Aktuelle Entwicklungen in der Hardtail-Geometrie: Flacher Lenkwinkel & Co

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Hallo

Ich hab hier im Forum seit geraumer Zeit wertvolle Hilfe auf der Suche nach einem neuen Hardtail erhalten und bin grad an einem Punkt, der andere vielleicht auch interessiert:
Ich versuche mal zusammen zu fassen wie ich die aktuelle Entwicklung der Bikes wahrnehme:

  • Gewicht verliert etwas an Bedeutung, Geometrie zählt immer mehr →
  • u.a. wird der Sitzwinkel steiler, Lenkwinkel flacher
  • Die Bikes sollen nicht nur schnell, sondern auch a) bequemer und b) abfahrts-tauglicher werden
Korrigiert mich gern wenn ich da falsch liege. Die Entwicklung spricht mich grundsätzlich sehr an. Nun hab ich ein spannendes Bike im Auge dessen Lenkwinkel mit 71° allerdings noch recht steil ist und frage mich, wie viel der Faktor in Realität wirklich ausmacht.

Theorie ist klar:
Mehr Laufruhe, Hindernisse werden besser geschluckt. Dafür etwas weniger Wendigkeit.

Ist das in der Praxis sehr relevant oder wird das Thema aktuell etwas arg strapaziert? Hat ein steiler Lenkwinkel vielleicht auch Vorteile?

Danke für eure Einschätzungen!
 

Geisterfahrer

ab und zu da
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Was willst Du denn damit fahren? Davon hängt's in erster Linie ab und davon, welche Vorlieben man bezüglich Fahreigenschaften hat.

Und natürlich ist jede Rahmengeometrie immer ein Kompromiss. Wenn man einen Faktor ändert, dann hat das positive und negative Auswirkungen.

Ein steilerer Lenkwinkel macht ein Rad wendiger. Will man möglichst schnell in der Ebene um irgendwelche kurz nach einander folgenden Hindernisse zirkeln, ist man damit besser bedient.
 

McDreck

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etwas weniger Wendigkeit
Der Begriff wird stark unterschiedlich interpretiert, aber grundsätzlich macht ein flacherer Lenkwinkel ein Rad nicht wendiger. Es macht es aber auch nicht wirklich unwendiger. Zumindest bin ich bis jetzt noch um jede Kurve rumgekommen. Kommt halt drauf an.

Grundsätzlich spielt der flache Lenkwinkel seine Stärken in steilen Abfahrten aus. Überall sonst ist der Lenkwinkel nicht so entscheidend.
 

Schnegge

Hardtailschluchtenwürfler
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In 'nem anderen Thread hast du geschrieben, dass du ein 2014er Stumpjumper FSR Comp Evo fährst und mit dem Neuen über die Alpen willst. Das alte hat 'nen LW von 67.5. Das Hardtail mit 71° wird im SAG dann wohl irgendwo bei 72° liegen. Den Unterscheid wirst du vor allem bergab auf dem Trail merken.
 
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In 'nem anderen Thread hast du geschrieben, dass du ein 2014er Stumpjumper FSR Comp Evo fährst und mit dem Neuen über die Alpen willst. Das alte hat 'nen LW von 67.5. Das Hardtail mit 71° wird im SAG dann wohl irgendwo bei 72° liegen. Den Unterscheid wirst du vor allem bergab auf dem Trail merken.
Konnte mal mein Stumpy mit Chamber und Epic direkt vergleichen. War unglaublich wie viel die Geometrie in puncto vorwärtstrieb da ausmacht. Von daher nehme ich im Uphill gern Abstand vom Stumpy. Aber der Lenkwinkel dürfte da ja nicht ausschlaggebend sein. Find ich ein extrem interessantes Thema
 

trialsrookie

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71°? Echt? Wo gibt's sowas noch... mein Bike von '99 hatte zuletzt sowas.

Ich bin kürzlich von einem 67er LW 26" HT auf eines mit 65°, 29" umgestiegen. Damit kann ich es nicht 1:1 vergleichen, aber ich würde sagen: Der flachere LW gibt bergab etwas mehr Sicherheit, aber es ist jetzt nicht night&day ... kommt wie gesagt darauf an, wo/was du fährst. Steiler als 67 würde ich aber nicht gehen, da seh ich eigentlich nur Nachteile und keine Vorteile (Ausnahme: nur Forststraße - Gravelbike?).

Das richtige Aha-Erlebnis kommt beim Uphill: durch den steilen Sitzwinkel fährt sich das Bike deutlich angenehmer und effizienter bergauf.

