Als Komponenten-Label von Solid Bikes schon länger auf dem Markt bekannt, hat Reverse Components im letzten Jahr erstmals eine Kettenführung präsentiert. Wir haben die Reverse X1-B Kettenführung ein halbes Jahr lang in den harten Praxiseinsatz genommen und geprüft, was sie zu leisten im Stande ist. Wie sie sich geschlagen hat erfahrt ihr in diesem Fahrbericht.


# Die Reverse X1-B Kettenführung nach einer feinen Matschrunde. Als Testrad haben wir ein Norco Aurum DH-Bike ausgewählt.

 

Erster Eindruck

Optisch erinnert die Reverse X1-B Kettenführung stark an die Produkte der Mitbewerber wie Sixpack Racing oder Superstar Components. Neu und Reverse-spezifisch ist jedoch der aus Aluminium gefräste Taco, der mit 2 Kettenblattschrauben austauschbar am Boomerang befestigt ist. Der 5mm starke gefräste Alu-Boomerang macht einen soliden Eindruck und ist wie der Taco mit sauberen Laserbeschriftungen versehen. Die Anbauteile aus Kunststoffspritzguss machen einen stabilen Eindruck. Mit dabei sind rostfreie Schrauben und Unterlegscheiben. Sehr gut, denn somit wird die Kettenführung über den Testzeitraum keine Chance zum festgammeln haben.


# Braap! Bei Vollgas muss eine Kettenführung zeigen, wie gut sie eine Kette kontrollieren kann.

 

Montage

Die Montage verläuft systembedingt einfach und unkompliziert. Zur Montage der oberen Führung müssen im Gegensatz zum hochpreisigeren Kettenführungssegment jedoch zwei Schrauben gelöst werden. Die Einstellung erfolgt oben und unten über eine M6 Senkkopfschraube, die auf der Rückseite von einer selbstsichernden Sechskantmutter gehalten wird.


# Einmal nur spülen Bitte. Unser Testmodell der Reverse X1-B Kettenführung hat sich im deutschen Frühjahr mit widrigen Bedingungen herumschlagen müssen.


# Unser Tester Kai hat auch bei unfreundlichen Bedingungen Spass – wie hier in Livigno…


# …oder auch in Lac Blanc.

 

Im Betrieb

Die ersten 2 Monate im Testbetrieb verhält sich die Kettenführung unauffällig, sprich sie funktioniert tadellos und hält die Kette dort, wo sie hingehört. Einzig das deutlich vernehmbare Laufgeräusch der Kette auf der Führungsrolle und das Klappern der Kette im oberen Käfig verraten ihre Anwesenheit. Aus Funktionssicht gibt es hier jedoch keine Einwände.


# Lac Blanc, La Fat! Hier muss man sich auf seine Kette verlassen können.


# Lac Blanc – Kai fliegt hoch!


# Lac Blanc im Wald

Nach ca. zwei Monaten Bikepark-Einsatz haben wir jedoch plötzlich massiv Probleme mit abspringenden Ketten gehabt, wobei sich die Kette immer im oberen Führungskäfig am Kettenblatt vorbeigedrückt hat und so teilweise massive Kettenklemmer verursacht hat, die nur mit Demontage einzelner Führungsteile zu beheben gewesen sind. Ursache hierfür ist unserer Erkenntnis nach der erhöhte Verschleiß an der Führungsbox durch die diversen “Schlammschlacht-Bikepark-Besuche”. Hier macht es sich bezahlt, dass die einzelnen Elemente der Kettenführung im Bedarfsfall einzeln nachgekauft werden können. An unserer Testführung ist so nach gut einem halben Jahr im Dauereinsatz der Punkt erreicht, an dem hier ein Service notwendig wäre.


# Fiese Testbedingungen – bestens geeignet, um einem Produkt auf den Zahn zu fühlen.


# Schön zugesaut – auch bei diesen Bedingungen muss eine Kettenführung sauber arbeiten. Die Reverse X1-B Führung zeigt hier erhöhten Verschleiß.

