Pivot Phoenix DH im Test: Anfang 2014 zeigte Pivot Cylces der Welt sein neues Downhill-Flaggschiff: Das Phoenix DH Carbon. Nachdem wir die Gelegenheit hatten, das Arbeitsgerät von Bernard Kerr, Rupert Chapman und Emilie Siegenthaler auf dem Sea Otter Festival kurz anzutesten, waren wir sehr neugierig, wie sich das Bike im Langzeittest schlagen würde. Inzwischen haben wir das Pivot Phoenix mit unterschiedlichen Federelementen mehrere tausend Tiefenmeter über das gröbste Gelände geprescht. Wie sich das Pivot Phoenix DH im Langzeittest geschlagen hat und ob es Stoppies ganz von selbst macht, lest ihr hier!

Pivot Phoenix DH – Kurz & knapp

Das Pivot Phoenix DH ist auf den Downhill- und Freerideeinsatz ausgelegt. Egal ob im Downhill-World Cup, im Bikepark oder bei der Red Bull Rampage: Das Phoenix DH mit 204 mm Federweg am Heck soll überall der optimale Begleiter sein.

  • Rahmen aus Carbon
  • 204 mm Federweg
  • Laufradgröße: 27,5″
  • 157 x 12 mm-Ausfallenden
  • Lenkwinkel: 62,5° mit ± 0,75° Verstelloption
  • PM 7″-Bremsaufnahme
  • 107 mm Pressfit-Tretlager
  • ISCG 05-Aufnahme
  • interne Zugführung
  • Kettenstreben- und Unterrohrschutz
  • Größen: S, M, L (getestet), XL

Preise:
UVP Saint Build: 8.699 € / 9.899 € (mit Reynolds Carbon Laufradsatz)
UVP Zee Build: 6.399 €
UVP Rahmen mit Dämpfer: 3.799 € | Bikemarkt: Pivot Phoenix DH kaufen

Das aktuelle Flaggschiff von Pivot Cycles im Test
# Das aktuelle Flaggschiff von Pivot Cycles im Test - wie schlägt sich das Carbon-Bike im Dauertest?

Pivot Phoenix DH – Technische Daten

Rahmendetails

Am Pivot Phoenix DH finden sich einige geschickte Lösungen. Im Steuerrohrbereich befinden sich integrierte Gabelanschläge, welche nicht nur den Rahmen vor Einschlägen der Doppelbrückengabel schützen, sondern auch als Eingänge der internen Führung von Bremsleitung und Schaltzug dienen. Im Gegensatz zum Schaltzug, der (mit kurzer Unterbrechung am Tretlager) erst kurz vor dem Schaltwerk wieder aus dem Rahmen kommt, wird die Bremsleitung auf der Oberseite der Kettenstrebe geführt. An der Antriebsseite ist der Hinterbau mit einem Kettenstrebenschutz aus Gummi und einem schützenden Metallplättchen ausgestattet. Ein weiterer Gummi-Anschlag an der Verstrebung des Hinterbaus soll den Rahmen zusätzlich schützen und die Geräusche während der Fahrt möglichst gering halten. Sollten sich diese Klebepatches irgendwann abnutzen, können sie ausgetauscht werden – ein entsprechendes Set wird von Pivot angeboten. In den kurzen Umlenkhebeln finden gedichtete, groß dimensionierte und hochwertige Enduro Max-Lager Platz, die eine lange Lebenszeit erwarten lassen.

Die Zugführung des Phoenix verläuft größtenteils intern, dank Pivots "Cable Port System" lassen sich die Züge im Rahmen spannen
# Die Zugführung des Phoenix verläuft größtenteils intern, dank Pivots "Cable Port System" lassen sich die Züge im Rahmen spannen - so wird nervigem Klappern vorgebeugt.
Der Schaltzug verschwindet wieder im Hinterbau
# Der Schaltzug verschwindet wieder im Hinterbau - wohingegen die Bremsleitung außen auf der Kettenstrebe geführt wird.

