Mit dem TransNZ Mehrtagesrennen der vorherigen Woche noch in den Beinen, stand mit dem Toa Enduro schon das nächste Rennen auf dem Programm. Ein Rennen, das im vergangenen Jahr noch den Auftakt der Enduro World Series darstellte. Ideal also, um sich – den Bildern und Videos des Vorjahres zufolge – auf den anspruchsvollen Abfahrtsstrecken für die anstehende Saison abzuhärten. So zumindest der Plan von Michal und mir – doch es sollte anders kommen. Ein Tag des Leidens!

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Toa Enduro – die Vorbereitung

Ganze zwei Tage Training wurden den Teilnehmern seitens des Veranstalters für das Toa Enduro eingeräumt – ungewöhnlich viel für ein Enduro-Rennen. In Anbetracht dessen, dass dieses Rennen im vergangenen Jahr noch Teil der Enduro World Series war und selbst von Top-Athleten als höchst anspruchsvoll eingestuft wurde, ergibt die Sache Sinn. Sicherheit geht schließlich vor, und bei einem so umfangreichen Rennen sollte nichts dem Zufall überlassen werden. Also in Ruhe die Strecken besichtigen und wissen, wo es wie zur Sache geht! Womit wir dann auch schon beim Thema wären.

Zur Sache ging leider nicht all zu viel, wie Michal und ich im ersten Training am Montag feststellen mussten. Von den Downhill-lastigen Stages des Vorjahres war über die gesamte Streckenlänge durch den Redwoods Mountainbike Park am Rande Rotoruas leider nur wenig zu sehen. Aufgrund des damals zu hoch angesetzten Anspruchs, habe man dieses Mal versucht, eher die Masse anzusprechen, so der Veranstalter. Für uns durchaus enttäuschend – hatten wir uns doch so auf knackige Abfahrten gefreut.

Es ist, wie es ist! That´s racing, und letzten Endes ist es für jeden gleich. Also Klappe halten und das Beste daraus machen. Training, wie man es sich eigentlich vorstellen würde, vor allem wenn das Training auf zwei Tage angesetzt ist, war jedoch kaum möglich. Die Wertungsprüfungen sind so lang, dass es die Zeit kaum hergibt, im Detail auf Liniensuche zu gehen oder gar Sektionstraining zu machen.

Genau hinsehen!
# Genau hinsehen! - Wer seinen Start verpasst, dessen Zeit fängt an zu laufen - ob auf der Strecke oder nicht.
Volle Konzentration
# Volle Konzentration - Seine Weltmeistertitel liegen zwar schon eine Weile zurück, aber dennoch ist Michal Profi wie eh und je.

Das Rennen – vom Leid und Erfolg der Leidenden

Der Wecker klingelt: 06:30 Uhr. Während ich nach einer kurzen Nacht – und nein, ich habe nicht durchgezecht – noch im Bett liege, bereitet Tomas in der Küche schon unser täglich gleiches Frühstück zu: Porridge. Teamwork ist angesagt, vor allem bei einem so umfangreichen und facettenreichen Event wie dem Crankworx. Jeder hilft wo er kann, solange kein eigenes Rennen auf der Tagesordnung steht. Tomas wird uns am heutigen Tag vom Streckenrand aus unterstützen, als Mechaniker, Verpflegungsmann und vor allem als anfeuernder Fan.

Schon beim ersten Schritt vor die Tür wird klar: es wird ein heißer Tag werden. Gut rationierte Wasservorräte dürften bei den heutigen Bedingungen entscheiden sein. Michal entscheidet sich dennoch gegen einen Rucksack und dementsprechende Hy­d­ra­ti­on. Er möchte aufgrund der langen und tretintensiven Wertungsprüfungen unter allen Umständen das zu schleppende Gewicht an Mann und Bike reduzieren und verlässt sich auf seine Trinkflasche am Bike sowie die Verpflegungsstation, welche wir zweimal passieren werden. Trinkflasche in den Flaschenhalter, Rad auf den Heckträger und es kann losgehen. Abfahrt zum Startort gegen 07:30 Uhr.

Der Start eines langen Tages.
# Der Start eines langen Tages. - Michal und Maxi auf dem Weg ins Maori Kultur-Centre Te Puia. Vor historischer Kulisse werden die Fahrer hier ins Rennen geschickt.
Noch mal kurz nach dem Weg fragen.
# Noch mal kurz nach dem Weg fragen. - In Mitten der vielen, meist Dampf verhangenen Wege in Mitten der geothermalen Aktivitäten des Reservats verliert man schnell mal den Überblick.

