Zugekniffene Augen, zusammengebissene Zähne, jeder Muskel im Körper auf maximale Anspannung trainiert, der Puls fliegt über die 190er Marke. Der STRAVA-Ritter wirft mit dem Laktat nur so um sich. Ein fixierter Blick, wie ein Lichtschwert, auf den Punkt in weiter Ferne gerichtet. Schnell, schneller, am schnellsten gilt es den Ort von Ruhm und Ehre zu erreichen.

Nein, er fährt kein Rennen! Es gibt kein Podium das lockt, keine Massen, die ihn weiter nach vorne peitschen. Er ist Darth Strava in „Das Laktat schlägt zurück“. Darth Strava röchelt sich den Anstieg hinauf zum Angriff auf den Planeten Strava-KOM. Ein Wanderrebell versucht seinen triumphalen Sieg nur durch seine Anwesenheit zu sabotieren. Ein geflüstertes „Wanderer, ich werde dich vernichten“ setzt sich in seinem Kleinhirn fest. Der Rest hat seit Beginn der Kampfhandlungen um das Strava-Segment abgeschaltet. Ausser treten, atmen, treten, existiert nichts mehr auf der Kampfbrücke von Darth Strava. Kurz bevor die dunkle Seite der Macht ihn verlässt, hat er das Segment mit Hilfe der Macht besiegt. Sieger!!! Von was? Egal, denn die dunkle Seite Macht ist stark im belanglosen Strava-Ritter.

Momentan sind Darth Strava und seine KOM-Troopers wieder vermehrt auf Deutschlandtournee. Sie tauchen irgendwo, irgendwann auf und dann ist keine Strava-KOM mehr vor ihnen sicher. Sie müssen sie alle haben, denn die Macht ist mit ihnen. Sie hecheln sich von Segment zu Segment und Gnade demjenigen, der es wagen sollte, sie herauszufordern. Kilometer um Kilometer; Höhenmeter um Höhenmeter; ihr bleibendes Erbe wird sein, Velophobie in unserer Gesellschaft etabliert zu haben. Darth STRAVA hält nicht seine rechte Übersetzung hin und die linke erst recht nicht. Nimmt ihm jemand den Triumph, wird gekontert. Er kann Wandergruppen und Jogger ausblenden. Es gibt nur ihn und die KOM. Aber, dort wo der Kerl auftaucht, gibt es häufig Ärger.

Darth-Strava:
# Darth-Strava: - Zugekniffene Augen, zusammengebissene Zähne, jeder Muskel im Körper auf maximale Anspannung trainiert, der Puls fliegt über die 190er Marke. Der STRAVA-Ritter wirft mit dem Laktat nur so um sich. Ein fixierter Blick, wie ein Lichtschwert, auf den Punkt in weiter Ferne gerichtet. Schnell, schneller, am schnellsten gilt es den Ort von Ruhm und Ehre zu erreichen.

Genauso sieht es Tag für Tag aus, auf deutschen Waldautobahnen. Was den Anschein einer Realsatire hat, ist in Wirklichkeit ein trauriger Zustand mit Konfliktpotential. Als gäbe es nicht schon genug Streit um den gemeinsamen Verbleib aller Interessengruppen im Wald, findet sich immer wieder eine neue Eskalationsstufe. Damit sind alle Beteiligten recht erfolgreich. Es muss immer einen geben, auf dem ein wenig mehr rumgehackt wird. Das verbindet die anderen und macht vergessen, dass man sich eigentlich auch spinnefeind ist.

Im Wald sind wir Mountainbiker die Schmuddelkinder. Keiner mag uns, mal mehr, mal weniger abhängig von der Frequentierung der Naherholungsfläche. Bereitwillig wird immer gerne mit dem Finger auf die Fullface-Ritter gezeigt, wenn es um die Rüpel im Wald geht. Dabei vergessen wir aber, dass der Kampf um den Platz in der Hierarchiekette viel häufiger und offener über die Rücksichtslosigkeit auf breit ausgebauten Waldautobahnen ausgetragen wird.

Es ist egal ob Strava, Intervalltraining, oder das Arschloch-Gen: die Gründe, das Messer zwischen die Zähne zu nehmen, sind vielfältig. Dabei hat doch eigentlich niemand Lust, sich durch eine Handyapp den Waldbesuch versauen zu lassen. Aber man trifft bestimmt jemanden, der im „Spiel der Eskalation“ gerade eine Ereigniskarte gezogen hat. Woher ich das weiß? Ich bin ein ein geläutertes Rüpel-Arschloch. Ganz objektiv kann ich das Problem von beiden Seiten betrachten.

