HomeMagazinTestsBikesCannondale Trigger 29er 1: Auslöser für Fahrspaß auf großem Fuße [Fahrbericht] — 10. September 2013 6:00

Cannondale Trigger 29er 1: Auslöser für Fahrspaß auf großem Fuße [Fahrbericht]

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Vor knapp einer Woche präsentierte Cannondale auf der Eurobike das brandneue Cannondale Trigger 29 Carbon – ein 29″-All Mountain mit 130 mm Federweg an Front und Heck. Die Plattform des Trigger 29 hat Cannondale bereits seit Anfang diesen Jahres im Programm. Wir interessierten uns für die günstigere Aluminium-Version – das aktuelle Cannondale Trigger 29er 1, welches sich in die Cannondale Overmountain Familie eingliedert. Ebenso interessant wie das Rahmenkonzept mit dem speziellen Fox DYAD Dämpfer ist auch die hauseigene Lefty Supermax mit 130mm Federweg. Wir waren mit dem Rad sowohl am Gardasee, als auch in heimischen Gefilden unterwegs und haben ihm einmal gründlich auf den Zahn gefühlt.

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# Unser Testrad: Das Cannondale Trigger 29er 1

Im Stand

Der erste Eindruck:

federung
# Die Federelemente sind typisch für Cannondale: Lefty Gabel und Fox DYAD Dämpfer

Der Aluminiumrahmen mit seinen geschwungenen Formen und dem massiven Unterrohr vermittelt auf den ersten Blick einen sehr soliden und vertrauenserweckenden Eindruck. Typisch Cannondale fällt das Steuerrohr mit durchgehendem 1,5″-Durchmesser sehr voluminös aus. Das Hinterrad wird mit einer 142mm X12 Achse im Rahmen fixiert und die Kurbel sitzt auf einer dicken BB30 Achse. Beim Fahrwerk setzt Cannondale auf Systemintegration: Der Fox DYAD RT2 Dämpfer welcher auf Zug arbeitet, ist den meisten mittlerweile bestens aus dem Jeykll bekannt. Die enorme Steifigkeit und das erstaunlich geringe Gewicht sprechen für die Lefty Supermax an der Front. Wie ihre kleinen Geschwister aus der Lefty-Hybrid Reihe verfügt auch die Supermax über die neue Lagertechnologie und bietet dem Fahrer die Möglichkeit am Standrohr den Sag abzulesen, bei gleichzeitig verlängerten Wartungsintervallen.

Der Rest der Ausstattung ist eher unspektakulär aber sehr solide gewählt. So sorgt die Shimano XT Bremse für optimale Verzögerung und die XT Schaltung für präzise Gangwechsel – einziger Kritikpunkt in der Serienaustattung dürfte die günstige X-Fusion Vario-Sattelstütze sein, diese wurde von Cannondale am Testrad aber bereits gegen eine Rock Shox Reverb getauscht. Wem der 70mm Vorbau zu lang sein sollte, der wird es bei der Suche nach einem Austausch-Vorbau neuerdings leichter haben: Entgegen der alten Lefty-Modelle weißt der Gabelschaft nur noch am Lagersitz das bisher bekannte Headshock-Maß [1,56"] auf wohin gegen sich der Schaft im Bereich des Vorbaus auf herkömmliche 1,5″ verjüngt. Man hat also auch mit einer Lefty Supermax freie Wahl bei den 1,5″-Vorbauten.

Technische Daten:

Hersteller: Cannondale
Modell: Trigger 29 1
Modelljahr: 2013
Laufradgröße: 29″
Hinterbau: Eingelenker mit mehrgelenkiger Abstützung, Dämpfer schwimmend gelagert
Material: Aluminium
Federweg: 130mm
Dämpfer: Fox DYAD RT2
Hinterachse: 12x142mm Steckachse (X–12)
Umwerferaufnahme: High Direct Mount
Innenlager: BB30
Sattelstützendurchmesser: 31,6mm
Scheibenbremsaufnahme: PM160mm

Größen: S, M, L, XL
Preis: 3.799,00 Euro

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# Cannondale Trigger 29: das 1,5″-Steuerrohr nimmt auch die Lefty mit Head-Shock-Maß auf. Dank verjüngtem Steuerrohr lässt sich dennoch ein 1,5″-Vorbau montieren. 