Wie im Vorjahr bei der EWS liegt der Start im Maori Kulturzentrum Te Puia, wo ringsherum geothermale Aktivitäten eine eindrucksvolle Kulisse bilden. Das Rennen ist bestens organisiert: Das Regelwerk und somit auch die Abwicklung sind dem EWS-Rulebook nachempfunden. Dementsprechend gibt es für die Verbindungsetappen klare Zeitvorgaben, welche mit einem Sticker auf dem Oberrohr unmissverständlich veranschaulicht werden.

Der Weg zur ersten Stage ist müßig, es fühlt sich an als würde alles gegen mich arbeiten. Der Boden scheint weicher als sonst, die Hitze heißer und meine Beine, nun meine Beine scheinen einen Ruhetag eingelegt zu haben. Michal hingegen nimmt es ganz entspannt, zwar macht auch ihm die Hitze zu schaffen – wie wohl allen Anwesenden, aus dem Winter kommenden Europäern – doch lässt er sich nichts anmerken.

Mögen die Spiele beginnen
# Mögen die Spiele beginnen

Das Roadbook beziffert die erste Stage mit gerade einmal 164 Metern Höhendifferenz, verteilt auf 2,3 Kilometern Länge. Der Nutzungsgrad des Geländes neuseeländischer Trailparks, wie dem hiesigen in Rotorua, ist einfach fantastisch. Auf kleinsten Hügeln werden gigantische Trail-Netzwerke kreiert und jeder Meter genutzt. Für uns bedeutet das zum einen Fahrspaß, zum anderen aber auch viel treten – wirklich sehr viel treten. Denn die Streckenlänge kommt nur zustande, in dem es immer wieder bergauf geht. Der schnelle Wechsel aus Uphill-Sprints und technischen, teils anspruchsvollen und schlagintensiven Downhills geht an die Physis.

Die Hitze hat den Boden ausgetrocknet, teils pickelhart, teils tief sandig. Um keine Langeweile aufkommen zu lassen, wartet so mancher Singletrail mit einer dritten Untergrundbeschaffenheit auf: Teilweise geht es so tief in den Urwald hinein, dass der Untergrund plötzlich zu einer lehmigen Rutschpartie wird, da die Feuchtigkeit an diesen Stellen einfach immer allgegenwärtig ist. Die bis zu 15 Minuten langen Stages verlangen nach extremer Konzentration und wachem Verstand. Genau das sollte mir noch zum Verhängnis werden.

Licht, Schatten, Licht, Schatten
# Licht, Schatten, Licht, Schatten - Es war nich gerade einfach die scharfen Lichtwechsel auszublenden.

Als wir am Start der zweiten Wertungsprüfung ankommen, gibt es schlechte Nachrichten: Ein Fahrer der Amateurklassen ist auf Stage 2 mit dem bezeichnenden Namen „Eagle vs. Shark“ so schwer gestürzt, dass seine Bergung auf mehrere Stunden geschätzt wird. Die Stage wird aus dem Rennen genommen und das Fahrerfeld zur dritten Wertungsprüfung weitergeleitet. Leider bleiben die Startzeiten unverändert, was uns eineinhalb Stunden Wartezeit einhandelt – eineinhalb Stunden warten, inmitten eines Rennens. Jeder Rennfahrer weiß, wie unangenehm das ist. Der Körper läuft auf Hochtouren, kommt runter, kühlt ab und muss ein zweites Mal auf Leistungstemperatur gebracht werden. Keine angenehme Sache.

Stage 3 und 4 stellen sich wie erwartet als Schlüssel-Stages heraus: Sie sind die längsten und physisch anspruchsvollsten Stages. Lange Tretpassagen, viele knackige Uphill-Sprints und immer kurze, aber happige Downhill-Sektionen nagen an der Substanz. Mir zieht die Länge von Stage 4 den Stecker – die Kraft ist raus und ich versuche halbwegs im Flow ins Ziel zu kommen. Michal steht nach wie vor gut im Saft und hämmert was das Zeug hergibt. Doch auch er hat Probleme. Der teils dichte Wald macht es ihm schwer, vorausschauend die Ideallinien zu sehen und zu treffen.

Offene Wiesen, hängende Kurven, weite Gaps
# Offene Wiesen, hängende Kurven, weite Gaps - das gibt es im Enduro-Sport nicht alle Tage.