Früher war es einfach für mich, als Mountainbiker, rücksichtslos das Universum Wald zu annektieren. Wir waren nicht viele, da wo ich wohnte, war genug Platz für alle. Keiner regte sich auf, wenn man auf Anschlag im Stealthmodus keinen Wandersmann zu Tode erschreckte, sondern nur das Reh von nebenan. Irgendwann war aber der Punkt erreicht, an dem ich unentspannt von meinen Runden nach Hause kam. Ein Aufreger folgte dem nächsten. Der Zeitpunkt war da, sich selber zu hinterfragen. Statt die Schuld am Konflikt immer bei den anderen zu suchen, war es einfacher, sein Verhalten anzupassen. Seitdem ist einiges entspannter geworden im Umgang mit den ungeliebten Konkurrenten im Wald. Devot mit Cholerikern im Wald umzugehen hat aber nichts damit zu tun, dass auch ich Rechte habe. Aber ich finde, dass Rücksichtnahme ein Geben und Nehmen ist. Einer muss damit beginnen, warum nicht ich?

Natürlich will ich auch weiterhin durch den Wald ballern, wie es mir gefällt. Aber ich will auch gut gelaunt, zufrieden und entspannt nach Hause kommen. Darum versuche ich, Rücksicht zu nehmen, auch wenn es mein Gegenüber nicht tut. Der Wald ist keine Rennstrecke – dieses gerne vorgebrachte Argument ist richtig. Doch ballern will ich manchmal trotzdem. Hier sind wir gefragt, den Anderen aus dem Weg zu gehen, entweder über die Tageszeit oder die Ortswahl. Wenn im Sommer Scharen von Erholungssuchenden die stadtnahen Wälder fluten, dann weiche ich in Regionen aus, die ruhiger sind. Mountainbiker sollten Fluchttiere sein, aus Eigenschutz. Auch mir fällt es schwer, mich im Konfliktfall dem Gegenüber ohne Polemik zu nähern. Eine Einsicht aber ist, dass ein paar freundliche Worte meist mehr bewirken als die Konfrontation.

Komplett konfliktfrei den Spielplatz Wald zu nutzen ist eine unerreichbare Wunschvorstellung. Es wird immer in jeder Nutzergruppe einige geben, die sich über ihr Arschloch-Gen definieren.

Ignorante Wandergruppen, die Wege über die komplette Breite besetzen, der-will-nur-spielen-Hundehalter, Pferde, die ihren Reiter Gassi führen und der klassische Waldschreckspaziergänger sind nicht auszurotten. Wenn 10 km/h eine zu hohe Reisegeschwindigkeit ist, jemand sich bei einem Sicherheitsabstand von 2 m sich zu Tode erschreckt oder den über 500 m sichtbaren Fitnessritter ignoriert, ist das des anderen Problem. Aber wir werden dafür verantwortlich gemacht. Ich will mir dadurch aber nicht mehr mein Erlebnis Wald kaputtmachen lassen. Wir, in unserer Gesamtheit, sind das Feindbild einer Koalition des einzig Wahren und Guten im Wald. Das wird sich nicht ändern, wenn wir uns durch Provokation und Intoleranz dazu hinreissen lassen, in diesem Spiel die uns zugewiesene Rolle zu übernehmen. Das und mein Seelenfrieden lassen mich nachgeben und vergessen, auch wenn es bedeutet, den Anflug auf den Planeten Strava-KOM abbrechen zu müssen. Ein Strava-KOM macht noch keinen Tag und entschuldigt auch keine Verhaltensauffälligkeit.

In diesem Sinne, Think Pink – Eure Muschi

Anmerkung: Für den Inhalt der Artikel aus der Serie “Muschi am Mittwoch” ist der benannte Autor verantwortlich. Die in den Artikeln vertretenen Ansichten und Meinungen spiegeln nicht zwangsläufig die Meinung der Redaktion wider. Für Anregungen und Kritik steht der Autor hier themenbezogen in den Kommentaren und allgemein per privater Nachricht zur Verfügung.

Foto: Grauzonenbiker




Über den Autor

Muschi

Mario, geboren 1970 und lebt in der Nordeifel. 2 Dinge bestimmen sein Leben. Africa und Radfahren sind seine Passionen. Muschi fährt leidenschaftlich gerne 24H Rennen und das gerne auch mal mit dem falschen Rad. Seine Bikes sind wie seine Texte, etwas anders.