Geometrie

Komplette Geometrie zum Ausklappen
GrößeSMLXL
Sattelrohrlänge430,5 mm430,5 mm430,5 mm430,5 mm
Oberrohrlänge603,3 mm628,7 mm654,1 mm679,5 mm
Steuerrohrlänge105,9 mm105,9 mm105,9 mm105,9 mm
Lenkwinkel62,5°62,5°62,5°62,5°
Sitzwinkel71,85°71,85°71,85°71,85°
Kettenstrebenlänge442 mm442 mm442 mm442 mm
Tretlagerhöhe339,6 mm339,6 mm339,6 mm339,6 mm
Überstandshöhe736,6 mm736,6 mm736,6 mm736,6 mm
Radstand1211 mm1238 mm1263,9 mm1291,1 mm
Stack611,1 mm611,1 mm611,1 mm611,1 mm
Reach402,1 mm428 mm454,9 mm482,1 mm

Ausstattung

Ausstattungsvarianten zum Ausklappen
 RahmenkitPhoenix DH Carbon SaintPhoenix DH Carbon Zee
RahmenPhoenix DH CarbonPhoenix DH CarbonPhoenix DH Carbon
DämpferFox Factory Float X2 shock mit EVOL LuftkammerFox Float X2 FactoryFox Float X2 Performance
Gabel-Fox 40 Air 27,5 Kashima 200 mmRockShox Boxxer RC
Steuersatz-Pivot Precision DH Sealed BearingPivot Precision DH Sealed Bearing
Schaltwerk-Shimano SaintShimano Zee
Trigger-Shimano SaintShimano Zee
Bremsen-Shimano SaintShimano Zee
Kurbel-Race Face SIXc 36TShimano Zee 36T
Lenker-Phoenix Carbon Riser 800 mmRace Face Respond 785 mm
Griffe-Phoenix Lock OnPhoenix Lock On
Vorbau-Phoenix DH Direct MountPhoenix DH Direct Mount
Sattelstütze-Phoenix Race CarbonPhoenix Sport Alloy
Sattel-Pivot WTB Hightail TeamPivot WTB Hightail Sport
Kassette-Shimano CS6700 11 – 28, 10-fachShimano CS5700 11 – 28, 10-fach
Laufräder-DT Swiss 27,5" 350S/FR570Hayes 27,5" ADD Comp
Reifen-Maxxis High Roller II 27,5 x 2,4" DHMaxxis High Roller II 27,5 x 2,4" DH
Preis3.799 €8.699 € | 9.899 € mit Reynolds Carbon Laufrädern6.399 €
Das Pivot Phoenix ist mit der Fox Float 40 RC2 Federgabel und dem Fox Float X2 Dämpfer sehr nobel ausgestattet …
# Das Pivot Phoenix ist mit der Fox Float 40 RC2 Federgabel und dem Fox Float X2 Dämpfer sehr nobel ausgestattet …
… das Fahrwerk lässt sich in vielerlei Hinsicht abstimmen und somit auf die persönlichen Bedürfnisse anpassen.
# … das Fahrwerk lässt sich in vielerlei Hinsicht abstimmen und somit auf die persönlichen Bedürfnisse anpassen.
Der Antrieb stammt von Shimano
# Der Antrieb stammt von Shimano - passend zum Rahmenmaterial ist die leichte und steife SIXc Carbon-Kurbel von Race Face verbaut.
Zum Stehen wird man am Pivot Phoenix von Shimanos Downhill-Bremse Saint gebracht.
# Zum Stehen wird man am Pivot Phoenix von Shimanos Downhill-Bremse Saint gebracht.
Das Pivot Phoenix ist mit Alu- oder Carbonfelgen verfügbar
# Das Pivot Phoenix ist mit Alu- oder Carbonfelgen verfügbar - am Testbike war ein DT Swiss Laufradsatz mit 350 Naben und FR570 Felgen verbaut.
Dicke Reifen sorgen für zusätzliche Dämpfung, Pannenschutz und Traktion
# Dicke Reifen sorgen für zusätzliche Dämpfung, Pannenschutz und Traktion - wir sind wahlweise Maxxis Highroller 2 oder DHR 2 Reifen gefahren.
Anbauteile von Pivot runden das Komplettpaket ab
# Anbauteile von Pivot runden das Komplettpaket ab - Griffe, Carbonlenker und Vorbau stammen aus dem gleichen Hause wie der Rahmen.
Auf der Pivot Carbon-Sattelstütze ist ein WTB Sattel im Pivot-Design verbaut.
# Auf der Pivot Carbon-Sattelstütze ist ein WTB Sattel im Pivot-Design verbaut.

