HomeMagazinMenschenInterviewsPlatz 9 bei der Downhill-WM – Johannes “Fischi” Fischbach im IBC-Interview — 4. September 2013 18:29

Platz 9 bei der Downhill-WM – Johannes “Fischi” Fischbach im IBC-Interview

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Seit vergangenem Sonntag hat Downhill-Deutschland wieder Grund zum Jubeln: Nach äußerst langer Abstinenz platzierte sich bei der WM im südafrikanischen Pietermaritzburg erstmals wieder ein deutscher Fahrer in den Top 10. Der Glückliche war kein geringerer als der Ex-4Cross-Profi und DH-Neuzugang Johannes Fischbach. Nur ein Jahr nach seinem Wechsel gelang ihm, was selbst Marcus Klausmann die letzten Jahres stets verwehrt blieb – ein phänomenaler Rennlauf und der der damit einhergehende neunte Platz bei einer Weltmeisterschaft.

Erst heute Nacht erreichte Fischi wieder seine Heimat und gab uns schon wenige Stunden später das erste Interview: Fischi spricht über seine Erfahrungen, den Weg zum Ziel und seine Gefühllage nach seinem beeindruckendem Ergebnis in Südafrika.

MTB-News.de: Schon im vergangenen Jahr kamst du in deinem DH-Premierenjahr super in Südafrika klar – was liegt dir an der Highspeed-Strecke besonders?

Johannes Fischbach: Pietermaritzburg ist keine krasse DH-Strecke, sondern eher wie eine sehr große 4X Strecke – sie hat auch ihre technischen Abschnitte, aber es gibt einfach viele Abschnitte wo es wichtig ist, dass du gut springen kannst, deinen Speed mitnimmst und rund fährst. Dadurch kommt mir die Strecke entgegen und ich habe dort riesig Spaß gehabt. Von oben bis unten ist sie voller Sprünge – ist doch klar, dass mir das gefällt!


# Johannes Fischbach fliegt auf Platz 9 be der DH WM 2013

Du bist erstmals in die Top 10 gefahren – wie beurteilst du dich selbst: Ist das ein Zeichen für die Zukunft? Wo siehst du dich in zwei Jahren?

Das ist natürlich schwer zu sagen: Man kann so leicht in einem Crash enden oder unterwegs einen kleinen Fehler machen. Für dieses und kommendes Jahr hatte ich mir als Ziel gesetzt in die Top 20 reinzufahren und dass sich das ein wenig festigt. Wenn mir Strecken liegen, kann das auch schonmal besser ausfallen – so wie jetzt hier, dass ich in die Top 10 reinfahre. Ich hatte auch gehofft, dass Willingen im World Cup-Kalender ist – da hätte ich mir auch eine gute Platzierung erhofft. Mittlerweile komme ich auch auf technischen Strecken ganz gut klar – Val die Sole mit dem 17. Platz war beispielsweise ziemlich geil. Ich hoffe, dass es die nächsten Rennen weiter nach oben geht. Ich fühl mich immer besser auf dem Downhiller und komme mit dem Material immer besser klar, auch die Abstimmung der Federelemente klappt immer besser, das dauert einfach, bis man da reinkommt.

Darf jetzt spekuliert werden, ob du für kommendes Jahr in einem großen World Cup-Team unterkommen wirst? Wenn ja – gibt es bereits Präferenzen zu einem bestehenden Team?

Hin und wieder werde ich angesprochen wie meine weiteren Pläne ausschauen; also es gibt immer ein paar Angebote. Ich bin bei Ghost eigentlich ziemlich zufrieden und will versuchen, dass ich mit Ghost weiter nach vorne komme und ich denke auch, dass wir das schaffen. Für die Zukunft ist da ein bisserl was geplant und von dem her bin ich ganz zuversichtlich.

Die gesamte Industrie pusht gerade den 27,5”-Standard. Wie siehst du die Diskussion um die neue Laufradgröße – macht das wirklich einen Unterschied? Die schnellsten bei der WM sind allesamt auf 26” unterwegs gewesen.

Ich bin öfters schon mit den Ghost 27,5er Enduro-Bikes auch auf Zeit gefahren und habe verglichen. Ich denke, dass 27,5 Zoll auch im Downhill 26 Zoll früher oder später verdrängen wird. Es ist einfach ein ruhigeres Fahren und man hat ein wenig mehr Traktion bzw. mehr Sicherheit in den Kurven. Den Faktor Trägheit merkt man eigentlich nicht. Die DH-Strecken von heute werden eh immer krasser und schneller, das Enge und Langsame gibt es eigentlich selten, daher wird 27,5 kommen. 29 Zoll ist zu groß denke ich, aber 650b wird sich durchsetzen.


# Fischi auf der Rolle kurz vor dem Start des WM-Finales. Schnappschuss von Fabian Waldenmaier

Jared Graves hat die WM auf dem Enduro-Bike bestritten – wieso bist du nicht Enduro-Bike gefahren?

Ich hatte das vor der Abreise noch überlegt, aber mir war es dann zu aufwändig zwei komplette Räder mitzunehmen – wenn du einen zweiten Radkarton nach Südafrika mitnehmen musst, bist du danach pleite. Ich habe meinen Downhiller komplett auf die Strecke abgestimmt: Ich bin ein viel härteres Fahrwerk gefahren als normal, das hat sich stellenweise angefühlt wie ein Hardtail. Hinten hatte ich eine komplett harte Feder drin und auch die Gabel bin ich viel härter gefahren als normal. Auch bei den Reifen bin ich die härtere Mischung gefahren – Schwalbe Rock Razor und Hans Dampf in der Trailstar Mischung. Das war riskant in den Kurven weil es leichter gerutscht ist, aber im Endeffekt ist es besser gerollt – und das ist es, worauf es auf der Strecke am meisten angekommen ist.

