HomeMagazinMenschenFahrer & TeamsTraining für die 4X Pro Tour – die deutsche 4X Nationalmannschaft im JBC Bikepark in Jablonec nad Nisou (Tschechien) — 5. Juli 2013 21:37

Training für die 4X Pro Tour – die deutsche 4X Nationalmannschaft im JBC Bikepark in Jablonec nad Nisou (Tschechien)

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Vor kurzem hatten wir euch in einem Video die neue 4X Strecke im JBC Bikepark vorgestellt – eure Resonanz darauf war ziemlich groß. Jetzt haben die deutschen Fourcrosser just in diesen Bikepark ein komplettes Wochenende trainiert, um für das anstehende Rennen in der 4X Pro Tour gut vorbereitet zu sein – hier ist der Bericht aus Jablonec nad Nisou:

BDR Trainingscamp 4X Jablonec nad Nisou von German4XUnion – mehr Mountainbike-Videos

Schon Mitte März begann die deutsche 4x Nationalmannschaft sich auf die laufende Saison vorzubereiten. Mit gezieltem Kraft- und Starttechniktraining, sowie leistungsdiagnostischen Untersuchungen, wurden am Olympiastützpunkt in Cottbus die Grundlagen für erfolgreiche Rennen gelegt. Der BMX-Bundestrainer Florian Ludewig gab sein Wissen und seine Erfahrungen weiter und die jungen deutschen Fourcrosser bekamen wichtige Tipps aus Ludewigs Arbeit mit den Leistungssportlern. Die frühe und intensive Vorbereitung hat sich auch schon ausgezahlt, wie zum Beispiel der 2. Platz von Aiko Göhler bei der Schwalbe Euro Fourcross Series in Winterberg zeigt. Um die deutschen 4X-Fahrer bei ihrem Training weiter zu fördern und zu fordern, hat der Fourcross Beauftragte Peter Richter ein Trainingslager in Jablonec nad Nisou (Tschechien) im JBC Bikepark organisiert. Mit dabei waren fast alle schnellen Jungs und Mädels aus beiden Rennserien in Deutschland: Aiko Göhler, Stefan Scherz, Benjamin Ehrlich, Sarah Gerlach, Ingo Kaufmann, Rick Schubert, Tanja Hendrysiak, Klaus Beige, Jonas Gauss und Julia Lackas.

Stefan Scherz: “Mit Peter Richter haben wir den besten 4X Beauftragten für diesen Bereich, den man sich vorstellen kann. Er hat klare Vorstellungen und misst die Fahrer mit der Weltspitze. Da er selbst seit langem Rennen fährt, weiß er worauf es ankommt und was die Fahrer brauchen und wollen. Alles ist gut organisiert und wir Fahrer haben den Kopf frei und können uns voll aufs Fahren konzentrieren.

Das Ziel der Trainingsgruppe
# Das Ziel der Trainingsgruppe

Auf der von Tomas Slavik gestalteten Strecke im JBC-Bikepark wird am 2. und 3. August 2013 die vierte Runde der 4x Pro Tour zu Gast sein. Ein Video von Tomas Slavik und Felix Beckeman hat schon eindrucksvoll gezeigt, welches Potential die Strecke hat [Link].
Auch die deutschen Jungs und Mädels staunten bei ihrer Ankunft am Freitag nicht schlecht über die Dimensionen der Stecke. Bei der ersten Besichtigung haben dann alle nach den besten Linien und Kombinationen gesucht. Die Strecke hat einige Schlüsselstellen parat und geizt auch nicht mit Linienvielfalt, vor allem das enge Waldstück ist sicherlich ungewöhnlich, wenn nicht sogar einmalig für einen 4X Kurs.

