HomeMagazinMedienVideos“Frag den Shaper”: Filme von Draussen mit neuer Serie inklusive Trailbau-Tipps aus Zürich — 9. April 2014 14:00

“Frag den Shaper”: Filme von Draussen mit neuer Serie inklusive Trailbau-Tipps aus Zürich

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Die Jungs um Tom “teecee” Malecha von “Filme von Draussen” waren fleissig im letzten Sommer: nach diversen Einzelprojekten haben sie nun ihre zweite Bike-Serie “Ask the Shaper” veröffentlicht.

“Die meisten meiner Filme sind ja eher All Mountain oder Enduro orientiert. Diesmal wollten wir ein bisschen mehr Airtime und haben uns deshalb auf gebaute Trails konzentriert”, sagt Filmer und IBC-User Tom Malecha.

Ihre These war: Niemand kennt sich besser aus mit Trails, als diejenigen, die sie bauen. Deshalb haben sich Tom und seine Kollegen Johannes Riebl und Dino Pfeilschmidt auf ihrem Roadtrip von den Empfehlungen der Trail-Builder leiten lassen.

Die Serie beginnt auf dem Üetliberg in Zürich, Hausberg der “Filme von draussen”-Crew. Dort befindet sich einer von den drei legalen Bike-Trails der Stadt. Doch damit nicht genug: Die Trails sind nicht nur geduldet, sondern werden auch vom Forstamt der Stadt gepflegt und ausgebaut. Entscheidend dazu beigetragen hat der Verein Züritrails – Tom Malecha hat für uns den Vorsitzenden Frank Wadenpohl befragt, wie es dazu kam.

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Frank, erzähl uns doch einmal wie es dazugekommen ist, dass Zürich heute über mehrere legale Biketrails verfügt.

Frank Wadenpohl: Vor etwas über 10 Jahren eskalierten die Konflikte am Üetliberg mit Wanderern, Förstern und dem Wildhüter. Auslöser waren die illegalen Trails sowie schnelle und teilweise rücksichtslose Biker auf Forst- und Wanderwegen. Ausserdem sorgte der Transport von stark verschmutzten Bikes in der Üetlibergbahn für Ärger.

Wie hat man damals einen Kompromiss gefunden?

Nach einigen Jahren der Verhandlung einigte man sich mit der Stadt darauf, sämtliche illegalen Trails zurückzubauen und dafür einen offiziellen Biketrail für alle Mountainbiker anzulegen. Bestandteil dieses Kompromisses war auch, den Transport von Bikes in der Üetlibergbahn zu verbieten. Die Idee war, reine Downhiller mit schweren Bikes vom Berg fernzuhalten.

So konnte im Jahr 2005 mit dem “Biketrail Triemli” der erste offizielle Biketrail auf Stadtgebiet eröffnet werden. Ausserdem wurde seinerzeit auf demselben Berg noch ein zweiter Trail angelegt, welcher allerdings bereits auf halber Höhe des Hügels stumpf auf einem Forstweg endet und deswegen kaum genutzt wird. Warum, das weiss heute keiner mehr.

Wer hat sich um diese Trails gekümmert?

Eine zeitlang waren das die städtischen Forstbehörden. Mangels Fachwissens veränderte sich hierbei vor allem der Biketrail Triemli eher zum Negativen. Er wurde immer weniger attraktiv. Ende 2010 formierten sich die Biker erneut und gründeten den Verein Züritrails. Unser Ziel war es, sich endlich wieder aktiv in die Planung der Infrastruktur einbringen zu können.

Was habt ihr dann konkret getan?

Eine erste Aktions des Vereins war es, den Biketrail Triemli in Freiwilligenarbeit grundsätzlich zu überarbeiten. Dieser Arbeitseinsatz hat dazu geführt, dass man uns nicht nur als “Forderer” sondern auch als “Leister” anerkannte. So konnten wir dann konkret mit der Stadt verhandeln.

2013 konnten wir dann auf der anderen Stadtseite den Biketrail Adlisberg in Betrieb nehmen. Da waren wir von Anfang an bei der Planung mit beteiligt. Aber auch hier war die Motivation für die Stadt eher ein Konflikt als ein legitimes Bedürfnis: auf dieser Seite der Stadt existierte ein überaus beliebter illegaler Trail, welcher aber ausgerechnet durch einen anerkannten Wildlebensraum führte.