Erfreulicherweise kennen wir Stage 5 bereits von einem Fotoshooting der Vortage. Unsere Lieblings-Stage – fast ausschließlich bergab, mit viel Flow und einigen knackigen Sektionen. Egal wie es mir anschließend gehen wird, aber auf Stage 5 möchte ich mich beweisen. Mit gebündelten Kräften sprinte ich aus dem Start, im Wissen, dass nach den ersten Kurven bereits eine Schlüsselstelle wartet, welche mit ausreichend Speed komplett übersprungen werden kann. Es gelingt mir – Zuschauer und Fotografen jubeln. Geil – ich bin motiviert. Mit ordentlich Speed gehe ich in die erste Kurve. An dieser Stelle möchte ich an den ausgetrockneten Untergrund erinnern, sowie an meine schwindenden Kräfte. Ich halte drauf, doch mein Vorderrad zieht nicht mit. Mit einem ordentlichen Einschlag gehe ich zu Boden und höre ein lautes “Uhhhhh” der Zuschauer über den Hang rollen. Von oben bis unten mit Sand mariniert springe ich zurück aufs Bike, um möglichst wenig Zeit liegen zu lassen. Das kann ich wieder reinfahren! Weit gefehlt, denn nur eine Kurve weiter wiederholt sich das Schauspiel. Dieses Mal geht sich der Abgang jedoch nicht ohne Schmerzen aus. Ok – spätestens jetzt habe ich verstanden, was mein Körper mir sagen will: Pause! Etwas durch den Wind rolle ich ins Ziel, wo mich ein gut gelaunter Erik “IRM” Irmisch wieder aufbaut und motiviert durchzuziehen.

Bei diesem Sturz verlor Maxi Zeit
# Bei diesem Sturz verlor Maxi Zeit
So macht Enduro Spaß
# So macht Enduro Spaß

Für Michal, der einige Fahrer hinter mir ins Ziel kommt, läuft es gut. Von unten lässt sich der gesamte Hang überblicken: er ist schnell, mächtig schnell sogar. Ich freue mich für ihn und entscheide mich durchzuziehen, noch einmal alles geben und mit den letzten Kräften Stage 6 und 7 zu absolvieren.

Nachdem uns Stage 6 am Waldrad des Redwoods Forest ausgespuckt hat, wird das gesamte Fahrerfeld mit Shuttle-Bussen zum eigentlichen Veranstaltungsort übergesiedelt – der Skyline Gondel am anderen Ende Rotoruas. Via Gondel geht es von dort weiter aufwärts, zum Start der Crankworx Downhill-Strecke. Hier oben wartet endlich die erste richtige Abfahrts-Stage auf uns.

Verladen und bereit zur Abfahrt
# Verladen und bereit zur Abfahrt
Wo ist die Strecke, wo die beste Linie.
# Wo ist die Strecke, wo die beste Linie. - Jeder versucht beim Blick aus dem Fenster ein Stückchen Strecke zu erspähen.

Die ersten 500 Meter der Strecke könnte man fast schon als historisch beschreiben, verlaufen sie doch anhand derselben Linienführung wie einst die DH-Weltmeisterschaftsstrecke im Jahr 2006. Nun, genau 10 Jahre später, verläuft über diese Strecke ein Enduro-Rennen – wie sich die Zeiten doch ändern.

Die Abfahrt ist genial, abwechslungsreich und anspruchsvoll. Vor allem nach den Strapazen des Tages gilt es auf der bereits ausgebombten Strecke noch die richtigen Linien zu treffen. Ich riskiere jedoch nichts mehr. Flüssig, aber mit der sprichwörtlichen angezogenen Handbremse fahre ich die Strecke hinab. Team-Kollege Prokop hingegen setzt alles auf eine Karte. Gegen die mehr oder weniger einheimischen DH-Cracks wie Blenkinsop oder McDonald ist auf diesem Track jedoch kein Kraut gewachsen.

Airtime - da freut sich Michal
# Airtime - da freut sich Michal - Nur unweit dieser Stelle fuhr Michal vor einer Dekade seinen ersten 4Cross-Weltmeistertitel ein.

Am Ende landet Michal auf Platz neun. Er ist zufrieden, sehr sogar. Für ein Auftaktrennen in mitten seiner wichtigsten Trainingsphase kann sich das Ergebnis sehen lassen. Doch geht es nicht um’s Ergebnis, sondern allem voran die Erfahrungen, dir wir bei diesem doch sehr speziellen Rennen sammeln konnten. Erfahrungen, von denen wir noch die gesamte Saison zehren können. Gut es durchgezogen zu haben – wir sind zufrieden. Ab jetzt gilt es Rollen zu tauschen und unseren Team-Kollegen Tomas zu unterstützen, der in den nächsten Tagen gleich mehrere schwere Aufgaben vor sich hat. Doch dazu morgen mehr…