Pivot Phoenix DH – In der Hand

Pivots enge Zusammenarbeit mit Dave Weagle spiegelt sich natürlich auch beim Phoenix DH wider, denn auch hier kommt das patentierte DW-Link Hinterbausystem zum Einsatz. Dieses hat mehrere Vorteile: Durch die hohe Antriebsneutralität gibt der Hinterbau beim Pedalieren kaum nach, wodurch das Tretlager tiefer konstruiert werden konnte, ohne das Risiko eines Pedalaufsetzers zu erhöhen. Zudem konnte dadurch der Lenkwinkel flacher gewählt werden, um dem Fahrer mehr Laufruhe zu garantieren.

In Kooperation mit Suspension-Mastermind Dave Weagle ist der DW-Link Hinterbau am Pivot Phoenix zustande gekommen.
# In Kooperation mit Suspension-Mastermind Dave Weagle ist der DW-Link Hinterbau am Pivot Phoenix zustande gekommen.

Bereits beim Crankworx 2013 bekamen wir den ersten Prototypen des neuen Pivot Phoenix zu sehen (hier der damalige Artikel). In Zusammenarbeit mit den damaligen Teamfahrern Bernard Kerr und Eliot Jackson entstand so das Phoenix Carbon, das 2014 sein World Cup-Debüt feierte. Am Heck gibt ein Fox Float X2-Luftdämpfer 204 mm Federweg frei und wird durch eine Fox 40-Federgabel an der Front ergänzt. Insgesamt wirkt der Rahmen hochwertig verarbeitet und wartet mit schönen Detaillösungen auf.

Die Kinematik soll perfekt mit dem verbauten Float X2 harmonieren.
# Die Kinematik soll perfekt mit dem verbauten Float X2 harmonieren.

Pivot Phoenix DH – Auf dem Trail

Erster Kontakt

Unser erster Kontakt mit dem Pivot Phoenix DH fand beim Crankworx-Festival in Whistler statt. Damals fuhren zwei Testfahrer mit den äußerst unterschiedlichen Körpergrößen von 177 und 190 cm das Bike in der Größe Medium. Am Testtag entstand der Eindruck eines sehr ausbalancierten und leicht zu handelnden Downhill-Boliden, bei dem man auch hinsichtlich der Laufruhe keine Abstriche machen muss. Um auch den größeren Testern eine passende Plattform bieten zu können, verlagerten wir den weiteren Testverlauf nach Deutschland und testeten fortan das Pivot Phoenix DH in Größe L.

Bei den Federelementen starteten wir mit dem von Fox empfohlenen Setup. Da wir ein strafferes Fahrwerk bevorzugen, stellten wir die Gabel auf 15 % Sag ein. Die Zugstufe öffneten wir vom geschlossenen Zustand um 7 und die High- und Lowspeed Druckstufen jeweils um 15 Klicks. Serienmäßig sind in der Fox 40 vier Volumenspacer verbaut. Da die meisten unserer Testfahrer jedoch Fans von mehr Progression sind, fügten wir noch einen Volumenspacer hinzu.

Im Gegensatz zur aktuellen Serienausstattung des Pivot Phoenix hatten wir hinten zu Beginn des Tests keinen Fox Float X2. Stattdessen war die Stahlfedervariante – der DHX2 – verbaut. Der Hinterbau ist in Kombination mit einem Stahlfederdämpfer recht linear. Daher entschieden wir uns für eine etwas härtere Feder, um die fehlende Progression auszugleichen. Die Druck- und Zugstufe öffneten wir vom geschlossenen Zustand wieder um 10 bis 12 Klicks.

Der flache Lenkwinkel und die langen Kettenstreben vermittelten bei niedrigen Geschwindigkeiten das Gefühl, als würde man den Trail mit einem Motorrad abrollen.

Trail

Noch in den letzten Erinnerungen an Whistler schwelgend, nahmen wir das Pivot Phoenix DH zu einer ersten Testfahrt auf unsere Hometrails mit. Die erste Abfahrt begannen wir auf einem flowigen, flachen und kurvenreichen Trail. Allerdings schien das Rad hier immer noch im “Schlummermodus” unterwegs zu sein: Jedes Enduro-Bike ließ uns links liegen, während wir Mühe hatten, das Phoenix durch die engen und langsamen Kurven zu manövrieren. Mit viel Nachdruck mussten wir das Phoenix in den Anliegern unten halten: Der flache Lenkwinkel und die langen Kettenstreben vermittelten bei niedrigen Geschwindigkeiten das Gefühl, als würde man den Trail mit einem Motorrad abrollen. Es schien fast so, als bräuchte das Phoenix eine gewisse Grundgeschwindigkeit, um überhaupt richtig zu funktionieren. Also musste eine anständige Strecke her, um dem Phoenix auf den Zahn fühlen zu können und seine wahren Qualitäten aufzudecken.