Wie kam es zu diesem erhöhten Verschleiß? Durch den Wetterbedingt fast ständigen Betrieb im Matsch hat die Kette in Verbindung mit dem Schlamm wohl ein paar Zehntelmillimeter im oberen Führungskäfig abgeschliffen, so dass der Käfig nun zu weit geöffnet ist und die Kette bei ungünstigem Eingang in den Käfig am Kettenblatt vorbeirutscht. Im Vergleich mit zwei anderen Kettenführungen ist der obere Führungskäfig an einzelnen Stellen bis zu 3mm breiter, was der Kette zusammen mit unserem zusätzlichen Verschleisserscheinungen zu viel Spielraum verschafft. Abhilfe für unser Problem und die Rettung des Bikepark-Wochenendes hat – einmal mehr – eine “MacGyver-Methode” gebracht. Dabei haben wir den oberen Käfig innen mit ein paar Lagen Gewebeklebeband beklebt, um der Kette weniger Spielraum zu geben. Unsere Lösung funktionierte wunderbar, ist aber sicher keine Dauerlösung.


# Lecker Mix aus Waldboden und Wasser, der unserer Test-Führung gut zu Schaffen gemacht hat.


# Lac Blanc, R-Line


# Lac Blanc, Drop auf der R-Line

 

Fazit:
Die Reverse X1-B Kettenführung liegt preislich im mittleren Bereich und ist dank stark ausgefräster Aluminium-Bauweise relativ leicht. Funktionell leistet sie gute Dienste, kann jedoch im matschigen Dauereinsatz nicht unbeschadet überstehen. Hier macht es sich bezahlt, dass die Einzelteile der Führung getrennt nachgekauft und ersetzt werden können. Schöne Optik!

 

Technische Daten:

Montage-Standards: ISCG, ISCG-05, Innenlagermontage (Adapter optional erhältlich)

Zähne: 32-38

Führungsrolle:  kugelgelagert

Farben: Boomerang und Bashguard schwarz oder rot, Kunststoffteile: weiss oder schwarz

Preis: 89,90€ (UVP)

Gewicht: ca. 200g

Features: Alle Teile einzeln austausch-/nachkauf-bar

 

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  • Redaktion: Kai Christian
  • Testfahrer: Kai Christian
  • Bilder: Maxi Dickerhoff
  • MTB-News.de

 

Die neuesten Kommentare
  1. benutzerbild

    poo-cocktail

    dabei seit 12/2002

    @wubu mit dem Taco hatten wir keine Probleme, der hat einige Kontakte gehabt. Kein Problem.
  2. benutzerbild

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  3. benutzerbild

    Monolithic

    dabei seit 04/2007

    Find ich gut, wenn Bauteile lange unter harten Bedingungen rangenommen und auch mal direkt misshandelt werden (Hochdruckreiniger), anders kann man ja kaum zu vernünftigen Testergebnissen kommen.

    Kompliment an die Tester, weiter so. Bilder von der Fahrpraxis sind auch 1a!
  4. benutzerbild

    GloriousM

    dabei seit 08/2007

    Wenn ich das hochrechne- jedes halbe Jahr 9,90?- dann komme ich nach 2 Jahren auf den Preis einer vermeintlich hochpreisigen Kettenführung, bei der ich nichts wechseln muss und mit der ich keine Kettenklemmer habe... !?!? Dann lieber gleich richtig.
    @stolennick: ich glaube das wird auch meine nächste! Die ist leise und wie du sagst- eine plane Fläche reinigt sich quasi selbst
  5. benutzerbild

    fullspeedahead

    dabei seit 10/2006

    hab die Variante von superstar components im Einsatz. Oberer Käfig dürfte ident sein und macht bei mir seit Anfang 2012 keine Probleme, selbiges bei Freunden. Also prinzipiell von Halbjahreszyklen für den Käfigwechsel auszugehen, wie es manche User tun, ist sicherlich nicht notwendig. Kommt auf Häufigkeit des Gebrauchs, Wetter, exakte Einstellung und wohl auch verwendeten Rahmen/verwendete KB-Größe an.

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