Der Emanon-Teamfahrer Stefan Scherz sucht sich seine Linie durch den Wald
# Der Emanon-Teamfahrer Stefan Scherz sucht sich seine Linie durch den Wald

Kurze Trinkpause bevor es wieder auf die Strecke geht
# Kurze Trinkpause bevor es wieder auf die Strecke geht

Viele Fahrer, viele Fahrstile, viele Linien
# Viele Fahrer, viele Fahrstile, viele Linien

Das Team diskutiert die Linienwahl im Waldstück
# Das Team diskutiert die Linienwahl im Waldstück

Als besonders anspruchsvoll stellte sich die anschließende Step-Up-Step-Down Kombi heraus, da man nur eine sehr kleine Welle als Absprung hat und es einen ordentlichen Impuls braucht, um die Distanz zu schaffen. Auch das Steinfeld passt so auf einen Downhill. Die Jungs vom JBC-Bikepark haben da ein paar ordentliche Klamotten ausgegraben und auch der untere Teil ist mit dem riesigen Wallride und einem Roadgap am Ende nicht weniger spektakulär. Die Strecke gehört ohne Zweifel zu den anspruchsvollsten 4X-Kursen weltweit. Dies ist neben dem anstehenden Rennen im August auch einer der Gründe, warum das Trainingslager dort stattfand. Wo gibt es schon eine vergleichbare Strecke in Deutschland? Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase auf dem Track stand dann ein Zeitlauf auf dem Plan, um eine Referenzmarke für das weitere Wochenende zu setzen. Um bei den Zeiten noch ein paar Sekunden rauszuholen, ging es an den entschiedenen Stellen in ein Sektionstraining. Besonders im Wald wurde mit der Zeitnahme nach den schnellsten Linien für die Zeitqualifikation gesucht. Aber der Fokus lag auch auf taktisch klugen Linien für das Rennen, um Überholmanöver zu starten oder abzuwehren. Wobei man auf der Strecke nicht nur mit drei anderen Fahrern sondern auch mit unzähligen Bäumen zu kämpfen hat.

Aiko Göhler: “Nach der Proline ging es mit gefühlten 100 km/h direkt in ein Waldstück. Eng und verblockt, dazu noch ein schneller hell-dunkel Wechsel, echt eine super anspruchsvolle und coole Strecke!

Julia Lackas lässt die Kette tanzen
# Julia Lackas lässt die Kette tanzen

Rick Schubert im Waldstück
# Rick Schubert im Waldstück

Ingo Kaufmann vom Team Solid Bikes ist zwar mit 17 Jahren der jüngste Fahrer, im Wald aber der schnellste
# Ingo Kaufmann vom Team Solid Bikes ist zwar mit 17 Jahren der jüngste Fahrer, im Wald aber der schnellste

Nach kurzem Check-In im Hotel ging es abends nochmals auf eine gemeinsame Session auf die Proline und die Mädels übten sich der nicht viel langsameren Line mit zwei Step Downs und einem kniffligen Step-Up-Transfer bevor sie in den Wald flogen. 
Ganz entspannt ging der erste Tag am Grill zu Ende. Die Truppe saß lange zusammen und tauschte ihre Erfahrungen aus den letzten Rennen und dem bisherigen Training im JBC-Bikepark aus. Zwar kennen sich die meisten Fahrer von den Rennwochenenden schon, aber in Tschechien wuchsen alle als Team zusammen. Auch spät abends im Hotel saßen alle noch lange in einem Zimmer zusammen, bevor sich einer nach dem anderen ins Bett verabschiedete.

Wer viel fährt muss viel Essen, Yammi!
# Wer viel fährt muss viel Essen, Yammi!

Nach dem Frühstück ging es am zweiten Tag frisch gestärkt zurück in den Bikepark. Das Training begann am Samstag nach kurzer Erwärmung am Steinfeld. Jeder Stein kam unter die Stollen, dabei blieb kein Kiesel auf dem Anderen liegen. Lieber die kurze Innenlinie oder mit mehr Speed die einfachere Linie außen nehmen? Mit Zeitmessanalage und direktem Vergleichen zwischen den Fahrern, wurde die Frage geklärt. Entspannung und Spaß gab es in der Mittagspause an einem kleinen Stausee direkt in der Stadt. Die Badeinsel in der Mitte wurde natürlich gleich geentert und unsicher gemacht. Das Lustigste beim kurzen Abstecher war aber sicherlich ein Sommer-Ski-Langlauf Rennen um den See. Schon auf dem Parkplatz haben wir uns über einen Typen mit Winterklamotten und Langlauf-Latten gewundert, am See war uns dann aber klar was hier los ist. Die Verrückten sind tatsächlich mit ihren Brettern über die Pflaster- und Schotterwege gerannt, alle im klassischen Stil selbstverständlich. Die richtigen Sportsfreunde haben sich natürlich an den Imbissbuden mit einem Bier gestärkt.