Auf langsamen Flow-Strecken braucht das Pivot Phoenix viel Nachdruck und fühlt sich eher träge an.
# Auf langsamen Flow-Strecken braucht das Pivot Phoenix viel Nachdruck und fühlt sich eher träge an.

Je schneller wir in die Passage fuhren, umso aktiver und lebendiger fühlte sich das Phoenix an.

Jumptrail

In welchen deutschen Bikepark geht man, wenn es mal so richtig scheppern soll? Die Frage ist recht einfach zu beantworten: Bad Wildbad. Auf dem DH1 kennen wir nach etlichen Jahren jeden einzelnen Stein mit Vor- und Zunamen. Daher kommen wir auch mit einem neuen Bike sehr schnell auf unsere Renngeschwindigkeit. Genau hier zeigt sich dann, wo die Stärken und Schwächen eines Fahrrads liegen. Doch bevor wir uns der Downhill-Strecke zuwenden, fahren wir uns immer eine Runde auf dem Freeride-Trail warm. Der Trail enthält nur eine 180°-Rechtskurve und besteht ansonsten aus Sprüngen und Drops. Um nicht in unangenehme Situationen zu kommen, gingen wir es auf den ersten Sprüngen lieber etwas langsamer an.

Das Phoenix ist nicht das wendigste Bike in der Luft …
# Das Phoenix ist nicht das wendigste Bike in der Luft …
… lässt sich mit etwas Nachdruck aber gut querstellen.
# … lässt sich mit etwas Nachdruck aber gut querstellen.

Durch seine Länge ist das Phoenix in der Luft nicht das verspielteste Bike. Es lässt sich aber dennoch schön quer und flach legen.

Doch das Phoenix vermittelte so viel Sicherheit und der „Pop“ des Hinterbaus war auf jedem Sprung so berechenbar. Wir beschlossen daher, die Bremsen von nun an offen zu lassen. Durch seine Länge ist das Phoenix in der Luft nicht das verspielteste Bike. Es lässt sich mit genügend Nachdruck und der richtigen Technik aber dennoch schön quer und flach legen. Rückblickend gingen uns kleine Spielereien beim Kurztest in Whistler besser von der Hand. Das hängt unserer Meinung nach mit der höheren Geschwindigkeit und natürlich dem kürzeren Radstand des M-Rahmens zusammen.

Downhill

Aber jetzt ab auf den DH 1! Für diejenigen, die Bad Wildbad nicht kennen: Nach dem Startturm ist trotz der Definition einer Downhill-Strecke erst einmal Treten angesagt. Dank des relativ antriebsneutralen Hinterbaus geht hier aber kaum Energie im Fahrwerk verloren. An einem Downhill-Bike, das auf entsprechenden Strecken bewegt wird, mag dieser Punkt nicht immer besonders wichtig sein. Wir waren aber dennoch positiv überrascht, wie das Phoenix DH nach vorne marschierte.

Im Anschluss geht es mit den harten Abschnitten der Strecke los. Das niedrige Tretlager und die aufrechte Position auf dem Pivot gaben uns in solchem Gelände viel Sicherheit. Dank der langen Kettenstreben und dem flachen Lenkwinkel ist das Phoenix zudem sehr laufruhig. In Verbindung mit der hohen Lenkkopfsteifigkeit behielten wir in jedem Gelände die volle Kontrolle über das Bike und konnten unsere Linie präzise ansteuern. War der Fox DHX2-Stahlfederdämpfer verbaut, lag der Hinterbau sehr satt auf der Strecke und nahm die meisten Unebenheiten kontrolliert auf. Mit der Luftversion, dem Float X2, ist diese Eigenschaft deutlich weniger ausgeprägt – bei höheren Geschwindigkeiten rückte dies jedoch in den Hintergrund und wir freuten uns umso mehr über die positiven Eigenschaften der erhöhten Progression.

Wenn es schnell und ruppig wird, fühlt sich das Phoenix zuhause
# Wenn es schnell und ruppig wird, fühlt sich das Phoenix zuhause - die zentrale und aufrechte Fahrposition ergibt in Kombination mit dem satten Fahrwerk viel Kontrolle.

