HomeMagazinEventsUCI Mountain Bike World CupWorld Cup 2013UCI Downhill World Cup #5 – Hafjell: Rennbericht und Rennergebnis — 15. September 2013 19:00

UCI Downhill World Cup #5 – Hafjell: Rennbericht und Rennergebnis

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Eine selektive Strecke mit schweren Steinfeldern, großen Sprüngen und hängenden Kuven und dazu kein Glück beim Wetter: Der Downhill World Cup im norwegischen Hafjell ist eines der spannendsten Rennen der Saison gewesen, das am Ende Rachel Atherton bei den Damen und Steve Smith bei den Herren für sich entscheiden konnten. So bleibt die Entscheidung im Gesamt World Cup weiter offen, wobei Rachel einen gemütlichen Vorsprung beim nächsten Rennen in Leogang zu verwalten hat, während ihr Bruder Gee Atherton nur mit einer minimalen Führung vor Steve Smith in die letzte Runde geht – hier ist noch alles offen.


# Steve Smith schnappt sich nach dem letzten Sieg in Mont Sainte Anne direkt auch den Sieg in Hafjell. Die Schmach von der WM (Sturz in der ersten Kurve) macht er damit unvergessen und bringt sich in die ideale Ausgangslage, um eventuell noch den Gesamt World Cup 2013 zu gewinnen.

Rennbericht Damen

Regen, Matsch und glitschige Steine haben es den Damen bei diesem Rennen in Norwegen besonders schwer gemacht. Routinierte Fahrerinnen wie Emilie Siegenthaler haben bereits große Schwierigkeiten mit der Strecke und andere wie Jill Kintner scheiden nach Stürzen und technischen Defekten aus. Insbesondere der Einstieg in den Steilhang in der Mitte der Strecke bringt einige Fahrerinnen in Bedrängnis und erfordert einige gewagte Manöver, um auf dem Rad zu bleiben und nicht zu Boden zu gehen.

Eine, der das besonders gut gelingt, ist Morgane Charre (4.) aus Frankreich, die lange im Hotseat sitzt und erst durch die Britin Manon Carpenter von der Spitze verdrängt wird. An Carpenter’s Zeit kann in der Folge weder Myriam Nicole (3.), noch die aktuell zweitplatzierte Emmeline Ragot (5.)kratzen und so entscheidet sich das Rennen erst mit der letzten Starterin, der Gesamtführenden Rachel Atherton. Nach dem Sieg in der Qualifikation ist sie die letzte Frau am Berg und ihr gelingt ein ausgesprochen guter Lauf: Schnellste in jeder Zwischenzeit und am Ende mit einer komfortablen Führung von 7,631 Sekunden in Führung lässt sie nichts anbrennen und sichert sich den vierten Sieg im fünften Rennen dieser Saison.

Rennergebnis Damen

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World Cup Stand Damen

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Nach diesem Rennen liegt Rachel Atherton mit 1085 Punkten 160 Punkte vor Emmeline Ragot auf dem zweiten Platz. Theoretisch kann beim letzten Rennen also noch alles passieren (ein Sieg bringt 200 Punkte, die Qualifikation 20), doch in Anbetracht der bislang gezeigten Leistungen von Rachel Atherton machen wir uns hier wenig Gedanken – der World Cup Gesamtsieg in der Saison 2013 ist ihr kaum noch zu nehmen.

Rennbericht Herren

Als nach dem Damenrennen die Herren folgen, ist es nach wie vor am regnen und tiefe Pfützen bilden sich vor den Absprüngen, Wurzeln und Steinen. Einer, der damit ausgesprochen gut zu Recht kommt ist Andrew Neethling, der nach schwacher Qualifikation für lange Zeit im Hotseat sitzt – er findet als früher Starter noch mehr Traktion auf der Strecke und zeigt, wozu er in der Lage ist. Ebenfalls sehr zufrieden mit derartigen Bedingungen dürfte Brendan Fairclough (22.; Scott GSTAAD) sein. Er zeigt den gewohnt guten und flüssigen Style, doch die Uhr scheint nicht mit ihm zu sein – knapp neun Sekunden fehlen ihm an der Ziellinie auf den Südafrikaner Neethling im Hotseat.

