HomeMagazinTestsBikesHaibike Xduro FS 120mm [Fahrbericht + Kaufberatung] — 26. August 2013 23:11

Haibike Xduro FS 120mm [Fahrbericht + Kaufberatung]

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Haibike war mit die erste Firma die den BOSCH-Antrieb in MTBs verbaute und sicherte sich die nach oben orientierte Einbauweise des Motor-Getriebe-Blocks. Im Artikel wird das BOSCH-System näher erläutert und ihr erfahrt wie sich das Haibike Xduro Fully in der Praxis schlägt.

Haibike Xduro FS 120mm (1 von 8)
# Haibike Xduro FS 120mm

Das Bosch E-Bike System

Technik

Der weit verbreitete Bosch Antrieb überträgt die Kraft per Kette auf das Hinterrad, was den großen Vorteil hat, dass das Gewicht des Motors zentral in der Mitte des Rades sitzt. Darüber hinaus lässt sich dadurch einfacher ein Getriebe zwischen Elektromotor und Antrieb schalten, um den E-Motor kleiner und damit leichter dimensionieren zu können. Die meisten Radnabenmotoren sind Direktantreiber was bedeutet, dass sie sich mit der gleichen Geschwindigkeit drehen wie das Hinterrad. Abhängig von der Fahrgeschwindigkeit sind das ungefähr 200 Umdrehungen pro Minute. Dabei sind gleichzeitig hohe Drehmomente notwendig. Bei gleicher Leistung müssen im Motor damit höhrere Ströme fließen was zu einer schnelleren Überhitzung des Motors bei längerer, hoher Belastung führen kann. Der Nachteil vom Bosch-System tritt im theoretisch höhreren Kettenverschleiß auf, außerdem kann man das Rad auf langen bergab Passagen nicht im Generator Betrieb betreiben.
Bisher gibt es zwei unterschiedliche Bosch Modelle, die Modelle der 1. und der 2. Generation. Der auffälligste Unterschied liegt im neuen Computer mit Lenkerfernbedienung. Der kleine Computer der ersten Generation wurde durch einen deutlich größeren übersichtlicheren Computer ersetzt, der im Vorbaubereich befestigt wird. Um trotzdem bequem durch die unterschiedlichen Modi wählen zu können wurde ihm zusätzlich eine Fernbedienung spendiert. Die Modi Auswahl hat sich ebenfalls geändert.

Bosch Computer der ersten Generation
# Bosch Computer der ersten Generation

Konnte man bei der 1.Generation noch zwischen den Modi Off, Eco, Tour, Sport, und Turbo sowie jeweils 3 Unterstützungsstufen wählen, beschränkt sich die Auswahl bei der 2.Generation lediglich auf die Moduswahlen. Die Wahlmöglichkeit der Unterstützungstufen ist weggefallen, diese sind nun abhängig von der Moduswahl voreingestellt ein für uns intuitiver Schritt.

Bosch Computer der zweiten Generation
# Bosch Computer der zweiten Generation

Während der neue Bediencomputer lediglich eine Komfort-Verbesserung darstellte, stieg mit der zweiten Generation auch die Akkukapazität von 288 Wh auf 300 Wh bzw. sogar 400 Wh an – und das bei gleicher Baugröße und voller Kompatibilität. Daneben wurde auch das Ladegerät überarbeitet. Es ist etwas kleiner geworden, wird komplett passiv (kein Stromverbrauch für zusätzlichen Lüfter) gekühlt und lädt immer im Schnelllademodus. Beim 400 Wh Akku benötigte eine komplette Ladung 2:48 Stunden und verbrauchte ca. 414 Wh was einem Wirkungsgrad von 96,6 entspricht (Mittelwert aus 3 Messungen).

Volle Ladung vorhanden
#Satte 400 Wh bietet eine volle Akku-Ladung

Der Motor unterscheidet sich zwischen der ersten und zweiten Generation nicht. Erst auf der Eurobike werden Ende August 2013 werden neue Modelle vorgestellt. Sie bieten einen kräftigeren Motor der maximal bis zu 275% unterstützen soll und 60 Nm stark ist. Mehr Informationen dazu gibt es auf Bosch eBike Homepage.