Wie sieht die Zusammenarbeit zwischen Züritrails und der Stadt heute aus?

Wie gesagt, wir mussten zunächst durch harten Arbeitseinsatz überzeugen, dass wir nicht nur Forderungen stellen, sondern auch bereit sind, dafür Leistung zu erbringen. Dabei haben wir nicht nur körperliche Arbeit am Trail verrichtet, sondern auch die Stadt über selbst verfasste Thesenpapiere und Studien mit einigen Grundlageninformationen versorgt.

Auf dieser Basis wurde schlussendlich eine “Leistungsvereinbarung” zwischen der Forstbehörde und dem Verein Züritrails aufgesetzt. Das ist heute die Grundlage für die Zusammenarbeit. Einzig bitterer Beigeschmack ist, dass es der Forstbehörde nach wie vor nicht darum geht, die Bedürfnisse der Mountainbiker zu befriedigen, sondern Konflikte zu vermeiden.

Was habt ihr dagegen unternommen?

Wir haben parallel den Kontakt zum Sportamt gesucht. Hier stossen wir auf wesentlich offenere Ohren, vor allem wenn es um Themen wie Nachwuchs und Sportförderung im Allgemeinen geht. Mit dem Sportamt arbeiten wir nun daran, die Bedürfnisse der Mountainbiker strukturiert zu erfassen und in eine Zehnjahresplanung einfliessen zu lassen.

Aber machen wir uns keine Illusionen: die Zusammenarbeit wird immer geprägt sein von Höhen und Tiefen. Man muss dafür einfach gewappnet sein und nicht frühzeitig frustriert das Handtuch werfen. Wir mussten selber auch erst lernen, dass bei der Planung von öffentlicher Infrastruktur nicht von heute auf morgen ein neuer Trail entstehen kann. Vereinsintern haben wir mittlerweile einen Planungshorizont von fünf Jahren.

Welche Ratschläge hast du für Biker in anderen Städten, die ihre Trails gerne legalisieren möchten?

Mountainbiken ist eine typische Individualsportart. Das heisst, Biker sind schlecht organisiert und nur wenig aktiv vernetzt. Der erste Schritt hin zu legalen Trails ist die Vernetzung von Bikern und damit die Bündelung von Interessen. Die Gründung einer Interessensgemeinschaft oder eines Vereins verleiht der Sache dann gleich offiziellen Charakter. Bevor man sich dann mit Behörden und Landeigentümern in Verbindung setzt, sollten aber erst noch einige “Hausaufgaben” gemacht werden.

Was für Hausaufgaben sind das?

Das bedeutet, dass man sich unbedingt mit den nationalen und lokalen gesetzlichen Rahmenbedingungen auseinandersetzen muss. Hierbei hilft es, wenn direkte Kontakte zu Bau- oder Forstingenieuren bestehen. So kann man dann sicherstellen, dass man später auch mit der Behörde “dieselbe Sprache” spricht. In diesem Sinne sollte man auch abklären, welches Vorwissen die Behördenmitarbeiter in Sachen Mountainbiken haben. Im Zweifelsfall muss man auch hier die Sprache anpassen. “Flow”, “Table” und “Stoked” gehören normalerweise nicht zum Standardvokabular einer Behörde.

Was aber sicher immer hilft, sind Erfolgsstorys aus anderen Städten mit ähnlichen Voraussetzungen. Hier aber bitte nicht in Kleinkleckersdorf den Vergleich mit Whistler anstreben. Am Anfang lieber kleine Brötchen backen und den Behördenmitarbeitern die Gelegenheit geben, zusammen mit euch gut auszusehen. Denn nichts sieht eine Behörde weniger gerne als negative Presse.

Wo wir aus Zürich leider keine guten Ratschläge geben können, ist im Fall einer Planung mit mehreren Landeigentümern. Wir hatten hier immer das Glück, dass das Land auch der Stadt selber gehört.

Danke für das Interview, Frank!

 

 


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