Die neuesten Kommentare
  1. benutzerbild

    uschmann

    dabei seit 03/2016

    ein recht nachhaltiges thema, glückwunsch muschi, aber was genau ist strava eigendlich, aus dem thread werd ich nicht schlau.:confused:
  2. benutzerbild

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  3. benutzerbild

    Fortis76

    dabei seit 03/2012

    A-Löcher und rücksichtslose Fahrer gab es schon vor Strava.
    Ich finde STRAVA genial. Man sieht seinen Trainingsfortschritt, lernt sogar nette Leute kennen und kann sich sogar austauschen über das schönste Hobby der Welt.
    Aber wahrscheinlich gehöre ich eh zu einer Minderheit, die Rad fahren als Sport betrachten und gerne körperlich über die eigenen Grenzen gehen. Die Spaß haben sich auzupowern.
    Ja ich bekenne mich dazu, vollig uncool in engen Radklamotten, gerne berauf zu fahren und dabei den Wohlfühlbereich deutlich zu verlassen.
    Ich habe sogar Spaß daran sonntags um 5 Uhr aufzustehen und zu Marathons zu fahren.
    Und trotzdem kann man Rücksicht nehmen und muss kein A-Loch sein.
  4. benutzerbild

    Loki_bottrop

    dabei seit 10/2008

    Fortis76
    A-Löcher und rücksichtslose Fahrer gab es schon vor Strava.
    Ich finde STRAVA genial. Man sieht seinen Trainingsfortschritt, lernt sogar nette Leute kennen und kann sich sogar austauschen über das schönste Hobby der Welt.
    Aber wahrscheinlich gehöre ich eh zu einer Minderheit, die Rad fahren als Sport betrachten und gerne körperlich über die eigenen Grenzen gehen. Die Spaß haben sich auzupowern.
    Ja ich bekenne mich dazu, vollig uncool in engen Radklamotten, gerne berauf zu fahren und dabei den Wohlfühlbereich deutlich zu verlassen.
    Ich habe sogar Spaß daran sonntags um 5 Uhr aufzustehen und zu Marathons zu fahren.
    Und trotzdem kann man Rücksicht nehmen und muss kein A-Loch sein.
    kann mich dem anschliessen, nur das ich keine engen klamotten trage ;) im grossen und ganzen fahr ich auch lieber bergab, aber für meinen spaß und nich um irgendwelche zeiten zu knacken.
  5. benutzerbild

    neo-bahamuth

    dabei seit 08/2004

    Oha, also Strava nutze ich auch sehr gerne (die imho beste App für Laufen und Radeln, ich habe viele getestet außerdem kann mein Polar M450 da auch Daten hin schicken), aber was ein KOM ist musste ich erst Googlen und ansonsten war mir gar nicht bewusst, dass sich Leute da regelrecht "battlen".
    Ich nutze es mit den Segmenten halt sehr gerne beim Laufen oder aufm Crosser, um zu schauen, wo ich schneller wurde. Aber vergleichen mit anderen habe ich da noch gar nicht so recht was. Mir ist erst gestern beim Augsburger Stadtlauf Halbmarathon aufgefallen, wieviele Leute da tatsächlich bei Strava sind. Kaum hatte ich mein gefühlt recht gutes Ergebnis drin waren schon ein paar schnellere Leute zu sehen :D Und dabei habe ich sowohl Distanz auch auch Tempo betreffend alle meine vorigen Strava Rekorde geschlagen. Das war schon toll, fünf neue persönliche Rekorde drin zu haben. Die App kann wirklich motivieren.

    Aber an sich sehe ich das eher so, dass ein Depp auch vor Strava schon ein Depp war.
  6. benutzerbild

    Leon96

    dabei seit 04/2013

    Sehe ich auch so.

    Ich nutze Strava auch intensiv und habe viele nette Leute kennengelernt.
    Auch von weiter außerhalb mit denen ich mittlerweile schon zum Training in den Schwarzwald gefahren bin und solche Sachen.
    Und gerade auch im Winter kann das eine Motivationshilfe sein seinen Arsch doch aufs Rad zu bewegen.

    Segmente auf Zeit fahren tue ich gerne.
    Auch Downhillsegmente bzw Trails. Und da sehe ich kein Problem bei.
    Dass dazu nicht gehört andere zu gefährden bzw bei Wanderern nicht auf Schritttempo abzubremsen sollte man eigentlich nicht erwähnen müssen. Das sollte bei allem Ehrgeiz eine Sache der Selbstverständlichkeit sein und bleiben. Schade dass das bei einigen leider nicht der Fall zu sein scheint.

    Und sich bergauf zu messen ist ja auch nicht verwerflich. (Und vor allem sich gegen seine eigenen Zeiten zu messen!)
    Sonst kann man ja Rennen und so oder einen Kuppensprint auf einer gemeinsamen Ausfahrt auch direkt verbieten.
    Und zu halbwegs sinnigem Training gehören intensive Anteile ja auch dazu.
    Es ist halt nicht jeder der Typ Sonntagsfahrer der völlig ambitionslos durch den Wald tuckert.
    Und das dann am besten auch nur bei gutem Wetter und wenn ein Biergarten in der Nähe ist.

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