Spaß muss sein, Baden im Stausee
# Spaß muss sein, Baden im Stausee

Verrückte Tschechen, Sommer Langlauf um den See
# Verrückte Tschechen, Sommer Langlauf um den See

Kurz am See ausruhen bevor es wieder aufs Rad geht
# Kurz am See ausruhen bevor es wieder aufs Rad geht

Rick Schubert: “Unter den Fahrern war die Stimmung echt super entspannt. Peter hat sich tierisch ins Zeug gelegt um uns gute Bedingungen fürs Training zu bieten. Das Wetter war super, sodass wir auch baden gehen konnten und abends gegrillt haben – eine echt lockere Atmosphäre. So stell ich mir ein Trainingslager vor!

Nach der Abkühlung im See wurde der untere Streckenteil ausgiebig unter die Räder genommen. Hier gab es auch mehr an Zeit rauszuholen, als es beim ersten Fahren den Anschein hatte. Durch die letzten Kurven gilt es genug Speed mitzunehmen, um nicht noch wichtige Sekunden oder Positionen zu verlieren. Dabei machten es die flachen und mit Wellen gespickten Kurven den Jungs und Mädels nicht leicht die richtige Linie zu treffen. Für etwas Abwechslung und eine dicke Portion Spaß sorgte auch der Wiesenslalom direkt neben der 4X-Strecke.

Rick Schubert, Benni Ehrlich und Ingo Kaufmann jagen sich durchs Gras
# Rick Schubert, Benni Ehrlich und Ingo Kaufmann jagen sich durchs Gras

Jonas gab auf dem Wiesenslalom alles, auch die Stangen bekamen es zu spüren
# Jonas gab auf dem Wiesenslalom alles, auch die Stangen bekamen es zu spüren

Das Gras und der Dreck flog ordentlich hoch und das Grinsen war in den Gesichtern – wie durch einen Tacker – fixiert. Racing in der reinsten Form eben – nur Stangen in der Wiese und zwei Fahrer, Spaß ist garantiert!

Mastermind der Bewegtbilder Robin Sukl
# Mastermind der Bewegtbilder Robin Sukl

Nicht nur die engstehenden Bäume machten Probleme
# Nicht nur die engstehenden Bäume machten Probleme

Klaus Beige war einer der ersten, die die große Proline gesprungen sind
# Klaus Beige war einer der ersten, der die große Proline gesprungen ist

Abends stand dann freies Fahren im Bikepark auf Proline, Wiese oder der benachbarten Downhillstrecke auf dem Programm. Während Stefan Scherz unten wieder den Grill fürs Abendessen in Gang brachte.

Am Sonntag ging die ganze Gruppe nochmal die komplette Strecke von Start bis zum Ziel durch und die Jungs knackten noch den Step-Up-Step-Down, welcher sich als wohl schwierigstes Obstacle auf der Strecke erwies. Aus einer etwa 30cm hohen Welle muss ein ordentlicher Bunnyhop kommen, um den Höhenunterschied von zwar nur einem halben Meter, aber die umso größere Entfernung von ca. 7m zu überwinden. Mindestens genauso schwer wie der Step-Up war dabei schon die Anfahrt mit einer Kurve aus dem Wald raus. Die Proline dagegen erfordert zwar eine große Portion Mut, um sich über die Distanzen von 12m zu schießen, technisch gibt es jedoch schwierigere Sprünge im Protour Programm, wie etwa in Szczawno-Zdrój, Polen. Um beim zweiten Sprung nicht gleich bis in das Waldstück zu fliegen, mussten die Jungs zwischen den beiden Doubles nochmal die Bremse antippen.

Als Abschluss des Lehrgangs wurde erneut ein schneller Zeitlauf gefordert. Die International eher unerfahrenen Teammitglieder Sarah Gerlach und Ingo Kaufmann konnten dabei ganze sieben beziehungsweise vier Sekunden zu ihrer Zeit am Freitag rausholen. Sarah ist dieses Jahr ihr erstes Fourcross Rennen gefahren, hat aber vor allem mit ihren starken Quali-Ergebnissen auf sich aufmerksam gemacht. Ihre Verbesserung von sieben Sekunden zeigt, wie sehr sie sich noch verbessern kann, wenn sie die Möglichkeit zum Training auf guten 4X-Strecken hat. Ingo Kaufmann ist mit gerade einmal 17 Jahren der einzige Junior im deutschen Team. Er ist dieses Jahr in Val di Sole (Italien) sein erstes 4x Pro Tour Rennen mitgefahren. Sein junges Alter kombiniert mit seiner Leistungssteigerung im Trainingslager verspricht einige Erfolge in Zukunft. Bei den erfahreneren Jungs wie Stefan Scherz oder Aiko Göhler lag die Verbesserung bei einer Sekunde, was auch als positiv zu bewerten ist, weil sie sich innerhalb kürzester Zeit auf eine neue Strecke einstellen können und sofort in der Lage sind ihre Topleistung abzuliefern.