Im ersten Steinfeld wurde dieser Unterschied deutlich: Hier hat die Strecke einige Stufen, die man bei niedrigen Geschwindigkeiten abfährt und bei höherem Tempo teilweise überspringen kann. Während der DHX2 bei niedrigeren Geschwindigkeiten dem Untergrund sauber folgen konnte, versank er bei höheren Geschwindigkeiten zu tief im Federweg. Mehr Highspeed Druckstufe schaffte zwar etwas Abhilfe, machte den Hinterbau aber auch unsensibler bei kleinen Schlägen. Mit dem Fox Float X2-Luftdämpfer verhielt es sich genau umgekehrt. Mit der Zeit erhöhten wir die Anzahl der Volumenspacer im Dämpfer immer weiter und landeten schließlich bei der maximal erlaubten Anzahl von 5 Spacern. Dadurch mussten wir die Highspeed Druckstufe nicht so weit schließen, versanken jedoch auch nicht zu tief im Federweg. Dank den separat einstellbaren Zugstufen lässt sich die Highspeed Zugstufe auf die Progression und die erhöhte Rückstellkraft des Dämpfers anpassen.

Das Vorjahres-Modell ist in Steinfeldern etwas verzeihender, wohingegen sich die aktuelle Version sich präziser steuern lässt.

Eine Eigenschaft, die uns erst im direkten Vergleich mit dem neuen Modell des Pivot Phoenix auffiel, war der Flex des Hinterbaus. Gegenüber dem Vorjahres-Modell ist der aktuelle Hinterbau um einiges steifer geworden und passt somit besser zum steifen vorderen Rahmendreieck. Unserer Meinung nach haben beide Modelle ihre Vorteile: Das Vorjahres-Modell ist in Steinfeldern durch den Flex etwas verzeihender und dadurch weniger anstrengend zu fahren, wohingegen die aktuelle Version sich präziser durch Anlieger steuern lässt. Zudem lässt sich der Dämpfer unserer Meinung nach im neuen Modell besser und genauer abstimmen – im älteren Modell gingen wir oft davon aus, wir müssten das Fahrwerk am Heck noch härter machen, was rückblickend jedoch am Flex des Hinterbaus lag.

Vom Vorteil der beiden recht steifen Rahmendreiecke profitierten wir vor allem bei hohen Geschwindigkeiten in Anliegern und Kurven. Denn in diesen Situationen wird das Lenkgefühl direkter und wir wussten zu jeder Zeit, was unter uns vor sich ging. Das vermittelte sehr viel Sicherheit und bot die Möglichkeit, schneller und präziser auf den Untergrund zu reagieren. Bisher hatten wir dieses – sehr definierte – Gefühl nur an der Front, nicht aber am Heck. Mit dem aktuellen Pivot Phoenix merkt man nun sofort, was sich an beiden Rädern tut.

Grundsätzlich empfanden wir das Phoenix als ein sehr ausgewogenes Bike, das aufgrund der zentralen Fahrposition tendenziell zum Übersteuern neigt. Während es einem bei anderen Bikes die Schweißperlen auf die Stirn treibt, wenn das Heck beginnt das Vorderrad zu überholen, hatten wir auf dem Phoenix eher das Gefühl, noch immer zu langsam zu sein. Das Fahrwerk macht hier einen super Job und dank des breiten Einstellbereichs der Lowspeed-Druckstufen hatten wir auch in schnellen Anliegern mit hohen Fliehkräften immer genug Reserven.

Die steife Lenkzentrale und der steife Hauptrahmen geben direktes und ehrliches Feedback.
# Die steife Lenkzentrale und der steife Hauptrahmen geben direktes und ehrliches Feedback.
Die überarbeitete Version des Phoenix zieht hier auch mit einem steiferen Hinterbau nach
# Die überarbeitete Version des Phoenix zieht hier auch mit einem steiferen Hinterbau nach - das Rad fühlt sich so noch ausgewogener an.

Fahrer, die von einem kleineren und verspielteren DH-Bike kommen, werden anfangs etwas Eingewöhnungszeit benötigen und auf den ersten Fahrten vermutlich einem Irrtum unterliegen, wie es auch uns geschehen ist: Wir fühlten uns langsamer auf der Strecke, was jedoch durch die Stoppuhr deutlich widerlegt wurde. Beim Fotografieren der Aktion wurde einem hinter der Kamera teilweise Angst und Bange – aufgrund der Geschwindigkeit, mit der der Testfahrer auch die gröbsten Passagen attackierte.

