HomeMagazinTestsTeileOnza IBEX DH 2.4 – leichter Enduro-Reifen im Fahrbericht — 12. September 2013 8:42

Onza IBEX DH 2.4 – leichter Enduro-Reifen im Fahrbericht

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Bis vor wenigen Monaten hat hier im IBC kaum einer den Onza Ibex DH 2.4 aktiv wahrgenommen: Es gab wenig Diskussionen und Informationen zu dem Reifen, bis er schließlich bei der Wahl für die Bereifung des Internet Community Bikes “ICB” vorgeschlagen wurde und als klarer Sieger aus der Abstimmung ging. Unmittelbar nach dieser Entscheidung haben wir uns über den Deutschland-Vertrieb Cosmic Sports den Schweizer Reifen in die Redaktion geholt, um zu testen, was der Reifen in der Praxis zu leisten im Stande ist. Mittlerweile ist gut ein Jahr vergangen und viele von euch haben ihre eigenen Erfahrungen mit dem Onza an den ICB02 Kompletträdern gemacht. Ein Fahrbericht.


# Unterwegs mit dem Onza Ibex DH 2.4 Reifen in den Bergen hinter Kaltern – loses Geröll und Steine bringen den Reifen nicht aus der Ruhe und der Pannenschutz passt.

Technische Daten

Hersteller: Onza
Modell: Ibex DH 2.4
Modelljahr: 2012
Kategorie: Reifen
Einsatzbereich: All-Mountain, Enduro
Abmessungen: 26×2,4" / 61–559
Faltbar: ja

Karkassenbreite: 61mm (28mm Felge)
Profilbreite: 63mm (28mm Felge)
Profiltiefe: 4mm (Neuzustand, Mittelstollen)
Aufbauhöhe: 61mm (Oberkante Felge bis Oberkante Profil)

Aufbau Gummimischung: RC2 55a (65a Kern, 55a Lauffläche)
Aufbau Karkasse: 60TPI Kevlar

Gewicht: 803g (Fotos in der Gewichtsdatenbank der IBC)
Preis: ca. 45,95€


# Wo DH drauf steht ist Enduro drin: Der Onza IBEX DH Reifen mit FRC Karkasse bringt knapp über 800g auf die Waage und liegt damit im Enduro und All-Mountain Segment. Eine DH-Version mit Doppelkarkasse ist verfügbar.

Der Reifen

Was haben wir denn da? Wann immer ein neuer Reifen in die Redaktion kommt, wird überlegt, wem das vorliegende Produkt wohl ähnlich sieht und warum. Im Kern geht es bei dieser Frage darum, die Profilstruktur richtig einzuschätzen und in den Wettbewerb einzuordnen. Im Falle des Onza Ibex wird das Profil von großen Querblöcken und stark ausgeprägten Schulterstollen dominiert – ein Profil, das nicht ganz unbekannt ist. Aber auch keinesfalls schlecht: Ein Profil dieser Art ist häufig mit einer guten (Brems-) Traktion behaftet und rollt auf Grund der überschaubaren Abstände zwischen den Profilblöcken in der Mitte der Lauffläche gut.


# Relativ flaches, offenes Profil für gute Selbstreinigung und gute Traktion – insbesondere beim Bremsen

Eine Besonderheit des Ibex DH ist, dass er mit der Onza FRC Karkasse und RC2 55a Dual Racing Compound Gummimischung ausgestattet ist. Die Karkasse ist bei unserem Reifen ein 60 TPI Kevlar-Aufbau, wer nochmals ca. 70g pro Reifen sparen und bessere Eigenschaften bei der Dämpfung erreichen will, der bekommt den Reifen auch in einer 120 TPI Kevlar-Version. Beiden Versionen ist gemein, dass sie mit einem Gummi überzogen sind, der verschiedene Härten aufweist. So ist der Unterbau des Reifens aus leicht rollender und harter 65a Gummimischung hergestellt, während die Lauffläche und die Schulterstollen für bessere Dämpfung und mehr Grip aus weicherem 55a Gummi hergestellt sind. So gerüstet soll der Reifen mit einer Vielzahl von Untergründen gut zu Recht kommen und gleichzeitig so leicht rollen, so dass auch lange Touren möglich sind.