Weniger Wendigkeit bemerke ich am Trail nicht wirklich. Bin ehrlich gesagt ziemlich verblüfft, wie positiv sich die moderne Geo auswirkt. Aber um wieder auf den LW zurückzukommen... von moderner Geo kann bei 71° nicht die Rede sein :confused:
 

Edith L.

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Überall wo es enger, winkliger und eckiger wird, also auch lenken gefragt ist, sind steilerer LW von Vorteil. Z. B. Wenn man um die engstehenden Buchenstangen rum muss. Also so der typische Trampelpfad im nächsten Wald hinterm Dorf, verlangt das schon. Wer aber nur abwärts gerichtete und flowige Trails fährt, womöglich noch im Park, wird das nicht bemerken oder brauchen.
Bei den XC-Hardtail scheint sich daher eine Grenze bei 68 Grad einzuziehen. Ansonsten wird die Kiste zu träge und zu lang.
 
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von moderner Geo kann bei 71° nicht die Rede sein
Mal ganz blöd gefragt: Warum haben Konstrukteure nicht schon früher auf flachere Lenkwinkel gesetzt?
Beim steileren Sitzwinkel scheint mir das Argument einleuchtend, dass man jetzt mehr Freiheit hat weil keine Umwerfer mehr verbaut werden. Aber ganz klar ist mir das auch nicht. Schon gar nicht bei 26“.
 

Darth Happy

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Mal ganz blöd gefragt: Warum haben Konstrukteure nicht schon früher auf flachere Lenkwinkel gesetzt?
Beim steileren Sitzwinkel scheint mir das Argument einleuchtend, dass man jetzt mehr Freiheit hat weil keine Umwerfer mehr verbaut werden. Aber ganz klar ist mir das auch nicht. Schon gar nicht bei 26“.

Umwerfer geht immer, wenn man nur will :D
Früher war ja ein kürzerer Reach plus dementsprechend längerem Vorbau in Mode. Das hätte sich mit flachem Lenkwinkel wahrscheinlich komisch gefahren, glaube ich.
Es gab auch früher bei Freeride Hardtails sehr flache und heute noch "moderne" Lenkwinkel, aber damals trotzdem mit kurzem Vorbau (plus kurzer Reach :D).
Meine alten Touren-Bikes mit steilerem Lenkwinkel (68-69 Grad) lassen sich in der Ebene leichter auf sehr engem Raum rumwuchten, also z. B. im Stand das Hinterrad versetzen als mein Baller-Hardtail, ein Dartmoor Hornet mit knapp unter 65 Grad. Das Teil ist aber noch dazu auch ein Stück länger und wiegt mehr. Trialbikes haben ja auch nicht ohne Grund keinen Downhiller-Lenkwinkel, aber dementsprechend wird es mit nem Trial bergab sehr... abenteuerlich :D
Ok, das Hornet rückt gefühlt langsam auch Richtung Trial mit seinen moderaten Winkeln und Längen :lol:
Aber es ist zu meinem alten XC-Hardtail sehr extrem. Im Steilen hat man es mit dem Hornet wiederum leichter, das Hinterrad im Stand zu versetzen.
 
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Mal ganz blöd gefragt: Warum haben Konstrukteure nicht schon früher auf flachere Lenkwinkel gesetzt?
Die einen Rahmenbauer kamen vom Klunker (Schwinn Cruiser), die anderen vom Rennrad. Am Rennrad war schneller Spurwechsel das Maß der Dinge, und die flacheren Lenkwinkel der Klunker gingen mit dem flachen Sitzwinkel für Strecke Fahren nicht gut zusammen - das war sehr unausgewogen.
Lies dich mal in die Historie des MTB ein, wenn es dich interessiert.

Als ich 1992 mein erstes MTB kaufte, waren die Lenkwinkel über 71 Grad und der Reach für 130-150mm Vorbauten bzw diese integrierten Vorbau-Riserlenker ausgelegt. Und diese Geo war auch um 2010 noch üblich.
Mein 29er aus 2011 hat immer noch so 70 Grad Lenkwinkel, für den Stadtverkehr ganz praktisch oder ne längere Radwegrunde - aber die Umgewöhnung von meinem anderen Hardtail mit 64 Grad Lenkwinkel ist jedesmal komisch. Beide sind kurz.
 

Greyfur

Brotgott
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Imo finde ich flache Lenkwinkel beim HT relativ nice. Vor allem bei der Abfahrt muss ja Druck aufs Vorderrad, und genau da finde ich ist ein flacher Lenkwinkel und ein kurzer Vorbau von Vorteil, da geht man nicht so schnell über den Lenker.

Ich selber fahre 63° LW am Vorderrad und empfinde das als wirklich nice, auch wenn das Bike eher auf 'touren' getrimmt ist.