Kurz darauf folgt Johannes Fischbach, der bei der WM in Südafrika sensationell in die Top 10 fahren konnte und auch mit den widrigen Bedingungen in Hafjell gut zu Recht kommt. Er zieht einen massiven Scrub über den Holztable, pedaliert hart und verliert doch knapp sieben Sekunden auf Andrew Neethling. Zwischenzeitlich liegt er damit auf dem vierten Platz, am Ende reicht seine Zeit für einen 17. Platz in der Gesamtwertung! Sau gut.

Keinen Deut langsamer lässt es die lebende Legende Steve Peat angehen: Der Santa Cruz Syndicate Fahrer ist Strecken wie diese seit Jahren gewohnt und fräst eine Zeit in den Matsch, die immerhin bis auf drei Sekunden an Andrew Neethling heranreicht und ihn zur Zwischenzeit auf den zweiten Platz setzt. Am Ende wird Peaty damit 6. und verpasst das Podium nur um gut 1,2 Sekunden. Weniger gut läuft es für Sam Dale, der sich früh einen platten Hinterreifen einfängt und dennoch kaum langsamer unterwegs ist, als viele Konkurrenten, die keine technischen Probleme hatten. Ganz andere Probleme hat Nick Beer aus der Schweiz: Er geht bei einem der ersten weiten Sprünge fast über den Lenker und kann gerade noch einen Crash bei Höchstgeschwindigkeit verhindern. Danach zeigt er eine geschickte Linienwahl, tolle Fahrtechnik und massive Drifts und landet am Ende auf dem 13. Platz. Etwas zu motiviert fährt Rémi Thirion, der auf seinem Commencal einige technisch höchstanspruchsvolle Linien probiert und in der Folge einen Sturz in Kauf nimmt – am Ende erreicht der Überraschungssieger aus Vallnord den 23. Platz.

Der schnellste deutschsprachige Fahrer in der Qualifikation ist Markus Pekoll aus Österreich, doch schon auf den ersten Sprüngen kämpft er mit dem stärker werdenden Wind und wird anschließend von der Kurve zu Boden gezwungen, die bereits fast alle Starterinnen im Damenrennen bezwingen konnte. Anschließend gibt Markus zwar weiter Vollgas, kommt aber dennoch mit über 21 Sekunden Rückstand auf dem 64. Platz ins Ziel – ein Rennen zum Vergessen. Von ihm dürfen wir uns jedoch beim Heim-World Cup in Leogang einiges erwarten.

Und dann kommt Sam Hill. Wenn die Worte technisch, matschig und risikoreich auf der Tagesordnung stehen, ist es nie verkehrt auf den Australier zu setzen doch an diesem Wochenende wirkt Hill ein wenig verhalten und verliert weiter Zeit, so dass er am Ende mit knapp sieben Sekunden Rückstand ebenfalls nicht in der Lage ist, Andrew Neethling von der Spitze zu verdrängen (15. Platz). Direkt nach Sam Hill folgt Danny Hart, der wie Hill seinen Ruf der brutal anspruchsvollen Downhill-Strecke in Champery verdankt, auf der er im Jahr 2011 Weltmeister werden konnte. Er macht in Hafjell einen sehr guten Eindruck und ist der erste Fahrer dem es gelingt, zur zweiten Zwischenzeit die Bestmarke von Andrew Neethling zu schlagen – und das obwohl er zunächst noch gut 1,3 Sekunden zurück liegt. Maximaler Einsatz und großartige Fahrtechnik sorgen dafür, dass er die Ziellinie um eine Sekunde schneller erreicht als Neethling!

