für bessere Steifigkeitswerte.

Die von uns gefahrene Magura Thor T150 Lift Select bietet die Möglichkeit, den Federweg über einen Dreh am linken Einstellknopf von 150mm auf 120mm zu reduzieren. Durch die Anpassung wird die Front abgesenkt und die steilere Sitzposition hilft in steilen Anstiegen. In dieser Version bringt die Thor schlanke 1803g auf die Waage (mit ungekürztem Schaft) und empfiehlt sich somit für den Einsatz an leichten Enduro-Bikes. Im Unterschied zu den ansonsten baugleichen Magura-Modellen für den XC- und Touren-Einsatz bietet die Thor eine 15mm Steckachse, die für eine zusätzlich erhöhte Steifigkeit sorgen soll.

An unserem Testrad ist diese Achse eine Maxle-Steckachse von Rock Shox, mittlerweile geht Magura beim Nachfolgemodell TS8 R jedoch eigene Wege: Die neuen Modelle haben einen angepassten Hebel an der Steckachse, der sich herausnehmen und als T25 Schlüssel für alle Schrauben an Magura Bremsen verwenden lässt. Im Gegensatz zum bewährten Maxle System bietet diese Lösung mehr Funktionen, bleibt aber was die haptische Qualität und Robustheit angeht hinter dem bekannten Schnellspannhebel der Maxle Steckachse zurück.


# Magura Thor: Casting mit Maxle Steckachse


# Maxle Achse und Zugstufeneinstellung an der Magura Thor T150 Federgabel


# Die DLO+ (Dynamic Lockout) Einstellung erfolgt über den blauen Drehknopf auf dem rechten Standrohr.

Die Einstellungen für die Federung und Dämpfung werden über eloxierte Aluminium-Knöpfe am oberen Ende der Standrohre vorgenommen. Auf der rechten Seite befindet sich der Einstellknopf für das DLO+ Lockout, das über einen Dreh zugeschaltet wird und sich selbst deaktiviert, wenn ein harter Schlag vom Boden auf die Gabel einwirkt. Auf der linken Seite befindet sich die Federwegsverstellung des “Lift Select”-Systems. Hier kann über einen Dreh der Federweg der Gabel von 150mm auf 120mm reduziert werden. Zusätzlich befindet sich unter einer Abdeckkappe das Ventil für die Luftkammer der Gabel.

Ein cleveres Detail hat sich Magura zum Schutz der Thor einfallen lassen: An den unteren Enden des Castings ist wie gewohnt ein Einstellrad für die Zugstufe und eine Schraube zur Befestigung der Dämpfungseinheit am Casting, doch während sich hier in der Regel gefräste Metallknöpfe befinden, setzt Magura auf großvolumige Plastikkappen. Diese Konstruktion hat den Vorteil, dass das Casting nicht verkratzt, wenn das Rad ohne Vorderrad auf den Bodengestellt wird – praktisch!


# Die Plastikkappen schützen das Casting vor Beschädigungen, wenn das Bike ohne Vorderrad abgestellt wird.

Gut gedacht aber in der Praxis nicht perfekt ist die Bremsaufnahme an der Thor: Magura verwendet eine 7“-Postmount-Aufnahme, die es erlaubt, eine 180mm Bremsscheibe ohne Adapter zu fahren. Wer in diesem Setup eine 203mm Scheibe montieren will, kann mit den Adaptern ein wenig durcheinander kommen und muss im Zweifelsfall in Kauf nehmen, dass der Bremssattel etwas zu hoch über der Scheibe steht. Hier wäre eine konventionelle PM6-Aufnahme unserer Meinung nach sinnvoller gewesen.


# Praktisch: Luftdrucktabelle auf dem Casting. Unpraktisch: PM 7″ Aufnahme in Kombination mit 203mm Bremsscheiben.


# Konischer Schaft, Gabelbrücke mit Anschlägen für Lenkerfernbedienungen

Setup

Wie alle Luftfedergabeln ist auch die Magura Thor mittels einer Pumpe und der auf der Gabel aufgedruckten Empfehlungstabelle einfach auf das Fahrergewicht abstimmbar. Das Ventil für die Positivkammer befindet sich oben auf dem linken Standrohr und ist in den Verstellhebel für das Lift Select-System integriert. Hier gibt es zwei zentrale Kritikpunkte, die das Handling erschweren:

1. Die Abdeckkappe über dem Ventil ist durch einen O-Ring abgedichtet, wodurch zum Lösen hohe Kräfte aufgewendet werden müssen, die über die scharfkantige Abdeckplatte jedoch kaum aufgebracht werden können. 2. Der Einstellknopf dreht sich beim Abschrauben der Kappe in Richtung des reduzierten Federweges. In dieser Stellung wird das Ventil jedoch leicht ins Innere der Gabel abgesenkt, weshalb eine Pumpe nicht mehr montierbar ist. Eine Umkehr der Drehrichtung und eine Anpassung der Dichtung würden hier das Handling deutlich vereinfachen.