Praxis

In der Praxis fährt sich der Bosch Antrieb sehr intiutiv und unterscheidet sich vom normalen Radfahren fast nur durch die kraftvolle Unterstützung. Der Motor schaltet sich automatisch ein und aus wenn man pedalliert und wieder damit aufhört. Die Unterstützung ist dabei abhängig von der eigenen Trittfrequenz und dem Drehmoment, gefühlt liegt das Maximum bei einer Trittfrequenz von 60 Um/min. Vor allem unter einer gewissen Trittfrequenz von ca. 30 Um/min geht die Leistung des Motors in den Keller, was in der Praxis aber keine Rolle spielt, denn so langsam tritt im Normalfall niemand, es sei denn man startet mit einem zu hohen Gang am Berg. Kurz Antreten, Kraft rausnehmen und dann schalten geht auch nicht wirklich gut, weil der Motor weiter antreibt und man unter Kraft schalten muss. Einige neue Bosch-Modelle für 2014 sollen eine Schalterkennung haben, die genau das Problem behebt. Damit sollen auch weniger Ketten durch das hohe Drehmoment zerissen werden.
Im Fahrbetrieb hat das Problem nur wenig gestört wenn man flüssig durchfährt. Eher negativ war es, dass in manchen Situationen zu viel Kraft aufs Hinterrad gebracht wurde was besonders in engen Serpentinen unangenehm war. Hier könnte eine Steuerung die die Kraft abhängig vom Lenkereinschlag dosiert Abhilfe beschaffen. Doch die meisten E-Bike Fahrer dürfte das weniger stören, fahren sie doch – bisher – auf breiteren Wegen und nur im leichten Gelände.

Haibike Xduro FS

Haibike Xduro FS 120mm
# Haibike Xduro FS 120mm

Ausstattung + Optik

Die Haibike Xduro FS Serie waren eines der ersten MTB-Fullys mit dem Bosch-Antrieb als Basis. Auf den ersten Blick sieht es auch wie ein klassisches MTB-Fully aus. Durch den nach oben gedrehten Motor versteckt sich dieser leicht hinter der Kurbel und dem Hinterbau. Der Akku fügt sich durch die passende Farbe besser in das gesamte Rad ein und ist kein so sehr störendes Objekt mehr, wie es bei anderen E-Bikes oft der Fall ist. Auffallend ist aber das sehr steile Sitzrohr und der recht lange Radstand bei einem MTB in der 120mm Federwegsklasse. Das restliche Rad unterscheidet sich nur wenig von einem klassischem MTB Tourenfully. Besonders die farblichen Akzente gefallen (subjektiv) gut ohne dabei zu übertreiben oder langweilig zu wirken.

mehr Bodenfreiheit geht beim Bosch-System nicht
#Mehr Bodenfreiheit geht beim Bosch-System nicht – Haibike punktet hier mit der hochgeklappten Einbauweise.

Die Ausstattung ist durchwegs sehr hochwertig und geht für den Preis von ehemals 3500€ in Ordnung (das neue Modell mit dem größeren 400 Wh Akku kostet 3999€). Bodenunebenheiten wird vom Fox-Fahrwerk der Kampf angesagt, gebremst wird mit einer Magura MT4 die sich als bissfest und gut dosierbar erwieß und geschaltet wird mit einer Shimano XT-Gruppe. Als kleinen Bonus verbaut Haibike eine Variostütze, damit sich der Fahrer bergab sicherer fühlen kann.

Haibike spendiert dem Xduro Fs eine Variostütze
# Haibike spendiert dem Xduro Fs eine Variostütze

Sauber verlegte Kabel am Haibike Xduro FS
# Sauber verlegte Kabel am Haibike Xduro FS

Geometriedaten Xduro FS
# Geometriedaten Xduro FS

Praxis

Im direkten Vergleich könnte sich das Fahrgefühl fast nicht deutlicher vom gutmütigen Centurion E 29 unterscheiden. Zwar ist die Antriebsbasis mit dem Bosch-System die gleiche, doch fernab von befestigten Wegen ergeben sich durch die kleineren 26er-Laufräder und die zusätzliche Hinterbaufederung deutliche Unterschiede. Auf rutschigem Untergrund bieten die kleinen Räder weniger Traktion und besonders bergauf machte das einen deutlichen Unterschied. Während viele knifflige Anstiege mit dem Centurion kein Problem darstellten, muss man mit dem Haibike teilweise etwas bangen und hoffen, dass die Reifen genug Grip finden. Überraschenderweise wirkt das Centurion trotz der fehlenden Hinterradfederung etwas souveräner und sicherer. Dafür bietet das Xduro FS deutlich mehr Komfort und fährt sich gerade durch die Variostütze bei defensiverer Fahrweise angenehmer. Zum rein sportlichen Fahren sind E-Bikes aber naturgemäß nicht erfunden und somit dürfte für die meisten Käufer eines E-MTBs der Komfort vom Haibike wichtiger sein. Besonders auf Trails mit Wurzeln und/oder anderen Bodenunebenheiten, aber wenig Kurven, fährt sich das Haibike Xduro FS komfortabler, besonders wenn man den Trail nur durchrollt. Während der Umbauten an der lokalen Bundesliga-XC-Strecke habe ich das Rad gerne dazu benützt diese Stellen zu erkunden und das erste Mal zu testen, was auch trotz schweren Fotorucksack ohne große Erschöpfung vonstatten ging. Auch wenn Haibike diesen Einsatzzweck vermutlich nicht vorgesehen hat bietet sich das Xduro FS perfekt für Fotografen an, um auf Rennen von Spot zu Spot zu kommen.