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# In der Overmountain-Familie von Cannondale ist dieser Dämpfer mittlerweile Pflicht: der “Pull-Shock” Dämpfer namens DYAD

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# Typisch Cannondale: Eingelenker mit mehrgelenkiger Abstützung

Ausstattung:

  • Rahmen: Cannodale Trigger 29er Alumium 130/80mm
  • Gabel: Lefty Supermax 130mm
  • Dämpfer: FOX DYAD RT2
  • Schaltung: Shimano XT / Sram X7
  • Kurbel: Sram 1400
  • Bremsen: Shimano XT
  • Vorbau: FSA Gravity Lite
  • Lenker: FSA Gravity Lite 740mm
  • Sattelstütze: X-Fusion Hilo
  • Felgen: Stan’s ZTR Crest
  • Naben: New Lefty SL / Shimano FHM-788
  • Reifen: Schwalbe Hans Dammpf

shimanoxt
# Keine Experimente bei der Ausstattung: die Shimano XT – Gruppe findet sich fast komplett am Rad.

Geometrie

geometrie
# Geometrie des Cannondale Trigger 29

Auf dem Trail

Bergauf:

Nachdem wir das Rad anhand der von Cannondale mitgelieferten Tabelle und mit Hilfe der “Hochdruck”-Dämpferpumpe von Fahrer zu Fahrer auf unsere Körpergewichte und Fahrwerksvorlieben angepasst haben, müssen wir uns zunächst die bevorstehende Abfahrt erarbeiten – konkret steht uns auf der ersten Testfahrt ein knapp 1.000 Hm langer Uphill bevor. Mit Hilfe des am Lenker befindlichen Hebels lässt sich der Federweg am Hinterbau durch die Abschaltung einer der beiden Luftkammern von 130mm auf 80mm reduzieren. Außerdem verfügen beide Federwege über eine eigene Zugstufendämpfung, was es ermöglicht die 80mm deutlich langsamer zu fahren als die 130mm. Im Uphill-Modus ist das Rad so spürbar straffer und sinkt weniger in den Federweg ein, wodurch der Sitzwinkel steiler wird und man angenehm zentral auf dem Rad sitzt. Cannondale nennt diese beiden Modi Elevate- und Flow-Mode. Im Anstieg empfinden wir die Front anfangs als etwas zu hoch, gewöhnen uns dann jedoch schnell daran, vor allem als wir positiv feststellen müssen, dass das Vorderrad in keiner Weise zum Steigen neigt. Nach einiger Zeit tauschten wir trotzdem die Spacer und montierten den Vorbau in der tiefsten Position, um später auch bergab noch etwas mehr Druck auf dem Vorderrad zu erhalten.

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# Marco Bühler im Uphill mit dem Trigger 29er.

Gerade im technisch anspruchsvollen Uphill über Wurzeln und andere Hindernisse spielt das Trigger 29er seine Stärken aus: Hier bieten die großen Laufräder massig Grip und rollen bauartbedingt einfacher über Hindernisse. Im Testfeld war die Meinung zum Uphill-Modus etwas gespalten, gerade bei ruppigen Uphills wechselte manch einer gerne auf die geöffnete Einstellung um noch mehr Traktion und Komfort zu erhalten, da auch hier das Rad kaum wippte aber mehr Traktion bot. Sobald es aber auf gutem Untergrund bergauf ging, aber auch bei Verbindungsstücken im Flachen, war der reduzierte Federweg bei allen die erste Wahl. Mit einem Gesamtgewicht von 13,7kg ist das Trigger kein Leichtgewicht, lässt sich aber angenehm pedalieren und rollt dank der verhältnismäßig leichten Felgen gut.