In der Auswertung vor Ort zeigte 4X-Beauftragter Peter Richter seine Anerkennung für die guten Fortschritte und Entwicklungen der Fahrer am Wochenende.
Peter Richter: „Ich war sehr zufrieden mit dem Einsatz und der Leistung aller Fahrer im Trainingslager, vor allem der erst 17-jährige Ingo Kaufmann sowie Sarah Gerlach haben mich beeindruckt. Die Wahl des JBC-Bikepark als Ort für unser Trainingslager war genau richtig. Jeder kam auf der Strecke auf seine Kosten und besonders die drei Frauen haben große Fortschritte gemacht. Wir hatten auch eine Menge Spaß auf dem Wiesenslalom und der Downhillstrecke. Die Jungs vom Bikeparkteam waren echt cool drauf und hilfsbereit. Durch den Lift konnten wir ohne unsere Kraft beim Hochschieben zu verlieren, uns voll aufs Training und unsere Arbeit fokussieren. Ich denke alle wissen jetzt, was sie in Zukunft gezielt trainieren müssen, um noch ein paar Sekunden für die Quali herauszukitzeln. Auch wenn man sich im Rennen immer wieder vorkämpfen kann, ist eine schnelle Quali und ein guter Startplatz immernoch die beste Grundlage für ein erfolgreiches Rennen.

Mit den neuen Eindrücken und einem intensiven Training in den Knochen, packten am frühen Nachmittag dann die Fahrgemeinschaften wieder die Autos, um sich auf die Heimfahrt zu begeben.

Julia Lackas auf der Innenlinie im Steinfeld
# Julia Lackas auf der Innenlinie im Steinfeld

Benni Ehrlich pflügt durchs Steinfeld
# Benni Ehrlich pflügt durchs Steinfeld

Im Steinfeld gab es unzählige Linien
# Im Steinfeld gab es unzählige Linien

Watch and Learn! Tanja zeigt wies durchs Steinfeld geht
# Watch and Learn! Tanja zeigt wies durchs Steinfeld geht

Sarah Gerlach mit voller Konzentration durchs Steinfeld
# Sarah Gerlach mit voller Konzentration durchs Steinfeld

Klaus Beige und Rick Schubert testen die verschiedenen Linien
# Klaus Beige und Rick Schubert testen die verschiedenen Linien

Aiko vom Team Last-Bikes lässt den Dreck fliegen, das ist Weisenslalom!
# Aiko vom Team Last-Bikes lässt den Dreck fliegen, das ist Weisenslalom!

Ingo Kaufmann lässt es laufen
# Ingo Kaufmann lässt es laufen

Tanja Hendrysiak visiert die nächste Stange an
# Tanja Hendrysiak visiert die nächste Stange an

Benni Ehrlich auf dem Wiesenslalom
# Benni Ehrlich auf dem Wiesenslalom

Das Team beim Besprechen der Linien
# Das Team beim Besprechen der Linien

Aiko visiert seine nächste Sniperline an
# Aiko visiert seine nächste Sniperline an

Benni Ehrlich nimmt die ersten 12m locker mit
# Benni Ehrlich nimmt die ersten 12m locker mit

Die beiden NOX Teamfahrer - Benni Ehrlich und Rick Schubert
# Die beiden NOX Teamfahrer – Benni Ehrlich und Rick Schubert

Rick Schubert fliegt in der Abendsonne über die Proline
# Rick Schubert fliegt in der Abendsonne über die Proline

Aiko Göhler und Rick Schubert gehen im Train über die Proline
# Aiko Göhler und Rick Schubert gehen im Train über die Proline

Stefan Scherz drückt sich in die letzte Kurve vor der Proline
# Stefan Scherz drückt sich in die letzte Kurve vor der Proline


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