Haibike Xduro FS 120mm
# Haibike Xduro FS

Steilstufen sind mit dem Xduro FS absolut kein Problem. Während das Centurion auf der XC-Strecke in Albstadt öfters aufgesetzt hat, bietet hier das Haibike durch den hochgeklappten Motor deutlich mehr Bodenfreiheit und steht in dieser Hinsicht einem normalen MTB in nichts nach.
Die Zuverlässigkeit des Bosch-Systems und des Haibike Xduro FS ließ im Testzeitraum von fast 8 Monaten keinerlei Wünsche offen und immer noch fährt sich das Rad wie am ersten Tag. Dabei war das Frühjahr alles andere als schonend für Antrieb und Komponenten.

Haibike Xduro FS 120mm
#Durch den langen Radstand tut sich das Rad etwas schwer in engen Kurven, bietet dafür viel Komfort

Fazit

Auch wenn das Haibike Xduro FS hinsichtlich sportlichen Fahrens etwas hinter dem Centurion E 29 einzuordnen ist, kann es vor allem durch ein deutliches Plus an Komfort und hochwertige Komponenten punkten. Für alle, die entspannt die Landschaft erkunden wollen, nicht vor einem Trail haltmachen aber dort nicht um Sekunden kämpfen wollen, sollten sich das Haibike Xduro FS einmal genauer anschauen. Das Rad bietet ein durchdachtes System und dazu passende Komponenten die auch noch optisch gut auf das Fahrrad abgestimmt sind.

Modelle Xduro FS
# Modelle Xduro FS

eine kleine Hilfe gefällig
#Eine kleine Hilfe gefällig?

Der Einsatz von E-Bikes

Zum Schluß möchte ich noch eine persöhnliche Anmerkungen zum Thema E-Bikes machen. Die Entwicklung, die in den letzten Jahren im E-Bike Segment statt gefunden hat, finde ich äußerst positiv und immer mehr Leute steigen auf ein E-Bike um und lassen das Auto zu Hause stehen. Unverschwitzt und trotzdem ökologisch nachhaltiger zur Arbeit zu kommen ist mit den neuen Rädern kein Widerspruch mehr und genau für diesen Einsatzzsweck finde ich das E-Bike perfekt. Wenn der Weg zur Arbeit durch den Wald führt oder wenn der Weg durch einen kleinen Umweg mit einem Trail spaßiger wird ist das mit den vorgestellten E-MTBs kein Problem und dazu sind sie schließlich auch gemacht. Des Weiteren sieht man auch immer mehr ältere Menschen ihre Mobilität durch das E-Bike aufrechterhalten und das Radfahren fortfahren oder gar wieder starten.
Den Einsatz im alpinen Bereich halte ich dagegen für negativ. Die Bergwelt sollte weiterhin den alpinen Sportfans vorbehalten sein die sich durch Muskelkraft gewisse Höhen und damit verbundene Aussichten erarbeiten.
Hier sei auch noch einmal gesagt, dass so spaßig sich das Fahrer mit einem E-Bike in den ersten Minuten anfühlt, für einen sportlichen Fahrer spätestens nach einer 2 Stunden Tour die Ernüchterung kommt. Anstatt eine gewisse, befriedigende Müdigkeit in den Beinen zu spüren, ist dort nichts zu spüren. Von vergleichbarem Spaß in den Abfahrten kann auch kaum die Rede sein.

Eure Meinung ist gefragt!

Was ist eure Meinung zu E-Bikes? Nur als Autoersatz auf dem Weg zur Arbeit oder auch als Sportgerät? Eure Kommentare werden letztendlich darüber entscheiden ob wir das Thema weiterverfolgen, mehr E-Bikes testen oder lediglich neue Produkte vorstellen. Seid ihr interessiert an Tests zu Selbstumbauten, mit denen jedes Rad zum kraftvollen E-Bike bzw. Shuttle-Ersatz wird?


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