Auf die alten Geometrien würde ich nicht wirklich zurückwollen.

Aber das ist alles subjektiv.
 
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Bei den XC-Hardtail scheint sich daher eine Grenze bei 68 Grad einzuziehen
Da halte ich dagegen. Die werden noch flacher. Das BMC hat ja schon 67. Und beim XC Weltcup fahren die nun wirklich teilweise verwinkelte Kurse und meistern das ohne Probleme.
Ich selber fahre das Procaliber mit 68,8 und das epic evo mit 66,5. War am Anfang sehr skeptisch, ob das beim epic nicht zu flach ist.
Am Ende der ersten Tour mit dem epic hatte ich dann nur noch ein Grinsen im Gesicht und habe mich gleich nach XC HTs mit flacherem LW umgeschaut.

Ich persönlich sehe mittlerweile bei den flachen LW eigentlich nur noch Vorteile.
 

McDreck

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Ich persönlich sehe mittlerweile bei den flachen LW eigentlich nur noch Vorteile.
Sagen wir das mal so: wer nicht im engen Peloton um Plätze kämpfen muss hat durch den flachen Lenkwinkel auch Überland keine Nachteile.

Mir persönlich macht der breite Lenker im Alltag mehr Probleme. Schon allein beim Gang durch den Keller, aber auch bei der Fahrt durch verwachsene Trampelpfade.
 
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Mir persönlich macht der breite Lenker
War bei der Vorstellung der xc Bikes auf MTB news überrascht, wie "schmal" die Lenker der Profis sind. Schurter fährt nur mit 680. Ich glaube, dass der von Avancini mit 730 schon der breiteste war.
Beim HT habe ich jetzt 740, überlege aber noch auf 720 zu kürzen.
Das evo wird im Moment mehr als Trailbike genutzt. Fahre da 760. Und die bleiben auch. Viel breiter kann ich mir nicht vorstellen.
 
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Finde ja Lenkerbreite müsste mit der Rahmengröße leicht variieren - scheint so aber nicht üblich zu sein 🤔. Mir sind jedenfalls mit meinen 172 die 760 meines Trailbike mehr als breit genug
71°? Echt? Wo gibt's sowas noch... mein Bike von '99 hatte zuletzt sowas.
Hier zum Beispiel:
 

trialsrookie

Stützradfahrer
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Finde ja Lenkerbreite müsste mit der Rahmengröße leicht variieren - scheint so aber nicht üblich zu sein 🤔. Mir sind jedenfalls mit meinen 172 die 760 meines Trailbike mehr als breit genug

Hier zum Beispiel:
Ist das das "spannende Bike" in deinem Ausgangspost? Irgendwas passt da für mich nicht zusammen... Die Entwicklung bzw. die Punkte, die du anführst, stimmen alle soweit ... dazu passt dann das Marathon/Racebike aber überhaupt nicht. Auch wenn sich die Entwicklung langsam auf CC Bikes auswirkt, so wie bereits über mir angeführt, so trifft das nicht auf das KTM zu :)
 
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Mal ganz blöd gefragt: Warum haben Konstrukteure nicht schon früher auf flachere Lenkwinkel gesetzt?
Beim steileren Sitzwinkel scheint mir das Argument einleuchtend, dass man jetzt mehr Freiheit hat weil keine Umwerfer mehr verbaut werden. Aber ganz klar ist mir das auch nicht. Schon gar nicht bei 26“.
Das ist wirklich eine gute Frage.
Ich glaube, die Hersteller haben uns nicht ernst genommen und zu wenig Entwicklung .
Ich fahre seit 1992 immer Räder mit einer Oberrohrlänge von um 600mm und kümmer mich nicht um den Rest.
Wenn ich noch daran denke, wie durch die steilen Sattelstreben die Stöße vom rauen Untergrund über das Hinterrad direkt in den Hintern geleitet wurden...
Nacken und Schultern schmerzten durch die gestreckte Haltung, weil man ja durch die miese Geo und das miese Fahrwerk keine steilen Anstiege hochkam....
Heute ist es einfach lässig, macht unendlichen Spass mit einem AllMountain Hardtail auch weite Strecken zu cruisen, Landschaft geniessen, Trails ballern.
Ich bin für die technische Entwicklung dankbar, liebe breite Lenker, meine 130er Gabeln, es ist einfach toll.
Bin mal gespannt, was noch kommt.
Übrgens habe ich noch ein 26er mit einer älteren Geo, wird im Flachen bewegt, so zu sagen als Gravel Bike, passt.
Ich bin im MTB Himmel.
 
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