Ein weiterer Pluspunkt des Trigger 29 ist die moderne Geometrie: Der Hauptrahmen fällt für ein All Mountain recht lang aus und kann daher problemlos und ohne Einbußen im Uphill-Verhalten mit einem kurzen Vorbau kombiniert werden. Der Reach-Wert unseres Test-Bikes in Größe “large” beläuft sich auf angenehme 447 mm – ideal um das Bike mit einem 50mm Vorbau zu fahren.


# Marco machte von der Uphill-Funktion des Trigger 29 gebraucht und zeigte sich begeistert.

Bergab:

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# Bei Highspeed fühlt sich das Trigger besonders wohl.

Oben am Berg angekommen öffnen wir vom Lenker aus die zweite Luftkammer und senken den Sattel ab – schon kann es losgehen in Richtung Tal. Dank der großen Laufräder läuft das Rad auch bergab souverän über alle kleineren Hindernisse hinweg. Die feinfühlige Lefty Federgabel mit ihren Nadellagern absorbiert alle Unebenheiten. Leider fehlte es der Gabel in unserem Test etwas an Druckstufe was dazu führt, dass sie beim Anbremsen und in steilem Gelände weit in den Federweg eintaucht. Dies kompensierten wir mit einem erhöhten Luftdruck was im Test dazu führt, dass die Gabel nicht mehr den gesamten Federweg ausnutzt. Die Folge: Wir müssen einen Lager-Reset durchführen, da die Nadellager im Inneren der Gabel so weit nach oben gewandert sind, dass der maximale Federweg nicht mehr freigegeben werden kann. Um die Lager wieder in die richtige Position zu bringen genügt es, die Luft abzulassen und einmal ganz einzufedern. Deutlich spürbar werden dabei die Lager wieder in die richtige Position geschoben, so dass wieder der volle Federweg bereit steht. Bei früheren Versionen der Lefty ist dieser Reset nicht ohne weiteres möglich gewesen, doch seit der im letzten Jahr vorgestellten Überarbeitung ist die beschriebene Problematik kein Thema mehr – der Lager-Reset funktioniert bereits während der Fahrt oder per Hand mit reduziertem Luftdruck.

Nach dieser kleinen Maßnahme arbeitet die Gabel wieder wie sie soll. Je nach Test und Fahrstil störten wir uns dennoch daran, dass die Gabel keine externe Einstellmöglichkeit einer Druckstufe bietet. Vor allem eine einstellbare Low-Speed-Druckstufe würde der Gabel gut zu Gesicht stehen und das Fahrverhalten des Gesamtpakets deutlich verbessern.

Der Dämpfer erledigte seine Arbeit unauffällig und fiel besonders durch eine gute Perfomance im mittleren Federwegsbereich auf. Das Rad lag mit dem angepassten Druck in der Gabel auswogen auf dem Trail, und folgte willig allen Aufforderungen des Fahrers. Das eher progressive Fahrwerk gibt dem Fahrer stets ein gutes Feedback vom Untergrund. Auch wenn es einmal gröber zur Sache ging, ließ sich das Rad nicht aus der Ruhe bringen und lief “wie auf Schienen”. Einzig bei sehr engen Kehren fiel zwangsläufig der lange Radstand etwas negativ auf, jedoch wirkte das Rad nie stelzig oder unhandlich; es war nur nicht ganz so verspielt wie 26″ oder 27,5″ Bikes dieser Klasse. Der 740mm breite Lenker sorgt für beste Kontrolle. Auch die Cannondale eigenen Griffe fassen sich sehr gut an und erfreuen sich bei allen Testern großer Beliebtheit. Auch die 29″ Laufräder mit ZTR Crest Felgen machten ein guten, vor allem aber leichten und dennoch soliden Eindruck. Die Seitensteifigkeit ist dabei in allen Fahrsituationen gut gewesen.