Ein verpatzter Tag neigt sich dem Ende...
# Ein verpatzter Tag neigt sich dem Ende... - ...das Ziel vor der Nase.
Die letzten Meter - die letzten Kurven
# Die letzten Meter - die letzten Kurven
Warten auf den Start
# Warten auf den Start
Der ist durch!
# Der ist durch! - Nach nur fünf Stunden Schlaf geht Maxi in gewohnter Frische ins Rennen.
Teamwork: alle für einen, einer für alle!
# Teamwork: alle für einen, einer für alle! - Tomas schaut vom Streckenrand zu macht als Versorgungsmann eine top Figur.
Abfahrt zu Stage 7
# Abfahrt zu Stage 7
Noch einmal Kräfte tanken und die Konzentration auf das Wesentliche lenken
# Noch einmal Kräfte tanken und die Konzentration auf das Wesentliche lenken
Die Strapazen des Tages lassen sich in Michals Gesicht ablesen.
# Die Strapazen des Tages lassen sich in Michals Gesicht ablesen.
Was macht die Konkurrenz?
# Was macht die Konkurrenz? - Via Live-Timing werden die Zeiten der Konkurrenten verfolgt.
Lange Zeit liegt Michal auf Rang 2...
# Lange Zeit liegt Michal auf Rang 2... - ...bis die DH-Fraktion um Blinky und McDonald anrollt.
Ein glücklicher wenn auch erschöpfter Michal Prokop am Ende eines langen Tages.
# Ein glücklicher wenn auch erschöpfter Michal Prokop am Ende eines langen Tages.

 

Die neuesten Kommentare
  1. benutzerbild

    Hillside

    dabei seit 05/2013

    dick_her_off
    @Hillside In der Tat wohl recht unglücklich formuliert. Wollte zum Ausdruck bringen, wie lang er schon dort lag (weil als Amateur als erstes gestartet - lange vor den Pro Klassen) und zum anderen zeigen, wie schlecht die Bergung/Rettung hier organisiert ist. Der Fahrer wurde schlussendlich via Rettungsbahre aus dem Wald getragen.

    Beim Downhill-Training kam gestern ein deutscher Fahrer schwer zu Sturz, wirklich schwer, doch die in unmittelbarer Distanz stationierten Sanitäter blieben in aller Ruhe an Ort und Stelle. Ein Streckenposten und ein einzelner Sanitäter eilten zur Hilfe, während der Gestürzte eine gefühlte Ewigkeit regungslos am Boden lag. Da können wir uns in Mitteleuropa wirklich glücklich schätzen ein so gut organisiertes Rettungssystem zu haben.
    Danke für die Erläuterung, @dick_her_off

    Ich find's wichtig, dass auch über Stürze berichtet wird – gerade eben nicht aus Voyeurismus, sondern, um auch Druck aufzubauen, damit die Standards besser werden.

    Was fehlt:
    Bei vielen Events (Rampage usw.) wird leider immer noch nach dem Motto "Walk it Off" gefahren – nicht gut.
  2. benutzerbild

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  3. benutzerbild

    Jochen_DC

    dabei seit 04/2005

    dick_her_off
    @Hillside
    Beim Downhill-Training kam gestern ein deutscher Fahrer schwer zu Sturz, wirklich schwer, doch die in unmittelbarer Distanz stationierten Sanitäter blieben in aller Ruhe an Ort und Stelle. Ein Streckenposten und ein einzelner Sanitäter eilten zur Hilfe, während der Gestürzte eine gefühlte Ewigkeit regungslos am Boden lag. Da können wir uns in Mitteleuropa wirklich glücklich schätzen ein so gut organisiertes Rettungssystem zu haben.
    Der deutsche Fahrer ist wohl mit nem gebrochenen Endurorahmen an den Start gegangen (O-Ton:dh on a broken endurobike ... Not the best idea i've ever had). Dass er im Sanizelt in die Kamera grinsen kann ist echt großes Glück. 2 Minuten bewußtlos hab ich gelesen...Aber natürlich egal warum sehr unschön wenn man gefühlt zu lange auf Rettung warten muss
  4. benutzerbild

    Jochen_DC

    dabei seit 04/2005

  5. benutzerbild

    rainozeros

    dabei seit 05/2004

    if something is broken doesn't necessarily imply that it's broken apart. Broken is used to describe something as being defective.

    So the rider was on a defective bike - this might have caused the crash.
  6. benutzerbild

    supermanlovers

    dabei seit 04/2006

    Maxi muss echt mal lernen am Limit zu fahren. Ich erinnere mich an keinen einzigen Rennbericht in dem er nicht hart gestürzt und in Folge viele Plätze verloren hat. Scheint mir etwas übermotiviert der Junge.

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