# Hochwertig gearbeitet aber ergonomisch suboptimal: Der Einstellhebel für die Lift Select Absenkung der Gabel. Unter der scharfkantigen Kappe befindet sich das Luftventil für die Gabel.

Beim Setup entscheide mich mich mit einem fahrfertigen Gewicht von 72kg für einen Luftdruck von 4,5 Bar; die Zugstufe schließe ich um drei Klicks (gezählt von der komplett ungedämpften = offenen Stellung). Da das Lockout nur bei Bedarf aktiviert werden muss, ist hier keine weitere Einstellung vorzunehmen und auch der Federweg wird direkt bei Bedarf angepasst. Wer Ruhe ins Fahrwerk bringen will, der kann über das DLO+ ein dynamisches Lockout mit Blow-off-Ventil zuschalten, das die blockierte Gabel bei harten Schlägen trotz aktivierter Blockierung öffnet. Auf Grund der straffen Grundabstimmung der Thor ist diese Option jedoch nur für längere, glatte Anstiege sinnvoll – auf den Trails haben wir davon selten bis nie Verwendung gemacht.

Insofern lässt sich die Magura Thor T150 einfach abstimmen, zumal die auf dem linken Tauchrohr aufgedruckt Setup-Tabelle mit Richtwerten für verschiedene Fahrergewichte ihren Anteil daran hat, dass das Setup der Thor leicht von der Hand geht. Als nettes Detail ist neben der Tabelle auf den Decals sogar ein Platz vorgesehen, wo man sein eigenes Setup eintragen kann.

Fahreigenschaften

Im Laufe des Dauertests hat sich die Gabel auf so manchem Trail-Kilometer von Mallorca über den Bodenseeraum und die Alpen bis nach Finale Ligure bewähren müssen. Verbaut haben wir sie zunächst in einem Canyon Testrad, danach in einem Pivot Mach 5.7 Carbon, wo sie eine DT Swiss EXM 150 ersetzt hat. Das zu Beginn des Tests gewählte Setup ist eher auf der straffen Seite gewesen, weshalb wir es für den Einsatz auf normalen Trails nochmals etwas weicher gemacht haben. So abgestimmt überzeugt die Thor T150 mit gut nutzbarem Federweg und feinem Ansprechverhalten, wobei sie den Federweg nicht zu leicht freigibt und eine gute Progression bietet. Insbesondere an letzterem Punkt hat Magura für diese Generation der Thor gearbeitet – die zu stark ausgeprägte Linearität mit in Folge dessen schwachem Durchschlagschutz ist bis dahin einer der größten Schwachpunkte der Magura-Federgabeln gewesen.

Erst wenn das Gelände steiler wird und die Strecken ruppiger, muss über einen erhöhten Luftdruck nachgeholfen werden. Echte Enduro-Racer würden sich hier freuen, wenn die Dämpfer die Option zur Einstellung der High- und Lowspeed-Druckstufe bieten würde, um die Thor noch präziser auf die Streckenbedingungen einstellen zu können ohne den Luftdruck erhöhen zu müssen. So bleibt nur der Weg über den Luftdruck, der leider zu Lasten des Ansprechverhaltens und der Traktion insbesondere bei niedrigen Geschwindigkeiten geht. Diese Problematik stellt sich jedoch erst an sehr schnellen, steilen Streckenabschnitten ein. Abgesehen von dieser Einschränkung ist das straffe Seriensetup mit verbesserter Progression bei der Thor im Vergleich zu den Angeboten von z.B. Fox deutlich besser für den harten All-Mountain-Einsatz geeignet.


# Vollgas auf Mallorca – IBC-User zole lässt’s laufen

Neben den guten Federungs- und Dämpfungseigenschaften sei an dieser Stelle auch die Steifigkeit der Magura Thor positiv hervorgehoben. Die Gabel ist trotz Gewicht unter 1800g dank der 32mm Standrohre, doppelten Brücken am Casting und der 15mm Steckachse im Vergleich zur Konkurrenz von Rock Shox oder Fox gefühlt steifer und liegt auf einem Level mit der DT Swiss EXM 150 Federgabel. So bleibt die Lenkpräzision auch bei hohem Tempo sehr gut und das Verhalten der Gabel immer vorhersehbar.