Weder Sam Blenkinsop (4.; äußerst spektakulär anzuschauen), noch George Brannigan (41.; Sturz im Steinfeld) oder Troy Brosnan (10.; riskante Linienwahl im Steinfeld) können mit der Zeit von Danny Hart mithalten, doch Vorjahressieger Steve Smith zeigt schon bei der ersten Zwischenzeit, dass Danny Hart nicht der einzige Anwärter auf den Sieg ist. Er ist schnellster im ersten Sektor, schnellster im zweiten Sektor und zeigt mit seiner Bike-Kontrolle und Linienwahl, warum er hier schon im Vorjahr gewinnen konnte. Am Ende bleibt die Uhr bei 3:40.174 Minuten stehen, womit er sich über  1,5 Sekunden vor Danny Hart in Führung schiebt.

Auf Smith folgt der neu gekrönte Weltmeister Greg Minnaar, der jedoch in jedem Sektor langsamer als der Kanadier ist und so nicht in den Kampf um den Sieg eingreifen kann (5.). Das kann auch nicht Loic Bruni, der als drittletzter Starter auf die Strecke geht. Mit einer Handverletzung aus dem Training kann er nicht sein volles Potential entfalten und stürzt heftig, als er für die berüchtigte Steilhangkurve ausholt – kein Glück für den 19-jährigen an diesem Sonntag (33.).

Somit bleiben nur noch Mick Hannah und Gee Atherton, um Steve Smith den Sieg streitig zu machen. Als erster geht Mick Hannah in den Ring und probiert zu viel: Nach dem massiven Gap zu Beginn der Strecke kann er seine Linie nicht halten und schießt über die Steilkurve hinaus – und zerstört seine Ambitionen auf den Sieg (28.). Und Gee Atherton? Der Brite ist es gewohnt als letzter Fahrer auf die Strecke zu gehen und kann die Geschwindigkeit von Steve Smith doch nicht ganz mitgehen. Zur ersten Zwischenzeit liegt er eine halbe Sekunde zurück und knallt nach dem Steinfeld stumpf vor einen Baum, der ihm gehörig den Nachmittag versaut und den World Cup bis zum letzten Rennen offen hält: So wird die Entscheidung über den Gesamtsieg erst beim letzten Rennen in Leogang fallen. Am Ende wird Gee 12.

Neben Johannes Fischbach sind auch Benny Strasser und Christian Textor in Hafjell am Start gewesen. Die beiden liegen am Ende auf dem 44. und dem 73. Platz und werden auch in Leogang mit in den Kampf gegen die Uhr einsteigen.

Rennergebnis Herren

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World Cup Stand Herren

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Nach dem World Cup in Hafjell und seinem 12. Platz liegt Gee Atherton nach wie vor mit nun 966 Punkten in Führung, doch Steve Smith hat bis auf 17 Punkte aufgeholt. In Leogang werden nochmals insgesamt 250 Punkte vergeben und wenn Gee Atherton hinter Steve Smith landet, könnte es mit dem Geschwister-Doppelsieg im Gesamt World Cup knapp werden. Auf dem dritten Platz folgt Greg Minnaar mit 673 Punkten. Danny Hart rückt durch seinen heutigen Erfolg auf den fünften Platz hinter Sam Hill vor, gefolgt von Sam Blenkinsop, Rémi Thirion, Troy Brosnan und Loic Bruni. Mick Hannah komplettiert die Top 10.

Rennbericht Herren Junioren

Die Junioren gehen am Sonntag jeweils als erste auf die Strecke, bevor die Rennen der Damen und Herren folgen. In diesem Jahr heißt der Sieger von Hafjell Michael Jones, der sich mit satten 3,48 Sekunden Vorsprung den Sieg vor Innes Graham sichert. Auf den Plätzen folgen Mark Wallace, Noel Niederberger (Schweiz) und Loris Vergier. Deutsche Starter gibt es bei den Junioren in diesem Durchgang keine.

Rennergebnis Herren Junioren

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World Cup Stand Herren Junioren

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Nach dem fünften von sechs Rennen führt Michael Jones mit 176 Punkten knapp vor Loris Vergier (170 Punkte) sowie Dean Lucas. Auf dem vierten Platz folgt Noel Niederberger aus der Schweiz; Innes Graham aus England komplettiert das Podium.


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