Hast du es im Nachhinein bereut, nicht das Enduro-Bike dabeigehabt zu haben? Wärst du damit schneller gewesen?

Boah – das habe ich auch überlegt – man hätte für die WM ein Enduro-Rad extra für diese Strecke konstruieren lassen müssen. Einen viel flacheren Lenkwinkel hätte man gebraucht. Ein Enduro-Rad mit einem normalen Lenkwinkel von 67° oder 66,5° wäre noch zu steil gewesen für die Strecke. 150mm wären für Pietermaritzburg perfekt gewesen, aber die Geometrie hätte dafür angepasst werden müssen. Ich bin mit dem Downhiller schon gut zurechtgekommen – ich weiss nicht, ob ich mit dem Enduro schneller gewesen wäre. Ich habe mit Jared Graves drüber gesprochen, er meinte er hat es einfach probiert – auch weil er das ganze Jahr darauf gefahren ist. Da wollte er nicht aufs Downhill-Bike umsteigen – ja mei – er hat da schon alles richtig gemacht, würde ich sagen (lacht). Ich fand´s so klasse, dass er auf dem Podium war!


# Jared Graves auf seiner Enduro-Maschine

Hast du sonst noch etwas geändert an deinem Bike?

Ich bin mit mehr Luftdruck in den Reifen gefahren als sonst – vorne bin ich statt 1.8 Bar mit 2 Bar und hinten statt 1.9 mit 2.15 Bar gefahren, einfach dass es besser rollt – und leichte Schläuche hatte ich drin. Ah ja, natürlich die ausfahrbare Sattelstütze. Die meisten haben gesagt, dass das auf der Strecke mit den neuen Sprüngen auf der Pedal-Section nix mehr bringt, ich habe aber festgestellt, dass ich mich trotzdem immer mal kurz für 3, 4 Sekunden hab hinsetzen können, das war dann perfekt. Ich habe die Stütze während der Abfahrt dreimal ausgefahren.


# Johannes Fischbach im Training

Wie sah deine persönliche Vorbereitung im Vorfeld aus?

In Kanada konnte ich ja nicht an den Start gehen und habe dann die letzten 4 Wochen vor der WM dann nur drauf hintrainiert. Ich habe das ganze Jahr über Intervalle trainiert, die letzten 3,5 Wochen bin ich auch keine Rennen mehr gefahren sondern habe meinen Trainingsplan für die WM durchgezogen. Das war zwar harte Arbeit, hat sich im Endeffekt aber dann doch gelohnt.

Nun ist bei einer WM nur ein Teil der internationalen Profis am Start, da jede Nation nur ein begrenztes Kontingent zur Fahrernominierung zur Verfügung hat. Gerade die erfolgreichen Nationen wie Großbritannien, Frankreich oder Neuseeland haben daher nicht alle World Cup-Fachmänner vor Ort. Ist die Leistung bei einer WM damit weniger wert als bei einem World Cup?

Für mich ist das ziemlich gleich, die ersten 30 oder 40 sind eh die gleichen Fahrer. Hinten raus ist es einfacher reinzufahren in die Top 50, weil eine Masse an Fahrern fehlt. Die Nationen haben schon alle ihre Top-Fahrer dabei. Top 20 ist kein Unterschied – ich versuche vorne reinzufahren, da gibt’s keinen Unterschied zum World Cup.

Wie nehmen dich die anderen Fahrer wahr – bist du immer noch ein Quereinsteiger aus dem Fourcross oder mittlerweile ein ernstzunehmender Konkurrent?

Ich denke, dass sich das spätestens seit Val Di Sole geändert hat. Vorher dachten vielleicht wirklich viele, dass ich nur auf 4X-ähnlichen Strecken schnell sein kann, aber meine Top 20 Platzierung in Val di Sole hat schon gezeigt, dass ich überall vorne mitfahren kann. Ich denke schon, dass sie mich als ernsthaften Konkurrenten sehen. Ich hoffe dass ich in den nächsten Jahren weiter nach vorne komme – das wird Arbeit und ich hoffe, dass ich mich nicht verletze. Beim Training muss ich immer alles geben und fahre immer am Limit, um das Limit auszuloten und immer schneller zu werden – auf Dauer ist das ziemlich gefährlich. Wenn es mich mal hinhaut kann es gut sein, dass ich mich verletze, aber bisher passt es eigentlich ganz gut, daher hoffe ich dass es so weitergeht.


# Fischi auf dem Weg zu Platz 9: Schnappschuss von Fabian Waldenmaier

Wie sieht bei dir die weitere Saison aus?

Am Wochenende fahre ich einen Street-Downhill in Prag mit, danach dann Hafjell und Leogang, dann sind die wichtigsten Rennen für diese Saison vorbei. Ich hoffe, dass ich in Hafjell und Leogang noch einmal vorne reinfahren kann, es sind beides Strecken mit denen ich ganz gut klarkomme – einfach schauen dass es klappt und dass ich einen richtig guten Run nach unten bringen kann!

Wir drücken dir die Daumen für die verbleibende Saison und bedanken uns für das Interview!


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