# Der Dual Racing Compound RC2 55a besteht aus einem harten Kern zur Stabilisierung der Stollen (65a Härte) und einer wichen Deckschicht (55a Härte), die für gute Traktion und Dämpfung sorgen soll.

Alternativ zur getesteten FRC Karkasse gibt es den Onza Ibex DH 2.4 auch in einer Downhill-Version mit Doppelkarkasse (40×40 TPI) und drei verschiedenen Gummimischungen: RC2 55a (65a / 55a), RC2 45a (55a / 45a) oder RC3 (65a / 55a / 45a). Das Gewicht für diese Reifen wird vom Hersteller mit 1020 – 1080g angegeben, wobei der Triple Compound Reifen am schwersten sein soll. Von der Breite her unterscheidet sich der Reifen in der DHC-Version nicht vom getesteten FRC-Reifen und messen an der Karkasse in der Breite 61mm (montiert auf einer 30mm Felge).


# Das Profil in der Draufsicht – Neuzustand

Tubeless Montage

Um dem anhaltenden Trend hin zu Tubeless-Systemen für den Mountain Bike-Einsatz Rechnung zu tragen, haben wir die Onza Ibex DH 2.4 Reifen auch auf ihre tubeless-Eignung hin getestet. Montiert haben wir ihn mit der bekannten Milch von Continental auf einer Notubes ZTR Flow Felge, die wir mit Notubes Felgenband und Ventilen abgedichtet haben. Mit der Handpumpe ist die Erstmontage ein spannendes Krafttraining, wobei es hilft, das Laufrad immer wieder zu schütteln und zu drehen, um die Milch im Inneren gleichmäßig zu verteilen und bei der Abdichtung zu unterstützen. Wer einen Kompressor zur Hand hat, der sollte keinerlei Probleme haben und sobald der Reifen auf dem Felgenhorn sitzt, sind die Probleme gelöst.

Für die Erstmontage haben wir 60mm Milch pro Reifen verwendet und damit auch über längere Sicht keinerlei Probleme mit der Dichtigkeit des Reifens gehabt. Bereits im ersten Versuch ist an der Seitenwand des Reifens keine Milch ausgetreten und sitzt der Reifen erst im Felgenhorn, bleibt er auch dort und dichtet sicher ab. Die Montage des Reifens selbst auf der Felge geht – entsprechende Technik vorausgesetzt – ohne Werkzeug von der Hand.


# Mit dem Onza Ibex DH 2.4 in Finale Ligure – auch hier warten schroffe Pisten und scharfe Steine, doch der Pannenschutz ist wie bei einem 800g-Reifen zu erwarten gut.

Auf dem Trail

Für einen All Mountain-Reifen wir den Onza Ibex DH geht es insbesondere um einen gelungenen Kompromiss zwischen sehr gutem Grip auf dem Trail auf der einen Seite und optimiertem Rollwiderstand auf der anderen Seite. Ebenfalls nicht zu vernachlässigen ist für den Endverbraucher auch die Haltbarkeit des Reifens – ein Reifen, der nach wenigen Kilometern bereits Abnutzungsspuren aufweist ist gegebenenfalls nicht die richtige Wahl für ausgedehnte Bergtouren oder Alpenüberquerungen.

Grip

Im Bezug auf den Grip und die Traktion kann der Onza Ibex DH nach einigen Testkilometern auf verschiedensten Untergründen überzeugen. Er bietet gut kontrollierbare Traktion auf den meisten Bodenbelägen und bekommt erst bei matschigen Bedingungen Schwierigkeiten. Sehr gut funktioniert der voluminöse Reifen auf staubigen und losen Untergründen, wo er mit einem gut abschätzbaren Grenzbereich den Spaß auf dem Trail steigert. Auf glatten, harten Strecken hätten wir uns hingegen etwas rundere Schulterstollen gewünscht, die ein noch sichereres Verhalten im Grenzbereich bieten würden – hier bieten andere Reifen eine bessere Performance, der Ibex DH 2.40 bietet weniger Grip.