Das Pivot Phoenix ist so schwer aus der Ruhe zu bringen, dass uns die Geschwindigkeit schlichtweg langsamer vorkam. Diese Fehleinschätzung bekamen wir am eigenen Leib zu spüren, als ein Testfahrer den Conti-Drop in Bad Wildbad sprang: Er kam durch die vorangehende Passage gut durch, die Geschwindigkeit fühlte sich ebenfalls gut an – allerdings musste er auf dem Absprung feststellen, dass er eigentlich viel zu schnell war. Im letzten Moment drückte er das Bike noch einmal nach unten und sprang dennoch beim ersten Versuch weit – ins Flat. Er hielt sich mit aller Kraft am Lenker fest und bereitete sich auf einen harten Einschlag vor, doch außer dem dumpfen Geräusch der voll komprimierten Federelemente bekam er fast nichts von der Landung mit: Gabel und Dämpfer steckten den Einschlag locker weg.

Das Pivot Phoenix ist so schwer aus der Ruhe zu bringen, dass uns die Geschwindigkeit schlichtweg langsamer vorkam.

Langsam dämmerte uns, was mit dem Pivot Phoenix alles möglich ist und wofür dieses Bike gebaut wurde: Die World Cup-Strecken dieses Planeten. Im letzten Highspeed Stück versuchten wir noch einmal, das Maximum aus dem Bike heraus zu kitzeln. Die Passage geht in einer leichten Linkskurve, aber fast Schuss, den Hang hinab und die vereinzelt aus dem Boden stehenden Steine schauen dem Fahrer grimmig entgegen. Hier zählt volle Konzentration und Überzeugung, denn wer hier mit 50 km/h fällt, der fällt im schlechtesten Fall nur einmal. Der Bolide eröffnete uns nun eine ganz neue Seite: Wie auf einem Carbonpfeil flogen wir auf dem Pivot Phoenix über dem Trail und wichen allen Steinen mühelos aus – je schneller man das Bike bewegte, umso agiler wurde es.

Um das Phoenix auf mehreren Strecken bewerten zu können, fuhren wir auch in den Bikepark Todtnau. Die Streckenverhältnisse dort sind zwar nicht ganz so hart wie in Bad Wildbad, dafür ist der Downhill-Track um einiges schneller und hat mehr Anlieger zu bieten. Hier bestätigten sich die bereits gewonnen Erkenntnisse über das Phoenix: Je schneller, umso besser das Handling. In den teilweise recht ausgewaschenen Anliegern waren wir zusätzlich froh über den Flex am Hinterbau, der etwas Komfort zurück gab, ohne dabei indirekt oder entkoppelt zu wirken. Ansonsten verhielt sich das Phoenix in Kurven sehr ausbalanciert und ließ sich in einer fließenden Bewegung durch Anlieger manövrieren.

Seine Agilität offenbart das Rad erst bei großen Geschwindigkeiten
# Seine Agilität offenbart das Rad erst bei großen Geschwindigkeiten - das Phoenix braucht einen gewissen Grundspeed, um zu funktionieren. Dafür scheinen nach oben hin keine Grenzen zu existieren

In einigen schnellen Passagen hat es in Todtnau auch etliche Wurzeln und Steine, die die Fahrt überaus rumpelig werden lassen. Mit dem Phoenix wurden wir hier jedoch nicht langsamer, sondern eher schneller. Dank des DW Link-Hinterbaus nahmen wir bei jedem Schlag mehr und mehr an Fahrt auf, was die Performance des Phoenix in hartem Gelände weiter unterstreicht.

Tuning-Möglichkeiten

Das vorgegebene Grund-Setup von Fox passt für die meisten Fahrer bereits ziemlich gut – wer jedoch gerne schneller unterwegs ist, sollte noch etwas an der Federung arbeiten. Wir haben die Lowspeed Druckstufe (um besser und schneller durch Anlieger zu kommen) sowie die Highspeed Druckstufe (für harte Einschläge und mehr Kontrolle) an Federgabel und Dämpfer weiter geschlossen. Die Einstellung der Zugstufe hing stark von der Strecke ab.

Der Fox DHX2 wurde zugunsten eines gleichmäßigeren Fahrwerks durch den Fox Float X2 Luftdämpfer ersetzt
# Der Fox DHX2 wurde zugunsten eines gleichmäßigeren Fahrwerks durch den Fox Float X2 Luftdämpfer ersetzt - die lineare Hinterbaukennlinie harmoniert wesentlich besser mit dem progressiveren Luftdämpfer.