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# Maxi testet das Cannondale Trigger

Einzelfazit – Tester Maxi:

Spritzig ist es nicht, dafür Laufruhig und unauffällig schnell: Das Cannondale Trigger 29er soll ein waschechtes All Mountain Bike mit großen Laufrädern sein. Um dem Neuzugang der Overmountain-Familie ähnlich gute Allround-Fähigkeiten zu verleihen, wie sie bereits der große Bruder Jekyll aufweist, wurde auch dem Trigger 29 der Cannondale-typische Dyad-Shock verpasst. Die Idee geht auf – da wundert es nicht, dass das Trigger 29″ mit seinen 130 mm Federweg in der offenen “Flow-Mode”-Einstellung eher den Eindruck eines vortriebsstarken Enduros vermittelt. Das Bike liegt satt auf der Piste und dank einer gesunden Portion Endprogression lässt sich das Cannondale Trigger 29 schnell und mit Nachdruck durch Kurven und Wellen drücken, auch wenn es dabei aufgrund des langen Hinterbaus nicht gerade verspielt zu handhaben ist.

Das Trigger ist in Sachen Handhabung charakterlich eben eher das gutmütige Ross und kein verspieltes Fohlen. Dennoch oder gerade deshalb vermittelt das Bike dem Fahrer einen äußerst hohes Maß an Fahrsicherheit, was gerne zum schneller Fahren verleitet. Doch leider macht sich dabei prompt die Gabel bemerkbar, die zwar ein vorzügliches Ansprechverhalten vorweisen kann, aber quasi ohne Druckstufe durch den Federweg maschiert. Was bei langsamer Fahrweise gerade auf langen Abfahrten die Hände schont, trübt auf ruppigen Trails und bei zügiger Fahrweise sehr den Fahrspaß. Mit einem etwas flacheren Lenkwinkel und einer besser gedämpften Gabel würde ich auf dem Trigger 29er umgehend an den Start eines Enduro-Rennens gehen. Als leichtes All Mountain Bike für die zügige Feierabendrunde auf schnellen Trails dürfte das Bike ein wenig leichter sein. Das neue Trigger 29er Carbon könnte für diesen Anspruch die bessere – aber auch teurere – Wahl sein.

Fazit

Das Trigger 29er hat das Potenzial zum wahren Alleskönner: Wer ein Rad für alle Lebenslagen sucht und sich nicht mehrere Bikes in die Garage stellen kann bzw. will, der ist mit dem Overmountain 29er aus dem Hause Cannondale gut beraten. Einzige Schwäche war in unserem Test die etwas zu schwach dimensionierte Druckstufe an der Gabel. Fahrer in Mittelgebirgen werden an der Gabel jedoch nichts auszusetzen haben, denn diese erledigt wirklich einen sehr guten Job und kann es jederzeit mit der klassischen Konkurrenz aufnehmen.

Stärken:

  • sehr ausgewogene Fahreigenschaften
  • gutes Handling
  • starke Allround-Eigenschaften
  • auch in grobem Gelände sehr souverän
  • feinfühlige Gabel
  • sehr gute Hinterbau-Performance

Schwächen:

  • Gabel verfügt über etwas wenig Druckstufe // Druckstufe nicht extern einstellbar
  • recht schwer
  • billige X-Fusion Vario-Stütze

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# Das Cannondale Trigger rollt souverän über Steine und Wurzeln hinweg.

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# Post-Mount-Aufnahme mit passendem Adapter

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# Schmiedeteil: Die Steckachse ist fester Bestandteil des Unterteils – neben dem 6-Kant und seinen Nadellagern ein entscheidender Grund für das erstklassige Verhältnis von Gewicht zu Steifigkeit.

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# Cannondale Lefty Supermax 29″ – 130 mm Federweg

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# Attitude Adjust: Elevate Mode und Flow Mode

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# Shimano XT-Schaltung 

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# Maxi war begeistert vom Trigger 29, nicht nur auf den Hometrails sondern auch auf den verblockten Trails am Gardasee. 

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# Auch Marco hatte seinen Spaß mit dem 29er.

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Weiter Informationen

  • Testfahrer: Markus Bihler, Marco Bühler, Maxi Dickerhoff & Christoph Bayer
  • Bilder: Christoph Bayer
  • Redaktion: Christoph Bayer & Maxi Dickerhoff
  • Cannondale Hompage - www.cannondale.com
  • MTB-News.de 2013

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