# Abschließender Test der Magura Thor T150 Lift Select an der Küste Liguriens

Haltbarkeit

Die oben beschriebenen Fahreigenschaften hat die Magura Thor T150 konstant über den gesamten Testzeitraum bieten können. So zeigt sich weder an den Dichtungen, noch am unteren Ende des Castings ein nennenswerter Fettverlust und die Einstellung der Dämpfung erfolgt nach wie vor wirkungsvoll. Sollte bei der Magura Thor dennoch ein Service fällig werden, profitiert der Kunde vom vereinfachten Aufbau der Gabel, der mit einer reduzierten Ölmenge und gefetteten Bauteilen auskommt. So kann die Gabel auch von Nicht-Profis geserviced werden – wer noch nie eine Gabel von innen gesehen hat sollte sich jedoch überlegen, ob er den Service wirklich selbst vornehmen will, oder doch dem Fachmann überlässt. Wie so ein Service bei den Magura Gabeln ab 2012 funktioniert zeigt das folgende Video:

Fazit

Pflegeleicht, leicht und mit einer deutlich verbesserten Kennlinie präsentiert sich die Magura Thor T150 Lift Select als gelungene All-Mountain- und Enduro-Federgabel, die einfach abzustimmen ist und auch nach zwei Jahren im Einsatz keine nachlassende Performance zeigt. Für den Renneinsatz wäre eine getrennt einstellbare High- und Lowspeed-Druckstufendämpfung wünschenswert, für alle anderen Einsatzbereiche ist die straffe Serienabstimmung bereits sehr gut getroffen.


# Viel Spaß im Deutschen Winter. Für eine Federgabel sind Schnee und Salz nicht gerade die besten Freunde, die Magura Thor zeigt sich auch nach zwei Wintern reichlich unbeeindruckt.

Stärken

  • gute Endprogression
  • einfache Abstimmung
  • niedriges Gewicht

Schwächen

  • keine High- und Lowspeed-Druckstufeneinstellung
  • hoher Preis
  • PM7“ – Bremsaufnahme in der Praxis nicht optimal


# Macht auch nach dem Test eine gute Figur: Die Magura Thor T150 Lift Select.

Weitere Informationen

  • Magura Homepage
  • Bilder: Jens Staudt, Tobias Stahl | MTB-News.de 2013
  • Redaktion: Tobias Stahl
Die neuesten Kommentare
  1. benutzerbild

    Rseven

    dabei seit 07/2007

    Hi Pancho,

    bei mir funktioniert die Fettschmierung super! Bei Regen und Kälte tut sie auch besser, als die älteren Modelle mit Ölschmierung.

    Dein Casting mit 20er Steckachse kannst locker auf eine neuere Thor tauschen, soweit ich weiß. Dadurch müsstest du keinen neuen Standard in deinem Fuhrpark aufmachen.
  2. benutzerbild

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  3. benutzerbild

    frogmatic

    dabei seit 10/2006

    Vielleicht also doch kein Teufelszeug, das Meisterfett...
  4. benutzerbild

    Rseven

    dabei seit 07/2007

    Aus meiner Sicht ist es kein Teufelszeug. Das Öl war zum nachfüllen total easy, beim Fett spricht die gabel deutlich länger aus sehr gutem Niveau an. Ich habe noch beides im Gebrauch, 4 mal Fett, 2 mal Öl und ich bevorzuge definitiv Fett. geht im Winter besser, die Gabel funktioniert auch aus längerem Stand top und ich muss nicht warten, bis meine Schaumringe wieder mit Öl vollgesogen sind. Die Gabeln, die ich viel fahre ziehe ich aber jedes halbe Jahr kurz auseinander (sprich einmal nach dem Winter und einmal nach der Saison), putze sie aus und mache neues Fett rein. Ist ne Sache von 15 Minuten und tut dem Material - so glaube ich - gut.
  5. benutzerbild

    frogmatic

    dabei seit 10/2006

    Klingt gut, ich hatte vor Jahren eine Manitou mit der Microlube Fettschmierung und das hat mich nicht überzeugt.
    Ist aber wie gesagt lange her.

    Die älteren Gabeln kann man auch auf Fett umrüsten, oder habe ich da was falsch mitbekommen?
    Was wäre zu beachten?

    Regelmäßiger kleiner Service ist ja keine Sache, mache ich auch bein meinen ganzen RockShox Gabeln.
  6. benutzerbild

    codit

    dabei seit 02/2009

    Die 2012er Thor Lift Select 1 1/8, die ich jetzt eine komplette Saison reichlich gefahren bin, ist der Talas 150 (2010), die ich vorher hatte, deutlich ueberlegen:

    - spricht nach (langer) Einfahrzeit deutlich besser an
    - kein Abtauchen
    - dank Fett deutlich einfacherer kleiner Service (dauert nur 10 Minuten)
    - fuehlt sich etwas steifer an

    Mein Tipp im 150er Bereich!

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