Im Laufe des Tests wurde jedoch deutlich, dass der Fox DHX2-Stahlfederdämpfer aufgrund der recht linearen Kennlinie des Pivot Phoenix nicht mit der Progressivität der Fox 40-Federgabel an der Front mithalten kann. Diese Asymmetrie ließ sich auch nicht über die Druckstufe ausgleichen, weshalb wir den Fox DHX2 nach der Hälfte des Tests durch einen Fox Float X2-Luftdämpfer ersetzten. Die über die Luftkammer einstellbare Progression, lässt dem Fahrer mit dem Float X2 mehr Freiheiten bei der Abstimmung seines Fahrwerks, auf seine persönlichen Vorlieben. Wir hatten somit die Möglichkeit, etwas weniger Luftdruck im Dämpfer zu fahren, um das Ansprechverhalten bei kleinen Schlägen zu verbessern, ohne dabei Durchschläge in Kauf nehmen zu müssen: Unserer Meinung nach liegt das Pivot Phoenix mit dem Fox DHX2 zwar etwas satter auf der Strecke, aber für hohe Geschwindigkeiten empfehlen wir den Float X2.

Wer wie Joni auf lange Radstände steht, kann das Rad ruhig eine Nummer größer testen und mit einem kürzeren Vorbau experimentieren.
# Wer wie Joni auf lange Radstände steht, kann das Rad ruhig eine Nummer größer testen und mit einem kürzeren Vorbau experimentieren.

Experimente mit unterschiedlichen Fahrergrößen und Vorbaulängen sind ein Grundbestandteil unserer Tests. So wechselte im Laufe des Tests Joni mit 1,77m von einem 45 mm langen Vorbau auf einen mit 25 mm Länge. Die 20 mm Unterschied erwiesen sich als deutliche Verbesserung in puncto Performance, denn aufgrund der verkürzten Reichweite erhielt man mehr Kontrolle in steilen Passagen, ohne jedoch Einbußen in Sachen Laufruhe zu machen.

Grundsätzlich sollte man sich vor dem Kauf klar machen, was man mit dem Phoenix anstellen möchte: Geht es darum, einen neuen Streckenrekord aufzustellen und versperren dabei große Steine den Weg, dann würden wir zum größeren Modell raten. Wer hingegen eine entspannte Zeit im Bikepark haben möchte oder Wert auf ein verspieltes Handling und Tricksereien legt, der sollte vielleicht eher zu einer kleineren Größe greifen.

Haltbarkeit

Während dem Testablauf sind die üblichen Gebrauchsspuren entstanden. Der Lack hat den Test vergleichsweise gut überstanden. Lediglich am SRAM X0 DH-Schaltwerk hatten wir wiederholt das Problem, dass die Spannungsschraube gebrochen ist. Der Lagerzustand war gemessen an den zurück gelegten Tiefenmetern im Rahmen und auch mit den Federelementen hatten keinerlei Probleme.

Fazit zum Pivot Phoenix DH

Das Pivot Phoenix DH ist kein Spielzeug für perfekt geshapte Flowtrails oder moderates Gelände. Dieses Rad ist ein waschechtes Downhill-Race-Bike, das vor allem in wirklich grobem Gelände begeistert. Bei einer zentralen Fahrweise ist das Handling sehr ausgewogen und vermittelt viel Sicherheit auf rohen und schnellen Strecken. Linien lassen sich präzise ansteuern und durchfahren. Es überzeugt mit einer ausbalancierten Geometrie und einem hohen Maß an Nehmerqualitäten. In Anlieger bietet der neue Hinterbau etwas Feedback durch eine höhere Steifigkeit. Auf schnellen Jumptrails mit großen Kickern fühlt man sich ebenfalls wohl – leider mussten wir feststellen, dass die Whips von Bernard Kerr nicht mitgeliefert wurden. Wer aber auf der Suche nach den letzten Sekunden ist oder in eine neue Dimension von Geschwindigkeit vordringen möchte, der sollte sich über ein Pivot Phoenix DH Gedanken machen.

Stärken

  • Handling
  • Kinematik
  • Laufruhe

Schwächen

  • Preis
Ganz schön viel Fahrrad: Das Pivot Phoenix DH ist ein waschechtes Racebike für die härtesten Rennstrecken der Welt
# Ganz schön viel Fahrrad: Das Pivot Phoenix DH ist ein waschechtes Racebike für die härtesten Rennstrecken der Welt - mit entsprechender Fahrtechnik kann es aber auch im Bike Park viel Freude bereiten!