# Im Test überzeugt der Ibex DH 2.40 mit guter Haltbarkeit und akzeptablem Rollwiderstand


# Interessantes Detail: Die kleinen Finnen auf jedem zweiten Schulterstollen sollen bei Kurvenfahrt für nochmals vergrößerte Auflagefäche sorgen. Insgesamt sind die Schulterstollen gut abgestützt und geben verlässlich Rückmeldung über den Untergrund

Rollwiderstand

Die zweite wichtige Komponente eines guten All Mountain Reifens – den Rollwiderstand – beherrscht der Onza Ibex DH 2.4 trotz grobem Profil mit sehr guten Ergebnissen. Ungeachtet der weichen 55a Decklage, die für die gute Traktion mit verantwortlich ist, hält der harte Kern (65a Härte) der Stollen den Rollwiderstand in Grenzen und verhindert wirkungsvoll ein energieraubendes Abknicken der Stollen. Insbesondere als schlauchloser Reifen mit wenig Luftdruck aufgebaut rollt der Reifen so auf dem Trail sehr gut ab und benötigt auf Flachstücken nur wenig Kraft, um in Schwung zu bleiben. Geht es bergauf passt die Mischung aus Traktion und Rollwiderstand besonders gut. Hier hat Onza ganze Arbeit geleistet.

Haltbarkeit & Verschleiß

Nach gut zehn Monaten auf verschiedensten Trails bei verschiedensten Bedingungen zeigt sich deutlich, dass die Onza Mischung auf gute Langlebigkeit ausgelegt ist. Nachdem der niedrige Rollwiderstand bereits einen haltbaren Aufbau angedeutet hatte, zeigt sich im Dauereinsatz, dass der Verschleiß des Reifens tatsächlich überschaubar ist und auch die Fahreigenschaften über den Testzeitraum konstant bleiben. Effekte wie abreißende Stollen oder eine Versprödung des Gummies haben wir ebenfalls nicht feststellen können. Somit kann der Onza Ibex DH auch beim Verschleiß rundum überzeugen und qualifiziert sich als haltbarer Reifen für den All Mountain- und Trail-Einsatz. Für den Enduro-Einsatz würden wir uns eine Gummimischung wünschen, die noch besser dämpft und mehr Grip bietet – gleichzeitig würde hier jedoch die Haltbarkeit eingeschränkt werden. Eine entsprechende Mischung bietet Onza für die DH-Version des Ibex an: die RC3 45a Dual Compound Mischung mit den drei Aufbauhärten 65a, 55a und 45a sollte genau diesen Ansprüchen genügen, wobei der Reifen mit einem Gewicht von 1080g durchaus noch im Bereich des Üblichen liegen sollte, was den abfahrtsorientierten Enduro-Einsatz angeht.


# Beim Verschleiß hält sich der Onza gut, das Gummi nutzt sich gleichmäßig ab und bricht nicht aus.


# Laufen lassen auf dem berühmten XX in Finale Ligure: Auf der Abfahrt überzeugt der Onza mit guter Kontrollierbarkeit insbesondere dann, wenn der boden etwas tiefer und lose ist.

Fazit

Der Onza Ibex DH 2.40 Reifen ist in der faltbaren Kevlar-Version nicht nur angenehm leicht für einen robusten All-Mountain-Reifen, sondern überzeugt mit gutem Grip bei passender Haltbarkeit als vielseitiger Allrounder, der nur mit tiefem Matsch oder extrem glatten, harten Böden nicht perfekt zu Recht kommt. Für alle Einsatzbereiche dazwischen bietet er gute Rolleigenschaften und einen breiten, gut kontrollierbaren Grenzbereich – eine gelungene Kombination.

Stärken

  • gelungene Balance zwischen Traktion und Rollwiderstand
  • gute Haltbarkeit
  • gute Selbstreinigung

Schwächen

  • Dämpfung könnte für den Enduro-Einsatz noch besser sein
  • Profiltiefe für Matsch oder tiefen Staub nicht groß genug
  • Grip auf harten, glatten Böden nicht optimal

Weitere Informationen

Onza Homepage [Link]
Bilder: Tobias Stahl, Christoph Bayer, Patrick Freialdenhoven
Redaktion: Tobias Stahl | MTB-News.de 2013


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