Testablauf

Das Pivot Phoenix DH wurde in unterschiedlichem Terrain bewegt – unter anderem auf unseren Hometrails, in Bad Wildbad, in Todtnau und in Whistler. Um das Optimum aus dem Fahrwerk und somit dem Pivot Phoenix heraus zu holen, haben wir fast jede erdenkliche Fahrwerkseinstellungen sowie verschiedene Dämpfer ausprobiert.

Hier haben wir das Pivot Phoenix DH getestet:

  • Sprunglastiger lokaler Spot
  • Odenwald
  • Bad Wildbad
  • Todtnau
Testerprofil zum Ausklappen

  • Testername: Jonathan Kopetzky
  • Körpergröße: 175 cm
  • Gewicht (fahrfertig): 70 kg
  • Schrittlänge: 79 cm
  • Armlänge: 41 cm
  • Oberkörperlänge: 49 cm
  • Fahrstil: Aggressiv und verspielt
  • Was fahre ich hauptsächlich: Harte und schnell DH Strecken, gerne auch mit Sprüngen, aber auch Trail und Dirt, eigentlich alles Hauptsache Rad dabei
  • Vorlieben beim Fahrwerk: straff, viel Dämpfung und eher langsame Zugstufe
  • Vorlieben bei der Geometrie: langes Oberrohr, Hinterbau je nach Einsatzgebiet


Weitere Informationen

Webseite: www.pivotcycles.com
Text & Redaktion: Jonathan Kopetzky, Jens Staudt, Chris Spath | MTB-News.de 2017
Bilder: Jens Staudt




Die neuesten Kommentare
  1. benutzerbild

    evil_rider

    dabei seit 01/2002

    vinz176
    Ist doch dran;)
    nicht an dem getesteten bike... in serie ist aber kein schrott an schaltkomponenten dran, zum glück!
  2. benutzerbild

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  3. benutzerbild

    vinz176

    dabei seit 01/2013

    Fufi7
    Normal schon, aber im test ganz unten bei Haltbarkeit, schrieb er, dass spannschraube des sram schaltwerks gebrochen ist.

    Ich hatte am norco auch das problem mit dem stam schaltwerk. Und kenn 3 weitere. Weiss nicht was sich sram dabei gedacht hat an nem dh Schaltwerk so schwache teile zu verbauen!! Klar wegen leicht, aber wege dem schräubchen?! Sonst hats nämlich super funktioniert. Aber ich bleib deswegen jetzt auch bei shimano. Ist auch billiger, schaltwerke beim dh ersetzt man öfters als bei anderen bikes.
    Das kenn ich auch, ist bei mir mehr als 1mal pasiert. Hab glaub 3 von diesen sets bestellt https://www.bike-components.de/de/S...en-Kit-T25-fuer-XX1-X01-X1-Schaltwerk-p39803/ Ich bleib aber trotzdem bei sram, hab eine nicht begründbare abneigung gegen shimano obwohl ich weis das die teile von denen mindestens genauso gut sind wie die von sram:confused:.
  4. benutzerbild

    vinz176

    dabei seit 01/2013

    evil_rider
    nicht an dem getesteten bike... in serie ist aber kein schrott an schaltkomponenten dran, zum glück!
    stimmt das hab ich überlesen;)
  5. benutzerbild

    Ghostrider7.5k

    dabei seit 06/2012

    vinz176
    Das kenn ich auch, ist bei mir mehr als 1mal pasiert. Hab glaub 3 von diesen sets bestellt https://www.bike-components.de/de/S...en-Kit-T25-fuer-XX1-X01-X1-Schaltwerk-p39803/ Ich bleib aber trotzdem bei sram, hab eine nicht begründbare abneigung gegen shimano obwohl ich weis das die teile von denen mindestens genauso gut sind wie die von sram:confused:.
    Musst Du ja auch nicht, da das ein Hobby ist. Da kann man ruhigen Gewissens mehr Geld für weniger Qualität ausgeben und es trotzdem toll finden. :aetsch:
  6. benutzerbild

    vinz176

    dabei seit 01/2013

    Ghostrider7.5k
    Musst Du ja auch nicht, da das ein Hobby ist. Da kann man ruhigen Gewissens mehr Geld für weniger Qualität ausgeben und es trotzdem toll finden. :aetsch:
    :daumen: :lol: Naja ich mag ja eigendlich nur die schaltungen vom sram konzern. Beim rest weich ich grad auf andere Hersteller aus:).

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